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Die Berührung des Alphas

Author: nedublackwood
last update publish date: 2026-06-26 07:27:31

Selanas Sicht

Die Nacht war ruhiger, als ich erwartet hatte.

Nur der Wind strich durch die Bäume und berührte meine Haut wie ein Geheimnis, das er noch nicht preisgeben wollte. Das Rudelgelände fühlte sich nach Einbruch der Dunkelheit anders an – weniger Urteile, weniger Augen. Nur Stille.

Und er.

Alpha Kael ging neben mir, nah genug, dass ich die Wärme seines Körpers spüren konnte, aber ohne mich zu berühren. Noch nicht. Seine Schritte waren ruhig und gemächlich, als wäre er genau dort, wo er hingehörte.

Ich nicht.

Meine Gedanken verhedderten sich mit jedem Schritt mehr, bis ich sie nicht länger zurückhalten konnte.

„Warum?“, fragte ich plötzlich, meine Stimme leiser, als ich beabsichtigt hatte.

Er sah zu mir herüber. „Warum was?“

Ich blieb stehen.

Er wurde langsamer und drehte sich ganz zu mir um.

„Warum ich?“, fragte ich erneut. „Warum willst du mit mir spazieren gehen, wenn mich jeder in diesem Rudel als…“ Die Worte schmeckten bitter. „Als nichts sieht? Als Mensch. Als Fehler. Als das Mädchen, das aus einer einmaligen Begegnung zwischen einem Werwolf und jemandem entstanden ist, der eigentlich nie hierhergehörte.“

Ich zwang mich, ihm in die Augen zu sehen. „Als ein Mädchen ohne Wolf.“

Einen Moment lang sah er mich einfach nur an. Dann sagte er, als wäre es die selbstverständlichste Wahrheit der Welt:

„Weil du meine Gefährtin bist.“

Die Luft stand still. Mein Herz sackte ab.

„Nein, bin ich nicht.“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Das ist unmöglich.“

„Warum?“, fragte er, seine Stimme blieb ruhig, doch seine Augen wurden schärfer und musterten mich genau.

Ein bitteres Lachen entkam mir, bevor ich es aufhalten konnte. „Weil ich es nicht wert bin.“

Im selben Moment, in dem die Worte meinen Mund verließen, veränderte sich etwas in seinem Gesichtsausdruck – etwas Schmerzvolles.

„Warum sagst du so etwas?“, fragte er leise.

Ich hielt seinem Blick stand, obwohl es wehtat. „Weil ich keinen Wolf habe.“

Stille breitete sich zwischen uns aus. Dann lachte er unerwartet.

Ich blinzelte erschrocken. Auch mir entkam ein kleines, gebrochenes Lachen. Es war kein echtes Lachen. Es war Erschöpfung. Es war alles, was ich jahrelang mit mir herumgetragen hatte und das nun endlich aufbrach.

Wir standen da und lachten über etwas, das überhaupt nicht lustig war.

Dann trat er näher – langsam, vorsichtig, als könnte ich zerbrechen. Mein Herz stolperte, als er nach meiner Hand griff.

In dem Augenblick, in dem seine Finger meine berührten, veränderte sich alles.

Ein scharfer, elektrischer Funke schoss durch meine Haut und raste meinen Arm hinauf. Wärme folgte, flutete meine Brust und rollte sich tief in mir zusammen, als hätte sie schon immer dorthin gehört. Mein Atem stockte. Mein Puls donnerte.

Es war keine Angst.

Es war keine Verwirrung.

Es war Wiedererkennen. Als würde mein Körper ihn bereits kennen. Als hätte er auf ihn gewartet.

Meine Finger zitterten in seinem Griff, doch ich zog sie nicht zurück. Ich konnte es nicht.

*Also ist es echt.* Der Gedanke hallte wider, sanft und gleichzeitig furchterregend. *Er ist wirklich mein Gefährte.*

Ein Sturm aus Emotionen brach über mich herein – Schock, Unglaube, Angst und etwas, das gefährlich nah an Hoffnung war. Diese Hoffnung machte mir am meisten Angst.

Panik stieg rasch auf. Ich zog meine Hand sanft zurück.

„Ich… ich sollte gehen“, sagte ich schnell und wich seinem Blick aus. „Meine Freundin wird nach mir suchen.“

„Ich bringe dich zurück.“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, es ist schon in Ordnung. Mein Haus ist nicht weit.“

Ich wartete nicht auf seinen Widerspruch. Ich drehte mich um und ging los, mein Herz raste noch immer, meine Haut kribbelte noch dort, wo er mich berührt hatte. Jeder Schritt fühlte sich schwerer an als der vorherige.

Aber ich blieb nicht stehen.

„Selena.“

Seine Stimme hielt mich auf.

Ich drehte mich langsam um. Unsere Blicke trafen sich über den stillen Pfad hinweg. Er sah mich an, als gehörte ich bereits ihm. Ein kleines Lächeln ruhte auf seinen Lippen.

„Wir sehen uns bei der Paarungszeremonie morgen.“

Mein Atem stockte. Ich konnte nur nicken.

Die Nachtluft klebte an meiner Haut, als ich nach Hause ging, doch mein Verstand war alles andere als ruhig. Ich konnte seine Berührung noch immer spüren. Diese Wärme. Diesen unbestreitbaren Sog.

*Du bist meine Gefährtin.*

Die Worte hallten nach, diesmal leiser, aber schwerer.

Ich erreichte die Stufen meines kleinen Hauses, ein schwaches Lächeln lag noch auf meinen Lippen.

„Selena!“

Ich blinzelte.

Isadora stand an der Tür, eine Fackel in der Hand, ihr Gesicht angespannt vor Sorge und Erleichterung. Sobald sie mich sah, eilte sie auf mich zu.

„Wo bist du gewesen?!“ Sie griff nach meinem Arm. „Ich bin rausgegangen, um nach dir zu sehen, und du warst weg. Ich bin fast verrückt geworden – ich dachte, die Nachtpatrouille hätte dich mitgenommen oder es wäre etwas passiert. Du warst noch nie so lange draußen!“

Ihre Worte überschlugen sich in einem hektischen Strom. Sorge. Angst. Liebe.

Und alles, was ich tun konnte, war zu lächeln.

„Du machst dir immer Sorgen um mich“, sagte ich leise.

„Natürlich mache ich mir Sorgen!“, fuhr sie auf, aber es lag kein echter Zorn darin. Nur Erleichterung.

Ich lachte leise.

Wir traten ein, und ich schloss die Tür hinter uns. Die Stille umhüllte mich wie eine Decke. Mein Körper entspannte sich, doch mein Verstand driftete immer wieder zu ihm zurück. Zu der Art, wie er mich angesehen hatte. Zu der Art, wie mein gesamtes Wesen reagiert hatte, als hätte es endlich das fehlende Stück gefunden.

Ein leiser Seufzer entkam mir.

„Okay“, sagte Isadora und durchbrach meine Gedanken.

Ich sah auf. Sie stand vor mir, die Arme verschränkt, die Augen verengt.

„Wo warst du? Und warum grinst du seit du reingekommen bist wie eine Idiotin?“

Ich biss mir auf die Lippe und versuchte vergeblich, das Grinsen zu verbergen.

„Selena“, warnte sie, trat näher. „Du fängst langsam an, mir Angst zu machen.“

Ich lachte leise. „Okay, okay. Rate mal, was passiert ist.“

„Ich bin schlecht im Raten.“

Ich lächelte breiter. „Die Person, die vorhin geklopft hat… war der Alpha.“

Stille.

„Warte“, sagte sie langsam. „Welcher Alpha?“

Ich zog eine Augenbraue hoch. „Der, den du kennst.“

Ihre Augen wurden groß. „Alpha Kael?“

„Ja.“

„Du machst Witze.“

„Tue ich nicht.“

Sie starrte mich fassungslos an. „Was ist dann passiert?“

Ich zögerte, Wärme stieg mir erneut in die Wangen. „Er hat mich gefragt, ob ich mit ihm spazieren gehe.“

Isadora erstarrte. „Du bist mitgegangen?“

Ich zuckte mit den Schultern, doch das Lächeln verriet mich. „Er hat gesagt, ich bräuchte keine Angst zu haben.“

Sie starrte mich an. Dann verengte sie die Augen. „Also hast du wegen Alpha Kael mich allein in diesem Haus zurückgelassen?“

„Ich habe nicht–“

„Wow.“ Sie legte sich dramatisch eine Hand aufs Herz. „Verraten. Verlassen. Vergessen.“

Ich brach in Lachen aus. „Du bist so dramatisch!“

„Ich bin fast vor Sorge gestorben und du lachst?“ Sie versuchte ernst zu bleiben, schaffte es aber nicht, ein Lächeln brach durch.

Ich stupste sie leicht an. „Du weißt, dass du mein Lieblingsmensch bist.“

Sie hob das Kinn. „Ich vergebe dir. Aber nur, weil ich so großzügig bin.“

„Natürlich“, neckte ich sie.

Für einen Moment fühlte sich alles warm an. Einfach. Sicher.

Dann ertönte ein Klopfen an der Tür.

Wir erstarrten beide.

Ein weiteres Klopfen folgte – diesmal fester.

Isadora und ich wechselten einen Blick. Das Lächeln verschwand langsam aus meinem Gesicht.

„Ist dein Alpha zurück, um sicherzugehen, dass du gut nach Hause gekommen bist?“, flüsterte sie.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein… das kann er nicht sein.“

Ein drittes Klopfen kam. Langsamer. Schwerer.

Ein seltsames Unbehagen machte sich tief in meiner Brust breit.

„Wer ist es dann“, flüsterte Isadora, „um diese Uhrzeit?“

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