LOGINAls Liliana Valentino erfährt, wer sie wirklich ist, ändert sich alles. Der mächtige Damien Moretti, der sie jahrelang aus dem Schatten beschützt hat, wird zu ihrer größten Versuchung – und ihrer größten Gefahr. In einem Netz aus Verrat, Rache und dunkler Leidenschaft muss sie entscheiden: Wird sie die Krone der Dornen tragen… oder daran zugrunde gehen?
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New York, 12. November 2018 – Die Nacht, in der die Valentinos bluteten. Der Regen prasselte wie Kugeln auf das Dach der alten Kathedrale St. Salvatore. Drinnen roch es nach Weihrauch, kaltem Stein und frischem Blut. Luciano Valentino kniete vor dem Altar, die Hände gefesselt mit silbernem Draht. Sein weißes Hemd war rot durchtränkt. Vor ihm stand der Mann, den ganz Amerika für tot hielt – sein eigener Bruder, Marco „The Ghost“ Valentino. „Du hast den Pakt gebrochen“, flüsterte Marco, die Stimme leise wie ein Gebet. „Eine Tochter. Du hast eine Tochter gezeugt, obwohl du wusstest, was das bedeutet.“ Luciano lachte heiser, Blut lief ihm aus dem Mundwinkel. „Sie wird euch alle vernichten. Sie ist kein Fluch. Sie ist das Ende.“ Marco hob die Pistole. Die Mündung küsste Lucianos Stirn. „Dann soll sie kommen und es versuchen.“ Ein Schuss hallte durch das Gotteshaus. Die Kerzen flackerten. Und irgendwo in Europa öffnete ein sechsjähriges Mädchen mit rabenschwarzem Haar in genau dieser Sekunde die Augen, als hätte sie den Schuss gehört. Sie hieß Liliana. Und die Welt hatte gerade ihren Untergang geboren. Rom, Gegenwart Der Regen in Rom war anders als in New York. Sanfter. Verlogener. Liliana Valentino – oder wie sie seit siebzehn Jahren hieß: Lila Rossi – stand unter dem Vordach des kleinen Antiquariats in Trastevere und zündete sich eine Zigarette an, die sie eigentlich längst aufgegeben hatte. Sie trug einen schwarzen Trenchcoat, der zu teuer für eine einfache Übersetzerin war. Darunter ein enges dunkelrotes Kleid, das ihre Figur betonte, ohne billig zu wirken. Ihre langen schwarzen Haare waren zu einem losen Zopf gebunden, aus dem sich einzelne Strähnen gelöst hatten, die ihr ins Gesicht fielen. Die Männer, die an ihr vorbeigingen, starrten länger als nötig. Sie bemerkten nie die Narbe hinter ihrem linken Ohr – ein Andenken an die Nacht, in der man sie aus Amerika fortgeschafft hatte. Ihr Telefon vibrierte. Unbekannte Nummer. Sie ging ran. Das tat sie immer. Neugier war ihre größte Schwäche. „Pronto?“ Stille. Dann eine tiefe, raue Stimme, die klang, als wäre sie durch tausend Zigaretten und noch mehr Sünden gegangen. „Du bist schwer zu finden, Liliana.“ Ihr Körper reagierte, bevor ihr Verstand es konnte. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Diese Stimme... sie kannte sie nicht. Und doch fühlte sie sich vertraut. Gefährlich vertraut. „Falsche Nummer“, antwortete sie kühl und wollte auflegen. „Dein Vater hat vor acht Jahren nicht bei einem Autounfall sterben. Er wurde hingerichtet. Und deine Mutter... sie hat sich nicht das Leben genommen.“ Lilas Finger erstarrten am Telefon. „Wer zur Hölle bist du?“ Ein leises, dunkles Lachen. Es klang viel zu schön für einen Mann, der solche Dinge sagte. „Jemand, der dich seit siebzehn Jahren beobachtet. Jemand, der zugesehen hat, wie du in Florenz Jura studiert hast. Wie du in Paris Sprachen gelernt hast. Wie du versucht hast, normal zu sein. Niedlich.“ Lilas Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Sie drehte sich um, suchte die Straße ab. Niemand Auffälliges. Und doch spürte sie es – Blicke. Viele Blicke. „Wenn das ein kranker Scherz sein soll–“ „Heute Nacht kommt ein schwarzer Maybach. Steig ein. Oder die Männer, die gerade dein Appartement durchsuchen, werden nicht nur deine Unterwäsche finden.“ Klick. Die Leitung war tot. Lila starrte auf ihr Handy. Ihre Hände zitterten nicht. Das machte ihr mehr Angst als alles andere. Sie hatte schon als Kind gelernt, dass echte Angst sich ruhig anfühlte. Sie zog ein zweites Prepaid-Handy aus der Innentasche ihres Mantels und wählte eine Nummer, die sie seit Jahren nicht mehr benutzt hatte. Eine alte Frau ging ran. Stimme brüchig. „Nonna... sie haben mich gefunden.“ Die alte Frau schwieg einen Moment. Dann, mit der Resignation von jemandem, der schon lange auf diesen Anruf gewartet hatte: „Dann lauf nicht, bambina. Die Valentinos laufen nie. Sie töten oder sie sterben.“ Lila stand noch zehn Minuten im Regen, bevor der Maybach kam. Schwarz. Getönte Scheiben. Kein Nummernschild. Die hintere Tür öffnete sich von allein. Auf dem Rücksitz saß ein Mann, der aussah, als hätte Gott beschlossen, die Sünde zu personifizieren. Dunkles Haar. Graue Augen, die zu kalt waren, um menschlich zu sein. Ein perfekter Dreitagebart. Maßanzug, der wahrscheinlich mehr kostete als ihre gesamte Wohnungseinrichtung. Eine dünne Narbe zog sich von seinem linken Mundwinkel bis zum Kiefer – als hätte jemand versucht, ihn zum Lächeln zu zwingen und dabei versagt. Damien Moretti. Er sah sie an, als hätte er sie schon nackt gesehen. Als wüsste er genau, wie sie klang, wenn sie Angst hatte. Und wie sie klang, wenn sie nicht mehr aufhören konnte zu schreien. „Liliana“, sagte er leise. Seine Stimme war dieselbe wie am Telefon. Lila blieb im Regen stehen. Wasser lief ihr übers Gesicht wie Tränen, die sie sich nicht erlaubte. „Und wer zur Hölle bist du, dass du meinen Namen so aussprichst, als würde er dir gehören?“ Ein langsames, gefährliches Lächeln breitete sich auf Damiens Lippen aus. „Weil er das tut. Seit dem Tag, an dem ich dich aus dem brennenden Haus deines Vaters getragen habe. Du warst sechs. Du hast geweint. Und ich habe beschlossen, dass du mir gehörst.“ Er streckte die Hand aus. Lang. Kräftig. Mit frischen Knöcheln, als hätte er erst vor Kurzem jemanden geschlagen. „Steig ein, Principessa. Die Hölle wartet nicht.“Das Summen der Server war Auroras Herzschlag. Fünfzig Meter unter den verregneten Straßen Manhattans, tief eingebettet in einen Bunker aus meterdickem Stahlbeton und Blei, existierte keine echte Welt mehr. Hier gab es keinen Regen, keine verfeindeten Mafia-Bosse, kein Blut auf teuren Teppichen. Hier herrschten null Grad Celsius, um die massiven Rechnerkerne vor dem Schmelzen zu bewahren. Das kalte, blaue Licht hunderter Bildschirme spiegelte sich in Auroras dunklen Augen. Sie saß im Zentrum des Raumes, umgeben von einem 360-Grad-Hologramm aus Datenströmen. Sie war die Architektin des Nexus – eines Netzwerks, das so komplex war, dass Regierungsbehörden im Vergleich dazu wie blinde Kinder im Sandkasten wirkten. Aurora Valentino kontrollierte alles. Jeden Ampelzyklus in New York, jede Überwachungskamera an der Ostküste, jede verschlüsselte Transaktion der globalen Unterwelt. Fleisch war schwach. Fleisch blutete. Code hingegen war rein. Unbestechlich. Es war exakt drei Minuten vor Mit
Das leise, metallische Klirren des winzigen silbernen Sticks, der auf den weichen Perserteppich fiel, klang in der atemlosen Stille des Raumes lauter als ein Pistolenschuss. Das rote Symbol der Ältesten pulsierte darauf im Rhythmus eines künstlichen Herzschlags. Luciano rührte sich nicht. Er blickte nicht auf den Boden. Seine schwarzen Augen blieben unverwandt auf das aschfahle, makellos symmetrische Gesicht der Kreatur gerichtet. Er dachte nicht einmal daran, sich zu bücken. Ein König verbeugt sich nicht vor dem Boten. Das Wesen schien das zu registrieren. Ein feines Zucken, fast wie Verwirrung, durchlief seine Gesichtszüge. Dann wich es einen Schritt zurück in Richtung der offenen Aufzugstüren. Klick. Krrrr-klick. Das biologische Sonar tastete ein letztes Mal durch den Raum. Und genau in diesem Moment passierte der Fehler. Nicht durch Luciano, nicht durch Cassian. Sondern durch Moretti. Der blutende Boss der Moretti-Familie, der all das vom Boden aus mit angesehen hatte, b
Der Regen peitschte mit unnachgiebiger Härte gegen die raumhohen Panoramafenster des Penthouses, als wolle der Sturm von draußen die Sünden dieser Nacht abwaschen. Doch drinnen, im 80. Stockwerk über den glitzernden, nassen Straßen Manhattans, galten andere Gesetze. Hier oben roch die Luft nicht nach Regen. Sie roch nach altem schottischem Whiskey, teurem Leder und dem scharfen, kupfernen Gestank von frischem Blut. Das Geräusch von brechenden Knochen war für Luciano Valentino längst nichts Besonderes mehr. Es war lediglich die raue Interpunktion in einer Verhandlung, die sich ihrem unvermeidlichen Ende zuneigte. Er stand mit dem Rücken zum Raum, den Blick starr auf die nächtliche Skyline gerichtet, und drehte langsam das schwere Kristallglas in seiner Hand. Das Eis klirrte leise gegen die Ränder, ein kühler, zivilisierter Kontrast zu der Brutalität, die sich wenige Meter hinter ihm abspielte. Zehn Jahre waren vergangen. Zehn Jahre, seit die alte Festung in Sizilien in Schutt und A
Elena Voss stand auf dem Dach eines verlassenen Hochhauses in Brooklyn und beobachtete durch ein hochpräzises Fernrohr, wie die Villa Valentino in Flammen aufging. Die silbernen Haare wehten im Wind, ihr elegantes schwarzes Kleid flatterte leicht. Sie war Mitte 50, sah aber jünger aus – ein Effekt der genetischen Experimente, die sie seit Jahrzehnten an sich selbst durchführte. Ihre eisgrauen Augen glänzten vor kalter Genugtuung. „Die junge Generation ist stark“, murmelte sie zu sich selbst. „Perfekt. Genau wie geplant.“ Elena Voss war die Schwester von Elias Voss, dem Mann, den Lila und Damien vor Jahren getötet hatten. Sie war die wahre Macht hinter dem Consortium – die Architektin, die im Schatten blieb. Sie hatte die genetischen Marker in Luciano und Aurora platziert. Sie hatte die alten Familien aus Europa wieder vereint. Und sie hatte den Plan, die Valentino-Linie für immer unter ihre Kontrolle zu bringen. „In einem Jahr holen wir uns die Kinder“, sagte sie zu ihrem engsten B





