Mag-log inJulian Laurent kommt mit nur einem Ziel an die Internationale Diplomatische Akademie: seine Zukunft zu sichern und die Vergangenheit zu begraben. Keine Ablenkungen. Keine Fehler. Dann begegnet er Sebastian Radcliffe. Brilliant, ehrgeizig und unmöglich zu ignorieren. Sebastian ist der goldene Junge der Akademie — der Student, den jeder bewundert, und die eine Person, der Julian niemals wirklich entkommen kann. Von dem Moment an, in dem sich ihre Wege kreuzen, verwandelt sich ihre akademische Rivalität in etwas weitaus Gefährlicheres. Denn an der Internationalen Diplomatischen Akademie werden Studenten darauf vorbereitet, Regierungen zu beeinflussen, Worte als Waffen einzusetzen und den Lauf der Geschichte zu verändern. Und als Ehrgeiz, verborgene Geheimnisse und eine unwiderstehliche Anziehungskraft aufeinandertreffen, findet sich Julian zwischen der Zukunft wieder, für die er so hart gekämpft hat, und der einen Person, die alles, was er aufgebaut hat, zum Einsturz bringen könnte. Manche Verhandlungen verändern die Geschichte. Andere verändern alles. Manche Affären sind politisch. Die gefährlichsten sind persönlich.
view morePOV: JulianIch schlief in dieser Nacht nicht, und als die Sonne aufging, hatte ich längst aufgehört, mir einzureden, dass ich es noch tun würde.Sebastian blieb bei mir in dem kleinen Aufenthaltsraum neben meinem Wohnheimzimmer. Wir saßen beide dort, eingehüllt in den Nachhall der Gala, als wäre sie noch immer nicht wirklich vorbei. Wir warteten darauf, dass das Sicherheitsbüro der Akademie öffnete, damit wir nach den Aufnahmen fragen konnten.Eigentlich hätten wir keinen Zugriff darauf haben dürfen.Sebastian verschaffte ihn uns trotzdem.Er benutzte einen Kontakt, den er während unserer früheren Ermittlungen im Zusammenhang mit dem gesperrten Archiv aufgebaut hatte. Jemand, der ihm offenbar genug Gefallen schuldete, um für eine Stunde über die Vorschriften hinwegzusehen.Das Sicherheitsbüro roch nach verbranntem Kaffee und altem Teppich. Der Mann, der uns hineinließ, blickte kaum von seinen Monitoren auf, während er die Aufnahmen der Gala auf einen zweiten Bildschirm zog.„Du hast
POV: Julian Die Gala war die Art von Veranstaltung, deren Überleben ich mein ganzes Leben lang gelernt hatte, ohne sie jemals wirklich zu genießen. Marmorböden, auf denen jeder Absatz wie ein Pistolenschuss klang. Kellner, die sich durch die Menge bewegten, als wären ihre Abläufe choreografiert und nicht einfach nur einstudiert worden. Irgendwo über all dem spielte ein Streichquartett sein Bestes, um einen Raum voller Menschen, die sich gegenseitig verabscheuten, zivilisiert klingen zu lassen. Ich hatte nicht kommen wollen. Grants Verhaftung hatte eine Wunde in mir hinterlassen, die noch nicht verheilt war, und Sebastian und ich hatten die meiste Zeit der vergangenen Woche damit verbracht, Spuren zu verfolgen, die ins Nichts führten. Unsere Geduld wurde dabei immer dünner, auf eine Weise, die sich zwischen uns neu und unangenehm anfühlte. Aber die Gala wurde von demselben diplomatischen Kreis veranstaltet, aus dem die Hälfte der Dokumente stammte, die wir monatelang zusammengeset
POV: JulianGrants Arbeitszimmer kam mir schon immer wie ein Raum vor, der einzig dafür geschaffen worden war, Zeit hinauszuzögern. Zu viele Bücher, zu viele Stühle, auf denen nie jemand saß, und eine Uhr auf dem Kaminsims, die stets vier Minuten nachging. Früher hielt ich das einfach für das Chaos eines alten Akademikers, der sich von nichts trennen konnte. Jetzt fragte ich mich, ob der ganze Raum absichtlich so eingerichtet worden war, damit jeder, der auf Antworten wartete, wenigstens bequem warten konnte.„Setz dich“, sagte er erneut, und diesmal tat ich es.Sebastian hingegen blieb stehen. Mit verschränkten Armen lehnte er am Fenster und beobachtete Grant so aufmerksam, wie man einen Wasserkessel beobachtet, der bereits zu pfeifen begonnen hat.„Ich habe deinem Vater versprochen, dir niemals etwas davon zu erzählen“, sagte Grant. „Dieses Versprechen habe ich sehr lange gehalten. Länger, als ich je erwartet hätte.“„Warum hast du uns dann überhaupt hergebracht?“, fragte ich. „Waru
POV: Julian Nachdem wir das Datum gefunden hatten, konnte ich nicht mehr schlafen. Sebastian blieb den größten Teil der Nacht bei mir. Gemeinsam betrachteten wir die Sache aus jedem erdenklichen Blickwinkel und versuchten, einen Sinn in dem Zufall zu finden, dass das Verschwinden meines Vaters genau auf die Nacht jener Verhandlung fiel, deren Spuren jemand mit aller Macht aus den offiziellen Unterlagen hatte tilgen wollen. Als der Morgen anbrach, hatte die Erschöpfung den größten Teil des Schocks verdrängt. Übrig blieb etwas Ruhigeres, Hartnäckigeres. Die schlichte Entschlossenheit, weiter an diesem Faden zu ziehen, bis er schließlich riss. Diese Entschlossenheit führte uns zurück in das gesperrte Archiv der Akademie. In denselben Raum, in dem wir Monate zuvor zum ersten Mal auf die Stiftungsvereinbarung gestoßen waren. Diesmal verrieten uns die Zugriffsprotokolle etwas, das wir zuvor übersehen hatten. „Jemand war vor uns hier“, sagte Sebastian und runzelte die Stirn, während er die
Rebyu