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Kapitel 5: Geister der Vergangenheit

Penulis: Godsword John
last update Tanggal publikasi: 2026-07-01 03:56:38

Fiona hatte sich seit sechs Stunden nicht von dem Stuhl neben dem Bett gerührt. Adriannas Hand zuckte wieder.

„Doktor!“, rief Fiona.

Die Tür flog auf, zwei Schwestern eilten herein, Dr. Sarah Abrams hinter ihnen.

„Sie hat gesprochen.“ Fiona kam näher, die Hände auf Adrianna gerichtet.

„Was hat sie gesagt?“, fragte Dr. Sarah und trat ans Bett.

„Sie sagte, ein Lkw.“ Fiona keuchte. Sarahs Blick schoss zur nächsten Schwester. „Vitalwerte. Sofort.“

Die Schwestern bewegten sich, reichten sich Medizinkoffer, während die Monitore schneller piepten. Sarah zog eine Stiftlampe über Adriannas Augen, richtete sie auf dem Kissen neu aus. „Puls steigt.“

Die zweite Schwester antwortete: „Blutdruck stabilisiert sich.“

Fionas Hände zitterten unaufhörlich. „Geht es ihr besser?“

„Wir tun alles, damit sie bald wieder gesund wird“, sagte Sarah, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen.

„Aber wird sie wieder okay sein, Doktor?“, fragte Fiona weiter, leise schluchzend. Eine Pause, bevor die Antwort kam.

„Das beste Zeichen, seit sie hier eingeliefert wurde.“

*

Die Sonne stand jetzt grell am Himmel, es war Mittag. Adriannas Lider flatterten, ein Lichtstreifen zog sich über die Decke. Fiona stand sofort auf. „Adrianna.“

Adrianna versuchte, einen Laut hervorzubringen. Sie öffnete den Mund, aber nichts kam heraus.

„Nicht forcieren“, sagte Sarah und prüfte ihre Pupillen. „Sie ist bei Bewusstsein.“

Der Raum zerfiel für Adrianna in Bruchstücke – Deckenkacheln, ein Gesicht, eine Stimme, die ihr halb bekannt vorkam. Darunter tauchte die Erinnerung a die Brücke wieder auf: Wasser, dann nichts – ihre Augen öffneten sich.

Ihr Atem stockte und beschleunigte sich. Sarah beugte sich vor. „Du bist in Sicherheit. Atme.“

Fionas Hand bedeckte ihren Mund, Tränen liefen ihr bereits über das Gesicht. „Du hast mir einen Höllenschrecken eingejagt.“

Adriannas Blick fand den ihrer Schwester, verweilte dort, dann glitt er wieder zu.

*

Detective Marcus Winston erhielt innerhalb weniger Minuten einen Anruf von der Zentrale, legte auf und wählte eine andere Nummer – Chefinspektor Kane.

Inspektor Kane eilte sofort über den Flur. „Ist sie jetzt wach?“

„Sie reagiert ein wenig“, sagte Dr. Sarah und ging zurück in ihr Büro.

„Wir brauchen eine Aussage“, sagte Victor. Sarah stellte sich zwischen ihn und die Tür, dann hielt sie inne. „Ihr Körper hat genug durchgemacht. Sie braucht Ruhe. Ich glaube, in der Zwischenzeit wird sie wieder ansprechbar sein.“

Victor nickte und ging.

*

Stunden später war die Sonne untergegangen. Victor saß auf der Station neben Marcus, der am Fenster stand, die Arme verschränkt. Fiona blieb, wo sie war, dicht bei Adrianna.

„Erinnerst du dich a den Unfall?“, fragte Victor.

Adrianna nickte kaum merklich, ihr Hals war noch immer bandagiert.

„Was erinnerst du dich?“, fragte Victor weiter.

Adrianna versuchte, ihren Hals zu drehen, würgte leicht. „Die Brücke. Der Lkw.“ Dann hielt sie inne.

„Weiter“, drängte Victor.

Fionas Augen verengten sich. „Ich weiß, da ist mehr als nur der Lkw.“

Marcus rührte sich. „Beruhig dich, lass uns unsere Arbeit machen.“

Adrianna fuhr fort. „Es ging alles so schnell – Schatten und Masken. Da war noch ein Auto.“

Der Raum wurde so still, dass man den Tropf hören konnte. Marcus senkte den Blick zu ihr. „Was für eins?“

Adrianna versuchte sich zu erinnern. „In dieser Nacht … es war alles dunkel. Es kam so schnell.“

Stille legte sich über den Raum, bevor Victor sich vorbeugte. „Schwarz?“, fragte er, ohne den Blick von ihr zu nehmen.

„Ja“, sagte sie schließlich. Victor und Marcus wechselten einen Blick.

„Hast du den Fahrer gesehen?“

Ihre Finger verkrampften sich um die Decke, ihr Gesicht verhärtete sich.

„Eine Kapuze.“

„Ein Mann mit Kapuze?“, fragte Victor erneut.

Sie nickte. „Ja.“

Victor atmete aus. „Noch etwas?“

Sie schloss die Augen, zwang sich zurück in die Erinnerung. Brückenlichter. Das schwarze Auto. Die Gestalt unter der Kapuze. Dann tauchte ein weiteres Bild auf, schärfer als die anderen.

„Da war ein Zeichen.“

Victor erstarrte. „Was für eins?“

Adrianna fuhr fort. „Schwarz. Ein schwarzes Symbol.“

Marcus zog bereits sein Handy hervor. Er öffnete das rekonstruierte Bild und hielt es ihr vor.

Adriannas Atem stockte, sobald sie es sah.

„Das ist es.“

Der Raum verstummte. Victor senkte das Handy langsam, als hätte sich sein Gewicht plötzlich verdoppelt.

*

Drei Stockwerke tiefer hatte Ethan Lockwood den ganzen Tag ohne Schlaf nach Spuren gesucht, die zur Nacht des Unfalls passten. Aufnahmen liefen vor ihm über den Bildschirm, eine Energy-Drink-Dose neben seinem Ellbogen. Das meiste Brückenmaterial war professionell gelöscht worden.

Ein beschädigter Frame flackerte. Dann noch einer. Seine Finger bewegten sich unaufhörlich.

„Komm schon.“

Das Bild stabilisierte sich. East Bridge, 23:47 Uhr. Der Lkw fährt ins Bild. Adriannas Auto dahinter. Dann – ein drittes Fahrzeug.

„Hab dich.“

Die schwarze Limousine duckte sich hinter den Lkw und verschwand. Ethan isolierte das Bild, schärfte es Pixel für Pixel, bis sich eine Form abzeichnete – ein Fahrer in dunkler Kleidung, ein Beifahrer mit Kapuze. Er zoomte auf das Fenster.

Eine Anstecknadel fing das Brückenlicht ein. Silbern und klein, ein Rabe, umschlungen von Dornen. Er griff zum Handy, noch bevor er fertig ausgeatmet hatte.

„Inspektor. Ich hab sie gefunden.“ Dann brach die Leitung ab.

*

Eine Stunde später war der provisorische Raum im Krankenhaus voller Menschen – Victor, Marcus, Ethan und drei weitere Ermittler, alle um den Bildschirm versammelt, eingefroren auf der schwarzen Limousine.

Victor verschränkte die Arme. „Das bestätigt ihre Aussage.“

„Die Insassen tragen die Anstecknadel des Raven Circle“, sagte Ethan. Stille erfasste sie alle.

*

Die Aufzugtüren öffneten sich. Harrison Ashford trat heraus, zwei Bodyguards einen Schritt hinter ihm, noch im Anzug von gestern. Er hatte nicht aufgehört, sich zu bewegen, seit der Anruf gekommen war.

Fionas Blick erfasste ihn zuerst, ihr Kiefer verhärtete sich. Harrison ging an ihr vorbei, ohne ein Wort, sein Blick fest auf das Bett gerichtet, als er rief.

„Adrianna.“

Adrianna sah ihn langsam an, wandte dann den Blick wieder ab.

Victor unterbrach die Szene rasch, ein Tablet in der Hand. „Mr. Ashford. Das sollten Sie sich ansehen.“

Er navigierte erneut über den Bildschirm, während die Aufnahmen wieder erschienen – der Lkw, die Limousine, der vermummte Beifahrer. Harrison sah zu, ohne zu blinzeln. Dann füllte das Symbol den Bildschirm.

Der Raven Circle.

Für eine halbe Sekunde verkrampfte sich sein Kiefer, und etwas hinter seinen Augen wurde flach und fern. Niemand im Raum bemerkte es. Victor redete weiter. Harrison hörte ihn nicht mehr.

Sechsunddreißig Jahre brachen zusammen, im Raum zwischen einem Atemzug und dem nächsten.

SECHSUNDVIERZIG JAHRE ZUVOR

Regen prasselte auf die belebte Straße, während Autos vorbeifuhren und Menschen sich vor dem Regen schützten. Der junge Harrison ging barfuß, ein Holztablett um den Hals gebunden, in der linken Hand klapperten Bonbons und billige Süßigkeiten bei jedem Schritt.

Sein Hemd war völlig durchnässt. Sein Magen war eine Faust, während er weiterging, denn die Stimme seines Vaters lebte in seinem Kopf: noch ein Tag.

Er entdeckte seinen Vater voraus, unter einer kaputten Straßenlaterne, müde, aber dennoch lächelnd. Drei Männer traten aus der Dunkelheit, betrunken und laut, und verlangten Geld, das sein Vater nicht hatte. Der alte Mann weigerte sich, seine Ersparnisse in einem schwarzen Sack herzugeben. Dann traf ihn der erste Schlag, so schnell, am Kopf.

Harrisons Füße blieben für einen Moment stehen.

Sein Vater ging kämpfend zu Boden, stand blutend wieder auf und fiel erneut. Die Männer nahmen ihm jede Münze ab. Dann fing eine Klinge das Laternenlicht ein und durchbohrte ihn. Er stand nie wieder auf.

Dann liefen sie in die Dunkelheit davon.

Der junge Harrison stürzte dorthin, wo sein Vater tot lag, und schrie: „Papaaaaaaaa“ – aber es war bereits zu spät.

Der Regen wusch das Blut in dünnen roten Fäden zum Gully, während er in Tränen ausbrach und zu schreien begann.

„Hilfe! Bitte, jemand! Papaaaaaaaa!“

Er weinte hilflos auf dem Boden, während Passanten auf der Straße ihn nur anstarrten und das Gebiet mieden.

*

Er rannte den ganzen Weg nach Hause, die Lungen brennend. Als er ankam, fand er seine Mutter im Hof am Boden liegend, Nachbarn standen mit verschränkten Armen in den Türen.

Der Vermieter rannte zurück, während Sirenen näher kamen. Blut hatte ihr Hemd durchtränkt. Harrison sank neben ihr nieder.

„Mama.“

Ihre Augen fanden ihn, kaum noch. Ihre Hand fand seine Wange. Dann wurde ihre Hand still.

*

Sie überlebte drei Tage in der Klinik, nachdem bei ihr innere Blutungen und eine reaktionslose Hirnaktivität diagnostiziert worden waren. Nach der Beerdigung blieb die Wohnung leer, bis auf ihn.

*

Tage später wurde der junge Harrison durch die Straßen von Georgia streunend gefunden, sein Magen leer. Er saß unter einem eingestürzten Vordach, als ein junges Mädchen sich neben ihn setzte und ihm wortlos ein Brot zuwarf.

Er starrte es an.

„Isst du das jetzt, oder sollen die Hunde von Georgia es sich holen?“

Er griff danach und führte es zum Mund, ohne weiter zu fragen.

Das Mädchen betrachtete ihn einen Moment lang schweigend, dann: „Du kannst mich Evelyn nennen.“

Er sah sie an, dann antwortete er: „Mein Name ist Harrison Ashford.“

Sie musterte ihn. „Du siehst aus wie der Tod.“

Er lächelte kurz. Zum ersten Mal seit Wochen hatte er etwas gefunden, das seinen Tag erhellte.

*

In dieser Nacht führte sie ihn unter eine alte Eisenbahnbrücke, zu einer Unterkunft voller Kinder wie ihm – Ausreißer, Waisen, Kinder, um die sich die Stadt nicht mehr kümmerte. Er schlief dort, ohne zu zögern.

Vor Sonnenaufgang weckte ihn Evelyn.

„Komm. Aufwachen. Wir müssen sofort los.“

Er erhob sich sofort, die Augen noch schwer, während sie sich durch die halbe Stadt bewegten, durch Straßen und Lagerhäuser, die kaum jemand betrat.

Sie hielten vor einem Eisentor an. Schwer bewaffnete Männer beobachteten von oben.

„Was ist das für ein Ort?“, fragte Harrison und versuchte, die hohen Gebäude und die teuren Autos zu begreifen.

Evelyn lächelte, als wüsste sie bereits, dass die Antwort sein Leben verändern würde. „Ein neuer Anfang.“

Die Tore öffneten sich.

Drinnen waren Waffen neben Koffern voller Bargeld gestapelt, Hände wechselten Geld. Männer und Frauen verneigten sich vor einer Gestalt – im Zentrum, auf einem thronartigen Stuhl, unter einem schwarzen Banner, ein Rabe, umschlungen von Dornen, saß ein Mann. Seine Augen waren kalt, sein Akzent russisch – Viktor Sharov.

Er musterte den Jungen vor sich und lächelte.

„Wie heißt du, Junge?“

„Mein Name … mein Name ist Harrison.“ Harrison stotterte, als Sharovs Blick ihn traf.

Sharov beugte sich vor, sein Lächeln wurde breiter.

„Nicht mehr.“

Sein Blick fing das Licht des Banners über ihm ein.

„Von heute an … gehörst du mir.“​​​​​​​​​​​​​​​​

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