Mag-log inDimitriIch gehe, hinterlasse die wiederhergestellte Stille, die nun angespannter ist als zuvor. Die schwere Eichentür schließt sich, isoliert von der Welt.Hier ist mein anderes Königreich. Klare Linien, übersichtliche Perspektiven, alles unter Kontrolle. Die Stadt breitet sich hinter der Scheibe aus, ein glitzerndes Baukastenspiel unter der Sonne. Doch heute ist mein Geist nicht ganz hier. Ein Teil von mir ist im Halbdunkel eines Hauses geblieben und beobachtet das Schweigen einer anderen.Elena tritt ein, Tablet in der Hand, den Schild der Effizienz vor sich.– Ich habe die Vorgänge nach Priorität geordnet. Die asiatische Tochtergesellschaft weist Abweichungen auf. Das Audit…– Legen Sie alles beiseite, was warten kann.Ihre Finger, die über den Bildschirm geflogen waren, halten einen Sekundenbruchteil inne.– Das gesamte?– Das gesamte. Ich wer
DianeDer Tag dehnt sich, sirupartig und dick. Eine Stunde scheint in die nächste zu fließen, ohne je wirklich zu vergehen.Das Wasser der Dusche streichelt meine Haut, ohne sie zu reinigen. Zu heiß, verbrennt es. Zu kalt, eist es. Keines vermag diese innere Kälte zu durchdringen, die Erinnerung an die Hände, die mich hielten, an den Blick, der mich entkleidete, auszulöschen. Ich schließe die Augen unter dem Strahl, lasse den Dampf den Raum umhüllen, die Spiegel beschlagen. Ich will mich nicht sehen. Noch nicht.Die gefalteten Kleider im Schrank sind weich, neutral, in einem Beige, das beruhigend wirken soll. Ich schlüpfe hinein. Kaschmir und Seide. Eine Eleganz, die eine Täuschung ist. Die Uniform der gut behandelten Gefangenen.Das Frühstück erwartet mich, mit einer Präzision angerichtet, die bedrohlich wirkt. Perfekte Erdbeeren, cremiger Joghurt in einer feinen Porzellans
DianeDas Tageslicht dringt durch meine Lider, eine graue und kalte Klinge. Ich erwache im Niemandsland eines unruhigen Schlafs, der Körper schwer, der Geist in den trüben Überresten der Nacht verklebt. Dann kehrt das Bewusstsein zurück, und mit ihm die Erinnerung. Die Glut unter der Haut. Das innere Gefängnis. Die Scham.Ich richte mich ruckartig auf, die Laken gleiten herab. Und mein Herz bleibt stehen, vertreibt mit einem Schlag jede Trägheit.Er ist da.Am Fußende des Bettes stehend, an den Türrahmen der offenen Tür gelehnt. Er trägt einen anthrazitfarbenen Anzug von perfektem Schnitt, ist gerade dabei, seine Jacke zuzuknöpfen. Ein langsamer, eleganter Verschluss. Der Stoff schmiegt sich an die Breite seiner Schultern, die Linie seiner Taille. Ich hatte die Tür nicht gehört. Ich wusste nicht, dass er schon da war. Und schon bereit.Mein Atem stockt in meiner Brust.
DianeDie Tür an meinem Rücken ist kalt, eine solide Realität durch die feine Seide meines Kleides. Aber diese Kälte vermag das Feuer, das er entzündet hat, nicht zu löschen. Es glimmt unter meiner Haut, eine heimtückische Glut, genährt vom Wein, den gewählten Worten, jener flüchtigen Berührung an meinem Haar. Ein Schauder, den ich nicht gerufen habe, durchläuft noch immer mein Rückgrat.Ich erhebe mich, die Beine weich. Der Raum ist in ein bläuliches Dunkel getaucht, nur der Schein der Außenleuchten dringt durch die riesigen Fensterfronten. Dieser schweigende Luxus erscheint mir plötzlich wie ein Hohn. Eine Schatulle, zu groß für die Beute, die sich darin windet.Ich reiße mich von der Tür los, gehe mit steifen Schritten ins Badezimmer. Ich schalte nicht das Hauptlicht an, nur die kleine Nachttischlampe über dem Spiegel. Mein Spiegelbild erw
DianeEr lehnt sich auf den Tisch, sein Gesicht näher heranrückend. Das Kerzenlicht spielt auf seinen Zügen.– Ich habe gesehen, dass Sie nicht fliehen. Ich habe gesehen, dass Sie beobachten. Ich habe eine Kälte gesehen, die nicht Gleichgültigkeit ist, sondern Kontrolle. Und ich habe im Dampf jenes Bades einen Schimmer von Trotz gesehen, den Sie noch nicht ganz zu verbergen wissen.Mein Herz beschleunigt sich. Er hat es gesehen. Natürlich hat er es gesehen. Dafür wird er bezahlt.– Das ist kein Trotz, sage ich und halte seinem Blick stand. Es ist Überleben. Das ist ein Unterschied.– Überleben ist ein Instinkt. Trotz ist eine Wahl. Sie wählen, nicht zusammenzubrechen. Mich nicht anzuflehen. Nicht die Komödie der leichten Verführung zu spielen. Das ist eine interessante Wahl. Mutig. Und vielleicht ein wenig dumm.– Warum dumm?– Weil
DianeDas schwarze Kleid. Es hängt im Schrank, allein unter den anderen Kleidungsstücken in gedämpften Farben. Schlicht, aus Seidenkrepp, mit einer Strenge geschnitten, die Bände spricht über den Geschmack dessen, der es ausgewählt hat. Lange Ärmel, weiter Ausschnitt, der über die Schultern gleitet, gerade fallend bis zur halben Wade. Keine Verzierungen. Keine Spitze. Nur die reine Schwärze des Stoffs und die Art, wie er – ich weiß es bereits – jede Kurve umschmeicheln wird, ohne sie je zu betonen, sie verleugnend und gleichzeitig betonend.Ich schlüpfe hinein. Die Seide ist kalt, glatt wie eine zweite, flüssige Haut. Sie gleitet über meine Hüften, fällt mit perfektem Gewicht. Vor dem Spiegel ist der Effekt atemberaubend. Die Blässe meines Gesichts und meiner Arme tritt aus dem Schwarz hervor wie eine Erscheinung. Mein Haar, getrocknet, offen und leicht gewellt, u
EvaEine schwere, goldene Stille legt sich über den Raum, erfüllt nur vom rauen Klang unserer Atemzüge, die sich langsam beruhigen. Der Schweiß, der uns bedeckte, beginnt zu trocknen und hinterlässt einen feinen salzigen Film auf unserer Haut. Ich liege zwischen ihnen eingeklemmt, mein Rücken an Sa
EvaDie Zeit existiert nicht mehr. Es wurde in dem engen Raum dieses Raumes verdünnt, aufgelöst durch die Hitze unserer drei Körper. Die Luft ist dick und gesättigt vom Duft meiner eigenen Begierde und ihrer Dominanz. Ich bin das Epizentrum eines Feuerdreiecks, in dem Verlangen, Macht und Hingabe i
EvaDie Luft, die ich atme, ist gesättigt von uns – von Schweiß, Sex und Macht. Ich liege erschöpft auf den Kissen des Sofas, mein Körper ist nur noch eine Landkarte empfindlicher Nerven, die alle zum Epizentrum meiner Verletzlichkeit führen. Die letzte Welle des Orgasmus ist kaum abgeebbt und hat
EvaDie darauf folgende Stille ist nur scheinbar. Es ist schwer vom Schlagen unserer Herzen, vom heiseren Atem, den wir miteinander teilen, vom Echo der Empfindungen, die wie Restblitze durch meine Nerven strömen. Ich liege auf der Couch, ein verletztes, begeistertes Wesen aus Fleisch, während die