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Kapitel 11 – Letzter Arbeitstag

Penulis: Azilla
last update Tanggal publikasi: 2026-05-15 03:43:40

Der Freitagmorgen begann ungewöhnlich still.

Als Mara die Augen öffnete, brauchte sie einige Sekunden, um sich daran zu erinnern, warum sich etwas anders anfühlte.

Dann fiel ihr Blick auf die gepackte Reisetasche neben der Schlafzimmertür.

Heute.

Sie würde heute abreisen.

Allein der Gedanke ließ ihr Herz schneller schlagen.

Nicht vor Angst.

Zumindest nicht nur.

Es war eher dieses seltsame Gefühl kurz vor einer großen Veränderung. Wie der Moment zwischen Einatmen und Ausatmen.

Draußen lag die Stadt noch im blassen Morgenlicht. Der Himmel war wolkenverhangen, doch zum ersten Mal seit Tagen regnete es nicht.

Mara blieb einen Augenblick regungslos im Bett liegen und lauschte den Geräuschen des Hauses.

Rohre rauschten.

Jemand lief über den Flur.

Eine Tür fiel ins Schloss.

Das gewöhnliche Leben ging weiter.

Und trotzdem hatte sie das Gefühl, als würde sie sich langsam davon entfernen.

In der Küche machte sie Kaffee und öffnete das Fenster.

Kühle Luft strömte herein.

Unten auf der Straße fuhr ein Lieferwagen vorbei. Menschen warteten mit müden Gesichtern an der Ampel. Ein Mann joggte mit Kopfhörern durch den Morgen, als würde er vor irgendetwas davonlaufen.

Mara beobachtete alles still.

Sie fragte sich, ob die Menschen bemerkten, wie schnell Zeit verging.

Oder ob man erst innehielt, wenn man kurz davor war, sich selbst ganz zu verlieren.

Ihr Handy vibrierte.

Natürlich.

Mehrere neue Nachrichten aus dem Büro.

Sie ignorierte sie zuerst.

Dann nahm sie das Handy doch in die Hand.

„Bitte Präsentation final prüfen.“

„Der Kunde hat kurzfristig Änderungen.“

„Wo bleiben die neuen Zahlen?“

Mara starrte auf den Bildschirm.

Früher hätte sie sofort geantwortet.

Sofort gearbeitet.

Heute fühlte sich die Dringlichkeit plötzlich künstlich an.

Als würden Menschen ständig kleine Feuer erzeugen, nur damit niemand bemerkte, wie leer alles darunter geworden war.

Sie legte das Handy weg.

Und trank ihren Kaffee langsam bis zum letzten Schluck.

Im Büro war die Stimmung angespannt.

Schon als Mara aus dem Aufzug trat, spürte sie die Unruhe in der Luft.

Schnelle Schritte.

Gedämpfte Stimmen.

Hektisches Telefonklingeln.

Der typische Freitag.

Alle wollten fertig werden.

Niemand war wirklich fertig.

„Da bist du ja.“

Jonas stand mit einem Kaffeebecher neben ihrem Schreibtisch.

„Unsere zukünftige Aussteigerin.“

Mara lächelte.

„Klingt dramatischer, als es ist.“

„Das sagen Menschen immer kurz bevor sie auf Inseln verschwinden und Ziegen züchten.“

„Vielleicht züchte ich lieber Hühner.“

„Okay, das sehe ich tatsächlich.“

Sie lachte leise.

Es tat gut.

So leicht zu lachen.

Jonas beobachtete sie kurz aufmerksam.

„Du wirkst anders.“

„Anders gut oder anders besorgniserregend?“

„Eher so, als wärst du gedanklich schon nicht mehr hier.“

Mara blickte durch das Büro.

Die Bildschirme.

Die Glaswände.

Das künstliche Licht.

„Vielleicht bin ich das wirklich nicht mehr.“

Jonas nickte langsam.

Und überraschenderweise verstand er sofort.

Der Vormittag verging in einem Nebel aus Meetings und letzten Korrekturen.

Doch etwas hatte sich verändert.

Die Arbeit erreichte Mara nicht mehr auf dieselbe Weise.

Die Anspannung.

Der Druck.

Die künstliche Wichtigkeit.

Es wirkte plötzlich weit entfernt.

Wie Lärm hinter einer geschlossenen Tür.

Während andere hektisch diskutierten, bemerkte Mara immer wieder Kleinigkeiten.

Das fahle Sonnenlicht auf dem Teppich.

Den Wind draußen zwischen den Hochhäusern.

Das Zittern einer Pflanze auf der Fensterbank durch die Klimaanlage.

Früher hatte sie solche Dinge ständig wahrgenommen.

Vielleicht kehrte langsam etwas in ihr zurück, das lange eingeschlafen gewesen war.

Kurz nach Mittag stand sie alleine am großen Fenster des Flurs und blickte hinaus über die Stadt.

Von hier oben wirkte alles klein.

Autos bewegten sich wie winzige Lichter durch die Straßen. Menschen waren nur noch Punkte zwischen Beton und Glas.

Und plötzlich fragte Mara sich:

Wenn ich morgen verschwinde — wie lange würde es dauern, bis jemand bemerkt, dass ich weg bin?

Die Antwort machte sie traurig.

Wahrscheinlich nicht lange im Büro.

Aber vielleicht viel länger in ihrem eigentlichen Leben.

Sie hatte sich so sehr an Arbeit geklammert, dass kaum noch Platz für echte Nähe geblieben war.

„Da versteckst du dich also.“

Ihre Chefin trat neben sie.

Mara spannte sich automatisch an.

„Die Präsentation war gut“, sagte sie überraschend.

Ein seltenes Lob.

Normalerweise hätte Mara sich darüber gefreut.

Heute fühlte sie fast nichts dabei.

„Danke.“

Ihre Chefin musterte sie kurz.

„Jonas meinte, Sie nehmen sich nächste Woche frei.“

„Ja.“

„Gut.“

Sie blickte ebenfalls hinaus auf die Stadt.

„Sie arbeiten viel. Vielleicht sogar zu viel.“

Mara wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.

Weil der Satz gleichzeitig ehrlich und absurd war.

Dieses ganze System verlangte ständig mehr von Menschen — und wunderte sich dann, wenn sie daran zerbrachen.

„Passen Sie auf sich auf“, sagte ihre Chefin schließlich überraschend leise.

Dann ging sie weiter.

Mara blieb allein am Fenster zurück.

Der Satz hallte in ihr nach.

Passen Sie auf sich auf.

Sie wusste plötzlich nicht einmal mehr genau, wie das ging.

Am Abend packte sie ihren Laptop in die Tasche und fuhr den Computer herunter.

Das leise Schwarzwerden des Bildschirms fühlte sich merkwürdig endgültig an.

Für einen kurzen Moment blieb sie sitzen.

Sie dachte an all die Tage hier.

An Überstunden.

An Erschöpfung.

An stille Panikattacken auf Toiletten.

Und gleichzeitig an die Frau, die sie einmal gewesen war.

Die vom Meer geträumt hatte.

Langsam stand Mara auf.

Sie nahm ihre Jacke und ging durch das Büro Richtung Ausgang.

Niemand hielt sie auf.

Niemand bemerkte, dass sie innerlich bereits dabei war, ein anderes Leben zu betreten.

Unten vor dem Gebäude blieb sie stehen.

Der Himmel über der Stadt färbte sich langsam dunkelblau.

Wind zog zwischen den Hochhäusern hindurch.

Mara atmete tief ein.

Morgen würde sie auf einem Schiff sein.

Morgen würde das Meer vor ihr liegen.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich ihre Zukunft nicht mehr wie ein Käfig an.

Sondern wie ein Horizont.

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