LOGINEin düsterer Fantasy-Thriller. Der sich um Zwei Undercover-Cops dreht die ein vermisstes Mädchen finden sollen und dabei in sich immer wieder verändernde Paralleluniversen geraden.
View MoreNebelbrück war eine Stadt, in der die Nacht niemals wirklich still wurde.
Selbst nach Mitternacht rauschten Autos über die nassen Straßen, alte Heizungen klopften in den Häusern, und irgendwo bellte immer ein Hund, der offenbar etwas wusste, das alle anderen längst vergessen hatten.
An diesem Abend hing dichter Nebel zwischen den Gebäuden. Die Straßenlaternen warfen blasse Lichtkegel auf das Kopfsteinpflaster. In den schmalen Gassen schienen die Schatten länger zu sein als gewöhnlich.
Es war 23:47 Uhr, als Darkorius Dunkelwald zum dritten Mal versuchte, seine Bürotür zu schließen.
Sie klemmte.
„Ich sage es dir“, murmelte er, während er gegen das Holz drückte, „irgendwann bringe ich diese Tür um.“
„Du willst eine Tür umbringen?“, fragte Sascha Spookinskie vom Schreibtisch aus. „Ist das nicht ein bisschen übertrieben?“
Darkorius, den jeder nur Darky nannte, warf seinem Kollegen einen finsteren Blick zu.
„Sie widersetzt sich der Polizei.“
„Vielleicht hat sie einen Anwalt.“
Spooky grinste und schob sich den letzten Schokoladenkeks in den Mund.
Darky war ungefähr 1,75 Meter groß, hatte lange, dunkle Haare und klare blaue Augen. Er war derjenige, der Beweise sortierte, Zusammenhänge erkannte und grundsätzlich davon ausging, dass es für jedes Rätsel eine vernünftige Erklärung gab.
Spooky war ebenfalls 1,75 Meter groß. Seine kurzen, hellen Haare standen meistens in alle Richtungen, und seine blauen Augen verrieten, dass sein Gehirn selten länger als drei Sekunden bei einem einzigen Gedanken blieb.
Er war neugierig, impulsiv und mit einer bemerkenswerten Fähigkeit ausgestattet, in den unpassendsten Momenten Witze zu machen.
Zusammen arbeiteten sie als verdeckte Ermittler in einer Spezialeinheit, die sich mit Fällen beschäftigte, bei denen die gewöhnliche Polizei nicht weiterkam.
Meistens bedeutete das organisierte Kriminalität.
Manchmal bedeutete es verschwundene Menschen.
Und gelegentlich bedeutete es, dass Spooky etwas anzündete, das besser unangezündet geblieben wäre.
„Wir sollten nach Hause gehen“, sagte Darky und griff nach seiner Jacke.
In diesem Moment klingelte das Telefon.
Beide sahen das Gerät an.
Es klingelte erneut.
„Wenn das wieder der Chef ist, bist du dran“, sagte Spooky.
„Warum ich?“
„Weil du so vertrauenswürdig aussiehst.“
Darky nahm ab.
„Dunkelwald.“
Am anderen Ende meldete sich eine aufgeregte Stimme. Es war die Nachtschicht der Einsatzleitung.
Ein sechzehnjähriges Mädchen war verschwunden.
Ihr Name war Lydia Sommers.
Sie hatte lange rote Haare, grüne Augen und war vor drei Tagen zuletzt gesehen worden. Ihr Fahrrad hatte man am Rand des Düsterhain-Waldes gefunden. Es stand aufrecht zwischen zwei Bäumen, obwohl der Boden dort abschüssig war.
Es gab keine Kampfspuren.
Keine Blutspuren.
Keine Nachricht.
Nur das Fahrrad.
Darky setzte sich langsam wieder hin.
„Was ist mit ihrer Familie?“
„Die Eltern haben sie als vermisst gemeldet. Ihre Freunde wurden befragt. Eine Freundin behauptet, Lydia habe in den letzten Wochen immer wieder von einer Tür gesprochen.“
Darky runzelte die Stirn.
„Was für einer Tür?“
„Einer Tür, die mitten in alten Ruinen steht. Angeblich leuchtet sie nachts.“
Spooky hörte auf zu kauen.
„Eine leuchtende Tür?“, fragte er.
Darky hielt den Hörer etwas vom Mund weg.
„Sei still.“
Dann wandte er sich wieder dem Telefon zu.
„Welche Ruinen?“
„Die Ruine von Rabenfels.“
Einen Moment lang sagte niemand etwas.
Die Ruine lag tief im Düsterhain-Wald. Das alte Gebäude war vor langer Zeit teilweise eingestürzt. Von seinem früheren Zweck wusste kaum jemand etwas. Es gab keine zuverlässigen Baupläne und keine vollständigen historischen Aufzeichnungen.
Die wenigen Menschen, die sich dorthin wagten, erzählten von seltsamen Geräuschen zwischen den Mauern.
Darky glaubte nicht an Spukgeschichten.
Er glaubte an Menschen, die Spukgeschichten erfanden, um andere Menschen fernzuhalten.
„Schicken Sie uns alles, was Sie haben“, sagte er.
Nachdem er aufgelegt hatte, stand Spooky bereits an der Garderobe.
„Ich hole das Auto.“
„Wir haben noch keine Einsatzfreigabe.“
„Dann hole ich eben das Auto, während du die Einsatzfreigabe organisierst.“
„Spooky.“
„Darky.“
„Du gehst nirgendwohin, bevor ich—“
Die Bürotür sprang plötzlich auf.
Beide fuhren herum.
Niemand stand davor.
Langsam bewegte sich die Tür zurück und fiel mit einem leisen Klicken ins Schloss.
Spooky starrte sie an.
„Na gut“, sagte er schließlich. „Vielleicht solltest du dich doch mit Türen versöhnen.“
Darky antwortete nicht.
Auf seinem Computerbildschirm war ein neues Fenster erschienen.
Keine Absenderadresse. Kein Programmname. Keine erkennbare Verbindung zum Netzwerk.
Nur ein einziger Satz in weißen Buchstaben auf schwarzem Hintergrund:
SIE IST NICHT MEHR IN EURER WELT.
Darunter blinkte ein Cursor.
Darky beugte sich näher zum Bildschirm.
„Hast du das geschrieben?“
„Ich? Ich kann kaum eine E-Mail ohne Rechtschreibfehler verschicken.“
Darky versuchte, das Fenster zu schließen.
Es reagierte nicht.
Dann erschienen neue Buchstaben.
DIE TÜR WARTET.
Der Bildschirm wurde schwarz.
Im selben Augenblick erlosch das Licht im gesamten Büro.
Aus dem Flur kam ein Geräusch.
Dreimaliges Klopfen.
Langsam.
Schwer.
Als würde jemand von der anderen Seite gegen eine Tür schlagen, die eigentlich gar nicht dort sein dürfte.
Spooky schluckte.
„Darky?“
„Ja?“
„Sag bitte, dass du das auch gehört hast.“
Darky zog seine Dienstwaffe, obwohl er selbst nicht wusste, gegen wen oder was er sie einsetzen wollte.
„Ich habe es gehört.“
Draußen heulte der Wind.
Und irgendwo tief im Düsterhain-Wald begann etwas blau zu leuchten.
Für einen Augenblick bewegte sich niemand.Am Ende des Ganges stand der Mann mit Darkys Gesicht. Er trug einen langen schwarzen Mantel, und seine dunklen Haare fielen ihm bis knapp über die Augen. In seiner rechten Hand hielt er die Taschenuhr mit den sieben Namen.Darky starrte ihn an.Es war, als würde er in einen Spiegel sehen, der nicht nur sein Gesicht, sondern auch etwas aus seinem Inneren zeigte. Etwas, das er selbst nie hatte sehen wollen.„Du hast gerade behauptet, ich hätte niemals geboren werden dürfen“, sagte Darky schließlich.Der Fremde nickte.„Das habe ich.“„Dann erklär mir, wer du bist.“Der Mann lächelte schwach.„Ich bin Darkorius Dunkelwald.“Spooky hob langsam die Hand.„Entschuldigung, ich hätte da eine kleine Frage.“Darky schloss kurz die Augen.„Nicht jetzt,
Die Uhr zeigte 06:59.Darky starrte auf das Zifferblatt seiner Armbanduhr. Der Sekundenzeiger bewegte sich nicht mehr. Er stand genau zwischen zwei Strichen, als hätte selbst die Zeit Angst vor dem, was gleich geschehen würde.Vor ihnen standen die sieben kleinen Türme auf der Wiese. Jeder war kaum höher als ein Mensch, jeder aus einem anderen Material gebaut. Einer bestand aus schwarzem Stein, einer aus Glas, einer aus rostigem Metall. Der dritte schien aus Holz zu bestehen, das sich bewegte wie Haut.Und alle sieben hatten ein Zifferblatt.„Eine Minute“, flüsterte Lydia.„Bis was genau?“, fragte Spooky.Elias sah ihn finster an. „Bis der siebte Schlag ertönt.“„Ja, danke. Das hatte ich mir beinahe gedacht. Ich meinte eher, was dann passiert.“„Dann werden alle Kinder zurückgerufen, die jemals durch die Türen gegangen sind.“
„Willkommen zu Hause.“Die Stimme des Namenlosen erfüllte das alte Haus.Für einen Augenblick bewegte sich niemand.Darky richtete seine Dienstwaffe auf die Gestalt am oberen Ende der Treppe. Lydia stand dicht hinter ihm, während Spooky versuchte, einen besseren Blick auf die Frau zu bekommen. Elias hingegen starrte sie an, als hätte er gerade einen Geist gesehen, den er seit neunundneunzig Jahren zu vergessen versuchte.„Mutter?“, flüsterte er.Die Gestalt neigte den Kopf.„Du hast lange gebraucht, mein Junge.“Elias schüttelte langsam den Kopf.„Nein. Du bist nicht sie.“„Natürlich bin ich es.“„Meine Mutter hatte braune Augen.“Das Lächeln der Gestalt verschwand.„Und du hattest früher weniger graue Haare“, erwiderte sie.Spooky hob einen Finger.„Tec
„Du hast nur den falschen Bruder begraben.“Die Worte hallten durch die gewaltige Halle unter dem Uhrenturm.Elias stand wie erstarrt vor der Gestalt, die aus der Dunkelheit getreten war. Sein Gesicht war bleich geworden. Die Hände zitterten, und zum ersten Mal, seit Darky, Spooky und Lydia ihm begegnet waren, schien ihm jede seiner bissigen Antworten vergangen zu sein.Darky hob seine Waffe.„Elias, wer ist das?“Keine Antwort.„Elias!“Der Mann vor ihnen lächelte.Er sah genauso aus wie Elias. Dieselben Narben, dieselben grauen Augen, dieselben dunklen Haare. Sogar die alte Narbe an seiner linken Schläfe war vorhanden.Doch etwas stimmte nicht.Sein Schatten bewegte sich in die falsche Richtung.Spooky bemerkte es ebenfalls.„Darky?“„Ich sehe es.“„Gut. Ich wollte nur sicherstellen, dass ich nicht der Ei
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