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Kapitel 3

Author: Eternity
Die Willkommensfeier fand im Lucchese-Club in Manhattan statt. Von außen wirkte das Gebäude wie ein verlassenes Theater. Innen jedoch versammelten sich New Yorks angesehenste Kriminelle: Politiker, Anwälte, Hafenbosse, Banker und alle Verbündeten, die Damian brauchte, um seinen Thron zu sichern.

In fünf Jahren hatte er nie ein öffentliches Abendessen für mich veranstaltet. Serena kehrte zurück, und er schenkte ihr die ganze Stadt als Publikum.

Sie betrat den Saal an Damians Arm und trug den Obsidian-Anhänger der Luccheses am Hals. Er war das Symbol der Ehefrau des Paten. Vor fünf Jahren hatte Damian mir gesagt, es sei zu gefährlich, ihn in der Öffentlichkeit zu tragen, und hatte ihn in einem Safe verschlossen. Mir hatte er ihn nie angelegt.

Jetzt lag er an Serenas Schlüsselbein.

Flüsternde Stimmen gingen durch die Menge.

„Also ist sie die Richtige.“

„Der Pate hat seine Ehefrau fünf Jahre lang versteckt, weil er auf die jüngere Vega-Tochter gewartet hat.“

„Wir sollten sie besser Frau Lucchese nennen.“

Meine Eltern standen mitten im Saal und lächelten vor Stolz – ein Stolz, der mir nie gegolten hatte. Vor Jahren, als sie mit meiner Ehe prahlen wollten, hatte Damian sie kalt zum Schweigen gebracht. Sie hatten dadurch ihr Gesicht verloren – wegen mir – und mich deshalb noch mehr gehasst. Heute Abend schenkte ihnen Serena endlich den Ruhm, den sie sich gewünscht hatten.

Damian hob sein Glas. „Serena war zu lange nicht in New York. Von heute Abend an bleibt sie das Juwel der Familie Vega, und jemand, den die Familie Lucchese beschützen wird.“

Donnernder Applaus erfüllte den Club.

Serena nahm das Mikrofon, Tränen schimmerten in ihren Augen. „Die Person, der ich am meisten danken möchte, ist meine Schwester. Eve hat so viel für mich getragen und war immer bereit, mir das Beste von allem zu geben. Ohne sie wäre ich heute nicht hier.“

Alle Blicke wandten sich zu mir.

Ich stand hinter einer Säule auf dem Balkon im zweiten Stock und hob mein Glas.

„Willkommen zu Hause.“

Je ruhiger ich blieb, desto deutlicher zeigte sich die Enttäuschung in Serenas Blick.

Dann kamen die Geschenke. Mein Vater schenkte ihr eine Yacht. Meine Mutter legte ihr die Saphirkette unserer Großmutter um den Hals – jene Kette, die eigentlich der ältesten Tochter hätte zustehen sollen.

Schließlich rollte Damians Unterboss ein schwarzes Samtkästchen herbei. Darin befand sich die Eigentumsurkunde für das Weingut San Lorenzo in der Toskana. Es war nicht nur ein Weinberg. Es war das makelloseste öffentliche Aushängeschild des Lucchese-Vermögens.

Serena warf sich in Damians Arme und weinte genau im richtigen Moment.

Der Saal jubelte.

Als ich an der Reihe war, bat ich einen Kellner, eine schmale Mahagonibox herüberzubringen.

„Ein Willkommensgeschenk.“

Darin hätte eigentlich ein Rubinarmband liegen sollen. Es war das Erste, das Damian mir nach unserer Hochzeit geschenkt hatte, und ich wollte es längst nicht mehr.

Serena öffnete die Box vor allen.

Das Armband war verschwunden.

Auf dem Samt lag stattdessen eine blutverschmierte silberne Kugel, festgesteckt unter einer schwarzen Karte, auf der ein einziger Satz stand: „Hochstaplerin. Begleich deine Schulden.“

In der Halle wurde es totenstill. Dann schrie jemand.

Serena taumelte zurück, eine Hand auf ihren Bauch gepresst, das Gesicht kreidebleich. „Eve, warum erschreckst du mich so? Ich wollte doch nur nach Hause kommen.“

Mein Vater knallte sein Glas auf den Tisch. „Eve! Sie ist deine Schwester!“

Meine Mutter stellte sich schützend vor Serena und brach in Tränen aus, als hätte ich ihr ein Messer an die Kehle gesetzt. „Du kannst es nicht ertragen, dass alle sie lieben. Du kannst es nicht ertragen, dass Damian sich um sie sorgt, deshalb musstest du ihr den Abend ruinieren.“

Ich sah Serena an. Sie weinte in Damians Armen. Doch für den Bruchteil einer Sekunde zogen sich ihre Mundwinkel nach oben.

Ich verstand.

Sie wollte nicht nur meinen Platz. Sie wollte sicherstellen, dass ich nie wieder davon zurückkommen konnte.

„Jemand hat die Box vertauscht“, sagte ich.

Meine Stimme ging im Lärm unter.

Damian hielt Serena fest im Arm und sah mich an, als würde ich direkt in den Lauf seiner Waffe blicken.

„Eve, ich dachte, du hättest wenigstens eine Grenze, die du nicht überschreitest.“

Ich wollte es erklären, doch einer der Lucchese-Wachmänner drängte sich durch die Menge. In dem Chaos bewegte er sich so, als würde er Serena beschützen, und rammte dann seine Schulter direkt gegen meine.

Ich fiel rückwärts und stieß gegen den Champagnerturm. Glas zersplitterte auf dem Boden. Eine Scherbe riss meine Wade auf, und die Tischkante traf meinen Unterbauch so hart, dass der Schmerz mir die Wirbelsäule hinaufschoss.

Damian sah zu mir zurück.

Nur ein einziges Mal.

Serena weinte an seiner Brust. „Damian, mir tut der Bauch weh.“

Also wandte er sich ab, hob sie auf seine Arme und ging. Die Ärzte, Wachmänner und sein Unterboss folgten ihm hinaus.

Ich rutschte zu Boden, eine Hand abgestützt am Tischbein, während die Stimme meiner Mutter durch den Saal schnitt:

„Karma. Genau das ist es.“

In meinem letzten Leben war es Schnee gewesen.

In diesem Leben war es Blut.

Solange Serena da war, würden sie mich immer zurücklassen.

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