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Kapitel 4

Autor: Jasmine Flower
„Eine Sache noch“, sagte Grant. „Harbor Point geht jetzt offiziell in die heiße Phase. Vanessa hat hervorragende Arbeit geleistet, deshalb befördere ich sie zur Entwicklungsleiterin.“

Er beobachtete mich und wartete auf eine Reaktion. „Was sagst du dazu?“

Es klang wie eine Frage. Doch die Bekanntmachung war wahrscheinlich längst aufgesetzt.

„Ich habe keine Einwände.“

Grant stutzte merklich. Früher hatte ich jedes Mal, wenn er eines meiner Projekte an Vanessa übergab, mit Budgets, Daten und Risikoberichten um mein Recht gekämpft. Diesmal sagte ich gar nichts.

Seine Schultern entspannten sich. „Gut. Da du in letzter Zeit keine neuen Projekte an Land gezogen hast, versetze ich dich vorerst in die Unterlagenprüfung.“

Die Entwicklungsabteilung war für die größten Projekte der Firma verantwortlich. Die Unterlagenprüfung sortierte alte Verträge und prüfte abgelegte Akten. Das war keine Versetzung. Er entfernte mich aus der Führungsetage und vergrub mich ganz unten im Unternehmen. Erst nahm Grant mir mein Projekt weg. Dann nutzte er meine fehlenden Ergebnisse als Vorwand, um mich zu bestrafen.

„Es ist nur vorübergehend“, fügte er hinzu. „Sobald du dich wieder eingekriegt hast, hole ich dich zurück.“

„In Ordnung.“

Er starrte mich einige Sekunden lang an. „Du bist wirklich einverstanden?“

„Ja.“

Mein Kündigungsschreiben lag dem Vorstand bereits vor. Es würde in zwei Tagen automatisch in Kraft treten. Er konnte mich hinversetzen, wo er wollte. Es spielte längst keine Rolle mehr.

Grant hatte keine Ahnung. Er hielt mein Schweigen für Kapitulation. Er dachte, ich hätte endlich begriffen, dass ihn zu lieben bedeutete, ihm zu gehorchen.

„Dann ist es entschieden“, sagte er. „Zieh morgen eine Etage tiefer. Vanessa braucht ein größeres Büro, um sich mit Investoren zu treffen.“

Dieses Büro hatte ich mir im ersten Jahr selbst ausgesucht, als ich Grant beim Aufbau der Firma half. Nun reichte ein einziger Satz von ihm, um es Vanessa zu überlassen.

„In Ordnung.“

Als Grant aufstand, wanderte sein Blick zu meinem Bücherregal. „Wo ist das Keramikhaus hin?“

Er hatte es mir geschenkt, nachdem wir unseren ersten Bauauftrag abgeschlossen hatten. Auf dem Sockel war ein einziger Satz eingraviert: Grant und Evelyn. Hier fing alles an.

Ich hatte es immer an der sichtbarsten Stelle in meinem Büro aufbewahrt. Jedes Mal, wenn Grant mich enttäuschte, sah ich es an und erinnerte mich daran, dass wir die schwersten Jahre gemeinsam durchgestanden hatten. Grant hatte sich früher immer über mich lustig gemacht, weil mir das Teil so viel bedeutete. Er meinte, es sei ein billiges Geschenk eines Immobilienentwicklers und ich sei kindisch, es wie etwas Wertvolles zu behandeln.

Jetzt, da es weg war, fiel es ihm sofort auf.

„Es ist heruntergefallen und zerbrochen“, sagte ich.

Sein Blick senkte sich zum Boden. „Hast du die Scherben aufgesammelt?“

„Ja.“

„Sag dem Reinigungspersonal, sie sollen noch mal drüberwischen. Nicht, dass sich noch jemand schneidet, wenn was liegen geblieben ist.“

Mein Gehorsam hatte ihn in bessere Stimmung versetzt. Seine Stimme verlor an Schärfe. Es klang fast wie Fürsorge. Doch Vanessa würde morgen in dieses Büro einziehen. Er machte sich keine Sorgen um mich.

Nachdem Grant gegangen war, öffnete ich die unterste Schublade. Das Keramikhaus war nicht zerbrochen. Ich hatte es direkt neben meinen Ehering gelegt.

In zwei Tagen würde ich beides zurücklassen.

Ich hatte einmal geglaubt, dass die Firma zumindest ein Ort war, der Grant und mir gemeinsam gehörte. Doch einen Monat zuvor war ich unangemeldet nach Hause gekommen und hatte Hafermilch im Kühlschrank entdeckt. Ich reagierte allergisch auf Hafer. Vanessa trank sie jeden Morgen.

In meinem eigenen Kühlschrank war plötzlich Platz für die Vorlieben einer anderen Frau.

Grant hatte mir erzählt, Vanessa käme gelegentlich für Besprechungen vorbei. Also prüfte ich das Protokoll des smarten Türschlosses. Sie hatte unser Haus in den letzten zwei Monaten elf Mal betreten. Sieben Mal davon war ich nicht zu Hause gewesen.

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