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5: Ihr Leben

Author: Dark Gold
last update publish date: 2026-09-08 22:11:44

Willow

„Gib’s mir, Daniel! Ich hatte es doch zuerst!“

„Nein, ich will Barbie nicht gucken. Ich will was anderes!“

„Du bist so gemein!“ Ella brach in Tränen aus und schrie weiter. „Gib’s mir, Daniel! Sei nicht so gemein, ich habe doch zuerst ferngesehen, du hättest warten können, bis ich fertig bin!“

Ich seufzte und versuchte, in Ruhe meine Zähne zu putzen, aber die Zwillinge legten schon wieder los. Daniel und Ella stritten sich um die Fernbedienung, ihre schrillen Stimmen hallten durch das Badezimmer. Ich spuckte die schaumige Flüssigkeit aus meinem Mund aus, bevor ich etwas sagte.

„Hört auf zu streiten, ihr beiden!“, rief ich, als ich aus dem Badezimmer kam. „Daniel, gib Ella die Fernbedienung.“

Doch Daniel verschränkte die Arme und nahm einen sturen Gesichtsausdruck an. „Nein, ich will meine Sendung gucken!“

Ich kniete mich neben ihn und sah ihm direkt in die Augen. „Daniel, du bist der große Bruder. Du musst Ella immer beschützen und auf sie aufpassen. Das bedeutet, zu teilen und nett zu ihr zu sein. Du hast versprochen, deine Schwester immer zu beschützen – willst du sie etwa so beschützen?“, fragte ich.

Ein Lächeln huschte über Daniels Gesicht, und er nickte begeistert. „Ich habe mich geirrt, Mami. Ich werde meine Schwester immer beschützen!“

Er reichte Ella die Fernbedienung, und die beiden umarmten sich, was mein Herz zum Schmelzen brachte. Daniel war schon immer ein beschützender großer Bruder gewesen, sie streiten sich nur ganz selten.

Gerade als ich mich entschloss, ins Badezimmer zurückzukehren und mir weiter die Zähne zu putzen, stürmte Ruby aus ihrem Zimmer und sah völlig außer sich aus. „Willow, du wirst es nicht glauben!“

Ich spürte eine Welle der Angst in ihrem panischen Gesichtsausdruck. „Was ist los?“

Ruby zeigte mir ihr Handy, und meine Augen weiteten sich vor Schreck. „Die Triple-A-Corporation hat uns gerade eine E-Mail geschickt. Sie haben unsere Anfrage für ein Treffen angenommen!“

Ich konnte es kaum glauben. Ruby und ich hatten unser Start-up direkt nach dem Studium gegründet, und ich hätte nie gedacht, dass ein Schwergewicht wie Triple A ein Treffen mit uns in Betracht ziehen würde.

Nachdem die erste Schockphase vorbei war, setzte die Erkenntnis ein, und ich schrie vor Aufregung. Ruby und ich umarmten uns fest und hüpften auf und ab.

„Wir haben es geschafft, Ruby! Wir haben es tatsächlich geschafft!“

Ruby grinste, ihre Augen leuchteten vor Aufregung. „Wir müssen einkaufen gehen. Wir brauchen neue Kleidung für das Treffen.“

Ich nickte sofort, immer noch unter Schock. „Ja, lass uns gehen. Wir müssen professionell und selbstbewusst wirken.“

Wir umarmten uns erneut; es war immer noch kaum zu glauben, dass ich ihnen eine E-Mail und unser Portfolio geschickt hatte, ohne damit zu rechnen, eine Rückmeldung von ihnen zu erhalten. Es war wirklich ein Risiko, das sich gelohnt hatte.

*

Ich konnte es kaum glauben. Wir gingen tatsächlich mit den Zwillingen auf Einkaufstour! Ruby und ich hatten ununterbrochen an unserem Start-up gearbeitet, und das war genau die Auszeit, die wir brauchten.

„Okay, Kinder! Macht euch bereit für einen tollen Tag!“, rief ich aus und versuchte, meine Aufregung im Zaum zu halten.

Daniel und Ella jubelten und hüpften auf und ab. „Juhu! Einkaufen!“, riefen sie im Chor.

Wir machten uns auf den Weg zum Einkaufszentrum, die Zwillinge sprühten vor Energie. Kaum waren wir drinnen, stürmten sie schnurstracks zum Spielzeugladen.

„Können wir bitte ein Spielzeug kaufen?“, fragte Daniel mit großen, hoffnungsvollen Augen.

Ich lächelte, denn ich wusste, dass ich diesen Hundeaugen nicht widerstehen konnte. „Mal sehen, was wir finden können.“

Die nächste Stunde verbrachten wir im Spielzeugladen, wo die Zwillinge verschiedene Spielsachen und Spiele ausprobierten. Ruby und ich warfen uns amüsierte Blicke zu und genossen das Chaos.

Nach dem Spielzeugladen gingen wir zur Bekleidungsabteilung. Ruby und ich brauchten neue Outfits für unser Treffen bei Triple-A, und die Zwillinge brauchten neue Kleidung für die Schule.

„Ooh! Schau mal, Mami! Ein Prinzessinnenkleid!“, quietschte Ella und hielt ein glitzerndes Kleid hoch.

Ich kicherte, da ich wusste, dass es ihr gefallen würde. „Probier es an, mein Schatz.“

Daniel hingegen war von den Superhelden-Shirts fasziniert. „Kann ich das hier haben, Mami? Bittttee?“

Ich lächelte und wuschelte ihm durch die Haare. „Natürlich, mein Kleiner.“

Während wir einkauften, sorgten die Zwillinge für Unterhaltung, probierten verschiedene Outfits an und posierten vor dem Spiegel.

Nach ein paar Stunden Einkaufsbummel machten wir eine Pause im Food-Court. Die Zwillinge verschlangen ihre Pizza und Pommes, während Ruby und ich an unserem Kaffee nippten und über unseren Tag lachten.

„Das hat so viel Spaß gemacht“, sagte Ruby und lächelte die Zwillinge an. „Wir haben diese Auszeit gebraucht.“

Ich nickte und war dankbar für meine kleine Familie. „Auf jeden Fall. Lass es uns bald wieder machen.“

Der Rest des Tages verging wie im Flug, in einem Wirbelwind aus Einkaufen und Lachen.

„Das war der beste Tag aller Zeiten!“, rief Daniel gähnend aus.

Ella nickte, schon halb eingeschlafen. „Können wir das morgen wieder machen?“

Ich lächelte und drückte sie fest an mich. „Bald, meine Lieben. Bald“, murmelte ich, und der Chauffeur hielt das Auto vor uns an; wir stiegen ein, während die Zwillinge unsere Taschen fest umklammerten.

Ella klammerte sich an Ruby, die schon immer ihre Lieblingspuppe gewesen war, während Daniel auf meinem Schoß lag und ich langsam mit seinen Haaren spielte, während das Auto uns nach Hause fuhr. Ich musste unweigerlich an das Leben denken, das ich in den letzten acht Jahren geführt hatte.

Der Schock, als mir klar wurde, dass ich Zwillinge erwartete – ich fragte mich, wie ich das schon alleine überstehen sollte, und dann auch noch Zwillinge? Es war schwer, aber die ständige Unterstützung von Ruby und Jason hielt mich aufrecht.

Im Laufe der Jahre hatte ich so viel Gewicht verloren, dass man kaum noch erkennen konnte, dass ich einst das pummelige Schweinchen war, mit dem mich alle gehänselt hatten. Ich war auch nicht schlank, ich war kräftig, aber nicht dick genug, um gehänselt zu werden.

Ich gähnte, und endlich kamen wir spät nach Hause, erschöpft von unserem Einkaufsbummel. Ich beschloss, die Zwillinge ins Bett zu bringen, da ich wusste, dass sie ihre Ruhe brauchten.

Als ich Daniel zudeckte, schlief er innerhalb von Sekunden tief und fest. Ella hingegen gähnte zwar, war aber noch wach.

„Gute Nacht, mein Schatz“, flüsterte ich und legte sie ins Bett.

Ich küsste sie auf den Scheitel und wollte gerade das Zimmer verlassen, als ihre kleine Hand mich zurückhielt.

„Mama, warte“, sagte sie mit einer Stimme, die kaum mehr als ein Flüstern war.

Ich drehte mich um, Besorgnis stand mir ins Gesicht geschrieben. „Was ist los, mein Schatz?“

Ella sah zu mir auf, Tränen stiegen ihr in die Augen. „In der Schule haben sich die anderen wieder über mich lustig gemacht.“

„Ich habe dir doch gesagt, dass du nicht auf sie hören sollst. Das sind nur gemeine Leute, die so etwas sagen, um dich zu ärgern“, antwortete ich, und sie schüttelte den Kopf. Ich hasse es, dass sie sie immer wieder so mitnehmen. Ich erkenne mich selbst in Ella wieder – es war nicht leicht, gemobbt zu werden, und jetzt muss mein Kind das Gleiche durchmachen.

„Sie haben gesagt, ich hätte keinen Papa“, flüsterte sie; es schien, als fiele es ihr schwer, das auszusprechen.

Mein Herz zerbrach in Millionen Stücke, aber ich lächelte weiter und versuchte, sie zu beruhigen. „Du brauchst keinen Papa, mein Schatz. Du hast mich.“

Doch Ella schüttelte den Kopf, ihre Unterlippe zitterte. „Nein, Mami. Ein Papa ist ein Papa, und eine Mama ist eine Mama. Ich möchte meinen Papa kennenlernen.“

Mir fehlten die Worte, ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Ich wollte sie nicht anlügen, aber ich konnte ihr auch nicht die Wahrheit sagen. Noch nicht.

Ich küsste sie auf die Stirn und versuchte, meine eigenen Tränen zurückzuhalten. „Wir reden später darüber, okay?“

Ich verließ das Zimmer und fühlte mich, als hätte mir jemand in den Magen geschlagen. Wie sollte ich meinen Kindern jemals sagen, dass ihr Vater mich abgelehnt hatte? Dass ich es nicht wert war, ihre Partnerin zu sein?

Ich kehrte in mein Zimmer zurück und brach in Tränen aus, sobald ich die Tür geschlossen hatte. Ich weinte, bis ich einschlief, mein Herz schwer vor Kummer.

*

Ich betrachte mich im Spiegel und bin zufrieden mit meinem Aussehen, bevor ich mein Zimmer verlasse. Ich blieb vor Rubys Zimmer stehen und atmete tief durch, bevor ich eintrat. „Ruby, bist du fertig?“, fragte ich und öffnete die Tür.

Doch statt einer angezogenen und bereit stehenden Ruby fand ich sie vor, wie sie sich den Bauch hielt, blass aussah und Schmerzen hatte.

„Ruby, was ist los?“, fragte ich und eilte zu ihr.

„Ich bin mit Regelschmerzen aufgewacht“, sagte sie und verzog das Gesicht. „Ich weiß nicht, ob ich es zum Treffen schaffe.“

Ich konnte es kaum glauben. Der Tag, auf den wir uns so lange gefreut hatten, und nun würde Ruby vielleicht nicht dabei sein können. „Ich weiß, dass du gerade wütend auf mich bist“, murmelte sie, und ich lächelte schwach.

„Ruh dich aus, Ruby. Ich werde die Zwillinge bitten, bei dir zu bleiben, während ich allein zum Meeting gehe“, sagte ich und versuchte, sie zu beruhigen.

Ruby hielt meine Hand, ihre Augen waren voller Sorge. „Du wirst das toll machen, Willow. Ich weiß, dass du das schaffst.“

Ich nickte und versuchte, meine eigenen Zweifel zu verbergen. „Ich komme schon klar. Mach dir keine Sorgen.“

Ich verließ das Haus und fuhr mit dem Taxi zur Firma. Als ich ankam, wurde ich von der Sekretärin begrüßt, die mich in den Sitzungssaal führte.

„Der Geschäftsführer wird gleich hier sein“, sagte sie lächelnd. „Bitte mach es dir bequem.“

Ich setzte mich und versuchte, meine Nerven zu beruhigen. Ich hatte mich so lange auf diesen Moment vorbereitet, aber jetzt, wo er da war, fühlte ich mich unsicher.

Gerade als ich anfing, mich zu entspannen, öffnete sich die Tür, und ich neigte den Kopf, um zu sehen, wer es war. Und dann vergaß ich, wie man atmet.

Sie kamen herein, den Blick fest auf mich gerichtet. Ich fühlte mich, als hätte mir jemand in den Magen geschlagen; in meinem Kopf schwirrten Erinnerungen und verschiedene Gefühle durcheinander.

Was zum Teufel machen die hier?

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