MasukKaelen kehrte nicht für einen Monat zurück.
Elias versuchte, zu seiner Routine zurückzukehren – kleine Tischlerei, lange Wanderungen, Abende mit einer Flasche Bourbon – aber er zählte trotzdem. Einundreißig Kratzer auf dem Holzbalken über seinem Bett, jeden Morgen mit seinem Taschenmesser gemacht, ein Kalender der Sehnsucht, den er vor sich verbarg undEr warf sich in die Arbeit, nahm Aufträge An, die er zuvor abgelehnt hatte, baute eine Terrasse Für Einen Rancher Dreißig Meilen Nördlich, reparierte den Kirchturm Einer Kirche Im Tal, Das Drei Wochen Dauerte Und Seine Hände Dauerhaft Schwielig Machte. Er sah sie nicht, aber er spürte sie. Bei Wanderungen fing er ihren Duft Auf Bestimmten Brisen Auf, wandte sich, Nichts zu finden als Wechselnde Schatten. Nachts Wachte Er Überzeugt Davon, Jemand Beobachtete Aus Der Baumlinie, Aber Die Lichtung Blieb Leer, Die Dunkelheit Geduldig Und Stumm. An Der Zweiundreißigsten Nacht Fiel Der Schnee Früh. Er Fiel In Dicken, Stummen Laken, Verwandelte Die Wildnis In Etwas Fremdes Und Weiches, Begrab Die Welt Unter Weiß, Das Grenzen Auslöschte, Wege Auslöschte, Den Unterschied Zwischen Sicher Und Gefährlich Auslöschte. Elias Kehrte Von Einer Versorgungsfahrt Ins Tal Zurück, Seine Ketten Quietschten Auf Gefrorener Straße, Als Er Die Gestalt Sah, Die in Der Mitte Der Spur Stand. Er Hielt An. Sein Herz Hielt An. Dann Startete Es Erneut, Heftig Und Dringend. Kaelen War Nackt Im Schnee. Nicht Nackt – Verwandelt . Sie Stand Auf Vier Beinen Statt Auf Zweien, Ihr Fell Die Farbe Von Sturmwolken, Dunkler Als Jeder Naturwolf, Von Silber Durchzogen, Das Fallende Flocken Wie Eingebettete Sterne Fing. Sie Enorm, Schulterhöhe Bis Zur Motorhaube Seines Wagens, Und Ihre Bernsteinaugen – Diese Unmöglichen Bernsteinaugen – Hielten Seinen Durch Windschutzscheibe Mit Einer Intelligenz, Die Ihn Prickeln Ließ Mit Der Urangst Der Beute, Die Raubtiere Erkennt. Sie Drehte Sich Und Trabte in Die Bäume. Sah Zurück. Trabte Weiter. Folge , schien sie zu sagen. Folge, w du dich Traust. Elias Schaltete Den Wagen Ab. Er Schnappte Sich Seinen Mantel, Seine Stiefel, Die Flinte, Die Er Hinter Dem Sitz Mehr Aus Gewohnheit Als Erwartung Hielt. Er Folgte. Der Schnee Verschluckte Geräusche. Sein Atem Kam in Wolken, Seine Stiefel Brachen Durch Kruste, Die Ihr Gewicht Hielt Aber Seines Nicht. Sie Führte Ihn Aufwärts, Immer Aufwärts, Vorbei An Kiefern, Die Zu Skelettbirken Wurden, Und Dann Zu Nacktem Granit, In Eine Welt Aus Weiß Und Grau Und Dem Fernen Heulen Des Winds Durch Steinformationen, Die Wie Die Knochen Von Riesen Aussahen. Sie Liefen Für Eine Stunde. Vielleicht Mehr. Elias Verlor Die Zeit, Die Entfernung, Alles Außer Die Silberdunkle Gestalt Vor Sich, Das Gelegentliche Aufleuchten Bernsteinaugen, Die Seinen Fortschritt Prüften, Das Wachsende Gewisser, Dass Er Auf Den Tod Zulief Und Es Nicht Interessieren Konnte. Dann Öffneten Sich Die Höhlen Vor Ihm, Und Die Welt Änderte Sich. Es Waren Keine Natürlichen Formationen, Er Erkannte Dimlich. Oder Nicht Ganz. Die Mündungen Waren Erweitert, Geformt, Verstärkt Mit Holz Und Stein Auf Eine Weise, Die Von Jahrhunderten Bewohung Sprach, Von Einer Zivilisation, Die Älter War Als Die Siedler, Die Dieses Land Entdeckt Hatten. Rauch Steig Aus Mehreren Öffnungen, Trug Den Geruch Von Gebratenem Fleisch Und Etwas Anderem – Fell, Moschus, Den Konzentrierten Geruch Vieler Körper, Die In Enger Nachbarschaft Lebten. Kaelen Hielt Vor Der Größten Höhleneingang An. Sie Sah Ihn Ein Letztes Mal An, Und Er Sah Die Angst In Ihrem Blick, Den Konflikt. Dann Begann Die Verwandlung. Es War Nicht Die Flüssige Transformation Aus Filmen, Nicht Schön Oder Schmerzlos. Ihr Körper Verkrümmte Sich, Knochen Verschoben Sich Mit Hörbar Knacken, Fell Wich In Flecken Zurück, Die Rohe Rosa Haut Freilegten, Die Qualvolle Neuorganisation Der Anatomie Von Einer Form Zur Anderen. Sie Schrie – Ein Geräusch, Das Als Heulen Begann Und Als Frauenschrei Endete – Und Dann Kniete Sie Im Schnee, Mensch Und Zitternd Und Verwundbar, Ihr Dunkles Haar Geklebt An Schädel Mit Schweiß, Der Im Kalten Luftdampfte. „Kaelen“, atmete Elias, Auf Sie Zustürmend. Sie Hielt Eine Hand Hoch, Stoppte Ihn. „Nein. Berühr Mich Nicht Hier.“ Ihre Stimme Roh, Ruiniert Vom Schrei. „Ich Musste Ihnen Sagen. Das Rudel Wird Aufwachen. Sie Werden Mich An Dir Riechen.“ „Wie Lange?“ „Stunden, Vielleicht Weniger.“ Vorn Stand, Blut Von Seinem Fell Schüttelnd, Seine Präsenz Füllte Die Lichtung Mit Befehl. „Das Rudel Kehrt in Die Höhlen Zurück. Wir Befestigen Uns, Wir Bereiten Uns. Jung Und Alt in Die Tiefsten Kammern. Krieger An Die Äußeren Tunnel.“ Sein Blick Fand Elias, Hielt Ihn Fest. „Du. Du Wirst Bei Kaelen Bleiben. Du Wirst Nicht Kämpfen, Es Sei Denn, Der Kampf Kommt Zu Dir. Du Bist Nicht Bereit Für Das, Was Thane Entfesselt Hat.“ „Ich Bin Bereit“, Sagte Elias, Und Seine Stimme War Stärker, Als Er Fühlte, Der Wolf Verlieh Ihm Mut, Den Er Nicht Verdient Hatte. „Du Bist Nicht“, Sagte Vorn, Und Es Lag Keine Grausamkeit Darin, Nur Wahrheit. „Aber Du Wirst Sein. Das Ist Der Fluch Und Das Geschenk Von Dem, Was Du Geworden Bist. Jeden Mond Wirst Du Mehr Sein. Heute Bist Du Zu Neu, Zu Fragil. Lass Den Stolz Nicht Töten, Was Mein Biss Geschaffen Hat.“ Er Drehte Sich, Führte Das Rudel Zurück Zu Den Höhlen, Und Kaelen Drückte Sich An Elias, Ihr Körper Warm, Ihr Herzschlag Schnell. „Komm“, flüsterte Sie. „Bitte. Für Mich, Wenn Nicht Für Dich Selbst.“ Er Kam. Er Rannte Mit Ihr Durch Den Mondbeschienenen Wald, Die Freude Der Jagd Zu Asche Verwandelt, Die Feier Flucht. Hinter Ihnen, Irgendwo in Der Dunkelheit, Rann Thane Menschlichem Feuer Und Silbernem Tod Entgegen, Und Das Rudel, Das Elias Kaum Akzeptiert Hatte, Stieß Jetzt Auf Auslöschung Zu, Weil Seiner Existenz. In Den Höhlen Verschoben Sie Sich Zurück, Mensch Und Erschöpft, Und Kaelen Führte Ihn Zu Ihrem Nest, Ihrem Heiligtum, Und Hielt Ihn, Während Das Rudel Um Sie Herum Zum Krieg Bereitete. „Er Wird Als Erster Nach Dir Greifen“, Sagte Sie in Die Dunkelheit, Ihre Stimme Kaum Hörbar. „Thane. Er Hasst Dich Am Meisten. Du Hast Genommen, Was Er Seins Glaubt. Du Bist Geworden, Was Er Glaubt, Nur Geborene Sein Können. Er Wird Nicht Ruhen, Bis Du Tot Oder Gebrochen Bist.“ „Dann Lass Ihn Kommen“, Sagte Elias, Und Er Spürte Den Wolf In Seiner Brust, Zusammengerollt Und Wartend, Kein Fremder Mehr, Sondern Ein Verbündeter, Ein Teil Von Ihm Selbst, Den Er Lernte Zu Vertrauen. „Ich Bin Fertig Mit Rennen, Kaelen. Von Chicago, Von Thane, Von All Dem. Lass Ihn Kommen. Lass Sie Alle Kommen. Ich Bin Wolf Jetzt. Ich Bin Rudel. Und Ich Bin Deins.“ Sie Hielt Ihn Fester, Ihre Tränen Heiß Gegen Seine Brust, Und Sie Warteten Auf Die Morgendämmerung, Die Verrat Bringen Würde, Den Krieg, Der Entscheiden Würde, Ob Ein Verwandelter Mensch Und Eine Kriegerin Frau Einen Platz Schaffen Konnten In Einer Welt, Die Sie Beide Tod Wollte. Der Mond Zog Über Ihnen Vorbei, Gleichgültig, Alt, Zog Gezeiten Und Wölfe Und Herzen Seiner Silbernen Laufbahn An. Und In Der Tiefsten Kammer Des Berges Hielten Sich Zwei Liebende Gegen Den Kommenden Sturm, Mensch Und Tier, Ängstlich Und Furchtlos, Verbunden Durch Etwas Stärkeres Als Mondlicht, Tiefer Als Biss, Älter Als Das Rudel Selbst. Vielleicht Liebe. Oder Das Versprechen Davon, Das In Dunkelheit Wuchs Und Auf Licht Wartete.Die Stille, die der Schlacht folgte, war schwerer als das Brüllen des Kampfes selbst. Ein dicker, metallischer Nebel klammerte sich an den Kessel unterhalb des Plateaus – ein Nebenprodukt von Thanes gescheiterter Hexerei und dem absetzenden Staub von zermalmtem Stein. Elias stand am Rand, seine Stiefel fest verankert in einem Riss, den er Minuten zuvor selbst erschaffen hatte. Sein Körper fühlte sich an wie eine hohle Hülle. Die silberne Essenz in seinen Venen, einst ein reißender Strom aus Macht, war zu einem kalten, stumpfen Pochen zurückgewichen und ließ seine Muskeln in einer Erschöpfung erzittern, die er in seinem alten Leben nie gekannt hatte.Hinter sich hörte er das weiche, rhythmische Geräusch von Atemzügen. Er musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass es Kaelen war. Er konnte ihre Wärme spüren, eine strahlende Hitze, die die Kälte des Berges durchschnitt. Sie bewegte sich auf ihn zu, ihre Schritte leicht trotz der Last, die sicher auch auf ihr lag.Sie schlang ihre Arme
Der Kessel unterhalb des Plateaus war ein Schlachthaus aus Licht und Schatten. Das violette Glühen, das Thane entfesselt hatte, pulsierte wie ein kranker Herzschlag im Nebel. Die Schreie der Menschen, die sich in jene grauenhaften Raser verwandelt hatten, waren kein menschliches Flehen mehr. Es war ein mechanisches Kreischen, das Elias bis in die Knochen markschütterte.„Elias, sieh mich an!“Kaelens Stimme riss ihn aus seiner Starre. Sie packte ihn an den Schultern, ihre Krallen bohrten sich durch den Stoff seines Mantels in seine Haut. Ihr Gesicht war nur Zentimeter von seinem entfernt. Ihre Augen waren zwei brennende Sonnen aus Gold, und er sah darin die nackte, wilde Angst – nicht um sich selbst, sondern um ihn.„Ich bin hier“, presste Elias hervor. Er schmeckte noch immer das Silber auf seiner Zunge, ein metallischer Nachgeschmack, der ihn daran erinnerte, wie viel Kraft er gerade verbraucht hatte.„Wir können nicht länger warten“, sagte sie, und ihre Stimme war nun ein tief
Das erste Licht des Morgens war kein Segen. Es war ein bleiches, kränkliches Grau, das den Nebel im Tal wie ein Leichentuch beleuchtete. Elias stand auf dem äußersten Sims des Plateaus, die Stiefel fest im gefrorenen Boden verankert. Er spürte die Kälte nicht mehr. Das Silber in seinem Blut war zu einer konstanten Hitze geworden, ein innerer Ofen, der ihn am Brennen hielt.Tief unter ihm setzte sich die Lawine aus Stahl und Fleisch in Bewegung. Es war ein herzzerreißender Anblick. In der vordersten Reihe marschierten die Männer von Clearwater – Männer, die Elias erst vor wenigen Tagen in der Schänke gesehen hatte. Sie hielten ihre Gewehre mit zitternden Händen, ihre Gesichter waren maskenhaft vor Angst. Hinter ihnen, wie dunkle Hirten, ritten Thanes Berittene auf mutierten Bastarden von Pferden, die Peitschen und silberne Stacheln schwangen.„Sie sind fast in Reichweite der äußeren Wälle“, sagte Kaelen. Sie stand direkt hinter ihm, ihre Präsenz war wie eine geladene Waffe. Sie trug ih
Die Nacht über dem Mont-de-Glace war so still, dass man das Gefrieren des Taus an den schroffen Felswänden hören konnte. In der Großen Halle brannten nur noch wenige Fackeln, deren Dochte im sterbenden Licht zischten. Ihr flackernder Schein warf lange, tanzende Schatten auf die Gesichter derer, die noch wach waren – Schatten, die wie Vorboten eines Krieges wirkten, der nicht mehr aufzuhalten war.Elias saß auf einer breiten Steinstufe am Rande des zentralen Podiums. Er hatte den Rücken gegen eine massive Säule gelehnt, deren Oberfläche er in den letzten Tagen durch seine bloße Berührung geglättet hatte. Er beobachtete das Rudel. Es war ein seltsames, fast surreales Bild. Da waren die Schwarzklauen, ausgezehrt und gezeichnet von Thanes Grausamkeit, die sich in die Pelze kuschelten. Und da waren die Grauflügel, stolze Krieger mit harten Gesichtern, die sichtlich mit der Anwesenheit der Menschen rangen, die nun in den hinteren, geheimen Hallen des Berges Schutz suchten.Er spürte das Sil
Der Himmel über dem *Mont-de-Glace* hatte sich in ein bedrohliches Schiefergrau verfärbt. Die Flüchtlinge zitterten in der Großen Halle, während das Echo der herannahenden Dunkelheit gegen die Wände prallte. Elias spürte es zuerst – eine Vibration im Boden, die nicht von menschlichen Schritten stammte. Es war ein schweres, unnatürliches Beben.„Sie kommen“, sagte Elias. Seine Stimme war ruhig, aber sie trug die Schwere von tausend Tonnen Fels.Er trat an den Rand des Plateaus. Hinter ihm knurrte Kaelen. Sie war bereits halb verwandelt; ihre Muskeln waren unter der Haut geschwollen, ihre Fingernägel zu schwarzen Sicheln gehärtet. Der Geruch von nassem Fell und heißem Blut ging von ihr aus, ein Duft, den Elias mittlerweile mehr liebte als alles andere. Er gab ihr die Wildheit, die er als Architekt brauchte, um nicht nur zu bauen, sondern zu zerstören.„Das sind keine Wölfe, Elias“, flüsterte sie. Ihre goldenen Augen fixierten die Waldgrenze.Dann brachen sie hervor.Es waren fünf Kreatu
Der Mont-de-Glace war nicht mehr nur ein Berg aus totem Gestein. Für Elias, dessen Adern nun von dem glühenden Silber der Essenz durchzogen wurden, war er ein lebendiges, pulsierendes Wesen. Jedes Mal, wenn er seine Hand an die feuchten Wände der Großen Halle legte, spürte er das Flüstern der Erde. Er fühlte das Gewicht der Gipfel über sich und den Druck der tiefen Wasseradern unter seinen Füßen.Er stand in der Mitte der Halle, die Augen geschlossen. Sein Hemd stand offen, und auf seiner Brust schimmerte das silberne Siegel, das die Essenz hinterlassen hatte, wie ein zweites Herz.„Elias? Du bist seit Stunden hier.“Kaelen trat aus dem Halbdunkel. Sie trug ein langes Gewand aus weichem Fell, das bei jeder Bewegung ihre starken Kurven betonte. Sie sah ihn mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Sorge an. Seit er den Trank genommen hatte, war eine neue Distanz in seinem Blick – nicht, weil er sie weniger liebte, sondern weil er plötzlich so viel mehr sah als nur die materielle Welt.„Ich