INICIAR SESIÓNTANYAS POV
In dem Moment, in dem ich in die Ruhe meiner privaten Gästekammer zurückkehrte, entließ ich die anwesenden Dienstmädchen mit einem sanften, dankbaren Lächeln.„Ihr habt heute Abend alle außergewöhnlich hart gearbeitet. Lasst mich jetzt ausruhen.“„Ja, Lady Tanya. Gute Nacht.“Die schweren Eichentüren fielen mit einem leisen Klicken ins Schloss, und endlich senkte sich eine ruhige, schwere Stille über den Raum.Ich ging zu dem Ganzkörperspiegel, löste langsam denAMARAS POVSerenas Lachen folgte mir den gesamten Korridor entlang.Ich ging weiter. Das war das Einzige, was mir noch blieb – einen Fuß vor den anderen zu setzen.Mein Körper fühlte sich unbeschreiblich schwer an, jeder einzelne Schritt schleppte sich über den polierten Marmorboden, als würde der Palast selbst versuchen, mich hinunter in die Erde zu ziehen. Ich konnte noch immer den dumpfen Schmerz in meinen Knien und die tiefe, bis ins Mark reichende Schwäche in meinen Gliedern spüren.Eine seltsame, unnatürliche Erschöpfung hatte sich seit der Nacht des Gipfels über mich gelegt. Ich hatte versucht, so zu tun, als wäre es nichts. Ich hatte versucht, mir einzureden, dass ich einfach nur müde war – dass die schlaflosen Nächte, die öffentliche Demütigung, die zerbrochene Verbindung und die endlosen Tränen meinen Körper nun endlich eingeholt hatten.Doch die beängstigende Wahrheit war, dass ich mich noch nie so schwach gefühlt hatte. Nicht einmal während der dunkelsten Tage nach dem Tod
TANYAS POVIch verließ die westlichen Archive eine Stunde später ohne ein einziges physisches Dokument, aber mit absoluter Klarheit.Amara verhielt sich nicht länger wie eine verstoßene, weinende Ausgestoßene. Sie deckte Stück für Stück eines uralten Rätsels auf, und Kael Draven schirmte ihre Entdeckungen vor seinem eigenen Rat ab.Ich fand Kael in der großen Ratskammer des östlichen Turms.Die massiven Eichentüren standen offen. Kael stand neben dem langen Strategietisch und starrte konzentriert auf eine riesige Karte der nördlichen Grenzgebiete. Fünf hochrangige Ratsmitglieder und militärische Befehlshaber standen um ihn herum und stritten mit gedämpften, erhitzten Stimmen.Der Hohe Alpha sah vollkommen erschöpft aus.Sein silberschwarzes Haar war zerzaust, sein Mantel aus purpurrotem Samt lag achtlos über einem nahe stehenden Stuhl, und die Ärmel seines Leinenhemdes waren bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. Dunkle, wie Blutergüsse wirkende Schatten lagen unter seinen auffälligen si
TANYAS POVIch schlief in dieser Nacht nicht.Nicht, weil ich Angst hatte. Angst war eine völlig nutzlose Emotion, wenn man über genügend Intelligenz und Geduld verfügte, um Fakten zu bewerten und präzise Entscheidungen zu treffen.Ich dachte einfach nach.Der Mondzirkel.Das heilige Ritual existierte seit Jahrhunderten und bildete das Fundament der modernen Wolfsgesellschaft. Jeder Monarch, jeder Hohe Lord und jedes adlige Kind in den Zwölf Königreichen wurde von klein auf in seine grundlegende Geschichte eingeweiht. Der Mondzirkel erkannte die Stärke, das göttliche Recht und die politische Legitimität der herrschenden Blutlinien an. Er war ein uraltes Symbol der Autorität und absoluten Ordnung – nichts weiter.Zumindest war das die Version, die der Hohe Rat das Reich glauben lassen wollte.Da ich jahrelang alte königliche Dokumente studiert hatte, um meine politische Stellung zu festigen, wusste ich, dass die offizielle Hofgeschichte selten vollständig war. Geschichte wurde von den
TANYAS POVDie schmiedeeisernen Tore des Palastes schwangen weit auf, noch bevor meine Kutsche den äußeren Sicherheitsbereich erreicht hatte.Ich beobachtete, wie sich die vertrauten schwarzen Metallstäbe nach innen bewegten und die lange Straße aus weißem Marmor enthüllten, die direkt auf die prächtige Fassade des Kaiserpalastes zuführte.In dem Moment, in dem meine Kutsche die Schwelle zum inneren Palastgelände überquerte, fiel mein Blick auf ein Detail, das mich sofort aufrechter in die Samtkissen zurücksitzen ließ.Drei kaiserliche Wachen standen in enger Formation vor den Bögen des westlichen Eingangs.Sie waren keine gewöhnlichen Wachen des Anwesens. Sie waren kaiserliche Sentinels – die Elitekrieger in Eisenrüstung, die ausschließlich zum Schutz des Hohen Alpha, des Inneren Kriegsrates und der am strengsten bewachten Bereiche der Festung eingesetzt wurden.Einer von ihnen hatte sich hinuntergebeugt und sprach mit gedämpfter, dringlicher Stimme mit einem jungen Palastdiener. Der
TANYAS POVIch beobachtete, wie Amara hinter dem großen steinernen Torbogen verschwand.Ich bewegte keinen einzigen Muskel.Das schwere, rhythmische Geräusch ihrer Schritte wurde allmählich leiser und verhallte im Marmorkorridor, bis der gewaltige, widerhallende Raum des Palastes sie vollständig verschluckte.Erst dann drehte ich mich langsam wieder zu den geschlossenen Doppeltüren von Kaels privater Ratskammer um.Die beiden kaiserlichen Wachen, die davor standen, richteten sofort ihre Rücken auf. Ihre Eisenstiefel klackten zusammen, während sich ihre Hände fester um die Schäfte ihrer zeremoniellen Speere schlossen.Ich schenkte ihnen ein ruhiges, strahlendes Lächeln. „Wie lange war sie drinnen?“Das vernarbte Gesicht der älteren Wache wurde vorsichtig, seine Stirn legte sich unter dem Stahlhelm leicht in Falten. „Lady Tanya—“„Ich habe Euch eine einfache, direkte Frage gestellt“, schnurrte ich leise und trat näher.Er warf seinem jüngeren Gefährten einen nervösen Blick zu, bevor er
TANYAS POVDie schweren, mit Eisen verstärkten Türen des Palastes schlossen sich mit einem tiefen, widerhallenden Donnern hinter Amara.Ich starrte noch lange auf die geschnitzte Tür aus dunkler Eiche, nachdem ihre Gestalt bereits verschwunden war. Für mehrere quälende Sekunden bewegte ich keinen einzigen Muskel, meine Wirbelsäule steif unter dem Gewicht meines weit fallenden weißen Samtkleides.Hinter mir schwoll das leise, gedämpfte Geflüster der umstehenden Adligen wieder an, wie ein Nest aufgescheuchter Hornissen.„Habt ihr das gesehen?“„Der Hauptmann der kaiserlichen Wache ... er hat sich persönlich vor ihr verbeugt und sie hineingeführt!“„Warum? Wieso sollte er das tun?“„Vielleicht ... vielleicht war diese goldene Einladung tatsächlich beabsichtigt.“„Unmöglich! Sei nicht lächerlich!“„Warum unmöglich?“„Weil sie—“Die Frau biss sich abrupt auf die Zunge und hielt inne, bevor die lauten Worte ihren Mund vollständig verlassen konnten.Sie musste ihren Satz nicht beenden. Ich w







