LOGINIm Konferenzraum herrschte eine weitaus gedrücktere Stille als gewöhnlich.Lucius saß im Zentrum des Tisches; seine Miene war vollkommen unlesbar, als er den Blick auf den Vorsitzenden Takahashi und die übrigen Vorstandsmitglieder richtete. Das war er also. Der finale Pitch. Monate der akribischen Vorbereitung hatten haargenau zu diesem Moment geführt, und Lucius dachte gar nicht daran, diesen Raum ohne den Vertrag zu verlassen.An seiner Seite ordnete Alura die Dokumente vor sich und stellte sicher, dass absolut alles in der korrekten Reihenfolge lag. Sie war unendlich nervös gewesen, als sie am Veranstaltungsort eingetroffen waren, doch in dem Moment, als die Präsentation begann, war diese Nervosität wie weggewischt. Sie wusste haargenau, was sie tat. Und Lucius wusste es ebenfalls. Er bedachte sie mit einem einzigen Blick, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder voll und ganz auf den Vorsitzenden Takahashi richtete.Der gealterte Vorsitzende lauschte aufmerksam, al
Audrey saß allein in ihrem neuen, luxuriösen Apartment und war tief in Gedanken versunken.Alura kannte ihren Geister-Ehemann unter dem Namen Lou, doch sie arbeitete ausgerechnet für Lucius Hunt, der in Wahrheit Aluras echter Ehemann war. Und Lucius’ Großmutter nannte ihn ebenfalls Lou.Das war ein verdammt kurzer, unendlich gefährlicher Bogen. Wenn Alura jemals diese Puzzleteile zusammensetzte, würde die gesamte gefälschte Ehe im Bruchteil einer Sekunde in sich zusammenbrechen. Audrey würde ihren neuen gesellschaftlichen Status und das luxuriöse Leben, das sie ihrer Meinung nach verdiente, auf der Stelle verlieren. Sie musste unbarmherzig schneller handeln, um ihre Position abzusichern und herauszufinden, was Alura tatsächlich wusste.Audrey griff nach ihrem Handy und wählte Aluras Nummer. Sie schlug vor, sich am Nachmittag auf einen Kaffee zu treffen, da es schließlich Wochenende war........................Wenig später saß Alura in einer Nische im hinte
Alura fuhr ihren Computer herunter. Sie stand auf, schlüpfte in ihre Jacke und schnappte sich ihre Tasche vom Stuhl. Dann ging sie auf Lucius’ Büro zu. Die Tür stand offen.Lucius stand an seinem Schreibtisch und ordnete einen Stapel Akten. Er trug sein Sakko nicht, und seine Krawatte hing locker herab.„Ich bin mit den Compliance-Berichten fertig, Sir“, sagte Alura von der Türschwelle aus. „Einen schönen Feierabend.“Lucius hielt mitten in der Bewegung inne. Er legte die Mappen auf den Tisch und blickte auf. Er starrte sie eine gefühlte Ewigkeit lang an, bevor er das Wort ergriff.„Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Ethan heute Morgen gefeuert wurde?“Alura erstarrte vollkommen. Ihre Augen weiteten sich vor nacktem Schock. Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Das wusste ich nicht.“Lucius ging um die Kante seines Schreibtisches herum. Er stoppte erst, als er nur noch einen halben Meter von ihr entfernt stand. Jegliche physische Distanz zwischen ihnen löste
Ethan saß in seiner kleinen, engen Nische im vierten Stock des Hunt-Group-Gebäudes und starrte geistesabwesend auf eine Tabelle auf seinem Computermonitor.Wochen waren seit der demütigenden Begegnung in der Tiefgarage vergangen. Er hatte die letzten zwei Wochen damit verbracht, Entschuldigungen auf den internen Nachrichtenseiten des Unternehmens zu verbreiten, und verweilte nun schon seit Monaten sechsunddreißig Stockwerke weit weg von der Chefetage, auf der Alura arbeitete.Jedes Mal, wenn Ethan versuchte, einen Vorwand zu finden, um die oberen Stockwerke zu besuchen, wurde ihm der Zugang verwehrt – schlichtweg weil Lucius den strikten Befehl erteilt hatte, ihn ausschließlich auf der vierten Etage zu isolieren.Ethan war rasend vor Zorn. Wie konnte es dieser Lucius wagen, sich einzumischen? Der Mann war schließlich ein CEO und kein Bodyguard. Die scharfe Verwarnung der Personalabteilung hätte Ethan eigentlich einschüchtern sollen, aber sie hatte seinen Zorn nur n
Seit Hilda das vollständige Videomaterial der Wohltätigkeitsgala erhalten hatte, spulte sie die Aufnahme unaufhörlich zurück und sah sie sich immer und immer wieder an. Es war absolut nicht nur der Tanz, der ihr Blut in Wallung brachte – es war die Art und Weise, wie Lucius dieses Mädchen angesehen hatte. Er hatte sie mit einer solchen Intimität gemustert, dass es mehr als verdächtig war.Hilda hatte Jahre damit verbracht, Lucius dazu zu bringen, sie auch nur mit einem einzigen, ehrlichen Lächeln zu bedenken, doch er hatte immer direkt durch sie hindurchgesehen und sie wie eine lästige Unannehmlichkeit behandelt. Doch in dem Video war seine Fixierung auf Alura von einer niederschmetternden Realität und fast schon besitzergreifend.Hilda griff nach ihrem Telefon. „Schickt ihn rein.“Einen Moment später öffneten sich die Türen ihres Büros. Der junge CEO, der sich bei der Auktion vor versammelter Mannschaft unendlich blamiert hatte, trat ein. Mr. Drew wirkte sichtlich
Abigail saß noch sehr lange auf ihrer Bettkante. Die Anzeige auf ihrem Nachttisch leuchtete in der Dunkelheit und wanderte bereits an Mitternacht vorbei. Sie starrte starr auf die geschlossene Tür ihres Schlafzimmers, während ihre Hände den dünnen Seidenstoff ihres Nachthemdes krampfhaft umklammerten.In ihrem Verstand rasten die Gedanken im Kreis. Stand sie kurz davor, einen monumentalen Fehler zu begehen, oder war dies die einzige Option, die ihr überhaupt noch geblieben war? Schließlich war sie es gewesen, die ihn in eine absolute Sackgasse manövriert und ihn herausgefordert hatte, als er fest davon ausgegangen war, sie würde bloß bluffen.Komm in mein Zimmer. Sobald du so weit bist.Die Worte hallten unaufhörlich in ihrem Gedankengang wider. Ihr Magen zog sich in nervösen Knoten zusammen. Sie war fünfundzwanzig Jahre alt, und doch war sie noch nie im Leben mit einem Mann intim gewesen. Sie hatte ihre gesamte Jugend damit verbracht, sich vor den Kredithaien ihre







