LOGINAls Liliana Valentino erfährt, wer sie wirklich ist, ändert sich alles. Der mächtige Damien Moretti, der sie jahrelang aus dem Schatten beschützt hat, wird zu ihrer größten Versuchung – und ihrer größten Gefahr. In einem Netz aus Verrat, Rache und dunkler Leidenschaft muss sie entscheiden: Wird sie die Krone der Dornen tragen… oder daran zugrunde gehen?
View MoreDie Tage flossen ineinander wie das Wasser des Atlantiks, das unermüdlich gegen die Granitfelsen des Cabo do Medo schlug. Im Spätsommer zeigte sich die galizische Küste von ihrer mildesten Seite. Die rauen Winde des Nordwestens wussten sich für ein paar Wochen in eine sanfte, warme Brise zu verwandeln, die den Duft von wildem Ginster, sonnenverbranntem Gras und der salzigen Weite des Ozeans über das Hochplateau trug. Das Leben im Gehöft hatte längst den Charakter eines vollkommenen Einklangs angenommen. Jeder Handgriff war zu einer stillen, fast rituellen Selbstverständlichkeit geworden. In den frühen Morgenstunden, wenn der Nebel noch wie ein feuchter Schleier über den Buchten hing, streifte Luciano oft allein über die Klippenpfade. Er brauchte keinen Stock und keine Karte mehr; seine Füße kannten jeden Stein, jede Wurzel und jede Unebenheit des Pfades. Er genoss die Einsamkeit dieser Momente, in denen das Echo der Welt da draußen vollkommen verklungen war. Es gab keine Stimmen im
Der Frühsommer am Cabo do Medo brachte Tage von einer so klaren, fast schmerzhaften Schönheit, dass die Welt jenseits der Klippen wie eine ferne Legende wirkte. Die Sonne erwärmte den grauen Granit des Gehöfts, bis das Gestein noch bis spät in die Nacht hinein eine sanfte, wohlige Wärme abgab. Die salzige Luft, getragen von einer leisen, stetigen Brise, roch nach wildem Thymian, feuchtem Moos und dem weiten, offenen Ozean. In diesem Rhythmus hatte sich für Luciano, Lila und Cassian ein Alltag eingespielt, der von einer tiefen, handfesten Sinnhaftigkeit geprägt war. Es gab keine abstrakten Strategien mehr, keine großen Entwürfe für den Lauf der Welt. Die Existenz schrumpfte auf das Wesentliche – auf das, was man mit den eigenen Händen greifen, verändern und bewahren konnte. Eines morgens, als der Tau noch glitzernd auf den schmalen Grashalmen hinter dem Haus lag, widmete sich Luciano einer Arbeit, die er schon seit Wochen vor sich hergeschoben hatte. An der Westseite des Gehöfts, wo
Die Tage an der Costa da Morte hatten nach dem Weggang von Julian und Mara eine fast feierliche, tiefe Einfachheit angenommen. Es gab keine Dringlichkeit mehr, keinen Zeitplan, der von außen diktiert wurde, und keine Nachrichten, die das fragile Gleichgewicht ihres inneren Friedens hätten stören können. Die Zeit schien sich hier an den steilen Klippen des Cabo do Medo dehnt zu lassen, gemessen allein an dem unerbittlichen, wunderbaren Rhythmus von Ebbe und Flut, an dem Lauf der Sonne über dem Atlantik und an dem leisen Wandel der Jahreszeiten. Der Frühmorgen begann stets mit dem ersten grauen Licht, das sich vorsichtig über den Horizont schob und das schäumende Wasser in ein blasses Silber tauchte. Luciano wachte meist vor allen anderen auf. Wenn das Haus noch in einen tiefen, ungestörten Schlaf gehüllt war, stand er leise auf, strich über das weiche Holz des Tisches im Hauptraum – wo das unbeschriebene Blatt Papier nun unter einem schweren Briefbeschwerer aus poliertem Schiefer lag
Die Wochen nach ihrer Rückkehr an das Cabo do Medo hüllten die Bucht in eine tiefe, fast greifbare Regeneration. Der Winter wich langsam einem frühen, stürmischen Frühlingsanfang, der die kargen Hänge der galizischen Küste in ein zartes, widerstandsfähiges Grün tauchte. Die See war ungestüm wie eh und je, doch die grauen, bleiernen Wolken des Winters wichen allmählich einem hellen, unendlichen Blau, das sich am Horizont mit dem Silber des Atlantiks verband. Im Inneren des Granitgehöfts hatte sich der Rhythmus des Alltags auf das Wesentliche reduziert. Es gab keine geheimen Boten mehr, die im Morgengrauen an die Tür klopften; keine verschlüsselten Berichte aus den europäischen Metropolen, die sortiert werden mussten, und keine rotierenden Stahlwalzen, die den Betonboden unter ihren Füßen erbeben ließen. Die Welt da draußen – jene unruhige, von dem administrativen Erdbeben erschütterte Welt der neuen Warlords und technokratischen Reste – drehte sich in ihrer eigenen Hektik weiter. Doch






reviews