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KAPITEL 5

Author: Jaywrites
last update publish date: 2026-08-25 13:21:07

Elenas POV

Raven ließ mir nicht einmal die Gelegenheit zu antworten, bevor er sich umdrehte und aus dem Zimmer stürmte. Er ließ mich völlig allein zurück, während ich mich fragte, wie ein Mann sich über Nacht nur so drastisch verändern konnte. Es war offensichtlich, dass er mit mir abgeschlossen hatte, obwohl ich nichts Falsches getan hatte.

Zum zweiten Mal an diesem Nachmittag begann ich hemmungslos in meine Hände zu weinen. Ich konnte das ganze Ausmaß der Tragödie meines Lebens einfach nicht begreifen. Wie konnte ich ausgerechnet an dem Tag erfahren, dass ich endlich schwanger war, an dem ich meine Ehe aufgab? Spielte das Universum einen grausamen Streich mit mir?

Als die Ärztin einige Zeit später wieder ins Zimmer kam, wischte ich mir hastig die Tränen aus dem Gesicht.

Die Ärztin sah mich voller Mitgefühl an, stellte aber keine persönlichen Fragen. Nachdem sie mich untersucht und mir versichert hatte, dass körperlich alles in Ordnung sei und ich lediglich Stress vermeiden müsse, wurde ich einige Stunden später offiziell aus dem Krankenhaus entlassen.

Ich stieß ein bitteres, freudloses Lachen aus. Ich durfte das Krankenhaus verlassen, doch niemand war da, der mich nach Hause bringen konnte. Ich wusste nicht einmal mehr, wo mein Zuhause eigentlich sein sollte.

Ich wusste, dass Raven mir strengstens verboten hatte, in die Villa zurückzukehren, aber ich konnte mich einfach nicht davon abhalten. Ich hielt die offiziellen medizinischen Unterlagen in den Händen, die meine Schwangerschaft bestätigten. Vielleicht würde ich endlich zu ihm durchdringen können, wenn ich ihm den Beweis direkt vorlegte.

Mit diesem verzweifelten Gedanken winkte ich ein Taxi heran und fuhr zurück zu dem prachtvollen Anwesen, das ich vier Jahre lang mein Zuhause genannt hatte.

Ich klopfte laut gegen das schwere Sicherheitstor, da es vollständig verschlossen war, und einer unserer Sicherheitsleute öffnete es langsam. In dem Moment, in dem sein Blick auf mich fiel, verzog er schmerzlich das Gesicht.

„Es tut mir wirklich leid, Ma’am, aber der Boss hat ausdrücklich angeordnet, dass Sie das Grundstück nicht mehr betreten dürfen.“

Er begann, das schwere Tor wieder zu schließen, doch ich schob schnell meine Hand durch den Spalt, um ihn aufzuhalten.

„Ich muss nur etwas aus dem Haus holen“, log ich und kämpfte gegen neue Tränen der tiefen Demütigung an. „Ich bin wirklich nicht lange weg, das verspreche ich.“

„Ich könnte deswegen meinen ganzen Lebensunterhalt verlieren, Ma’am. Ich kann Sie wirklich nicht hereinlassen.“

„Bitte, ich verspreche Ihnen, dass ich sofort wieder draußen bin. Bitte lassen Sie mich nur durch das Tor. Nur für einen Moment. Ich habe aus Versehen etwas unglaublich Wichtiges drinnen liegen lassen.“

Nie in meinem Leben hätte ich gedacht, dass ich eines Tages gezwungen sein würde, einen Angestellten im Haus meines eigenen Mannes anzuflehen, mich überhaupt auf das Grundstück zu lassen. Es war zutiefst demütigend, und ich wusste, dass der Schmerz dieses Moments für immer bei mir bleiben würde.

Er zögerte einen kurzen Moment, und ich wusste, dass ich seinen Widerstand erfolgreich gebrochen hatte.

„Nur für eine einzige Minute, Ma’am.“

Ich nickte hastig, und er öffnete das Tor gerade weit genug, damit ich hindurchschlüpfen konnte. Ich sah mir sein Gesicht genau an und prägte mir seine Züge ein, weil ich ihm einen großen Gefallen schuldete.

Jetzt musste ich Raven nur noch persönlich gegenüberstehen.

Tief in meinem Inneren glaubte ich noch immer, dass er ein guter Mann war. Deshalb hatte ich trotz seiner schrecklichen Mutter ein friedliches Leben mit ihm führen können.

Ich atmete ein paar Mal tief durch, um mich zu beruhigen, und ging die lange Auffahrt hinauf. Ich versuchte, die Haustür zu öffnen, doch sie war vollständig verschlossen. Ich hatte kein einziges meiner persönlichen Dinge bei mir, weil ich nach meiner Ohnmacht sofort ins Krankenhaus gebracht worden war. Nicht einmal meine Handtasche oder meine Schlüssel hatte ich dabei. Selbst das Geld, mit dem ich den Taxifahrer bezahlt hatte, hatte mir die freundliche Ärztin gegeben.

Ich klingelte einmal, dann ein zweites Mal. Bevor ich ein drittes Mal klingeln konnte, wurde die Haustür aufgerissen und genau die Frau erschien, die offenbar keinerlei Skrupel hatte, eine Ehe zu zerstören.

Tracy musterte mich von oben bis unten. Ihr Blick war voller Verachtung.

„Was genau glaubst du, was du hier machst?“

Ich wollte ihr dieselbe Frage entgegenschreien, aber ich wusste, dass ihre Antwort mein gebrochenes Herz nur noch weiter verletzen würde.

„Ist Raven drinnen?“, fragte ich stattdessen und hielt meine Stimme ruhig.

Ihre perfekt geformten Augenbrauen schossen nach oben.

„Ja, ist er. Und nein, er hat absolut kein Interesse daran, dein Gesicht zu sehen. Also dreh dich um und verschwinde von diesem Grundstück, bevor ich den Sicherheitsdienst rufe und dich eigenhändig auf die Straße werfen lasse.“

Verwirrt zog ich die Augenbrauen zusammen. Was hatte ich dieser Frau jemals getan, dass sie einen solchen Hass auf mich hegte? Eigentlich sollte ich sie doch hassen, oder?

„Ich muss nur kurz mit Raven sprechen. Sag ihm, dass ich hier draußen stehe.“

„Er weiß bereits, dass du draußen bist, und er will dich nicht sehen. Also verschwinde sofort, bevor ich eine riesige Szene mache.“

Ich schüttelte den Kopf und konnte kaum glauben, wie grausam sie sich verhielt. Weil ich die Wahrheit mit eigenen Augen sehen wollte, versuchte ich, an ihr vorbei in die Eingangshalle zu gehen. Doch sie packte meinen Arm und riss mich gewaltsam zurück.

„Mein Sohn schläft oben, du Schlampe. Ich werde nicht zulassen, dass irgendetwas ihn aufweckt, schon gar nicht du. Also verschwinde, bevor ich endgültig die Beherrschung verliere.“

„Das hier ist immerhin das Haus meines Mannes!“, schrie ich ihr ins Gesicht.

„Das ist es nicht mehr. Im Moment wirkst du einfach nur verzweifelt. Du warst offensichtlich nicht Frau genug, um ihn zu halten, weshalb er deinen erbärmlichen Hintern vor die Tür gesetzt hat. Du bist so vollkommen nutzlos, dass du nicht einmal die eine grundlegende Aufgabe erfüllen konntest, für die Frauen gemacht sind“, spuckte sie mir giftig entgegen und warf einen abfälligen Blick auf meinen Bauch.

„Ich bin schwanger! Ich lüge niemanden an! Bitte, lass mich nur eine Minute mit Raven sprechen.“

Ich musste mich völlig dazu herablassen, sie anzuflehen, weil offensichtlich war, dass sie mich auf keinen Fall ins Haus lassen würde. Es war noch nicht einmal vierundzwanzig Stunden her, seit ich die Scheidungspapiere unterschrieben hatte, und schon hatte eine andere Frau mein Zuhause vollständig übernommen.

Wie konnte sich mein ganzes Leben nur so unglaublich schnell auf den Kopf stellen?

„Hör mir gut zu, du Schlampe.“

Ihr Griff um meinen Unterarm wurde schmerzhafter, während sich ihre scharfen Acrylnägel tief in meine Haut bohrten.

„Raven ist nicht länger dein Ehemann. Er ist der Vater meines Kindes, und ich werde absolut nicht dulden, dass du versuchst, in meinem Zuhause ein Drama zu veranstalten. Also verschwinde verdammt noch mal von hier, bevor ich beschließe, dich endgültig loszuwerden.“

„Mein Handy und meine Geldbörse sind noch im Schlafzimmer. Kann ich wenigstens kurz hineingehen und meine Sachen holen?“

Ich klammerte mich inzwischen an jeden Strohhalm. Ich wollte einfach nur einen Grund haben, ins Haus zu kommen und Raven zu finden. Ich verspürte einen überwältigenden Drang, körperlich auf sie loszugehen, doch dann erinnerte ich mich daran, dass ich schwanger war. Ich konnte nicht riskieren, meinem Baby auf diese Weise zu schaden.

Leider hatte sie keinerlei Skrupel, mir wehzutun.

Sie stieß mich brutal nach hinten und summte zufrieden vor sich hin, als mein Körper hart auf der Betonauffahrt aufschlug.

Noch bevor ich mich wieder aufrappeln konnte, schlug sie die schwere Eichentür zu und verriegelte sie.

Ich hämmerte mehrmals mit meinen Fäusten gegen das harte Holz. Als die Tür schließlich wieder aufging, wurden mein Handy und meine lederne Geldbörse direkt in mein Gesicht geworfen.

Schmerzerfüllt zuckte ich zusammen und rieb über die schmerzende Stelle an meiner Wange, an der mich die Gegenstände getroffen hatten. Ich war mir sicher, dass dort ein dunkler Bluterguss zurückbleiben würde.

„Wag es ja nicht, dein erbärmliches Gesicht jemals wieder hier blicken zu lassen, sonst wirst du es bitter bereuen“, warnte Tracy mich scharf. „Wachen!“

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