登入Der Dezember kam mit einer Kälte, die den See in eine spiegelglatte Eisfläche verwandelte und die Bäume mit einer dicken Schicht aus funkelndem Raureif überzog. Es war die Zeit der langen Nächte und der kurzen Tage, und das Dorf hatte sich in eine gemütliche Winterfestung verwandelt, in der die Kamine nie ausgingen und der Duft von Zimt und gebratenem Fleisch durch die Straßen zog.In diesem Jahr sollte etwas Besonderes stattfinden: der erste Winterball seit der Gründung des Bundes der Fünf.Magnus hatte die Idee vorgeschlagen, um die Allianz zu feiern und die Bande zwischen den Rudeln weiter zu stärken. Delegationen aus allen fünf Rudeln wurden erwartet, und das Dorf war wochenlang mit Vorbereitungen beschäftigt gewesen. Die große Halle war mit Tannengirlanden und tausenden winziger Kerzen geschmückt, und die Küche hatte Berge von Essen vorbereitet.„Es wird der größte Ball, den dieses Dorf je gesehen hat", sagte Sarah, während sie Lily half, sich für den Abend anzukleiden.Lily betr
Der Oktober hüllte das Dorf in goldene und rote Farben. Die Bäume rund um den See trugen ihr prachtvolles Herbstkleid, und die Luft war erfüllt vom Duft nach reifen Äpfeln, Holzrauch und der süßen Schwere des vergehenden Jahres. Es war eine Zeit der Ruhe und Besinnung nach den aufregenden Ereignissen des Sommers.Lily hatte sich in den Wochen seit ihrer Rückkehr vollständig erholt. Ihre silberne Magie war so stark wie eh und je, vielleicht sogar stärker — als hätte die Erneuerung des Siegels etwas in ihr freigesetzt, das zuvor geschlummert hatte. Die Schule der Silberwölfe lief weiter, und mittlerweile kamen sogar Schüler aus den östlichen Hügelclans, angelockt von den Geschichten über die Schule, die nicht nur Krieger, sondern Weise ausbildete.Kael war jetzt fast zweiundzwanzig Monate alt und sprach in vollständigen, wenn auch kurzen Sätzen. „Kael will See", sagte er zum Beispiel, oder „Papa, komm spielen", oder — sein Lieblingssatz — „Mama, ich hab dich lieb." Jedes Mal, wenn er da
Die Rückreise dauerte neun Tage. Neun Tage, in denen sie durch Schnee und Eis stapften, über gefrorene Flüsse und durch schmale Bergpässe, bis endlich die ersten grünen Bäume am Horizont auftauchten. Als Lily den vertrauten Duft von Kiefern und feuchter Erde roch, stiegen ihr Tränen in die Augen. Sie hatte nicht gewusst, wie sehr sie den Wald vermisst hatte, bis sie ihn wieder sah.Das Dorf empfing sie mit Jubel. Die Wachen am Nordtor stießen ins Horn, als sie die Kolonne erblickten, und innerhalb von Minuten strömte das gesamte Rudel herbei. Kian und Lena waren die Ersten, die sie begrüßten, gefolgt von Viktor, Marga und Dutzenden anderen.Aber Lily sah nur zwei Gesichter.„Mama! Papa!"Aurora rannte durch die Menge, ihre kleinen Beine so schnell sie konnten, und warf sich in Lilys Arme. Lily drückte ihre Tochter an sich, Tränen strömten über ihr Gesicht, während sie Auroras Haar küsste, ihre Wangen, ihre Stirn.„Ich bin wieder da, mein Schatz. Mama ist wieder da."„Ich hab dir gehol
Die Kammer erzitterte, als der Schattengeist seinen ersten Angriff führte. Seine klauenartigen Hände schlugen nach Jake, der mit seinem Schwert parierte — doch die Klinge glitt durch die dunkle Substanz hindurch, als wäre sie Nebel. Der Geist lachte, ein Geräusch wie brechendes Eis.„Eure Waffen können uns nicht verletzen, sterblicher Wolf", zischte er. „Wir sind nicht aus Fleisch und Blut."„Dann probiere ich es eben anders." Jake wich einem weiteren Hieb aus und rief über seine Schulter: „Selene! Wie bekämpft man diese Dinger?"Selene trat vor, ihre Hände in einer komplizierten Geste erhoben. „Mit Licht", sagte sie. „Silbernes Licht. Es ist das Einzige, was sie verletzen kann."Von ihren Fingerspitzen schoss ein Strahl aus reinem, silbernem Licht und traf den Schattengeist in die Brust. Die Kreatur heulte auf — ein schriller, durchdringender Laut, der von den Eiswänden widerhallte — und wich zurück. Wo das Licht sie getroffen hatte, war ein Loch in ihrer dunklen Substanz, aus dem sc
Die Reise in den Norden war beschwerlicher als alles, was Lily bisher erlebt hatte. Sie hatten Ashwood durchquert, die verbrannten Ruinen der Festung, die jetzt unter einer dünnen Schneedecke lagen, und waren weiter in die Berge vorgedrungen, wo die Luft dünner und die Pfade schmaler wurden. Nach fünf Tagen erreichten sie die Baumgrenze, und vor ihnen erstreckte sich eine endlose weiße Fläche — die Eiswüsten des Nordens.„Dort liegt meine Heimat", sagte Selene leise. „Oder was davon übrig ist."Der Bote der Nordwacht, der sich als Aldric vorgestellt hatte — ein anderer Aldric als Helenas Verlobter, wie Lily amüsiert feststellte —, führte sie weiter. „Das Tor befindet sich in einer Höhle tief unter dem Eis", erklärte er. „Vor Jahrhunderten haben die Silberwölfe es mit einem Siegel aus reiner Lebensmagie verschlossen. Aber die Magie verblasst. Jedes Jahr werden die Risse im Siegel größer."„Wie lange haben wir noch?", fragte Jake.„Schwer zu sagen. Vielleicht Monate. Vielleicht Wochen."
Der August brachte eine unerwartete Nachricht.Ein Bote aus dem Norden, ein junger Wolf mit eisgrauem Fell und erschöpften Augen, erreichte das Dorf an einem schwülen Nachmittag. Er trug die Farben eines Rudels, das Lily nicht kannte — ein silberner Stern auf dunkelblauem Grund — und er verlangte sofort nach Alpha Jake und Luna Lily.In der großen Halle, umgeben von Jake, Lily, Elara, Selene und den Ältesten, überbrachte der Bote seine Nachricht. „Ich komme vom Rudel der Nordwacht", begann er mit heiserer Stimme. „Wir leben jenseits der großen Berge, in den vereisten Tälern, wo der Winter niemals endet. Wir sind ein kleines Rudel, kaum fünfzig Wölfe, aber wir haben eine wichtige Aufgabe: Wir bewachen das Tor."„Das Tor?", fragte Jake. „Welches Tor?"Der Bote zögerte. „Das Tor zur Geisterebene. Es ist ein physischer Ort, tief in den Eiswüsten, wo die Grenze zwischen den Welten dünn ist. Vor langer Zeit, als die Silberwölfe noch zahlreich waren, haben sie das Tor versiegelt, um zu verhi
Der März kam mit schmelzendem Schnee und dem ersten zaghaften Grün an den Bäumen. Der See taute langsam auf, und das vertraute Plätschern des Wassers kehrte zurück. Die Tage wurden länger, die Luft milder, und überall im Dorf begannen die Vorbereitungen für das große Frühlingsfest, das in diesem Ja
Der Februar kam mit noch mehr Schnee und einer Kälte, die selbst die ältesten Wölfe des Rudels als ungewöhnlich streng bezeichneten. Der See war so dick gefroren, dass die Kinder Schlittschuh darauf laufen konnten, und die Bäume trugen so viel Schnee, dass ihre Äste unter der Last ächzten.Das Bünd
Der nächste Morgen dämmerte kalt und klar. Der Schnee glitzerte in der frühen Wintersonne, als Lily erwachte. Jake schlief noch, sein Arm schwer über ihrer Taille, sein Atem ruhig und tief. Einen Moment blieb sie einfach liegen und genoss die Wärme seines Körpers, die Stille des Hauses, das leise K
Die drei Tage vergingen schnell, und ehe Lily sich versah, stand sie am Nordtor, Kael in einer Trage vor ihrer Brust, Aurora an ihrer Hand, und beobachtete, wie die Eskorte der Grauwölfe durch den Schnee geritten kam.Es waren genau zehn Krieger, wie vereinbart, plus Alpha Magnus selbst. Er ritt an







