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Der Schatten des Silbermonds – Eine Werwolf-Saga
Der Schatten des Silbermonds – Eine Werwolf-Saga
Author: Musa Mualim

Der Ruf des Waldes

Author: Musa Mualim
last update Petsa ng paglalathala: 2026-06-13 05:00:06

Kapitel 1: Der Ruf des Waldes

In den dichten grünen Tiefen des Schwarzwalds lebte Lukas Hartmann ein scheinbar friedliches Leben. Er arbeitete täglich als Forstwirt und kannte jeden Pfad, jeden Baum und jeden Bachlauf wie seine eigene Tasche. Die Luft war immer erfüllt vom Duft feuchter Erde und harzigen Nadeln. Morgens stand er früh auf, um die schweren Stiefel anzuziehen und in den Wald zu gehen, wo er Bäume markierte, die gefällt werden mussten und junge Setzlinge pflanzte, um die Natur im Gleichgewicht zu halten. Sein Leben war geprägt von harter körperlicher Arbeit und der Sorge um seine kranke Mutter, die allein in dem alten Fachwerkhaus am Dorfrand wohnte. Die Schulden der Familie lasteten schwer auf seinen Schultern, doch er beklagte sich nie. Stattdessen arbeitete er noch härter und fand Trost in der Stille des Waldes.

An diesem sonnigen Morgen im Frühling wanderte Lukas durch einen besonders alten Teil des Waldes. Die Bäume ragen hoch auf und ihre Kronen filterten das Licht zu einem sanften grünen Schimmer. Vögel zwitschern in den Zweigen und ein leichter Wind raschelt durch das Unterholz. Lukas trug seine Axt über der Schulter und prüfte den Zustand einiger alter Eichen. Plötzlich spürte er ein seltsames Kribbeln in seinem linken Arm genau an der Stelle, wo eine alte Narbe verlief, die er seit seiner Kindheit hatte. Er schüttelte den Arm und schob das Gefühl beiseite. Es war nur Einbildung, sagte er sich selbst. Solche Momente hatte er öfter in letzter Zeit, doch er schrieb sie der Erschöpfung zu.

Im Dorf Schattenwald kannte jeder jeden. Die Häuser mit ihren roten Dächern schmiegten sich an die Hügel und der Marktplatz war der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Lukas ging oft in die kleine Kneipe, um ein Bier zu trinken und mit den Einheimischen zu reden. Heute traf er dort auf Anna Berger eine junge Journalistin, die vor einigen Wochen aus der Stadt zugezogen war. Sie recherchierte für einen Artikel über Umweltschutz und die Bedrohung der Wälder durch Klimawandel und illegale Holzfällerei. Anna hatte langes, dunkles Haar und scharfe aufmerksame Augen. Sie war neugierig und stellte viele Fragen, die die Dorfbewohner manchmal nervös machten.

Lukas setzte sich zu ihr an den Tisch. Sie sprachen über die Schönheit des Waldes und die alten Geschichten, die hier erzählt wurden. Anna erwähnte eine Legende von Werwölfen, die in Vollmondnächten durch die Wälder streiften. Die Dorfbewohner lachten darüber, doch Lukas spürte wieder dieses seltsame Kribbeln. Er wechselte das Thema und erzählte von seiner Arbeit. Anna hörte aufmerksam zu und notierte sich einiges in ihrem kleinen Notizbuch. Zwischen ihnen entwickelte sich eine angenehme Unterhaltung, die Lukas für einen Moment seine Sorgen vergessen ließ.

Am Nachmittag kehrte Lukas in den Wald zurück. Die Sonne stand schon tiefer und warf lange Schatten zwischen die Stämme. Er arbeitete konzentriert und schnitt Äste von einem umgestürzten Baum. Plötzlich hörte er ein fernes Heulen, das wie ein Wolf klang, doch in dieser Region gab es keine Wölfe mehr seit Jahrzehnten. Er hielt inne und lauschte. Das Heulen wiederholte sich lauter und näher. Sein Herz schlug schneller und die Narbe an seinem Arm begann zu brennen. Er schüttelte den Kopf und ging weiter. Es musste ein streunender Hund sein oder seine Phantasie spielte ihm einen Streich.

Als der Abend hereinbrach, machte sich Lukas auf den Heimweg. Der Himmel färbte sich rot und die ersten Sterne erschienen. Zu Hause kochte er eine einfache Suppe für seine Mutter und erzählte ihr von seinem Tag. Sie war schwach, aber sie lächelte warm an. In ihren alten Augen lag jedoch eine tiefe Traurigkeit, die Lukas nicht deuten konnte. Später am Abend saß er auf der Veranda und starrte in die Dunkelheit des Waldes. Wieder dieses Heulen, nur diesmal viel näher. Die Narbe pochte schmerzhaft und seine Sinne schärften sich auf unerklärliche Weise. Er roch den Wald intensiver, hörte das Rascheln kleiner Tiere und spürte eine innere Unruhe, die er nicht erklären konnte.

In dieser Nacht schlief Lukas unruhig. Träume von silbernen Monden und jagenden Schatten quälten ihn. Er sah sich selbst als Teil eines Rudels rennend durch den Wald mit Blut an den Pfoten. Schweißgebadet wachte er auf und ging ans Fenster. Der Mond war fast voll und tauchte die Landschaft in ein kaltes silbernes Licht. Lukas fühlte einen Drang in sich, den Wald zu betreten, doch er widerstand ihm und legte sich wieder hin. Der nächste Tag würde anstrengend werden und er brauchte Ruhe.

Der folgende Morgen begann wie immer. Lukas frühstückte und ging in den Wald. Anna rief ihn an und fragte, ob sie ihn bei der Arbeit begleiten dürfe, um Fotos für ihren Artikel zu machen. Er willigte ein und sie trafen sich am Waldrand. Gemeinsam wanderten sie tiefer hinein. Anna war beeindruckt von der Schönheit und stellte viele Fragen. Lukas erklärte ihr die verschiedenen Baumarten und die Arbeit des Forstamtes. Während sie sprachen, spürte er wieder die Veränderung in sich. Seine Sehkraft wurde schärfer und er hörte Geräusche aus großer Entfernung.

Plötzlich brach ein Sturm auf. Dunkle Wolken zogen auf und Regen prasselte herab. Sie suchten Schutz unter einer dichten Tanne. Anna lachte über die unerwartete Wendung und Lukas fühlte sich in ihrer Nähe wohl. Doch der Regen hörte nicht auf und sie mussten einen längeren Weg zurücknehmen. Auf dem Pfad fanden sie Spuren, die wie ein großes Tier aussahen. Pfotenabdrücke größer als die eines Hundes. Lukas runzelte die Stirn und erinnerte sich an die alten Legenden, die seine Großmutter ihm erzählt hatte. Warnungen vor dem Silbermond-Fluch der die Familie Hartmann seit Generationen verfolgte.

Sie erreichten das Dorf nass und durchgefroren. Anna lud ihn auf einen heißen Tee ein und sie unterhielten sich weiter in ihrer kleinen Wohnung über dem Laden. Sie sprach von ihrer Arbeit und den Zweifeln, die sie an den offiziellen Erklärungen für verschwundene Wanderer hatte. Lukas hörte zu und teilte einige seiner eigenen Beobachtungen. Die Zeit verging schnell und als er ging, war der Mond schon wieder am Himmel.

Zu Hause wartete seine Mutter mit einem alten Buch auf ihn. Es war das Tagebuch seines Großvaters, das sie lange versteckt gehalten hatte. Sie drängte ihn, es zu lesen und warnte ihn vor Vollmondnächten. Lukas blätterte darin und fand Einträge über Verwandlungen und Kämpfe gegen innere Dämonen. Er lachte es als Aberglauben ab, doch das Kribbeln in seinem Arm verstärkte sich.

In dieser Nacht wurde der Mond voller. Lukas ging noch einmal in den Wald, um nach einem verletzten Reh zu sehen, das er früher am Tag bemerkt hatte. Die Luft war kühl und still. Plötzlich hörte er das Heulen wieder ganz nah. Sein Körper reagierte mit einem Schauer. Muskeln spannten sich und seine Augen leuchteten im Dunkeln auf. Er versuchte zurück zum Dorf zu laufen, doch ein mächtiges Tier sprang aus dem Gebüsch und griff ihn an. Scharfe Klauen rissen seine Schulter auf und er fiel zu Boden.

Der Kampf war brutal. Lukas wehrte sich mit seiner Axt und traf das Wesen, das wie ein riesiger Wolf aussah. Blut floss und der Schmerz war überwältigend. Doch statt zu sterben, spürte er, wie seine Wunden sich schnell schlossen. Die Bestie floh heulend in die Dunkelheit. Lukas lag da und starrte auf seine heilende Haut. Panik ergriff ihn. Was geschah mit ihm? Er rappelte sich auf und stolperte nach Hause, wo er seine blutigen Kleider versteckte und die Wunden ignorierte, die schon fast verheilt waren.

Am nächsten Morgen fühlte er sich stärker als je zuvor. Seine Sinne waren geschärft und er hatte Hunger auf rohes Fleisch, was ihn selbst erschreckte. Anna rief an und wollte mehr über die Wälder erfahren. Er traf sie, doch seine Gedanken waren woanders. Im Dorf gab es Gerüchte über einen toten Wilderer, der zerfetzt im Wald gefunden worden war. Lukas erinnerte sich vage an einen Blackout in der Nacht und ein Gefühl von Macht und Wut.

Er begann die Tagebücher intensiver zu studieren und entdeckte Hinweise auf seine Blutlinie. Der Fluch war real und er war der Nächste. Während er mit Anna durch den Wald ging, spürte er den Drang wieder. Der Mond würde bald wieder voll sein und die Bestie in ihm wartete nur darauf auszubrechen.

Plötzlich, am Ende dieses Tages, als die Sonne unterging, hörte Lukas ein neues Heulen, das direkt aus dem Herzen des Waldes kam. Es rief ihn und diesmal konnte er den Ruf nicht ignorieren. Seine Hände begannen zu zittern und Krallen schoben sich unter seinen Nägeln hervor. Er rannte tiefer in den Wald hinein, ohne zu wissen, ob er als Mensch zurückkehren würde. Die Schatten verschluckten ihn und ein markerschütterndes

Heulen hallte durch die Nacht.

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