Mag-log in**Calistas Perspektive**
Das verbrannte Gesicht auf dem Metalltisch war kaum zu erkennen, doch das Krankenhausarmband am Handgelenk der Frau war noch lesbar. Die schwarzen Buchstaben darauf bildeten einen Namen, den ich nur zu gut kannte.
Maelis Arden.
Ich starrte auf den Leichnam in Cassians privatem unterirdischem Krankenraum, mein Magen zog sich zusammen, während ich zu begreifen versuchte, was ich da sah. Maelis Arden war mein Geburtsname, der Name, den ich nach dem Tod meiner Mutter nicht mehr benutzt hatte, als ich als Calista Veyne bekannt wurde. Ich hatte diesen Namen zusammen mit den schmerzhaften Erinnerungen an meine Vergangenheit begraben, doch nun war er am Handgelenk einer toten Frau aufgetaucht.
„Sie stand nicht auf der Liste meiner Angestellten, Calista“, sagte Cassian mit leiser Stimme, während er neben mir stand und auf die Leiche hinabsah. „Es gibt noch etwas, das Sie wissen müssen. Das Krankenhaus, das dieses Armband ausgestellt hat, wurde vor fünfundzwanzig Jahren geschlossen, lange bevor Sie geboren wurden.“
Ich wandte mich zu ihm um und versuchte zu verarbeiten, was er mir gerade gesagt hatte.
„Rufen Sie das Überwachungsmaterial auf“, verlangte ich. „Ich will sehen, was vor der Explosion geschehen ist.“
Cassian widersprach nicht. Er führte mich in den Überwachungsraum nebenan und setzte sich vor das Hauptkontrollsystem. Nachdem er einige Befehle eingegeben hatte, rief er das Überwachungsmaterial der zwölf Stunden vor der Explosion auf.
Ich beobachtete die großen Bildschirme, während die Aufzeichnung zu laufen begann. Eine Frau in einem langen Trenchcoat erschien in einem der Korridore der Forschungseinrichtung. Ihre Kapuze verdeckte den größten Teil ihres Gesichts, sodass sie nicht zu erkennen war, doch irgendetwas an ihr erregte sofort meine Aufmerksamkeit.
Die Art, wie sie ging und ihre Schultern hielt, sah genau aus wie bei mir.
Schweigend sah ich zu, wie die Frau durch das Gebäude ging und direkt auf einen verstärkten Lastenaufzug zusteuerte. Ich hatte diesen Aufzug nie zuvor gesehen, und er war in keinem der offiziellen Baupläne des Gebäudes verzeichnet.
Gerade als die Frau die Aufzugstüren erreichte, fielen plötzlich alle Überwachungskameras der Anlage aus.
Die Bildschirme blieben acht Sekunden lang völlig schwarz, bevor die Aufnahme weiterlief.
„Da!“, flüsterte ich und deutete mit zitterndem Finger auf den Bildschirm. „Diese Unterbrechung. Die habe ich schon einmal gesehen.“
Cassian wandte sich mir zu und verengte die dunklen Augen, während er mein Gesicht musterte.
„Was meinen Sie damit, Calista?“, fragte Cassian. „Haben Sie das schon einmal irgendwo anders gesehen?“
Beinahe hätte ich ihm die Wahrheit über mein früheres Leben erzählt, doch ich hielt mich zurück, bevor die Worte meinen Mund verlassen konnten. Er würde mir niemals glauben, dass ich in der Apokalypse gestorben und irgendwie in die Vergangenheit zurückgekehrt war.
„In den letzten Monaten, bevor das Stromnetz zusammenbrach“, erklärte ich vorsichtig und wählte meine Worte mit Bedacht, „fielen die Überwachungskameras immer genau acht Sekunden lang aus, wenn jemand aus den Quarantänezonen verschwand.“
Cassian beobachtete mich weiter und wartete darauf, dass ich erklärte, was ich für die Ursache hielt.
„Das ist kein technischer Defekt, Cassian“, sagte ich ihm bestimmt. „Jemand löscht absichtlich das Überwachungsmaterial in einem bestimmten Bereich. Es ist eine Systembereinigung, und wer auch immer sie durchführt, weiß genau, wie er unentdeckt bleibt.“
„Sie sprechen von fortschrittlicher Regierungstechnologie, die dazu dient, Informationen zu verbergen“, erwiderte Cassian, verschränkte die Arme und lehnte sich an die Kontrollkonsole. „Wenn ich Ihnen Zugang zu diesen gesperrten Akten gewähre, bringen wir beide unser Leben in Gefahr. Die Regierung will diese Anlage geheim halten, und wer auch immer diese tote Frau hierhergeschickt hat, wollte uns warnen, uns fernzuhalten.“
Ich trat näher an Cassian heran, bis ich direkt vor ihm stand. Er war größer als ich, aber ich weigerte mich, zurückzuweichen oder wegzusehen.
„Glauben Sie, Sie sind die gefährlichste Person in diesem Raum, Cassian?“, fragte ich fest. „Ich sage Ihnen, was passiert, wenn mächtige Menschen entscheiden, welche Wahrheiten der Rest von uns erfahren darf. Millionen sterben, und die Welt brennt. Wenn Sie das verhindern wollen, müssen Sie mir sofort Zugriff auf diese Unterlagen geben.“
Cassian starrte mehrere Sekunden lang auf mich herab, ohne etwas zu sagen. Sein Kiefer spannte sich an, während er meine Worte abwog, und ich konnte erkennen, dass er noch immer zu entscheiden versuchte, ob er mir trauen konnte. Schließlich atmete er scharf ein und hielt seinen Sicherheitsausweis an das Kartenlesegerät.
„Zugriff gewährt“, murmelte Cassian, als das System entsperrte. „Aber falls Sie in diesen Akten etwas finden, das uns beide das Leben kostet, Calista, erwarten Sie nicht, dass ich Sie beschütze.“
Die gesperrten Dateien erschienen auf den Computerbildschirmen. Es waren geheime Dokumente, verschlüsselte Aufzeichnungen und medizinische Berichte, die jahrelang vor der Öffentlichkeit verborgen gehalten worden waren. Während ich sie durchsuchte, erschien auf einem der Bildschirme ein vertrautes Gesicht.
Es war meine Mutter, Isolde Arden.
Ihr Name war unter einer besonderen Sicherheitsfreigabe aufgeführt, und ihre offizielle Stellenbeschreibung lautete Umweltingenieurin. Doch als ich die gesperrten Dateien öffnete, die mit ihrem Namen verknüpft waren, entdeckte ich, dass ihre Arbeit weit mehr umfasste als die Erforschung von Sonnenstrahlung.
Meine Mutter hatte geheime Experimente am menschlichen Gedächtnis durchgeführt, biologische Informationen gespeichert und wiederholte Simulationen von Katastrophen durchgespielt, die den gesamten Planeten zerstören konnten.
Ich starrte auf den Bildschirm und mühte mich, zu akzeptieren, was ich las. Meine Mutter hatte die Apokalypse nicht einfach nur vorhergesagt. Sie hatte an einem Weg gearbeitet, sie zu kontrollieren oder zumindest ihre Auswirkungen einzudämmen, durch ein geheimes System, das sie entwickelt hatte.
Ich blieb nicht, um den Rest der Akten zu lesen, solange Cassian neben mir stand und jede meiner Bewegungen beobachtete. Ich musste den Ort sehen, an dem die Forschung meiner Mutter begonnen hatte, und ich hatte das Gefühl, dass die Antworten, die ich suchte, viel näher verborgen lagen, als ich geahnt hatte.
Innerhalb einer Stunde erreichte ich das große Anwesen, das ich nach dem Tod meiner Mutter geerbt hatte. Das Grundstück lag hinter hohen eisernen Toren am Stadtrand von Vesper City, umgeben von Land, das einst schön gewesen, nun aber nach Jahren der Vernachlässigung verwildert war.
In meinem früheren Leben hatte ich das Anwesen für fast nichts verkauft, um Dorians Geschäftspläne zu finanzieren. Es war einer der größten Fehler meines Lebens gewesen, und ich hatte nicht vor, ihn zu wiederholen. Dieses Mal würden das Grundstück und alles darin mir gehören.
Das Haus war still und kalt, als ich eintrat. Staub bedeckte die Möbel, und der Geruch von altem Holz erinnerte mich an die Kindheit, die ich dort verbracht hatte. Nichts hatte sich verändert, seit dem Tag, an dem ich meine Sachen gepackt und mein altes Schlafzimmer hinter mir gelassen hatte.
Ich ignorierte den Rest des Hauses und ging direkt in den Keller.
Als ich den Betonboden erreichte, holte ich die ursprünglichen Baupläne des Anwesens hervor und verglich sie mit den Messwerten meines Laser-Entfernungsmessers. Als ich die Abmessungen des Kellers überprüfte, fiel mir etwas auf, das keinen Sinn ergab.
Die hintere Wand des Technikraums war vier Meter dicker, als es die Pläne auswiesen.
Ich prüfte die Maße erneut, um sicherzugehen, dass ich mich nicht geirrt hatte, doch das Ergebnis blieb dasselbe.
„Hinter dieser Wand befindet sich ein Hohlraum“, murmelte ich vor mich hin, während ich den Beton musterte.
Ich öffnete meinen Werkzeugkasten und zog eine schwere eiserne Brechstange heraus. Nachdem ich die alten Holzpaneele untersucht hatte, die die Wand bedeckten, fand ich einen schmalen Spalt und stieß das Werkzeug hinein. Ich zog kräftig, und das Holzpaneel brach mit einem scharfen Knacken ab.
Dahinter befand sich eine glatte Stahlplatte mit einem eingebauten Fingerabdruckscanner. Ein schwaches blaues Licht glomm im Scanner und zeigte, dass das verborgene System noch Strom hatte.
Ich starrte überrascht darauf, bevor ich langsam die Hand hob. Dann drückte ich meinen Daumen auf das Glas.
Der Scanner blinkte einmal, und aus dem Inneren der Wand ertönte ein leises mechanisches Geräusch.
Einen Moment später glitt die schwere Stahltür nach innen und gab den verborgenen Raum dahinter frei.
Ich trat durch die offene Tür und hielt den Atem an, als ich den verborgenen Raum betrat. Die Lichter über mir flackerten, bevor sie angingen und eine geheime Kommandozentrale enthüllten, die weit fortschrittlicher war als Cassians private Anlage. In einer Ecke liefen leise geothermische Energiesysteme, während große Wasseraufbereitungsmaschinen an den Wänden standen. Regale voller medizinischer Vorräte und Notnahrung säumten den Raum, und hinter verstärkten Wänden standen Reihen von Computerservern.
Ich sah mich ungläubig um. Das war kein gewöhnlicher unterirdischer Schutzraum. Es war eine schwer gesicherte Festung, und sie war Jahrzehnte gebaut worden, bevor überhaupt jemand öffentlich von einer Umweltkatastrophe sprach.
Ich eilte zur Hauptkontrollkonsole und begann, die Dateien zu durchsuchen. Während ich tippte, erschienen verschlüsselte Dokumente auf zwölf großen Monitoren. Ich öffnete die Umweltaufzeichnungen und fand Prognosen, die eine mögliche Sonnenkatastrophe zeigten. Die Berichte waren vor zwanzig Jahren erstellt worden.
Mein Herz begann zu rasen, während ich die Informationen las. Meine Mutter hatte von der Gefahr gewusst, lange bevor der Rest der Welt auch nur ahnte, dass etwas nicht stimmte.
Dann fand ich eine Sicherheitsdatei mit einer Liste von Personen, die ausgewählt worden waren, während der ersten siebzig Tage der Apokalypse in der Anlage zu bleiben. Ich öffnete die Liste und begann, die Namen durchzulesen.
Plötzlich setzte mein Atem für einen Moment aus.
Dorian Veynes Name stand auf der Liste, doch er war in einer Kategorie eingeordnet, die als hochgefährliche Risikofaktoren markiert war. Auch Cassian Rooks Name stand dort, aufgeführt als externer taktischer Aktivposten.
Ich starrte auf den Bildschirm und fragte mich, warum meine Mutter beide Männer in ihre Pläne einbezogen hatte und welche Rollen sie spielen sollten. Bevor ich der Sache weiter nachgehen konnte, begann die Hauptkonsole laut zu piepen.
Eine grellrote Warnung erschien auf jedem Monitor.
UNBEFUGTER SYSTEMZUGRIFF ERKANNT. ISOLATIONSPROTOKOLL AKTIVIERT.
„Scheiße!“, fluchte ich und tippte schnell Befehle ein, um jeden zu blockieren, der versuchte, aus der Ferne auf das System zuzugreifen.
Doch das System ignorierte meine Befehle. Jemand hatte die Kontrolle über die Hauptkonsole übernommen, und ich konnte ihn nicht daran hindern, auf die Dateien zuzugreifen. Der zentrale Bildschirm wurde für einen Moment schwarz, bevor er ein Live-Video aus dem tiefsten Inneren der Anlage zeigte.
Ich starrte verwirrt auf den Bildschirm, denn der Ort, den das Video zeigte, war in den Bauplänen, die ich gerade untersucht hatte, nicht enthalten. Es war ein versiegelter Abschnitt auf der untersten Ebene des Komplexes, ein Ort, von dessen Existenz ich nie gewusst hatte.
Die Kamera zeigte ein kleines Mädchen, das allein in einem sauberen, weißen Raum saß. Sie hatte die Beine an die Brust gezogen und saß neben einer gewaltigen Metalltür, die mit Biogefahr-Warnschildern übersät war.
Mehrere Sekunden lang blieb das Mädchen regungslos. Dann hob sie langsam den Kopf und blickte direkt in die Kamera. Ihre dunklen Augen blinzelten nicht, während sie in die Linse starrte, als wüsste sie, dass jemand zusah.
Ich stand wie erstarrt vor den Monitoren, als plötzlich die Stimme des Mädchens aus den Lautsprechern drang.
„Du kommst zu spät, Mummy“, sagte das kleine Mädchen mit ruhiger, klarer Stimme, die mir einen Schauer über den Rücken jagte. „Die anderen haben schon angefangen, nach dir zu suchen.“
**Calistas Perspektive**Das verbrannte Gesicht auf dem Metalltisch war kaum zu erkennen, doch das Krankenhausarmband am Handgelenk der Frau war noch lesbar. Die schwarzen Buchstaben darauf bildeten einen Namen, den ich nur zu gut kannte.Maelis Arden.Ich starrte auf den Leichnam in Cassians privatem unterirdischem Krankenraum, mein Magen zog sich zusammen, während ich zu begreifen versuchte, was ich da sah. Maelis Arden war mein Geburtsname, der Name, den ich nach dem Tod meiner Mutter nicht mehr benutzt hatte, als ich als Calista Veyne bekannt wurde. Ich hatte diesen Namen zusammen mit den schmerzhaften Erinnerungen an meine Vergangenheit begraben, doch nun war er am Handgelenk einer toten Frau aufgetaucht.„Sie stand nicht auf der Liste meiner Angestellten, Calista“, sagte Cassian mit leiser Stimme, während er neben mir stand und auf die Leiche hinabsah. „Es gibt noch etwas, das Sie wissen müssen. Das Krankenhaus, das dieses Armband ausgestellt hat, wurde vor fünfundzwanzig Jahren
**Calistas Perspektive**„Milliardäre kaufen keine zweitausend Einheiten unterirdisches hitzebeständiges Metall, nur um ihre Küchen zu renovieren“, sagte ich, während ich die Informationen auf meinem Laptop studierte.Ich klappte meinen Laptop zu, und das Geräusch hallte durch mein provisorisches Büro. Cassian Rook war mehr als nur ein Rüstungsunternehmer. In meinem früheren Leben hatte seine Firma, Rook Defense Systems, die Bunker gebaut, die die Reichen und Mächtigen schützten, während alle anderen verbrannten. Doch den wenigen Aufzeichnungen zufolge, die ich vor meiner Hinrichtung hatte finden können, war Cassian aus der Öffentlichkeit verschwunden, genau als die Apokalypse begann.Nun, mit nur noch achtundneunzig Tagen bis zum Weltuntergang, kaufte Cassian heimlich industrielle Kühlanlagen, Notfall-Solarsysteme und eine verlassene Forschungseinrichtung außerhalb von Vesper City. Das waren keine Dinge, die ein Mann ohne Grund kaufte. Er bereitete sich auf etwas vor, und ich vermute
**Calistas Perspektive**Der bittere Geschmack von Blut und Asche stieg mir in den Mund und brannte in meiner Kehle, während ich um Atem rang. Verzweifelt versuchte ich, Luft zu holen, obwohl ich wusste, dass ich eigentlich gar nicht mehr am Leben sein dürfte, um zu atmen.Ich holte mehrmals tief Luft und sah mich in meiner Wohnung in der Innenstadt von Vesper City um. Alles stand genau da, wo es hingehörte. Nichts erinnerte an die sterbende Welt, an die ich mich erinnerte.Dann warf ich einen Blick auf die Uhr neben meinem Bett und sah 8:15 Uhr am 13. Oktober 2000, dasselbe Datum und dieselbe Uhrzeit, die mein Handy anzeigte. Ungläubig starrte ich auf beide Bildschirme. Irgendwie war ich in die Vergangenheit zurückgekehrt, exakt neunundneunzig Tage vor der Apokalypse.Ich starrte auf das Datum und versuchte zu begreifen, wie ich in die Vergangenheit zurückgekommen war. Ich war während der Apokalypse gestorben, und trotzdem war ich nun zurück in meiner Wohnung, neunundneunzig Tage bev
**Calistas Perspektive**Die Metallfesseln, die um meine Handgelenke geschweißt waren, hielten mich nicht nur an Ort und Stelle. Sie brannten sich auch in meine Haut und hinterließen schmerzhafte Blasen unter der heißen Wüstensonne. Es war das dritte Jahr der Apokalypse, und die Welt war zu einem Ort geworden, an dem nur die Stärksten überleben konnten.Um mich herum schrie eine wütende Menge von Überlebenden nach meinem Tod. Es waren dieselben Menschen, für deren Schutz ich mein Leben riskiert hatte, und nun wollten sie mir beim Sterben zusehen. Hinter dem dicken, verstärkten Glas des unterirdischen Bunkers stand mein Ehemann Dorian. Seine Kleidung war sauber, sein Gesicht ruhig, und er lächelte, als genösse er die Vorstellung.„Calista Veyne hat sich geweigert, die Lebensmittelvorräte zu teilen“, verkündete Dorian über die Lautsprecher, die außen am Bunker angebracht waren. Seine Stimme war klar und laut genug, dass jeder sie hören konnte. „Sie hat die Medizin für sich behalten, wäh