LOGINRavens Perspektive
Die Kälte im Raum wurde intensiver, die Augenbinde wurde mir wieder aufgesetzt, aber sie hatten uns die Knebel aus dem Mund genommen – der einzige Gnadenakt, den sie uns heute erwiesen hatten. Die Stille im Raum war beißend; das Einzige, was ich hören konnte, war Lunas Atemgeräusch.
Es war schwer und trocken auf eine Art, die schmerzhaft wirkte.
„Es tut mir leid", murmelte ich schließlich, meine rissige Stimme durchbrach die Stille, und sie stieß einen lauten Schrei aus.
„Mein Gott, du hast mich erschreckt." Sie sog noch einmal tief und geräuschvoll Luft ein. „Wofür entschuldigst du dich?"
„Ich hätte dich niemals hier hineinziehen dürfen", gestand ich, den Kopf gesenkt. Vielleicht bin ich dankbar dafür, dass unsere Augen bedeckt sind; ich glaube nicht, dass ich den Mut hätte, ihr in die Augen zu sehen. „Du hattest recht, unser Plan war dumm, und trotzdem habe ich darauf bestanden, hierherzukommen."
Sie kicherte.
Und mein Kopf schnellte hoch. Was um alles in der Welt ist daran gerade so lustig?
„Wir sind Freundinnen." Sie erinnerte mich daran. „Egal wie sehr ich versucht hätte, dich zu überzeugen – du hättest es sowieso getan. Ich wollte dich einfach nicht allein lassen."
„Was werden deine Eltern tun?"
„Ich versuche so sehr, nicht an sie zu denken." Sie gesteht es, mit einem zerbrechlichen Unterton in ihrer Stimme. „Aber solange wir zusammen sind, wird alles gut werden."
Ich biss die Zähne zusammen; es war unfair, dass ich sie in dieses Chaos hineingezogen hatte, und obwohl sie sehr verängstigt war, war sie nicht wütend auf mich.
„Ich verspreche dir, ich werde dafür sorgen, dass dir nichts passiert."
Am Ende des Tages war meine Kehle ausgetrocknet, und ich konnte kaum sprechen. Ich schlief ein paarmal ein. An diesem Ort kann man nicht einmal sagen, wie spät es ist, und ob die vierundzwanzig Stunden noch nicht abgelaufen sind.
Plötzlich spürte ich, wie mich jemand anstupste, und ein Keuchen entfuhr mir, als ich spürte, wie mich eine Hand packte.
„Warte, nein… bitte warte." Ich wurde vom Stuhl gezerrt. Ich konnte hören, wie Luna ebenfalls schrie, und es machte mich rasend, dass ich nicht einmal etwas sehen konnte.
„Lass sie in Ruhe!" Ich schrie und wehrte mich heftig gegen die Männer, die mich nun packten. „Luna! Luna, kannst du mich hören?"
„Bitte hört auf." Ich hörte sie wieder weinen.
Mein Herz hämmerte heftig gegen meinen Brustkorb, und ich wehrte mich verzweifelt, um zu ihr hinüberzugelangen, aber ich war ihrer Stärke nicht gewachsen. Ich strampelte und trat um mich, aber sie bewegten mich, als wäre ich ein gewichtloses Stück Müll.
Sie trugen mich eine Weile; es gab keine Möglichkeit für mich zu erkennen, wohin ich geschleppt wurde, also zählte ich ihre Schritte. So sehr ich mich auch konzentrierte, bei 200 Schritten verlor ich den Überblick.
Mein Körper zitterte, als ich zu Boden geworfen wurde. Ich bereitete mich etwas zu spät auf den Aufprall vor und stürzte hart.
„Uh!" Ein schmerzvolles Stöhnen entfuhr mir.
Die Luft war von Zigarettenrauch geschwängert, und die Bewegungen im Raum waren hektisch. Das Pochen meines eigenen Herzens machte es mir unmöglich, mich auf irgendein Geräusch zu konzentrieren. Meine Arme waren noch immer gefesselt, ich richtete mich auf die Knie auf, meine Brust hob und senkte sich, mein Kopf fuhr hin und her, um meiner Umgebung einen Sinn zu geben. Ich keuchte, als ich jemanden laut stöhnen hörte, gefolgt von einer Reihe von stampfenden Geräuschen.
Hart und schwer.
„Nimm das!"
„Ugh!"
Wumm.
„Ugh!"
Wumm.
„Argh!"
Sie verprügelten jemanden.
„Luna?" Ich rief misstrauisch, aber die grunzende Stimme klang nicht weiblich. Ich starrte angestrengt in die Richtung des Lärms und hoffte, dass es irgendeinen Weg gab, etwas zu sehen.
Eine Gestalt, eine Form, eine Silhouette – irgendetwas.
Ich sah nichts außer dem schwachen orangefarbenen Schimmer, der durch die Augenbinde sickerte; er stammte wahrscheinlich von den Lichtern im Raum.
Die Augenbinde wurde mir plötzlich von den Augen gerissen, und das helle Licht im Raum tat weh.
„Argh!" Meine Augen huschten sofort in Richtung des dumpfen Klangs, den ich die ganze Zeit gehört hatte. Es war ein Mann, der ebenfalls ein schwarzes Tuch über dem Kopf trug. Meine Augen schweiften umher und suchten nach meiner Freundin, aber sie war nicht hier.
Plötzlich hielten die Männer mit ihrem Stampfen inne, und alle anderen Bewegungen im Raum erstarrten. Sie standen stramm, mit leicht gesenktem Kopf, und blickten in die Richtung, aus der wir gekommen waren.
„Suchst du etwas, Süße?" Jede einzelne Zelle meines Körpers gefror, als ich seine tiefe, kalte und bedrohliche Stimme hinter mir hörte, und danach näherten sich mir die schweren Geräusche seiner Stiefel – ich verharrte in meiner Position, ohne mich auch nur umzudrehen.
Mein Körper spürt die Gefahr und reagiert darauf.
Gänsehaut überzog meine Haut.
Ich hätte einfach weglaufen und mich vor diesem Schrecken retten sollen. Was hatte es für einen Sinn, versucht zu haben, ein Superheld zu sein, wenn ich auf so beschämende Weise gefangen werden würde? Ich hatte nichts mehr zu verlieren; ich hatte bereits meinen Job verloren, ich war im Begriff, mein Haus zu verlieren, und jetzt – muss es wirklich damit enden, dass ich auch noch mein Leben verliere?
Und dabei ziehe ich auch noch die unschuldige Luna in das Chaos meiner Familie hinein?
„Wo ist meine Freundin?" fragte ich besorgt. „Was haben Sie ihr angetan?"
„Du stellst mir keine Forderungen, Mädchen – du bittest", vertiefte sich die Intensität in seiner Stimme. „Der einzige Grund, warum du noch am Leben bist, ist, dass ich es so entscheide."
„Sie hat nichts damit zu tun, das schwöre ich." Ich redete weiter. „Das ist alles meine Schuld; ich habe sie da hineingezogen. Es ist mir egal, was Sie mit mir machen, aber bitte lassen Sie sie gehen."
„Ich habe zwei Ratten erwischt, die sich unter meiner Nase eingeschlichen haben, und du willst, dass ich eine von ihnen gehen lasse."
Mein Atem zitterte. Was soll ich diesem Monster noch sagen? Tränen stiegen mir in die Augen.
„Luna ist ein guter Mensch", begann ich, den Kopf gesenkt. „Bitte töten Sie nicht meine beste Freundin; sie hat eine wundervolle Familie, und sie waren immer gut zu mir. Ich kann es ihnen nicht so zurückzahlen. Ich werde meinen Bruder finden, wenn das ist, was Sie wollen."
„Dafür wird es keinen Bedarf geben." Die Geräusche seiner Stiefel setzten sich wieder fort, und die schlanken schwarzen Schuhe gerieten in mein Blickfeld. Ich schluckte, sah ihn aber nicht an. „In dem Moment, als wir erwähnten, dass wir dich haben, tauchte der kleine Frechdachs weinend auf. Dort drüben."
Er deutete auf den Mann, den seine Männer in der Ecke verprügelt hatten. Einer der Männer, die für die Misshandlung des Mannes zuständig waren, zerrte ihn hoch, und das schwarze Tuch über seinem Kopf wurde heruntergezogen.
Meine Augen weiteten sich, und in diesem Moment gewannen meine Beine plötzlich neue Kraft. Ich sprang blitzschnell auf und rannte auf ihn zu.
„Chase!"
Ravens Perspektive„Hey, ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte Bonita neugierig, als ich hastig zurück in die Küche eilte.Giacinta war inzwischen nicht mehr da. Sie war zum Markt gegangen, sodass nur noch Bonita in der Küche war. Sie musste bemerkt haben, wie blass ich aussah, denn sie half mir sofort, mich neben die große Kücheninsel zu setzen.„Ich wollte gerade nach dir suchen“, sagte sie und ließ sich neben mir nieder. „Aber Sir Falco war im Haus, also musste ich mich von ihm fernhalten.“Falco.Ja. Das war der Bastard, der mich angefasst hatte. Der Mann, der mir höllische Angst eingejagt hatte.Und er war derselbe Mann, den Luna und ich hatten entführen wollen.Ich hatte keinen Zweifel daran, dass er mich ohne mit der Wimper zu zucken getötet hätte, wenn ich an diesem Tag statt Ciro auf ihn getroffen wäre.„Ich hole dir etwas zu trinken.“„Nein.“ Ich packte schnell ihre Hand und zog sie zurück. „Bleib einfach bei mir.“„Der Boss ist zurückgekommen“, sagte sie und riss überrasch
Ciros Sicht„Komm schon, Bruder.“Falcos tiefes Lachen drang durch den Raum, während sich seine kräftigen Finger noch fester um Ravens Kiefer schlossen und ihr Gesicht nach oben zwangen. Der Druck ließ die Haut unter seinem Griff weiß werden. Etwas Tiefes und Unheilvolles zog sich in meinem Magen zusammen, sobald ich sah, wie er meine Maid behandelte – als wäre sie nichts weiter als ein Spielzeug, das er zum Spaß zerbrechen konnte.Ravens Augen waren bereits fest geschlossen.Sie hatte schon vor einer Weile aufgehört, sich zu wehren. Die Kraft war aus ihr gewichen. Ein dunkler Bluterguss bildete sich bereits an ihrem Kinn, dort, wo seine raue Hand sie gepackt hielt.„Lass das Mädchen los, Falco.“ Ich legte Stahl in meine Stimme, kalt und endgültig.Ein Anflug von Verärgerung huschte über sein Gesicht. Falco war ein gieriger kleiner Bastard, der es hasste, wenn man ihm etwas verweigerte, doch schon bald begriff er, dass ich es ernst meinte.Mit einem scharfen, genervten Knurren stieß e
Ravens PerspektiveMein Körper versteifte sich, als ich rückwärts stolperte und mit meinem Hintern gegen ein Trainingsgerät prallte. Die Erinnerungen an jene Nacht kamen mit einem Mal zurück, und die Panik war nur einen Herzschlag entfernt.Zuerst dachte ich, ich würde ihn mir nur einbilden. Doch dann wurde mir klar, dass das hier wirklich passierte.Ciro.Sein kalter, silberner Blick glitt über das Chaos, das ich angerichtet hatte, bevor er wieder zu mir zurückkehrte, als würde er mir wortlos zu verstehen geben, dass ich alles falsch machte.„D-Don …“ Ich zwang mich, das Wort herauszubringen, während ich mich vom Boden hochdrückte. Ich schluckte schwer, als erneut Galle in meiner Kehle aufstieg.„Was machst du hier?“, fragte er und zog seine Hände aus den Hosentaschen.Allein diese Bewegung ließ mich heftig zusammenzucken. Er sah mich an, als wäre mir gerade ein zweiter Kopf gewachsen, bevor er einen langsamen, bedächtigen Schritt auf mich zumachte.Ich kämpfte gegen den Instinkt an,
Ravens SichtAlles, was ich fühlte, war Schmerz.Er war nicht mehr so stechend wie zuvor, aber er war noch da – ein dumpfer, anhaltender Schmerz, der sich durch meinen ganzen Körper zog.Und die Tatsache, dass ich ihn noch spüren konnte, bedeutete nur eines.Ich war noch am Leben.Panik legte sich wie eine Schlinge um meinen Hals und schnürte mir die Luft ab. Meine Augen rissen auf, und ich sog hektisch die Luft ein.Nein …Meine Brust hob und senkte sich schnell, als eine weitere Welle der Angst über mich hinwegrollte.Ich sollte tot sein.Ich hätte das nicht überleben dürfen.„Raven!“ Ich hörte Gias Stimme, während ich mich verzweifelt aufzurichten versuchte.Nein.Ich sollte tot sein.Ich konnte nicht in diesem Höllenloch bleiben.„Beruhige dich. Du bist jetzt in Sicherheit“, drängte Gia und streckte die Hand nach mir aus.Nein. Sie hatte Unrecht.Ich war nicht in Sicherheit.Solange ich hier blieb, würde ich niemals sicher sein.„Bitte, hör auf. Beruhige dich einfach.“Sie zog mic
Ravens Perspektive„Bitte, lasst mich gehen“, flehte ich die Männer an, während sie mich aus der Villa zerrten.Meine Beine waren kaum noch in der Lage, mich zu tragen, sodass sie mich stattdessen über den Boden schleiften. Grashalme kratzten über meine ungeschützte Haut und hinterließen brennende Schnitte an meinen Beinen. Meine Hose war gefährlich weit über meine Hüften gerutscht, doch ich war zu schwach und verängstigt, um sie wieder hochzuziehen.Die kalte Abendluft drang durch mein Kleid und ließ eine Gänsehaut über meine Haut laufen. Ein stechender Schmerz pochte in meinen Ohren, und Schwindel überkam mich, bis mein ganzer Körper zu zittern begann.Sie traten die Tür auf.Ich wurde hineingeschleift und zu Boden geworfen. Meine Stirn schlug hart auf den Boden, und ein greller Schmerz schoss durch meinen Schädel.Für einen Moment wurde alles schwarz. Als ich schließlich die Augen wieder öffnete, fuhr mein Körper erschrocken hoch.Eine dunkelrote Schmiererei zeichnete sich auf den
Ciros PerspektiveRavens ganzer Körper zitterte unter meinem prüfenden Blick, während meine Augen langsam über jede Kurve ihres wunderschönen Körpers wanderten.Ich spürte, wie sich mein Körper in meiner Hose anspannte.Nicht viele Frauen hatten einen solchen Einfluss auf mich. Nicht viele hatten jemals nackt vor mir gestanden und es geschafft, eine derart unmittelbare Reaktion in mir hervorzurufen.Aber diese Frau … Alles, was sie tat, war eine Versuchung.Selbst jetzt, wo in ihren dunklen Augen nichts als Hass lag, hungerte ich noch immer sündhaft nach ihr … und so, wie es gerade um mich stand, würde es bald schwierig werden, meine Erregung zu verbergen.Ich musste nicht, dass sie wusste, wie sehr sie mich beeinflusste. Sonst könnte sie das eines Tages gegen mich verwenden.„Dreh dich um“, befahl ich mit angespannter Stimme.Ihre Kiefermuskeln spannten sich an, doch sie widersprach nicht. Sie drehte sich zur Wand und presste ihre Stirn dagegen, während ein leises Schluchzen über ihr
Ravens Perspektive„Was zum Teufel sollen wir jetzt tun?" fragte Luna, und die Frage trieb mir weitere Tränen in die Augen, denn ich hatte verdammt noch mal keine Ahnung.Das war nichts Neues. Chase war schon immer so gewesen – aber nie so schlimm wie jetzt.Chase und ich sind Waisen; unsere Eltern
Ravens Perspektive„Ugh!" Ich stieß einen schmerzlichen Laut aus, als ich mein Glas Schnaps leerte. Die Flüssigkeit brannte mir die Kehle hinunter, weil ich zu schnell getrunken hatte.„Ist das nicht zu viel?" Luna, meine beste Freundin seit Kindheitstagen, fragte mit besorgtem Blick: „Du wirst in
Ravens Perspektive„Wer hat Sie geschickt?", wiederholte Ciro.Ich schüttelte den Kopf. „Es handelt sich um ein Missverständnis. Ich habe nicht versucht, Sie zu töten", sagte ich bestimmt. „Ich habe in Panik gehandelt – ich verspreche Ihnen, es war ein Fehler."„Sie halten mich wohl für dumm." Er g
Ravens Perspektive„Chase!" Mein Schrei riss mir aus der Kehle, als ich auf ihn zustürzte, mein Herz hämmerte gegen meine Brust. Meine Finger streckten sich aus, um ihn zu greifen, doch bevor ich ihn erreichen konnte, wurde ich von einem von Ciros Männern vom Boden gehoben. „Lass mich los!"„Ugh!"






