LOGINIch öffne den Mund, um zu erklären, dass ich halb durchgedreht und verzweifelt war wegen der bevorstehenden Abgabefrist für das Video um 8:00 Uhr morgens, aber ich erstarre plötzlich, als es in meinem Gehirn Klick macht. „Es sei denn... was?“ Jade blinzelt unschuldig und übertrieben süß. „Es sei denn, es ist rein zufällig voller egomanischer Kampfsportler, die sich für unantastbar halten, und du bist unterwegs auf einer aktiven Suchaktion nach deiner verschwundenen besten Freundin.“ Tja, da klappt mir glatt der Kiefer herunter. „Wie bitte?!“ „Nichts, Hase“, trällert sie und wendet sich nahtlos wieder Michelle zu. „Fahr bitte fort.“ Ich will das nicht auf sich beruhen lassen – ich muss wissen, was zur Hölle sie damit eigentlich meinte. Aber mit dieser Bemerkung über die ‚verschwundene beste Freundin‘ und Mikas derzeitigem Zustand absoluter Erschöpfung: Warum bekomme ich plötzlich das ungute Gefühl, dass Jade heute Morgen ihre eigene, völlig durchgeknallte Geheimoperation durchgezog
Ich bin der festen Überzeugung, dass es kaum einen Unterschied zwischen Michelles Hand und einer Gusseisenplatte gibt – in erster Linie, weil sich die schiere Wucht anfühlt, als würde man von einem herannahenden Zug erfasst. „AUA!“, kreische ich aus voller Kehle und schlage beide Hände ins Gesicht, um meine pochende Wange zu stützen. Wie zu erwarten, richtet sich Mika zum dritten Mal in Folge pfeilgerade im Bett auf. Dieses Mal verzichtet sie jedoch auf das Kissen als Waffe und schlägt stattdessen mit wilden, unkoordinierten Karate-Chops in die leere Luft. „HI-YA! NIMM DAS, DU BASTARD!“ Unter allen anderen Umständen wäre es lächerlich komisch gewesen, aber ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, echte Tränen purer Qual zu unterdrücken. Glücklicherweise ist Mikas Akku fast genauso schnell leer, wie sie angefangen hat, und sie kippt erneut rücklings auf die Matratze zurück, ab ins Ins Schlaraffenland. Michelle starrt mich mit einem Blick voller Entsetzen und Reue an. „Oh mein
Michelle schluckt erneut schwer. Ich stöhne und reibe mir die Schläfen. „Ernsthaft, Jade? Du musst aufhören, sie zu terrorisieren. Okay, gut, ich sag dir einfach, wer–“ „Nein!“, schneidet Jade mir das Wort ab, indem sie einen einzelnen Finger hebt. „Ich frage sie, Sky. Ich will, dass sie selbst antwortet. Wenn sie in unseren inneren Kreis aufgenommen werden soll, muss ich wissen, mit was für einer Energie wir es hier zu tun haben.“ Ich versuche erneut einzugreifen. „Das ist völlig unnötig, ich kann es buchstäblich zusammenfassen–“ „Nein! Ich spreche für mich selbst“, schaltet sich Michelle plötzlich ein. Überrascht drehe ich mich um und sehe, wie sie einen tiefen, brustweitingenden Atemzug nimmt. Als sie die Augen öffnet, ist jede Spur von Feigheit verschwunden; stattdessen brennt ein entschlossener Funke in ihrem Blick. „Mein Name ist Michelle Galloway“, verkündet sie stolz und hebt das Kinn gen Himmel. „Ich studiere Musik, bin stolzer Goth und die Oberste Anführerin des Kappa-
Ich bin keineswegs überrascht, als der vertraute Duft von Jades Parfüm einen Moment später meine Nasenlöcher füllt. An der Art, wie die Matratze einsinkt und ein Schatten auf mich fällt, weiß ich, dass sie direkt an meiner Seite kniet. „Bitte weine nicht, Sky. Lass sie bloß nicht an dich heran“, flüstert sie, und wie zu erwarten, höre ich die Tränen in ihrer Stimme, während sie mir sanft übers Haar streicht. „Die Kommentare bedeuten gar nichts. Das ist nur ein Haufen hirnloser Trolle hinter ihren Tastaturen.“ Ich drehe meinen Kopf leicht und schniefe elend. „Wirklich, Jade? Es bedeutet gar nichts? Bist du dir da ganz sicher?“ „Ich meine... ja. Die Kommentare zählen nicht wirklich. Was zählt, ist die Hauptabstimmung, und deren Ergebnisse wurden noch nicht einmal bekannt gegeben!“ „Machst du Witze, Jade?!“ Aus Frust stütze ich mich auf einen Ellenbogen hoch. „Die Kommentare zählen doch! Sie zeigen, dass Trey und ich keine Stimmen bekommen! Sie zeigen, dass Shawn und Cherry gewinnen,
„Jade, glaubst du nicht, dass es langsam an der Zeit ist, mich loszulassen?“, keuche ich und drücke meine Hände gegen ihre Schultern. Jade bleibt wie ein Amboss auf mir liegen und weigert sich, auch nur einen Zentimeter zu weichen. Sie liegt jetzt schon seit fünf Minuten so auf mir. „Nö. Lass mich noch ein bisschen so liegen. Du hast absolut keinen blassen Schimmer, was für eine Scheißangst ich hatte. Ich dachte buchstäblich, irgendein Irrer hätte dich entführt, in den Kofferraum eines Autos gestopft und von einer Klippe gestürzt, um dich den wilden Tieren zum Fraß vorzuwerfen.“ Trotz des Klotzes in meinem Hals, der mich zu ersticken droht, entfährt mir ein atemloses Lachen. „Mir geht's gut, Jade. Schau, ich bin okay. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Du kannst mich jetzt loslassen, ich verspreche dir, ich erkläre alles.“ Anstatt zu antworten, kuschelt sie sich noch enger an mich und schlingt ihre Arme noch fester um mich, wobei sie mir auch noch den letzten Rest Luft aus den Lungen
SKYLAR Michelle dürfte offiziell pleite sein. Ich weiß, was du denkst – wie ist es für jemanden wie sie überhaupt möglich, pleitezugehen, wo sie mit ihrem Muscle-Car doch totale Nepo-Baby-Vibes versprüht, ganz zu schweigen davon, dass sie die unangefochtene Anführerin der Goths ist? Aber es ist passiert. Und ehrlich gesagt waren die Warnzeichen rückblickend nicht zu übersehen. Erinnerst du dich an vorhin, als Michelle voller Überzeugung verkündete – ich zitiere –: „Ich wette alles, was ich besitze, dass euer Intro-Video das von Shawn und Cherry gerade zu Staub zermalmt“? Wie sich herausstellt, hätte sie nicht meilenweiter danebenliegen können. Wenn überhaupt, wird das Intro-Video von Trey und mir gerade völlig dem Erdboden gleichgemacht. Es stellt sich heraus, dass Cherry und ihre Tussi-Clique nicht nur große Töne spuckten; unser edgy Video fällt mir jetzt direkt auf die Füße, und es tut verdammt noch mal viel weher, als ich es mir je hätte ausmalen können. Ich sitze derzeit w







