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Campus der Dornen
Campus der Dornen
Auteur: Mariana

Kapitel 1: Der Name, den sie hinterlassen hat

Auteur: Mariana
last update Date de publication: 2026-11-02 08:22:33

Der Beton war kalt.

Das war das erste, was immer wieder kam.

Kalt gegen ihre Schultern. Kalt gegen die Rückseite ihrer Oberschenkel. Die Art von Kälte, die in die Knochen sank und dort blieb. Ein helles Rechteck aus Licht schwebte zu nah an ihrem Gesicht - Telefonbildschirm, Kamera, Aufnahme. Stimmen trieben über ihr, leise und amüsiert, als ob das etwas wäre, was sie schon einmal getan hätten. Als wäre sie nichts weiter als zufrieden.

Sie konnte sich nicht bewegen.

Konnte sich nicht bedecken.

Konnte den Verschlusston nicht stoppen.

Ein sanftes Klicken. Ein anderer. Jemand lachte leise und sagte ihr, sie solle in die Kamera schauen.

Ihre eigene Stimme kam gebrochen, klein, nutzlos heraus.

Dann wurde das Licht heller -

Maya wachte mit einem heftigen Keuchen auf.

Ihr Schlafzimmer war dunkel, bis auf das dünne graue Licht, das durch die Vorhänge sickerte. Sweat klebte ihr Tanktop an ihrem Rücken. Ihr Herz schlug so laut, dass sie es in ihren Zähnen spüren konnte. Drei volle Sekunden lang spürte sie immer noch den Beton unter ihrer Haut.

Dann filterte die reale Welt ein.

Vertraute Decke. Vertraute Poster, die sie nicht entfernt hatte. Der schwache Geruch des Kaffees ihrer Mutter, der bereits unten gebrüht wird.

Ein Traum.

Nur ein Traum.

Außer, dass es nicht so war.

Die Schlafzimmertür öffnete sich ohne zu klopfen.

„Elena.“

Die Stimme ihrer Mutter war sanft, aber fest, so wie es immer wurde, wenn sie versuchte, nicht zu zeigen, wie müde sie war. Sie stand in ihrer Arbeitsuniform in der Tür, die Haare zurückgezogen, die Augen weich mit etwas, das sehr nach Trauer aussah.

"Es ist Zeit", sagte ihre Mutter. "Heute ist der Tag."

Elena - nein.

Nicht mehr Elena.

Sie setzte sich langsam auf und schob sich schweißnasses Haar aus dem Gesicht. Ihre Hände zitterten immer noch.

Ihre Mutter ging durch den Raum und setzte sich auf den Rand der Matratze. Sie streckte die Hand aus und bürstete eine Haarsträhne hinter das Ohr ihrer Tochter, so wie sie es gewohnt war, als sie klein war.

„Hör mir zu“, sagte sie leise. „Von dem Moment an, in dem du aus dieser Tür gehst, heißt du Maya. Maya Torres. Das steht in den Zeitungen. Das ist es, was die Schule weiß. Das bist du jetzt.“

Mayas Kehle fühlte sich eng an.

„Ich weiß nicht, ob ich...“

"Du kannst." Die Stimme ihrer Mutter wurde gerade schärfer genug. "Du musst. Die Ravenwood Academy ist eine zweite Chance. Stipendium. Privater Campus. Neuer Zustand. Niemand dort weiß, was passiert ist. Niemand dort hat einen Grund, nach Elena Reyes zu suchen. Verstehst du mich?"

Maya nickte einmal.

Ihre Mutter umklammerte ihr Gesicht mit beiden Händen und zwang sie, ihre Augen zu treffen.

„Du hältst deinen Kopf gesenkt. Du lernst. Du machst deinen Abschluss. Und du schaust nie zurück. Versprich es mir."

"Ich verspreche es."

Die Worte schmeckten wie Asche.

Eine Stunde später saß sie auf dem Beifahrersitz der alten Limousine ihrer Mutter, einen Seesack zu ihren Füßen, Transferpapiere in einem Ordner auf dem Schoß. Die Fahrt nach Ravenwood dauerte vierzig Minuten. Keiner von ihnen sprach viel. Ihre Mutter hielt die meiste Zeit der Reise eine Hand am Lenkrad und die andere fest um Mayas, als hätte sie Angst, dass ihre Tochter verschwinden könnte, wenn sie loslassen würde.

Als sie zu den Eisentoren fuhren, drehte sich Mayas Magen.

Die Ravenwood Academy sah aus wie Geld. Alte Steingebäude. Perfekt geschnittene Rasenflächen. Studenten in teuren Uniformen gehen herum, als hätten sie noch nie in ihrem Leben vor etwas Angst gehabt.

Ihre Mutter parkte auf dem Besucherpark und wandte sich ein letztes Mal an sie.

"Du schreibst mir jeden Abend", sagte sie. "Auch wenn es nur ein Wort ist. Und wenn sich etwas nicht stimmt - irgendetwas - ruf mich an. Ich hole dich ab. Keine Fragen.“

Maya nickte erneut, obwohl sie beide wussten, dass es eine Lüge war. Es gab kein Zurück mehr. Die letzte Schule hatte das deutlich gemacht.

Sie sties aus dem Auto.

Die Tore schlossen sich hinter ihr mit einem leisen elektronischen Summen.

Das Büro des Beraters bestand aus poliertem Holz und leiser Stimme. Sie gaben ihr eine Schlüsselkarte, einen Zeitplan und eine Karte. Zimmer 314 im Seniorenwohnheim. Privat. Das war die einzig gute Nachricht.

Als sie zum ersten Mal die Cafeteria betrat, war der Mittagsrausch in vollem Gange.

Sie hielt ihre Augen nach unten. Ich habe einen Tisch in der Nähe des Notausgangs gefunden. Saß mit dem Rücken zur Wand, wie der Therapeut es ihr beigebracht hatte.

Sie dauerte vier Minuten.

Eine plötzliche Stille bewegte sich durch den Raum.

Er saß am Mitteltisch - dunkles Haar, scharfer Kiefer, die Art von Gesicht, die auf eine Rekrutierungsbroschüre gehörte, bis man bemerkte, wie kalt die Augen waren. Alexander Tal. Sie hatte den Namen im Büro mitbekommen. Goldener Junge. Unberührbar. Der Grund, warum die Hälfte der Senioren ihn entweder wollte oder ihn fürchtete.

Er starrte sie direkt an.

Keine Neugier.

Bewertung.

Er stand auf. Die beiden Jungen, die ihn flankierten, standen bei ihm. Die gesamte Cafeteria sah zu, wie er auf ihren Tisch zuging, als hätte er die ganze Zeit der Welt gehabt.

Er blieb neben ihrem Stuhl stehen.

"Du bist auf meinem Platz."

Seine Stimme war leise. Ruhig. Fast höflich.

Maya blickte auf. "Ich habe keinen Namen darauf gesehen."

Ein Mundwinkel zuckte. Kein Lächeln. Etwas Schärferes.

"Alles in diesem Gebäude hat meinen Namen drauf, wenn ich das will." Er beugte sich gerade so weit vor, dass nur sie die nächsten Worte hören konnte. "Einschließlich dir, wenn ich entscheide, dass du interessant genug bist."

Hitze überflutete ihr Gesicht - Wut, nicht Verlegenheit.

"Ich bin nicht interessiert."

Die Stille um sie herum vertiefte sich.

Alexanders Augen wanderten über ihr Gesicht, langsam und katalogisiert. Die schwache Narbe in der Nähe ihrer linken Augenbraue. Die Art und Weise, wie sie ihre Schultern zu festhielt. Die Art und Weise, wie sie sich weigerte, zuerst wegzusehen.

"Name", sagte er, diesmal lauter. Für das Publikum.

Sie hätte fast Elena gesagt.

Der alte Name brannte ihr auf der Zunge.

„Maya“, sagte sie stattdessen.

„Maya.“ Er schmeckte das Wort, als gehöre es ihm bereits. "Willkommen in Ravenwood."

Er streckte die Hand nach unten, hob den Apfel aus ihrem unberührten Tablett auf und nahm einen bewussten Bissen. Juice lief seinen Daumen hinunter. Er hat es nicht weggewischt.

"Du sitzt auf meinem Platz", sagte er noch einmal. "Beweg dich."

Sie stand auf. Langsam. Kontrolliert. Sie würde ihm nicht die Befriedigung geben, sie zittern zu sehen.

Als sie an ihm vorbeitrat, sprach er noch einmal, nur für sie.

„Ich weiß, warum du versetzt hast, Maya.“

Die Worte landeten wie eine Faust auf der Brust.

Sie ging weiter. Zwanzig Schritte zum Ausgang. Fünfzehn. Zehn.

Sie schob sich durch die Doppeltüren in den leeren Flur und hörte nicht auf, bis sie das Badezimmer im zweiten Stock erreichte. Sie schloss sich in einem Stall ein, drückte ihren Rücken gegen das kalte Metall und versuchte sich daran zu erinnern, wie man atmet.

Er konnte es nicht wissen.

Niemand hier sollte es wissen.

Ihr Telefon vibrierte.

Unbekannte Nummer.

**Ich weiß, was sie getan haben. **

Vier Worte.

Sie löschte es mit zitternden Fingern.

Der Rest des Tages verging in einem Dunst neuer Klassenzimmer und zuschauender Augen. Als die letzte Glocke läutete, waren ihre Nerven roh.

Das Seniorenwohnheim befand sich auf der Ostseite des Campus. Zimmer 314. Privat. Eine Tür, die verschlossen war.

Sie kletterte die Treppe hinauf, den Schlüssel bereits in der Hand.

Die Tür war unverschlossen.

Sie hörte kalt auf.

Sie hatte es an diesem Morgen abgeschlossen. Sie war sich sicher.

Langsam stieß sie es auf.

Zuerst sah alles gleich aus - Bett gemacht, Seesack noch halb ausgepackt, die billige Schreibtischlampe aus dem Campus-Laden.

Dann sah sie den einzelnen weißen Umschlag in der Mitte ihres Kissens.

Kein Stempel. Keine Adresse. Nur ihr neuer Name in scharfer schwarzer Tinte geschrieben.

Maya.

Sie schloss die Tür, schloss sie ab und hob den Umschlag mit Fingern auf, die sich nicht mehr wie ihre eigenen anfühlten.

Im Inneren befand sich ein einzelnes Foto.

Ihr Atem verließ ihren Körper.

Sie war es. Vor drei Wochen. Allein über den leeren Parkplatz hinter dem alten Fitnessstudio gehen - derselbe Parkplatz aus dem Albtraum, der sie immer noch im Dunkeln weckte. Der Zeitstempel in der Ecke war von zwei Tagen, bevor die Transferpapiere fertiggestellt waren.

Jemand hatte sie schon damals beobachtet.

Auf der Rückseite des Fotos, in der gleichen schwarzen Tinte geschrieben:

Er ist nicht der Einzige, der es weiß.

Willkommen in Ravenwood.

Maya sank auf die Bettkante, das Foto zitterte in ihren Händen.

Vor ihrem Fenster flackerten die Lichter des Campus nach und nach, als sich der Abend über der Ravenwood Academy niederließ.

Irgendwo auf der anderen Seite des Gebäudes schloss sich eine Tür. Weich. Absichtlich.

Sie war nicht allein.

Und der Junge, der sie in der Cafeteria beansprucht hatte, war nur der Anfang.

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