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Kapitel Fünf

last update publish date: 2026-05-23 09:30:30

Kapitel Vier

Laila Fernandes

Einen Monat später…

Seit einem Monat arbeite ich nun in der Watson-Residenz, und glücklicherweise habe ich mich ohne Schwierigkeiten eingelebt. James und Jason lieben mich inzwischen abgöttisch. Als sie mich wieder in ihrem Zuhause sahen – und diesmal, um zu bleiben – waren sie überglücklich.

Ich habe ihren Tagesablauf schnell auswendig gelernt, und laut Mrs. Rachel Watson essen die beiden inzwischen viel besser. Früher war es scheinbar fast unmöglich gewesen, sie dazu zu bringen, Gemüse oder andere gesunde Dinge zu essen.

Der einzige Nachteil ist, dass sie nur dann richtig essen, wenn ich mit ihnen am Tisch sitze. Die Mahlzeiten finden immer gemeinsam mit der Familie statt – auch wenn es nur das ältere Ehepaar und die Zwillinge sind – und das macht mich manchmal etwas verlegen.

In unserer Freizeit haben wir drei unglaublich viel Spaß zusammen. Mrs. Constancy behauptet ständig, dass ich in diesen Momenten genauso kindisch sei wie die beiden Jungs.

Außerdem habe ich angefangen, ihnen vor dem Schlafengehen Geschichten vorzulesen, und das Ergebnis ist erstaunlich: Endlich schlafen sie früh ein. Mr. Watson war regelrecht beeindruckt von dieser Veränderung.

Er und seine Frau erzählten mir auch, dass keine Nanny zuvor länger als drei Tage hier geblieben sei. Offenbar hatten die Jungen niemanden akzeptiert, weil sie sehr unter dem Verlust ihrer Mutter litten – was absolut verständlich ist.

Sie gingen nicht näher darauf ein, und ich fragte auch nicht weiter nach. Allein die Erwähnung ihrer verstorbenen Tochter verursachte ihnen sichtbaren Schmerz.

Auch mit den Angestellten komme ich inzwischen gut zurecht. Die Köchin, der Gärtner, die Sicherheitsleute und die Hausmädchen – fast alle sind nett zu mir.

Nur eine der Angestellten, Stacy, scheint mich nicht besonders zu mögen.

Dafür wurde Marina sofort meine Freundin. Sie ist gemeinsam mit zwei anderen Mädchen für die Reinigung der Schlafzimmer verantwortlich. In unseren freien Momenten unterhalten wir uns stundenlang. Sie erzählte mir, dass sie ursprünglich aus Seattle stammt und nach der Scheidung ihrer Eltern mit ihrer Mutter nach New York gezogen ist.

Ihre Mutter arbeitet in einer Konditorei, und die beiden wohnen in einer kleinen Wohnung in einem Vorort der Stadt. Wie Marina sagt: „Es ist einfach, aber es gehört uns.“

Sie hat mich sogar eingeladen, sie an meinem freien Tag zu besuchen.

Was ich besonders lustig finde: Seit alle erfahren haben, dass ich Brasilianerin bin, fragen sie mich ständig, ob ich Samba tanzen kann.

Und genau deshalb habe ich ihnen den Funk beigebracht.

Ich bin Carioca, liebe Karneval und Pagode – aber beim Funk gehe ich völlig auf. Ich tanze, bis meine Füße um Gnade bitten.

Bruna und ich gingen früher ständig auf Funk-Partys und kamen erst im Morgengrauen nach Hause. Wir interessierten uns nie für Männer dort – wir wollten einfach nur tanzen.

Allein an Bruna zu denken, lässt mir Tränen in die Augen steigen. Schnell wische ich sie weg.

Eines Tages wird sie merken, dass ich die Wahrheit gesagt habe, und diesen Idioten Eidhan zum Teufel jagen.

Ich hoffe nur, dass dieser Tag bald kommt, denn ich vermisse meine Schwester im Herzen sehr.

Ich konzentriere mich wieder auf die Gegenwart.

Im Moment begleite ich James, Jason und Mrs. Rachel zur Therapie der Jungen.

Die beiden gehen gemeinsam mit ihrer Großmutter hinein, während ich im Wartezimmer bleibe. Es ist ein intimer Familienmoment, der mir etwas Zeit zum Entspannen gibt.

Die Sitzung dauert ungefähr eine Stunde.

Kaum ist sie vorbei, stürmen die beiden Jungen wie kleine Raketen aus dem Raum und werfen sich beinahe gegen mich.

„Lalá! Lalá! Gehen wir Eis essen?“

„Ja, Lalá! Wir waren brav und haben uns gut benommen. Dürfen wir Eis essen?“

„Wenn eure Oma einverstanden ist, können wir auf dem Heimweg bei einer Eisdiele anhalten.“

Die beiden sehen Mrs. Rachel erwartungsvoll an. Sie erwidert ihren Blick mit einem glücklichen Lächeln, was mir zeigt, dass die Sitzung wirklich gut verlaufen sein muss.

„Ja! Wir gehen alle Eis essen!“

Gut gelaunt verlassen wir die Praxis.

Unterwegs halten wir an einer großen Eisdiele, und unser Nachmittag wird von Lachen und guter Laune erfüllt. Jeder von uns sitzt mit einem riesigen Eisbecher am Tisch.

Nach einer Weile gehen die Zwillinge auf den kleinen Spielplatz der Eisdiele. Da die Sicherheitsleute sie beobachten, bleibe ich sitzen und esse weiter mein Eis.

Mrs. Rachel hält plötzlich meine Hand und wirkt emotional.

„Ich möchte dir danken, Miss Fernandes. Du warst wie ein frischer Wind in unserem Haus. In so kurzer Zeit haben sich meine Enkel vollkommen verändert. Sogar ihre Psychologin ist beeindruckt von ihrem Fortschritt.

Sie sprechen mehr, öffnen sich, verhalten sich endlich wieder wie normale Kinder und lassen die traurige Vergangenheit langsam hinter sich. Das verdanken wir deinem Einfluss. Sie haben sich wirklich mit dir verbunden.“

Unwillkürlich lächle ich breit.

„Sie müssen mir nicht danken, Mrs. Watson. Diese beiden Kleinen haben mein Herz vom ersten Moment an erobert. Ich glaube, wir haben uns verbunden, weil ich meine Eltern ebenfalls sehr früh verloren habe. Eigentlich habe ich meine Mutter nie kennengelernt, und mein Vater starb, als ich noch klein war. Deshalb verstehe ich sie vielleicht besser.“

„Das erklärt wahrscheinlich, warum du ihre emotionalen Bedürfnisse so gut erkennst. Aber das allein reicht nicht aus. Sie mochten dich sofort – und das ist noch nie passiert. Außerdem bist du unglaublich liebevoll mit ihnen. Ich bin dir wirklich dankbar.“

„Darf ich Sie um etwas bitten, Mrs. Watson?“

„Natürlich, Liebes.“

„Bitte nennen Sie mich einfach Laila.“

Mrs. Rachel lächelt warm.

„In Ordnung. Aber nur, wenn du mich Rachel nennst.“

Ich zögere.

„Vielleicht lieber Mrs. Rachel? Damit würde ich mich wohler fühlen.“

Sie lacht leise.

„Wie du möchtest, Laila.“

Kurz darauf kommen James und Jason zurück zu unserem Tisch, essen den Rest ihres Eises und anschließend fahren wir nach Hause.

Der Rest des Tages verläuft ruhig.

Ich bade die beiden Jungen, setze mich während des Abendessens zu ihnen, damit sie ordentlich essen, und Mrs. Rachel erzählt ihrem Mann begeistert von den Fortschritten der Therapie.

Tom Watson wirkt sichtlich gerührt und sieht mich dankbar an.

„Miss Fernandes, wir sind—“

„Sie möchte lieber einfach Laila genannt werden, Schatz“, unterbricht Rachel ihn mit einem Augenzwinkern in meine Richtung.

„Nun gut“, sagt Tom lächelnd. „Dann nenn mich einfach Tom, in Ordnung, Laila?“

„Mr. Tom vielleicht?“

„Einverstanden, Miss Laila“, antwortet er amüsiert. „Wie ich sagen wollte: Wir sind Ihnen wirklich dankbar für Ihre Hingabe gegenüber meinen Enkeln.“

„Sie müssen sich nicht bedanken. Ich mag diese beiden kleinen Rabauken wirklich.“

„Ja, Opa!“, ruft James begeistert. „Ich werde Lalá später heiraten!“

„Nein! Ich werde sie heiraten!“, protestiert Jason sofort.

Die beiden beginnen zu diskutieren.

„Niemand wird mich heiraten“, sage ich lachend. „Darüber haben wir doch schon gesprochen. Ihr seid noch viel zu klein, um an so etwas zu denken. Ihr solltet euch lieber aufs Spielen und Lernen konzentrieren – eben auf Kindersachen.“

„Okay, Lalá…“

Widerwillig geben die beiden nach.

Ich lächle, küsse jedem von ihnen auf die Stirn und sofort strahlen sie wieder und essen fröhlich weiter.

„Du weißt wirklich, wie man mit ihnen umgeht“, sagt Rachel bewundernd.

Nach dem Abendessen bringe ich James und Jason nach oben, lasse sie Zähne putzen und bringe sie ins Bett.

Ich lese ihnen eine Geschichte vor, und schon nach wenigen Minuten schlafen beide friedlich ein.

Erst dann gehe ich in mein eigenes Zimmer und beende damit einen weiteren Tag in der Watson-Residenz.

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