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Kapitel 4: Die Frau hinter dem CEO

Penulis: Zarelatells
last update Tanggal publikasi: 2026-06-15 16:36:52

POV: Cassie

Das Gebäude fühlte sich heute nicht mehr so an wie früher.

Es fühlte sich an, als wäre bereits etwas Unumkehrbares passiert und alle darin würden nur so tun, als hätten sie noch Kontrolle.

Ich konnte nicht schlafen.

Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich den Ordner. Die Namen.

Das Wort „Kollateral“, das mein Gehirn immer noch nicht vollständig akzeptieren wollte.

Also hörte ich auf zu versuchen.

Und ging stattdessen zur Arbeit, als hätte sich in mir nichts verändert.

Das war das, worin ich gut war.

Die Security kontrollierte meinen Ausweis zweimal. Genau.

Als würde er auf etwas warten.

Der zweite Wachmann beugte sich näher an den Bildschirm, als würde er erwarten, dass er sich verändert, wenn er lange genug hinsah.

Diese Stille war nicht normal. Es war Wiedererkennen.

Dann gab er ihn ohne ein Wort zurück.

Drinnen sah die Empfangsdame nicht auf. Sie schob mir einen temporären Pass über den Tresen.

„Neues Zugangssystem“, sagte sie.

Ihre Stimme klang nicht wie Information.

Die Etage des CEOs war anders.

Hier lief niemand mehr.

Hier positionierten sich die Leute.

Und dann spürte ich es.

Blicke.

Die mir folgten, ohne offensichtlich genug zu sein, um erwischt zu werden.

Ich hielt den Kopf gesenkt.

Aber zum ersten Mal fühlte sich Unsichtbarkeit nicht wie Sicherheit an.

Sondern wie Überwachung ohne Erlaubnis.

„Cassie.“

Mein Name stoppte mich sofort.

Nicht, weil ich die Stimme nicht erkannte.

Sondern weil sie nicht in diese Umgebung gehörte.

Es war eine Frau.

Aber sie war nicht einfach „eine Frau im Anzug“.

Sie wirkte, als wäre sie in die Architektur des Gebäudes eingebaut worden.

Sie brauchte mich nicht zu bitten, ihr zu folgen.

Sie drehte sich einfach um und ging.

Und ich folgte.

Wir gingen an Türen vorbei, von denen ich nicht wusste, dass es sie im Gebäude gab.

Bis sie vor einer Tür ohne Beschriftung anhielt.

Ein Scan.

Sie öffnete sich.

Sie trat zuerst ein. Ich folgte eine Sekunde zu spät. Und wusste sofort, dass dieser Raum nicht für Meetings, sondern für Kontrolle war.

Er war bereits da.

Der CEO.

Sitzend. Wartend.

Das war das Erste, was mich verunsicherte.

Nicht, dass er da war.

Sondern dass er nicht überrascht wirkte.

Als wäre ich bereits in einem System berücksichtigt worden, von dem ich nicht einmal wusste, dass es existierte.

Sein Blick hob sich langsam und fiel auf mich.

„Du hast sie gebracht“, sagte er zu der Frau.

Seine Stimme war nicht laut. War sie nie.

Die Frau antwortete nicht sofort.

„Setz dich“, sagte er.

Ich bewegte mich nicht. Nicht aus Mut.

Aus Instinkt.

Die Frau sprach, bevor die Spannung eskalieren konnte.

„Lass sie stehen.“

In diesem Satz lag Geschichte.

Nicht erklärt. Gefühlt.

Der Blick des CEOs ging zu ihr.

Ein stummer Widerspruch ging zwischen ihnen hin und her.

Dann wieder zu mir.

Immer wieder zu mir.

„Cassie Manchester“, sagte er langsam.

„Ich …“, begann ich.

„Ich habe dich nicht gefragt, was du glaubst zu wissen.“

Die Frau trat nach vorne.

Sie legte einen Ordner auf den Tisch.

Ohne Zögern.

Nur Wirkung.

Mein Blick blieb sofort daran hängen, bevor ich überhaupt verstand, warum.

Damien Manchester.

In großen Buchstaben geschrieben.

Der CEO sah den Ordner nicht an.

Er sah mich an.

„Dieser Name gehört nicht an das Ende dieser Geschichte“, sagte er leise.

„Welche Geschichte?“, fragte ich.

Die Frau antwortete statt ihm.

„Die, die nie richtig beendet wurde.“

Ich schüttelte leicht den Kopf.

„Nein. Die Firma meines Vaters ist zusammengebrochen. Das ist alles.“

Eine Pause.

Dann stand der CEO auf.

Langsam.

Und plötzlich fühlte sich der Raum kleiner an.

Nicht physisch.

Als hätte seine Präsenz die Geometrie des Raumes verändert.

„Zusammengebrochen“, wiederholte er.

„Das ist das, was man dir gesagt hat?“

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Denn mir gefiel nicht, wie er es sagte. Als hätte man mir Sprache statt Wahrheit gegeben.

Die Frau sah mich endlich richtig an.

„Es gab einen Deal“, sagte sie. „Vor dem Zusammenbruch. Vor der öffentlichen Version der Ereignisse.“

Meine Finger krümmten sich leicht.

„Das habe ich schon gehört.“

„Nein“, sagte sie ruhig. „Du hast Fragmente gehört.“

Der CEO machte einen Schritt näher zum Tisch.

Er setzte sich nicht, sondern beobachtete.

„Du warst Teil der Vereinbarung“, sagte er.

Mein Atem stockte.

„Nein.“

„Diese Reaktion ist genau der Grund, warum man es dir nicht gesagt hat“, sagte sie.

Ich spürte, wie sich etwas in mir verschob.

Der Ordner wurde zu mir geschoben.

Langsam.

Absichtlich.

Ich berührte ihn nicht. Ich konnte nicht.

Aber ich sah genug.

Die Unterschrift meines Vaters.

Eine weitere Unterschrift daneben.

Die des CEOs.

„Nein“, flüsterte ich wieder.

Mein Magen sackte ab, ich weigerte mich.

„Du warst gelistet“, sagte er.

Der CEO beobachtete mich genau. Als würde er entscheiden, ob ich belogen worden war.

Oder vollständig aus der Wahrheit gelöscht.

„Gelistet als was?“

Stille.

Dann antwortete die Frau.

„Kollateral.“

Das Wort hing in der Luft, als würde mein Gehirn es nicht übersetzen wollen.

Dann traf es mich. Hart.

„Ich war ein Kind“, sagte ich.

Meine Stimme brach leicht.

„Ich weiß“, antwortete der CEO sofort.

Das war schlimmer.

Denn es bedeutete, dass er nicht riet. Er bestätigte Erinnerungen.

Die Frau trat näher an den Tisch. Nicht zu mir.

Zu ihm.

Diese Bewegung allein veränderte etwas, das ich nicht benennen konnte.

„Du wusstest nicht, dass sie in der operativen Klausel existiert“, sagte sie.

Ich hasste, wie das klang. Als wäre ich eine Zeile in einem Dokument.

Nicht ein Mensch.

Dann sagte er etwas leiser.

„Ich wusste nicht, dass sie es aktiv gehalten haben.“

Mein Kopf ruckte leicht hoch.

„Aktiv?“, wiederholte ich.

Die Frau sah ihn kurz an und dann wieder mich.

Und zum ersten Mal lag da so etwas wie Mitleid.

„Jemand hat die Vereinbarung wieder geöffnet, Cassie“, sagte sie.

Victorias Stimme flackerte in meiner Erinnerung auf. Also war es nicht nur Gerede.

Es war real.

Der CEO atmete einmal aus.

„Das bedeutet“, sagte er langsam, „jemand bereitet vor, es zu beenden.“

Ich wich unbewusst einen Schritt zurück.

„Was bedeutet das für mich?“

Die Frau antwortete sofort. „Es bedeutet, dass du nie dafür gedacht warst, unsichtbar zu bleiben.“

„Du warst dafür gedacht, gefunden zu werden.“

Das Wort landete anders.

Gefunden.

Wie ein Objekt. Wie ein Schlüssel.

Der CEO sah mich endlich wieder direkt an.

Und diesmal senkte sich seine Stimme noch weiter.

„Du bist nicht außerhalb dieses Systems, Cassie.“

Dann der letzte Schlag.

„Du bist in dem Teil, der es in Bewegung hält.“

Und zum ersten Mal seit all dem verstand ich den wahren Konflikt.

Es ging nicht um meinen Vater, nicht um eine Firma, nicht einmal um den CEO.

Es ging um mich.

Und was auch immer ich in diesem System war, hatte nie aufgehört, aktiv zu sein.

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