Masuk
EVA
Es gibt Abende, die dich aus deinem gewöhnlichen Leben reißen. Abende, an denen das Universum sich über dich beugt und flüstert: Bist du bereit zu kippen?
Ich war auf nichts vorbereitet. Nur darauf, einen weiteren gesellschaftlichen Abend zu überstehen, unsichtbar in meinem zu engen schwarzen Kleid, die Füße brennend, der Rücken verspannt, das silberne Tablett an meinen Handflächen wie eine elegante Handschelle.
Das Hotel Bellamonte leuchtete wie ein Juwel unter den goldenen Lichtern. Riesige Kronleuchter. Dicke Teppiche. Gedämpfte Flüstertöne einer Welt, zu der ich nicht gehörte. Die Gäste? Arrogante Banker, funkelnde Frauen mit Diamanten, verweichlichte und parfümierte Erben.
Und ich, die Schattenbedienung. Ein Schatten mit einem Namensschild und einem falschen Lächeln.
Ich hatte gelernt, mich einzufügen. Zu verschwinden. Nicht zu sprechen. Keine Blicke zu kreuzen. Nur zu zirkulieren. Einschenken, mich ausblenden.
Doch in dieser Nacht konnte ich nicht wegsehen.
Sie traten lautlos ein, wie Gespenster, die zu real waren, um zu dieser Welt zu gehören.
Zwei Männer, zwei Illusionen, zwei stille Stürme in teuren Anzügen.
Der erste hatte den Mund eines Engels und die Augen eines Dämons. Der andere, das Gegenteil.
Ihre Ähnlichkeit war verstörend. Gleiches scharfes Kinn. Gleicher kalter Blick. Gleiche Ausstrahlung von Macht. Doch etwas Gegensätzliches vibrierte in ihnen. Der eine war Feuer und der andere Eis.
Sie schritten mit berechneter Langsamkeit voran. Als hätten sie alle Zeit der Welt. Als wüssten sie, dass bald die Welt sich um sie drehen würde.
Und ich konnte nicht mehr atmen.
— Kennst du sie nicht? flüsterte Clara, eine andere Kellnerin, die sich zu mir beugte, ohne ihr professionelles Lächeln loszulassen.
— Nein... hauchte ich. — Die Zwillinge Volkov. Sasha und Niko. Erben von Volkov International. Sie besitzen Hotels, Casinos, private Clubs. Sie kaufen, was sie wollen. Und vor allem… wen sie wollen.Sie verschwand zu einem anderen Tisch.
Und ich blieb wie erstarrt zurück.
Ich spürte ihren Blick, bevor ich ihn traf. Ein Brennen im Nacken. Eine Spannung in der Luft, fast elektrisch.
Dann schauten sie mich an.
Und alles erstarrte.
Der erste, Sasha, trat auf mich zu. Er hatte die Eleganz eines Raubtiers, präzise, geschmeidig. Ein Blick aus Obsidian, gelassen, berechnend.
— Wie heißt du?
Seine Stimme war tief, tiefstimmig, fast eine Berührung im Lärm des Saals.
— Eva, sagte ich mit einer raueren Stimme, als ich gewollt hätte.
— Schön. Und echt, fügte er hinzu, als hätte er gerade meine Seele gelesen.
Er nahm ein Glas von meinem Tablett, streifte dabei meine Finger. Dieser einfache Kontakt war wie ein elektrischer Schlag. Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hoch.
Dann trat der andere Zwilling, Niko, näher. Grober, schneidender. Er hielt einige Zentimeter Abstand zu mir und flüsterte seinem Bruder etwas ins Ohr. Seine Augen ließen mich nicht los, intensiv, forschend.
— Sie ist Jungfrau. Das spüre ich. Sie verbirgt es nicht gut.
Ich wurde blass. Mein Herz raste. Eine dumpfe, viszerale Angst. Doch… auch eine seltsame, beschämende Wärme im Bauch. Als ob seine Worte etwas entzündet hätten, das ich nie gewagt hatte zu benennen.
— Ist das wahr? fragte Sasha, ruhig, fast zärtlich.
Ich antwortete nicht. Ich presste die Lippen zusammen. Ich wollte wegsehen. Doch ihre Augen hatten mich gefangen.
Er reichte mir dann einen eleganten, dicken, schwarzen Umschlag. Darin war etwas Schweres.
— Nimm. Lies heute Abend. Wenn du neugierig bist.
Ich bewegte mich nicht.
— Und warum sollte ich das tun? Und wenn ich es nicht tue? murmelte ich.
— Dann wirst du nach Hause gehen. Du wirst dein kleines Leben weiterführen. Du wirst alles vergessen. Aber eines Tages wirst du dich fragen: Was wäre, wenn ich gewagt hätte?
Sie gingen. Ohne weiter zu drängen. Als wüssten sie bereits.
Und die Luft um mich herum wurde wieder lau, harmlos. Doch nichts schmeckte mehr gleich.
Zu Hause, nach Mitternacht.
Der Umschlag lag auf dem Tisch und schien mich anzustarren.
Ich brauchte lange, um ihn zu öffnen. Ich zögerte. Zitterte. Betete vielleicht.
Aber ich tat es.
Innen: ein Scheck.
Drei Millionen Euro.Und ein handgeschriebener Brief, in einer kalten, eleganten schwarzen Tinte geschrieben.
„Wir wollen dich. Nicht für eine Nacht.
Du wählst einen von uns. Der andere schaut. Du schenkst uns dein erstes Mal, dein Vertrauen, dein Hingeben. Wir bieten dir deinen Preis, deine Freiheit, deine Verwandlung. Es ist kein Verkauf. Wir werden sanft sein. Oder nicht. Aber es wird unvergesslich sein. Wenn du akzeptierst, komm morgen Abend zu uns. Suite 77. Unterzeichnet: S. & N. Volkov“Ich blieb lange dort stehen, atemlos, mit feuchten Händen.
Es war nicht nur unanständig.
Es war… verstörend. Unwiderstehlich.Ich dachte an mein leeres Bankkonto. An mein Leben in der Schwebe. An meinen Körper, der nie berührt, nie erkundet wurde. An mein Verlangen, etwas anderes zu fühlen als Angst, als Müdigkeit, als Leere.
Und in diese Leere waren sie eingedrungen.
Mit ihren feurigen Blicken. Ihrem verstörenden Versprechen. Ihrem unmoralischen Angebot.
Und ich, das brave Mädchen. Das transparente Mädchen. Das jungfräuliche Mädchen.
Ich überraschte mich selbst dabei, ja sagen zu wollen.
EvaDer Morgen dämmert kaum und färbt die luxuriösen Vorhänge in ein kaltes, graues Licht. Ich wache vor ihnen auf. Ihre schlafenden Körper umschließen mich noch immer – Sasha hinter mir, Niko vor mir. Ihre Atemzüge sind tief, tierisch vor Zufriedenheit. Das Gewicht ihrer Arme auf mir fühlt sich an wie Ketten aus Fleisch.Jeder Muskel meines Körpers schreit, jeder blaue Fleck auf meiner Haut erzählt von der Nacht. Doch es ist nicht der körperliche Schmerz, der mich festhält. Es ist die Angst vor dem, was ich hier zwischen ihnen werde. Die Art, wie mein Körper auf ihren reagiert hat, wie mein Geist begonnen hat, in dieser Besitzergreifung einen verdrehten Trost zu finden. Dieser Gedanke ist erschreckender als alles andere.Ich muss gehen.Mit der Langsamkeit einer Sterbenden löse ich mich aus ihrer gemeinsamen Umarmung. Ihre Arme, schwer vom Schlaf, fallen auf die leeren Laken zurück. Ein Schauer der Panik durchläuft mich. Wenn sie jetzt aufwachen … Doch nein. Sie schlafen, gesättigt,
EvaEine schwere, goldene Stille legt sich über den Raum, erfüllt nur vom rauen Klang unserer Atemzüge, die sich langsam beruhigen. Der Schweiß, der uns bedeckte, beginnt zu trocknen und hinterlässt einen feinen salzigen Film auf unserer Haut. Ich liege zwischen ihnen eingeklemmt, mein Rücken an Sashas warmem Oberkörper, mein Bauch an Nikos. Das Gewicht ihrer Körper ist zugleich Last und Trost, eine Bestätigung dessen, was gerade geschehen ist.SashaSein Arm liegt unter meinem Nacken, seine breite Hand flach auf meinem Brustbein, als wolle er die unruhigen Schläge meines Herzens spüren, die allmählich langsamer werden. Er fühlt die Zerbrechlichkeit meiner Knochen unter seiner Handfläche, das feine Nachzittern, das noch durch meine Glieder läuft. Eine Welle primitiven Besitzanspruchs, tiefer als bloßes körperliches Verlangen, überrollt ihn. Sie gehört uns. Der Gedanke ist schlicht, brutal und absolut. Er war nie ein Mann großer Gefühlsbekundungen, doch in diesem Moment ist die Zufried
EvaDie Luft, die ich atme, ist gesättigt von uns – von Schweiß, Sex und Macht. Ich liege erschöpft auf den Kissen des Sofas, mein Körper ist nur noch eine Landkarte empfindlicher Nerven, die alle zum Epizentrum meiner Verletzlichkeit führen. Die letzte Welle des Orgasmus ist kaum abgeebbt und hat eine seltsame Ruhe hinterlassen, schwer von noch größeren Versprechen.Sasha steht auf, und die Art, wie er beginnt, seine Hose aufzuknöpfen, hat nichts Hastiges. Es ist ein Ritual. Jede Bewegung ist bewusst, darauf ausgelegt, die Erwartung zu steigern. Meine Augen, schwer und dunkel, sind auf ihn gerichtet, unfähig, sich abzuwenden. Angst und Verlangen mischen sich zu einem berauschenden Cocktail in meinen Adern.Als der letzte Knopf nachgibt und der Stoff fällt, stockt mir der Atem.Er ist wunderschön. Von einer fast grausamen Schönheit. Sein Geschlecht, befreit aus seiner Enge, richtet sich stolz und imposant auf. Lang, dick, von Adern durchzogen, die dunkle, glänzende Eichel schimmert im
EvaDer zerrissene Stoff meines Kleides liegt wie ein seidenes Leichentuch auf mir und enthüllt mehr, als er verbirgt. Die kühle Luft auf meiner nackten Haut ist eine Liebkosung für sich, wird jedoch von der Last ihrer Blicke überschattet. Ich liege dargeboten, meine Schenkel werden von Nikos erfahrenen Händen gespreizt. Die Verletzlichkeit ist vollkommen, absolut. Und im Herzen dieser Zurschaustellung pulsiert eine Wahrheit, beschämend und aufregend zugleich: Ich bin Jungfrau. Jeder Schlag meines Herzens scheint diese Unschuld hinauszuschreien, die sie zu zerstören bereit sind.Sasha steht mit offenem Hemd da und zeigt einen geformten Oberkörper, dessen Muskeln im gedämpften Licht unter der Haut spielen. Seine Augen – ein Blau, das fast schwarz geworden ist – lassen das Schauspiel, das Niko und ich bieten, nicht aus den Augen.„Schau sie dir an, Niko“, sagt Sasha mit heiserer Stimme. „Sieh dir diese Blume an, die noch nie gepflückt wurde. Jeder Schauer ist ein Gebet. Jede Röte ein Bl
EvaDie darauf folgende Stille ist nur scheinbar. Es ist schwer vom Schlagen unserer Herzen, vom heiseren Atem, den wir miteinander teilen, vom Echo der Empfindungen, die wie Restblitze durch meine Nerven strömen. Ich liege auf der Couch, ein verletztes, begeistertes Wesen aus Fleisch, während die Welt um mich herum langsam wieder Gestalt annimmt. Aber es ist eine veränderte Welt, in der jedes Atom mit einem neuen erotischen Potenzial aufgeladen zu sein scheint.Niko und Sasha sprechen nicht. Ihre Blicke treffen sich über mir, ein stiller Austausch, schwer von einer Komplizenschaft, die über mich hinausgeht und die mich paradoxerweise erregt. Sie haben mich einfach an den Rand gedrängt und mich im letzten Moment gefangen. Jetzt betrachten sie das eroberte Gebiet.Sasha ist der Erste, der sich bewegt. Er kniet neben der Couch, sein Gesicht auf gleicher Höhe mit meinem. Seine Augen, ein plötzlich helleres, durchdringenderes Blau, scannen mein Gesicht.—Bist du noch hier, Eva? Er murmelt
EvaDie Zeit existiert nicht mehr. Es wurde in dem engen Raum dieses Raumes verdünnt, aufgelöst durch die Hitze unserer drei Körper. Die Luft ist dick und gesättigt vom Duft meiner eigenen Begierde und ihrer Dominanz. Ich bin das Epizentrum eines Feuerdreiecks, in dem Verlangen, Macht und Hingabe in einem Wesen verschmelzen.Niko fängt wieder an, mich zu küssen, aber es ist kein Kuss mehr. Es ist ein Besitz. Seine Zunge erobert meinen Mund mit ruhiger Autorität, erkundet jeden Winkel und jede Ritze und dämpft mein aufkommendes Stöhnen. Seine Hände umfassen meine Hüften, seine Finger graben sich durch die feine Seide meines Kleides in mein Fleisch und verankern mich an ihm. Ich schmecke den Kaffee auf seiner Zunge, die Essenz seiner Männlichkeit, und ertrinke darin.Hinter mir drückt Sasha ihren Körper an meinen. Ich spüre jeden harten Muskel, jede Kontur seiner Brust an meinem Rücken. Aber es ist noch etwas anderes, das ich mit brennender Schärfe spüre: den festen und unbestreitbaren