[AARON – POV]
Die Tür zu meinem privaten Büro war kaum zehn Minuten geschlossen, als Mason sich selbst hereinließ. Er klopfte nicht. Er warf einfach einen dicken Ordner auf meinen Schreibtisch und ließ sich in einen der Ledersessel fallen, wobei er bequem die Beine übereinanderschlug.
„Du machst einen Fehler, Aaron“, sagte Mason. Seine Stimme klang völlig anders als die Wärme, die er den Rookies gegenüber normalerweise zeigte.
Ich hob den Blick nicht von meinem Laptop, obwohl ich seit meiner Rückkehr vom Eis keine einzige Zeile auf dem Bildschirm wirklich gelesen hatte.
„Ich kann mich nicht erinnern, dich nach deiner Meinung gefragt zu haben, Mase.“
„Hast du auch nicht. Aber ich gebe sie dir trotzdem, weil du vor einer Stunde aussahst, als würdest du gleich durch die Bande fahren“, erwiderte Mason und klopfte mit den Knöcheln gegen den Ordner.
„Das ist ihre Personalakte. Standardmäßige Hintergrundüberprüfung, Lebenslauf, bisherige Anstellungen. Ich habe sie aus dem Büro von Marcus’ Assistenten geholt, bevor sie Lauretta ins zentrale Unternehmenssystem eingetragen haben.“
Meine Hand verharrte über der Tastatur.
Ich wollte den Ordner nicht öffnen.
Und gleichzeitig wollte ich nichts lieber, als ihn aufzuschlagen und jedes einzelne Wort darin auswendig zu lernen.
„Sie sieht anders aus“, murmelte ich. Die Worte waren heraus, bevor ich sie zurückhalten konnte.
Ich klappte den Laptop mit einem scharfen Geräusch zu und lehnte mich in meinem Stuhl zurück.
„Sie sieht … müde aus.“
„Sie hat fünf Jahre lang ein echtes Leben geführt, während du in einem Luxus-Penthouse gewohnt hast“, entgegnete Mason ruhig und musterte mich aufmerksam.
„Hör zu, Aaron. Ich war dabei. Ich erinnere mich daran, wie schlimm es wurde, als sie dir das Herz gebrochen hat. Ich erinnere mich an die Kartons, den Alkohol und die Streitereien. Aber sie ist jetzt die Senior-PR-Managerin. Marcus hat sie eingestellt, weil sie brillant ist, nicht weil sie deine Ex ist. Was auch immer vor fünf Jahren passiert ist, schlepp es nicht mit an deinen Arbeitsplatz. Dieses Team kann sich kurz vor den Playoffs kein Chaos in der Chefetage leisten.“
„Ich schleppe überhaupt nichts irgendwohin“, sagte ich kalt. „Ich will nur wissen, warum sie hier ist.“
Mason seufzte und erhob sich aus dem Sessel. Er ging zur Tür und blieb mit der Hand auf dem Messinggriff stehen.
Dann sah er mich an. Sein Gesicht war plötzlich vollkommen ernst.
„Sei einfach vorsichtig, Mann. Manche Geister lässt man besser begraben.“
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[LAURETTA – POV]
Das PR-Büro im dritten Stock roch nach frisch gedrucktem Papier und teurem Parfüm.
Marcus Vance führte mich durch den offen gestalteten Bereich und stellte mich den Grafikdesignern, Social-Media-Koordinatoren und Textern vor.
Die meisten begrüßten mich freundlich. Sie wurden von Medienanfragen geradezu überrollt und waren sichtlich erleichtert, dass endlich eine erfahrene Führungskraft die Kontrolle übernahm.
„Und zum Schluss, Lauretta, möchte ich dir noch Olivia Brooks vorstellen“, sagte Marcus und blieb vor einem eleganten Büro mit Glaswänden am Ende des Flurs stehen.
„Olivia ist unsere stellvertretende PR-Direktorin. Sie hat in den letzten drei Monaten den Laden am Laufen gehalten, während wir nach der richtigen Besetzung gesucht haben.“
Olivia erhob sich mit müheloser Eleganz von ihrem Schreibtisch.
Sie war atemberaubend.
Perfekt geschnittene cremefarbene Hosen, ein makelloses Blowout-Styling und ein strahlendes Lächeln, das ihre Augen jedoch nicht ganz erreichte.
„Lauretta“, sagte Olivia und streckte mir die Hand entgegen.
Ihr Händedruck war fest. Ihre manikürten Fingernägel strichen leicht über meine Haut.
„Es ist mir eine absolute Freude, dich endlich kennenzulernen. Wir waren alle unglaublich begeistert, als Marcus sagte, er hätte jemanden … von außerhalb gefunden. Es ist erstaunlich, wie schnell manche Menschen in dieser Branche aufsteigen, ohne vorher Erfahrung im Sportmarketing gesammelt zu haben.“
Die Beleidigung war in eine Schicht aus purem Zucker gehüllt, aber der Stich war unübersehbar.
„Danke, Olivia“, erwiderte ich und hielt mein Lächeln perfekt aufrecht. Mein professioneller Schutzschild war vollständig aktiviert.
„Meiner Erfahrung nach interessiert sich Krisenmanagement nicht dafür, wo eine Krise stattfindet. Ein Feuer ist ein Feuer – ganz gleich, ob es in einem Sitzungssaal eines Unternehmens oder auf einer Eishockeybahn ausbricht. Ich freue mich darauf, deine Kenntnisse über den regionalen Markt zu nutzen, um unsere Arbeit effizienter zu gestalten.“
Olivias Lächeln wurde um eine winzige Nuance angespannter.
„Natürlich. Alles, was ich tun kann, um zu helfen.“
„Ausgezeichnet“, sagte Marcus und sah auf seine Uhr. „Olivia, warum hilfst du Lauretta nicht dabei, sich in ihrem Büro einzurichten, und führst sie durch die aktuellen Kampagnenpläne? Ich habe unten in den Konferenzräumen noch eine Vorstandssitzung.“
Kaum waren Marcus’ Schritte im Flur verklungen, veränderte sich die Atmosphäre augenblicklich.
Die Wärme verschwand aus Olivias Gesicht.
Sie ging zu einem Drucker, nahm drei riesige, gebundene Stapel Papier an sich, die aussahen, als würden sie jeweils mindestens fünf Kilo wiegen, und ließ sie mit einem dumpfen Wumm auf meinen Schreibtisch fallen.
„Das sind die historischen Medienrichtlinien, die regionalen Pressekontakte der letzten vier Spielzeiten und die Spielerarchive“, sagte Olivia mit leiser, scharfer Stimme.
„Du musst alles bis Ende der Woche durchgesehen haben. Deinen digitalen Kalender habe ich bereits mit den regulären Abteilungsbesprechungen aktualisiert.“
„Danke“, sagte ich und stellte meine Aktentasche ab.
„Gibt es heute Nachmittag noch dringende Pressekonferenzen oder Spielerinterviews?“
„Nichts, was im Kalender steht“, antwortete Olivia glatt und strich über die Vorderseite ihrer Designerkleidung.
„Heute ist nur ein ruhiger Einarbeitungstag für dich. Nimm dir Zeit, dich zurechtzufinden, Lauretta. Wir wollen ja nicht, dass du dich gleich am ersten Tag überfordert fühlst.“
Sie schenkte mir noch ein strahlendes, vollkommen leeres Lächeln und drehte sich auf dem Absatz um.
Dann ließ sie meine Bürotür weit offen stehen.
Zehn Minuten später verstand ich genau, was Olivias „Freundlichkeit“ in der Praxis bedeutete.
Ein junger Texter steckte den Kopf durch meine Tür. Seine Augen waren weit aufgerissen.
„Ms. Hayes? Die regionale Radiostrategie-Besprechung um 14 Uhr hat gerade im großen Konferenzraum angefangen. Marcus wollte wissen, wo Sie sind.“
Mein Magen zog sich zusammen.
Ich sah auf meinen digitalen Kalender.
Er war vollkommen leer.
Olivia hatte nicht einfach vergessen, mir von der Besprechung zu erzählen.
Sie hatte sie absichtlich nicht in meinen Kalender eingetragen.
Damit würde meine erste offizielle Handlung in diesem Job darin bestehen, zu spät zu einer Besprechung auf Führungsebene zu erscheinen.
Wenn Olivia Brooks einen Krieg will, hat sie keine Ahnung, mit wem sie sich anlegt, dachte ich und spürte, wie sich eine kalte, kämpferische Energie in meiner Brust ausbreitete.
Ich hatte einen gewalttätigen Vater und eine Hochrisikoschwangerschaft überlebt.
Eine ehrgeizige Karrierefrau würde mich nicht kleinbekommen.
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Gegen 16:30 Uhr waren die Verwaltungsbereiche fast leer, da die Mitarbeiter langsam Feierabend machten.
Ich stand neben meinem Schreibtisch und versuchte, den Berg an Unterlagen zu sortieren, den Olivia mir hinterlassen hatte, als plötzlich das Licht aus dem Flur blockiert wurde.
Die Luft im Raum schien augenblicklich zu verschwinden.
Aaron kam herein.
Er hatte seine Trainingskleidung gegen einen maßgeschneiderten anthrazitfarbenen Anzug getauscht, der die breiten, kräftigen Linien seiner Schultern noch stärker betonte.
Er schloss die Tür hinter sich.
Durch die Glaswand konnte ich Olivia auf dem Flur sehen. Sie war am Wasserspender stehen geblieben und beobachtete mit zusammengekniffenen Augen, wie der Mannschaftskapitän mein privates Büro betrat und die Tür hinter sich schloss.
Die rohe, spürbare Spannung zwischen uns war unmöglich zu übersehen.
Aaron sah nicht zum Glas.
Seine eisgrauen Augen waren ausschließlich auf mich gerichtet.
Er kam näher, bis sich der Raum plötzlich kleiner, heißer und vollkommen unausweichlich anfühlte.
„Warum bist du hier, Lauretta?“, fragte Aaron.
Seine Stimme war tief, rau und voller Verbitterung.
„Ich arbeite hier, Mr. Carter“, erwiderte ich und hielt meine Hände flach auf dem Schreibtisch, um das leichte Zittern meiner Finger zu verbergen.
„Ich bin die Senior-PR-Managerin. Mein Büro ist den Flur hinunter. Wenn Sie eine Medienanfrage haben, reichen Sie sie bitte wie alle anderen Spieler über das digitale Portal ein.“
„Chicago hat Tausende von Kommunikationsagenturen“, sagte Aaron und trat näher.
Sein Kiefer spannte sich so stark an, dass die Muskeln an seinem Hals hervortraten.
„Dutzende Sportagenturen. Und du willst mir erzählen, dass du zufällig in der Chefetage genau meines Teams gelandet bist? Was für ein Spiel spielst du? Warum jetzt?“
„Du glaubst, ich bin wegen dir hier?“
Ich stieß ein scharfes, ungläubiges Lachen aus. Die Absurdität seiner Arroganz verdrängte für einen Moment meine Angst.
„Glaubst du wirklich, dass sich meine ganze Welt um deine Karriere dreht, Aaron? Ich wusste nicht einmal, dass diese Stelle bei den Blizzard war, bis mir die endgültigen Unterlagen zugeschickt wurden. Ich habe den Job angenommen, weil er ein vernünftiges Gehalt zahlt und ich eine Familie zu versorgen habe. Deine Anwesenheit hier ist nichts weiter als ein bedauerlicher Bestandteil meines Berufs.“
„Ein Bestandteil deines Berufs?“
Aaron schnellte nach vorn.
Seine großen Hände landeten flach auf meinem Schreibtisch. Er beugte sich zu mir hinunter, sodass ich den scharfen, frischen Duft seines Parfüms riechen konnte.
„Vor fünf Jahren bist du aus unserer Wohnung gegangen, hast deine Telefonnummer abgestellt und bist spurlos verschwunden, nachdem du mich auf die berechnendste und grausamste Weise betrogen hattest, die man sich vorstellen kann. Du hast alle Antworten mitgenommen, Lauretta. Ich saß allein in diesem leeren Zimmer – mit den Kontoauszügen, den Fotos von dir mit einem anderen Mann und den Geschenken. Beweise dafür, dass alles, was wir aufgebaut hatten, eine Lüge war.“
„Beweise?“
Ich unterbrach ihn.
Meine Stimme brach, während mein Herz heftig gegen meine Rippen schlug.
Ich sah zu ihm auf, die Stirn in echter, unverfälschter Verwirrung gerunzelt.
„Wovon redest du? Welche Fotos? Welche Kontoauszüge?“
Aaron erstarrte.
Seine grauen Augen suchten mein Gesicht ab. Er suchte nach dem kleinsten Anzeichen einer Lüge, nach dem schuldbewussten Blick einer Frau, deren Täuschung gerade aufgeflogen war.
Doch er fand nichts.
Für einen kurzen Moment huschte tiefe, beunruhigende Unsicherheit über sein Gesicht.
Meine Verwirrung war zu echt.
„Tu nicht so unschuldig“, flüsterte Aaron, obwohl die Gewissheit in seiner Stimme zum ersten Mal seit fünf Jahren ins Wanken geriet.
„Du bist gegangen.“
„Lustig“, fauchte ich.
Eine heiße Träne lief über meine Wimpern, bevor ich sie wegwischen konnte.
„Ich erinnere mich daran, dass ich diejenige war, die zurückgelassen wurde, während die Boulevardzeitungen Bilder von dir mit Vanessa Whitmore in London veröffentlichten. Ich erinnere mich daran, wie ich dich angerufen habe und sie ans Telefon gegangen ist, um mir zu sagen, ich sei für dich nichts weiter als eine College-Affäre gewesen.“
Meine Stimme zitterte.
„Du hast dich für deinen Ruhm entschieden, Aaron. Du hast dich für ihre Herkunft entschieden. Also wag es nicht, in mein Büro zu kommen und die Geschichte umzuschreiben, nur damit du dich besser fühlst, weil du mich verlassen hast.“
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Draußen hinter der Glaswand ging Olivia Brooks langsam an der Tür vorbei und tat so, als würde sie einen Ordner in den Händen studieren.
Ihre Ohren waren praktisch gegen den Türrahmen gepresst.
Durch die schwere Holztür konnte sie die Worte nicht genau verstehen, aber die rohe, verzweifelte Wut in meiner Stimme drang durch den Spalt unter der Tür.
„Du hast mich verlassen.“
Olivia blieb stehen.
Ein scharfer, berechnender Ausdruck trat in ihre Augen.
Die neue PR-Managerin war also nicht nur eine gewöhnliche Neueinstellung.
Sie hatte eine Vergangenheit mit dem Ice King.
Bevor Aaron antworten konnte, wurde die Tür plötzlich aufgestoßen.
Marcus Vance trat herein, völlig ahnungslos, dass er gerade mitten in eine emotionale Krise platzte.
„Ah, Aaron. Ausgezeichnet, dass du noch hier bist. Lauretta, ich sehe, du hast bereits unseren Kapitän kennengelernt.“
„Wir haben uns gerade kennengelernt, Mr. Vance“, sagte ich und trat vom Schreibtisch zurück. Meine Stimme hatte wieder ihren kühlen, professionellen Klang angenommen.
„Gut. Denn ihr beiden werdet die nächsten zweiundsiebzig Stunden praktisch unzertrennlich sein.“
Marcus warf einen glänzenden, silbernen Ordner auf meinen Schreibtisch.
„Die jährliche Wohltätigkeitsgala der Blizzard findet diesen Freitag statt. Es ist unsere größte Spendenveranstaltung der Saison. Die Medienberichterstattung ist landesweit und Aaron ist unser Ehrengast.“
Er sah mich an.
„Lauretta, du leitest die gesamte Pressearbeit, die Koordination des roten Teppichs und die Interviewpläne der Spieler. Ich brauche euch beide vollkommen abgestimmt.“
Keiner von uns bewegte sich.
„Verstanden“, sagte Aaron schließlich.
Seine Stimme war rau, als er sein Jackett glattstrich.
Seine grauen Augen brannten sich mit einer Intensität in meine, die deutlich machte, dass dieses Gespräch noch lange nicht beendet war.
Dann drehte er sich um und verließ den Raum, ohne ein weiteres Wort.
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[LAURETTA – POV]
Die Wohnung war warm, als ich um sieben Uhr die Tür aufschloss.
Der vertraute Duft von Tante Beatrices Hühnereintopf erfüllte die kleine Küche.
„Mommy!“
Ryan ließ seinen kleinen Hockeyschläger fallen und rannte durch das Wohnzimmer, um seine Arme um meine Beine zu schlingen.
„Hast du es gesehen? Hast du die Eisbahn gesehen? Hast du ihn getroffen?“
Mein Herz zog sich zusammen, als ich auf sein aufgeregtes, gerötetes Gesicht hinabsah.
Ich war so erschöpft, dass sich meine Knochen schwer anfühlten. Die Begegnung mit Aaron hallte noch immer wie ein wiederkehrender Albtraum durch meinen Kopf.
„Ich hatte einen sehr anstrengenden Arbeitstag, Ry“, flüsterte ich und kniete mich hin, um ihn fest zu umarmen.
„Schau, was Tante Estie uns mitgebracht hat!“, sagte Raynell leise und kam auf mich zu.
Sie hielt ein kleines, silberfarben gerahmtes Foto hoch.
Es zeigte mich an meinem Abschluss – mit den Zwillingen im Arm, als sie noch Babys gewesen waren.
Ich lächelte sanft, nahm den Rahmen entgegen und stellte ihn auf die kleine Kommode im Eingangsbereich, direkt neben meine Autoschlüssel.
Morgen würde ich ihn mit in mein neues Büro nehmen.
Er würde mich daran erinnern, warum ich mir das alles antat.
Jedes Mal, wenn ich meine Kinder ansah, würde ich mich daran erinnern, dass ihre Zukunft jede einzelne Sekunde dieses Schmerzes wert war.
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[AARON – POV]
Die Führungsetage lag vollkommen im Dunkeln.
Die meisten Mitarbeiter waren bereits vor Stunden nach Hause gegangen und hatten mich allein mit dem leisen Summen des Gebäudes zurückgelassen.
Ich beugte mich nach vorn und stützte die Ellbogen auf den Schreibtisch, während ich auf den geöffneten beigefarbenen Ordner starrte, den Mason zurückgelassen hatte.
Den ganzen Nachmittag hatte ich ihn nicht angerührt.
Jetzt konnte ich mich nicht länger zurückhalten.
Es interessierte mich nicht, wie makellos ihr Lebenslauf war.
Nicht ihre Berufserfahrung.
Nicht ihre Referenzen.
Mein Blick glitt über all die beruflichen Auszeichnungen hinweg und blieb schließlich ganz unten auf dem persönlichen Datenblatt hängen.
Lauretta Hayes.
Alter: 27.
Unterhaltsberechtigte: 2.
Notfallkontakte / Nächste Angehörige:
Beatrice Hayes – Tante
Ryan Hayes – Sohn
Raynell Hayes – Tochter
Die Temperatur im Raum schien augenblicklich zu fallen.
Meine Finger glitten langsam über den Rand des Papiers.
Meine Stirn zog sich zusammen, während mein Blick immer wieder auf diese beiden Namen fiel.
Unterhaltsberechtigte: 2.
Ein kaltes, beunruhigendes Gefühl breitete sich in mir aus.
Vor fünf Jahren hatte sie mich betrogen.
Die Kontoauszüge, die Fotos von ihr mit einem anderen Mann – all die Beweise, die mich in Stücke gerissen hatten – hatten darauf hingedeutet, dass sie mich für jemand anderen verlassen hatte.
Und jetzt, wenn ich die Zeitlinie betrachtete …
hatte sie zwei Kinder.
Bittere Wut entflammte tief in meiner Brust und vermischte sich mit einem plötzlich auftretenden, seltsamen Gefühl der Leere.
Sie hatte eine Familie.
Während ich in der Vergangenheit begraben gewesen war und eine millionenschwere Karriere aufgebaut hatte, um den Schmerz zu betäuben, hatte sie sich ein völlig neues Leben aufgebaut.
Sie hatte einen Sohn.
Und eine Tochter.
Mit dem Mann, für den sie sich anstelle von mir entschieden hatte.
Aber warum trugen die Kinder ihren Nachnamen?
Wo war der Vater?
Und warum war ihre Tante als einzige Notfallkontaktperson eingetragen und nicht ihr Ehemann?
Langsam beugte ich mich näher ins Licht.
Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, während ich auf die beiden Namen starrte.
Ryan.
Raynell.