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Kapitel 4: Der Morgen im Rudel

Autor: Viv Rex
last update Data de publicação: 2026-05-07 16:33:43

Lily wachte auf, weil Sonnenlicht durch das Fenster fiel. Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war. Dann kamen die Erinnerungen zurück. Der Wald. Jake. Die Werwölfe. Das Dorf.

Sie setzte sich im Bett auf und schaute sich um. Das Zimmer war schön. Holzwände, weiche Decken und ein großer Kleiderschrank. Auf einem Stuhl lagen frische Kleidung – eine einfache Jeans und ein dunkelblaues T-Shirt. Daneben stand ein Zettel.

„Für dich. Jake.“

Lily zog die neuen Sachen an. Sie passten überraschend gut. Sie ging ins Badezimmer, wusch ihr Gesicht und kämmte ihre langen dunklen Haare mit den Fingern. Ihr Herz schlug immer noch schneller als normal.

Als sie die Treppe hinunterging, roch sie schon Kaffee und etwas Gebratenes. Jake stand in der Küche. Er trug ein schwarzes Shirt, das seine muskulösen Arme zeigte. Seine blonden Haare waren noch etwas feucht, als käme er gerade aus der Dusche.

„Guten Morgen“, sagte er, ohne sich umzudrehen. „Hast du gut geschlafen?“

„Ein bisschen“, antwortete Lily leise. „Es war alles sehr seltsam.“

Jake drehte sich um und lächelte leicht. Er sah sogar noch besser aus im Tageslicht. Seine goldenen Augen wirkten jetzt sanfter.

„Ich habe Frühstück gemacht. Setz dich.“

Auf dem Tisch standen Eier, Speck, Brot und frischer Kaffee. Lily hatte großen Hunger. Sie setzte sich und begann zu essen. Jake setzte sich ihr gegenüber und trank seinen Kaffee.

„Was passiert jetzt?“, fragte Lily nach einer Weile.

„Heute zeige ich dir das Dorf. Du solltest die Leute kennenlernen. Und sie müssen dich kennenlernen.“

Lily nickte, obwohl sie nervös war. „Und danach? Kann ich dann zurück in meine Hütte?“

Jake schaute sie ernst an. „Noch nicht. Das Blutmond-Rudel hat gestern Nacht wieder unsere Grenze überschritten. Es ist zu gefährlich für dich allein da draußen.“

Lily seufzte. Sie wollte widersprechen, aber sie spürte, dass er recht hatte.

Nach dem Frühstück gingen sie zusammen hinaus. Das Dorf sah bei Tageslicht noch schöner aus. Die Holzhäuser waren gut gebaut. Kinder liefen zwischen den Bäumen herum und spielten. Als die Leute Lily sahen, blieben viele stehen und schauten neugierig.

Ein kleines Mädchen mit braunen Zöpfen kam mutig näher. „Bist du die Gefährtin vom Alpha?“

Lily wurde rot. „Ähm… ich weiß nicht genau.“

Jake lachte leise. „Ja, das ist sie, Mia.“

Das Mädchen lächelte breit. „Du bist sehr hübsch.“

Lily lächelte zurück. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft fühlte sie sich ein bisschen wohler.

Jake führte sie durch das ganze Dorf. Er zeigte ihr den großen Versammlungsplatz, den Trainingsplatz, wo junge Männer kämpften und ihre Kräfte trainierten, und einen kleinen Laden, in dem sie alles Mögliche verkauften.

Viele Leute grüßten Jake mit Respekt. Er war eindeutig der Anführer. Aber Lily bemerkte auch, dass einige sie misstrauisch ansahen.

Später setzten sie sich auf eine Bank am Rand des Dorfes. Von dort konnte man tief in den Wald schauen.

„Warum ich?“, fragte Lily plötzlich. „Warum hat der Mond gerade mich ausgesucht?“

Jake lehnte sich zurück. „Das weiß niemand genau. Der Gefährtenbund ist alt und mächtig. Er sucht sich die passende Person aus. Manchmal ist es jemand aus dem Rudel. Manchmal kommt jemand von außerhalb.“

Er schaute sie an. „Bei dir fühlt es sich besonders stark an, Lily. Schon als ich dich im Wald sah, wusste ich es.“

Lily spürte wieder dieses warme Kribbeln im Bauch. Sie schaute weg.

„Ich bin nur eine normale Fotografin“, sagte sie. „Ich passe nicht hierher.“

„Vielleicht doch“, antwortete Jake leise. „Deine Großmutter hat dir Wolfs-Geschichten erzählt, oder? Vielleicht war sie nicht nur eine normale alte Frau.“

Lily schaute ihn überrascht an. „Was meinst du damit?“

Bevor Jake antworten konnte, kam ein junger Mann schnell auf sie zu gerannt. Er sah besorgt aus.

„Jake! Es gibt Probleme am südlichen Grenzgebiet. Drei Männer vom Blutmond-Rudel. Sie sagen, sie wollen mit dir reden.“

Jake stand sofort auf. Sein Gesicht wurde hart. „Bleib hier, Lily. Ich bin gleich zurück.“

„Kann ich nicht mitkommen?“, fragte sie.

„Nein. Es ist zu gefährlich.“ Er berührte kurz ihre Schulter. „Ich verspreche, ich komme schnell wieder.“

Jake ging mit schnellen Schritten weg. Lily blieb allein auf der Bank sitzen. Sie fühlte sich unruhig. Nach ein paar Minuten stand sie auf und ging ein bisschen herum.

Sie kam zu einem schönen kleinen See hinter dem Dorf. Das Wasser war klar und ruhig. Lily setzte sich ans Ufer und schaute hinein. Plötzlich sah sie etwas im Wasser glitzern. Sie beugte sich vor.

Ein seltsames Licht erschien unter der Oberfläche. Für einen kurzen Moment sah sie das Gesicht ihrer Großmutter im Wasser. Die alte Frau lächelte.

Lily zuckte zurück. Das Bild verschwand sofort.

„Was war das?“, flüsterte sie erschrocken.

In diesem Moment hörte sie Schritte hinter sich. Sie drehte sich um. Ein großer Mann mit dunklen Haaren und einer Narbe im Gesicht stand dort. Er gehörte nicht zum Nachtrudel. Das spürte sie sofort.

„Du bist also die Neue“, sagte er mit einem bösen Lächeln. „Die menschliche Gefährtin des Alphas.“

Lily stand schnell auf. „Wer bist du?“

„Ich bin Marcus. Vom Blutmond-Rudel.“ Er kam näher. „Du riechst wirklich gut. Kein Wunder, dass Jake dich haben will.“

Lily wich zurück. Ihr Herz schlug schnell. „Geh weg.“

Marcus lachte. „Du weißt nicht, worauf du dich eingelassen hast, Mädchen. Jake ist gefährlich. Und du wirst zwischen zwei Rudeln zerrissen werden.“

Plötzlich erschien Jake wie aus dem Nichts. Er stellte sich schützend vor Lily und knurrte tief. Der Ton war so tief und bedrohlich, dass Lily eine Gänsehaut bekam.

„Verschwinde von meinem Land, Marcus“, sagte Jake mit eiskalter Stimme. „Wenn du Lily noch einmal ansprichst, werde ich dich töten.“

Marcus hob die Hände und grinste. „Ich wollte nur Hallo sagen. Wir sehen uns bald wieder, Alpha.“

Er drehte sich um und verschwand im Wald.

Jake drehte sich zu Lily um. Seine Augen leuchteten golden. Er war wütend, aber er versuchte, sich zu kontrollieren.

„Hat er dir etwas getan?“

„Nein… er hat nur geredet.“

Jake zog Lily in seine Arme. Sie war zuerst steif, aber dann entspannte sie sich ein bisschen. Er roch gut. Stark und warm.

„Ich werde nicht zulassen, dass dir jemand etwas tut“, flüsterte er in ihre Haare. „Niemals.“

Lily schloss die Augen. In seinen Armen fühlte sie sich sicher. Und das machte ihr fast noch mehr Angst als alles andere.

Denn sie begann, ihm zu glauben.

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