LOGIN„Von jetzt an gehörst du mir.“ In einer Welt, die von Werwölfen beherrscht wird, sind Menschen nichts weiter als schwache, entbehrliche Diener – und ich bin nur eine Magd der niedrigsten Stufe. Niemand weiß, dass ich mit einer einzigen Berührung gewöhnliches Wasser in ein Elixier verwandeln kann, das selbst tödliche Wunden heilt. Bis zu jener Nacht, als der Alpha-Prinz Aiden sterbend an Silbergift vor mir zusammenbricht – und ich ihn rette. Meine Rettung wurde zu meinem Untergang. Als er die Augen öffnet, sind es seine ersten Worte, die mein Schicksal besiegeln: Er hält mich bei sich. Ich werde im Wolfsburg eingesperrt, zu seiner persönlichen Zofe gemacht. Er misstraut mir. Er überwacht mich. Und doch kommt er mir immer näher. Und während alle anderen mich zu einer Waffe machen wollen, senkt dieser gefährlichste Mann seine Stimme und sagt: „Sie wollen deine Kraft.“ „Und ich will nur dich.“
View MoreDas Wasser des Waldflusses war so klar, dass Luna die glatten, grauen Kieselsteine auf dem Grund sehen konnte. Die Morgensonne brach sich in den Kronen der alten Eichen und warf tanzende Lichtflecken auf die Wasseroberfläche. Es war friedlich hier – der einzige Ort, an dem Luna wirklich aufatmen konnte. Und der einzige Ort, an dem sie sie selbst sein durfte.
Luna kniete sich ins feuchte Moos und zog tief die kühle Waldluft ein. Sie lauschte. Keine Schritte, kein Knacken von Ästen. Die Werwölfe des Bloodmoon-Rudels patrouillierten um diese Uhrzeit selten so nah an der Grenze.
Sie war sicher.
Vorsichtig zog sie eine kleine, gläserne Phiole aus ihrer Schürzentasche. Dann streckte sie die Hand aus. Sobald ihre Fingerspitzen die kühle Oberfläche des Flusses berührten, passierte es. Ein vertrautes, sanftes Kribbeln breitete sich in ihrer Brust aus, wanderte ihren Arm hinab und floss durch ihre Finger direkt ins Wasser.
Für einen winzigen Moment schien das Wasser um ihre Hand herum in einem zarten, silbernen Licht zu erstrahlen. Die feinen Strömungen kräuselten sich, als würden sie Lunas Berührung erwidern.
Sie tauchte die Phiole unter und verschloss sie sorgfältig.
Dieses Wasser war kein gewöhnliches Wasser mehr. Es war Rettung. Es war Medizin. Wenn ihre Mutter heute Abend wieder vor Schmerzen in den Gelenken kaum aufstehen konnte, würde ein einziger Schluck genügen, um das Leiden vergehen zu lassen.
„Niemand darf je davon erfahren, Luna. Versprich es mir.“
Die eindringliche, von Angst erfüllte Stimme ihres Vaters hallte in ihren Gedanken wider. Sie war damals erst acht Jahre alt gewesen, als ihr kleiner Bruder Leo vom großen Scheunendach gestürzt war. Sein Bein war seltsam verbogen gewesen, ein Knochen hatte die Haut durchstoßen. In ihrer puren Verzweiflung hatte Luna Wasser aus dem Eimer geholt, es über die Wunde gegossen und gebetet. Vor den ungläubigen Augen ihrer Eltern hatte sich der Knochen zurückgezogen, die Haut hatte sich geschlossen. Keine Narbe. Nichts.
Seit diesem Tag lebte die Familie in ständiger Wachsamkeit. In der Welt der Werwölfe wurden Menschen ohnehin nur geduldet. Wenn der Alpha erfahren würde, dass eine schwache menschliche Heilerin in seinem Territorium lebte, die selbst tödliche Verletzungen mit einer Berührung ungeschehen machen konnte... Luna wäre nie wieder frei. Sie würde wie ein Werkzeug im Rudelhaus eingesperrt werden.
Luna steckte die Phiole zurück in die Tasche und erhob sich. Sie musste zurück ins Dorf, bevor ihr Fehlen auffiel.
Sie drehte sich um – und gefror mitten in der Bewegung.
Der Wind drehte sich, und mit ihm strömte ein Duft auf sie ein, der ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Dunkles Holz, herbe Minze und eine überwältigende, dominante Aura, die die Luft förmlich erzittern ließ.
Aus dem Schatten der Bäume trat eine Gestalt.
Es war Aiden. Der Alpha-Prinz. Der zukünftige Herrscher des Bloodmoon-Rudels.
Er trug eine einfache, schwarze Hose und ein dunkles Hemd, dessen Ärmel hochgekrempelt waren. Seine Statur war beeindruckend – breite Schultern, Muskeln, die sich unter dem Stoff abzeichneten, und eine Haltung, die absolute Kontrolle ausstrahlte. Seine Augen, ein intensives, glühendes Bernstein, fixierten sie sofort.
Luna hielt den Atem an. Ihr Herz hämmerte so wild gegen ihre Rippen, dass sie Angst hatte, er könnte es hören. Hatte er sie gesehen? Hatte er das silberne Leuchten bemerkt?
„Du bist weit weg vom Dorf, Mensch“, sagte Aiden. Seine Stimme war ein tiefes, raues Grollen, das Vibrationen auf Lunas Haut hinterließ.
„Ich... ich habe nur Kräuter gesucht, Eure Hoheit“, stammelte Luna und senkte hastig den Blick. Sie durfte ihm nicht in die Augen sehen. Alphas sahen jede Lüge, spürten jede Angst. Sie presste die Arme an ihren Körper, um die Glasflasche in ihrer Tasche zu verbergen.
Aiden tat einen langsamen, geschmeidigen Schritt auf sie zu. Seine Augen verengten sich ein wenig. Er hob den Kopf und zog die Luft durch die Nase ein, als würde er ihren Geruch prüfen. Luna hielt die Luft an.
„Kräuter“, wiederholte er langsam. In seiner Stimme lag eine gefährliche Neugierde. Er blieb nur zwei Schritte von ihr entfernt stehen. Er war so groß, dass er sie völlig in seinen Schatten hüllte. „Du riechst seltsam. Nicht wie die anderen Menschen im Dorf.“
Luna schluckte trocken. „Ich... ich weiß nicht, was Ihr meint.“
Aiden musterte sie noch einen unendlich langen Moment, sein Blick glitt über ihr Gesicht, verweilte auf ihren zitternden Händen. Die Unsicherheit und das Misstrauen waren in seinen scharfen Zügen deutlich zu erkennen. Er spürte, dass etwas nicht stimmte, aber er konnte es noch nicht greifen.
„Geh zurück ins Dorf, Mädchen“, sagte er schließlich leise, aber mit absolutem Befehlston. „Es ist nicht sicher hier draußen. Die Grenzen sind unruhig.“
„Ja, Eure Hoheit. Danke“, flüsterte sie, machte einen schnellen Bogen um ihn und fast schon im Laufschritt zurück Richtung Dorf.
Aiden drehte sich nicht um, aber sein Blick folgte ihr in Gedanken. Er sah auf den Fluss hinab, dessen Wasser friedlich dahinfloss. Irgendetwas an diesem Mädchen hatte seine Wolfssinne alarmiert. Sie war eine Gefahr – oder ein Geheimnis. Und er würde herausfinden, was von beidem zutraf.
Die Schatten der herannahenden Prüfung legten sich schwer über das Rudelhaus, doch im privaten Schlafgemach des Prinzen schien die Zeit stillzustehen. Aiden hatte die schweren Samtvorhänge zugezogen, um die kalten Blicke der Wachen da draußen auszusperren. Das einzige Licht im Raum stammte von den tanzenden Flammen des großen Kamins, die goldene Reflexe auf die Wände warfen. Luna saß auf der Bettkante, die Decke um ihre Schultern gewickelt. Sie starrte in das Feuer, während das Echo der Worte des alten Alphas immer noch in ihren Ohren nachhallte. Die Zeremonie des Ratsfeuers. Es war eine Sache, im Geheimen zu wissen, dass sie mit diesem mächtigen Mann verbunden war – es war eine ganz andere, diese Verbindung vor den Augen eines misstrauischen, hasserfüllten Rates zu beweisen. „Du denkst zu viel nach, Luna.“ Aidens tiefe, raue Stimme durchbrach die Stille. Er trat aus dem angrenzenden Badezimmer. Er hatte seine taktische Weste und das Hemd abgelegt; er trug nur noch eine einfache, d
Der alte Alpha starrte seinen Sohn an, und in den grauen Augen des Herrschers spiegelte sich eine gefährliche Mischung aus Unglauben und absolutem Spott wider. Eine menschliche Gefährtin für den Kronprinzen des Bloodmoon-Rudels? Das widersprach jedem Gesetz, jeder Tradition und dem stolzen Erbe ihrer Vorfahren. „Eine Gefährtin?“, lachte der alte Alpha kalt auf, und das Geräusch klang wie das Scharren von Klingen auf Stein. „Du hast dich von deinen Gefühlen für eine Magd blenden lassen, Aiden. Das Schicksal wählt keine schwachen, zerbrechlichen Menschenfrauen für den Thron eines Alphas. Du willst sie nur vor dem Rat schützen.“ „Ich lüge nicht, Vater“, grollte Aiden, und das tiefe Bernstein seiner Augen flammte so hell auf, dass selbst der Ratsarzt unwillkürlich den Blick senkte. Er trat noch dichter an das Bett heran, als könnte sein massiver Körper Luna vor den eisigen Blicken des Herrschers abschirmen. „Das Band ist erwacht. Das goldene Licht hat mein Leben gerettet, als das Silber
Der Nordposten war gesichert, doch im Lager herrschte ein bedrückendes, ehrfürchtiges Schweigen, als der Konvoi der Geländewagen sich für die Rückreise bereit machte. An der Spitze fuhr Aidens Wagen. Der Alpha-Prinz saß nicht am Steuer; er saß auf der Rückbank und hielt Luna fest in seinen Armen. Er weigerte sich, sie auch nur für eine Sekunde loszulassen. Luna war unnatürlich blass, ihre Haut fühlte sich kühl an, und ihr Atem war kaum wahrnehmbar. Das goldene Licht, das seine Seele gerettet hatte, hatte sie völlig leer zurückgelassen. Aiden vergrub sein Gesicht an ihrem Hals. Er spürte das zarte, matte Pulsieren ihres Blutes – und tief in seiner eigenen Brust spürte er noch etwas anderes. Ein goldenes, unzerreißbares Band, das sich wie eine glühende Kette um sein Herz gelegt hatte. Sie ist meine Gefährtin, dachte er, und ein unbändiger, fast schon schmerzhafter Stolz durchflutete ihn. Die Vorsehung des Mondes hatte ihm keine stolze Werwölfin geschenkt, sondern dieses mutige Mensch
Aiden! Hörst du mich? Bleib bei mir!“, Lunas Stimme brach vor Panik. Sie presste ihre Hände auf seine Brust, doch das heftige Hämmern seines Herzens fühlte sich bereits unregelmäßig und schwach an. Das schwarze Gift der Rebellen zog rauchähnliche, dunkle Linien über seine Haut, die unaufhaltsam seinen Hals hinaufwanderten. Aiden schlug mühsam die Augen auf. Das sonst so stolze, brennende Bernstein seiner Iris war matt und von einem grauen Schleier überzogen. Er hob zitternd eine Hand, und seine Fingerspitzen berührten ganz sachte Lunas Wange. „Du... bist in Sicherheit...“, flüsterte er, und ein Schwall dunklen Blutes lief über seine Lippen. „Lauf, Luna... solange du noch... kannst...“ „Ich gehe nirgendwohin ohne dich!“, schrie sie gegen die Tränen an, die ihr die Sicht raubten. Luna wirbelte herum. Der große Wassertank in der Ecke war fast leer, nur noch eine kleine Pfütze des silbernen Elixiers schwamm auf dem Grund. Sie streckte die Hände aus, doch als sie das Wasser berührte, s





