LOGIN„Denkst du, du kannst dich hinter dieser Maske verstecken, Fireheart?“, knurrte Logan, sein heißer Atem an meiner Kehle. Sabastians Hand drückte meine Handgelenke über meinem Kopf fest, während Zane sich so nah zu mir beugte, dass ich seinen Puls im gleichen Takt wie meinen spüren konnte. „Wir wissen, was du bist. Und wir werden dich niemals gehen lassen.“ Ihre Körper drängen mich gegen die kalte Wand der Umkleidekabine, Hitze strahlt von ihnen ab wie ein Lauffeuer. Sie sollten mich in Angst versetzen. Sie sollten mich anekeln. Aber das tun sie nicht. Denn die Wahrheit ist: Ich wurde geboren, um für sie zu brennen. Und sie wurden geboren, um mich zu zähmen. Ich wollte nur eines – Hockey spielen. Doch in einer Welt, in der Mädchen nicht aufs Eis dürfen, wurde mein Traum in der Nacht zerstört, in der ich Alpha Marcus Blackwoods besessenen Anspruch zurückwies – und mit meiner Familie verbannt wurde. Jetzt, mit kurz geschnittenen Haaren und versteckter Identität, habe ich mich an der Crescent Moon Academy als „Frederick Sterling“ eingeschrieben, nur ein weiterer Junge, der Ruhm in der legendären Wolves-Eishockeymannschaft sucht. Doch drei mächtige Alphas sind dabei, alles zu verkomplizieren. Sie sind nicht nur Teamkameraden. Sie sind Raubtiere. Und sie sind an mich gebunden. Die Frage ist – werden sie mein Feuer zähmen, oder werde ich sie alle verbrennen?
View MoreFreya's POV
Meine Hände zittern, als ich in den Spiegel schaue, und die Person, die zurückstarrt, fühlt sich nicht mehr wie ich an. Meine schwarzen Haare stehen in alle Richtungen ab, seit ich sie vor zwei Wochen abgeschnitten habe, und mein Gesicht wirkt kantig, ohne meine langen auburn Haare, die es früher umrahmt haben. Die Socken, die ich in meinen Sport-BH gestopft habe, drücken gegen meine Rippen – unangenehm und unbeholfen. „Freya, das ist verrückt“, sagt Mum, ihre Stimme bricht, während sie in unserem kleinen Zimmer auf und ab läuft und die Hände ringt, genau wie in jener Nacht in London, als Marcus und sein Rudel unser Haus umstellt hatten. „Was, wenn sie herausfinden, wer du bist? Oder dich jemand erkennt?“ „Das werden sie nicht“, sage ich und zwinge meine Stimme tiefer, aber sie klingt immer noch falsch, als würde ich die Kleider von jemand anderem tragen. Ich übe das seit Wochen, und es muss funktionieren – denn eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Ich stopfe noch eine Socke in meinen Sport-BH, fummele an der Polsterung herum. Das übergroße Hockeytrikot hängt lose an mir, genau wie ich es brauche, trotzdem dreht sich mir der Magen um. Ich fühle mich verzweifelt, weil ich es bin. „Du siehst nicht mal aus wie ein Junge!“, sagt Lily von ihrem Bett aus, wo gefälschte Dokumente verstreut liegen – darunter die Geburtsurkunde, auf der Frederick Sterling steht statt Freya. „Dein Gesicht ist viel zu –“ „Ich hab das im Griff“, fahre ich sie an. Sie zuckt zusammen, und sofort trifft mich ein schlechtes Gewissen. Ich ziehe die schwarze Beanie über meine Haare und stopfe jede Strähne darunter. „Tut mir leid, ich bin nur …“ „Verängstigt?“, fragt Lily leise. „Konzentriert“, antworte ich, doch es ist gelogen, und das wissen wir beide. Mum sinkt auf den Schreibtischstuhl. Die Sorge lastet schwer im Raum, und die Falten um ihre Augen wirken tiefer als noch vor drei Monaten, als wir mitten in der Nacht aus London geflohen sind. Sie sieht älter aus – meinetwegen, wegen dieses Plans, den ich nicht loslassen kann. „Als ich dich als Kind Hockey spielen ließ, hätte ich nie gedacht, dass du …“ Sie nimmt das gefälschte Zeugnis in die zitternden Hände. „Wenn dein Vater noch leben würde, würde er dich in deinem Zimmer einsperren, bevor er das zulässt.“ Mein Hals wird eng. „Dad würde es verstehen“, sage ich, doch meine Stimme klingt viel zu jung und verängstigt. „Er hat immer gesagt, ich wäre zu stur, um aufzugeben.“ „Stur ist eine Sache“, erwidert Mum scharf, „aber über deine eigene Identität zu lügen, um in eine Elite-Internatsschule zu kommen – das ist nicht stur, Freya. Das ist Wahnsinn.“ Ich wende mich vom Spiegel ab, weil mein eigener Anblick meine Brust zuschnürt. Die Hockeyausrüstung fühlt sich schwer an, als gehöre sie jemand anderem. Aber ich denke an den Schläger in meiner Hand, das Brennen in meinen Beinen auf dem Eis, die pure Freude am Spiel. Dieses Gefühl gehört mir – schon immer –, auch wenn alle gesagt haben, Hockey sei nichts für Mädchen. Ein lautes Klopfen lässt uns alle zusammenzucken. „Frey, das Auto ist da!“, ruft David durch die Tür. „Bist du dir sicher, oder willst du lieber einen netten, langweiligen Job – Lehrerin oder Buchhalterin?“ Lily kichert trotz allem, und Mum lächelt fast, weil David uns in den letzten Monaten aufrecht gehalten hat – mit Doppelschichten, ohne ein einziges Mal zu jammern. Trotzdem habe ich gesehen, wie er mich mit derselben Sorge anschaut wie Mum jetzt. „Komme!“, rufe ich mit meiner falschen Stimme zurück. Es fühlt sich an, als würde meine Haut sich zusammenziehen, aber ich greife nach meiner Tasche und schwinge sie über die Schulter. Darin sind die wenigen Dinge für mein neues Leben: Jungenkleidung, ein Foto aus der Londoner Underground Women’s League und genug Hoffnung, um mich entweder zu retten oder zu zerstören. Mum steht auf und umarmt mich so fest, dass ich kaum atmen kann. Ich schließe die Augen und halte den Duft ihres Lavendelparfums fest. „Versprich mir, dass du vorsichtig bist“, flüstert sie. „Und keine dummen Risiken eingehst.“ Ich würde fast lachen, aber es kommt bitter heraus. „Mum, ich werde die nächsten vier Jahre so tun, als wäre ich jemand anderes. Ich glaube, wir sind längst über ‚dumme Risiken‘ hinaus.“ Sie löst sich von mir, ihre Augen schimmern feucht. „Dann versprich mir, dass du dich in dieser Lüge nicht selbst verlierst.“ Mein Hals brennt. Ich nicke. „Das werde ich nicht.“ Lily schlingt die Arme um uns beide, ihr Kinn zittert, obwohl sie versucht, tapfer zu sein. „Was, wenn sie es herausfinden? Oder du verletzt wirst?“ Ich denke an Marcus’ Wut, als ich ihn vor halb Londons übernatürlicher Gemeinschaft zurückgewiesen habe – die Worte, die ich gesagt habe: Ich weise dich zurück, Marcus Blackwood, als meinen Gefährten – und die Drohungen, die uns gezwungen haben, nur mit dem zu fliehen, was wir am Leib trugen. Ich schiebe die Erinnerungen weg. „Dann werde ich damit klarkommen. Aber ich komme nicht zurück, bevor ich bewiesen habe, dass Mädchen dieses Spiel genauso gut spielen können wie Jungs.“ „Besser“, sagt Lily mit fester Stimme. „Besser“, stimme ich zu, im gleichen Ton. David klopft erneut. „Freddie, das Auto fährt in zwei Minuten – mit oder ohne dich!“ Der Name sticht, weil Freddie nicht das Mädchen ist, das die Londoner Underground-Spiele dominiert hat, und nicht die Tochter, die Dad in unserer winzigen Garage bei der Autoreparatur geholfen hat. Freddie ist nur eine Lüge, die sich um mein wahres Ich legt. Wenn diese Lüge mich aufs Eis bringt, kann ich damit leben. Ich greife nach der Türklinke und sehe mein Spiegelbild im Fenster – ein kantiges, fremdes Gesicht in übergroßen Klamotten, das versucht, in ein fremdes Leben zu verschwinden. Meine Wölfin schläft noch in mir und wird erst an meinem einundzwanzigsten Geburtstag in sechs Monaten erwachen. Ich habe keine übernatürlichen Sinne, keine Extra-Kraft, keine Möglichkeit zu erkennen, ob jemand mich durchschaut. Im Moment bin ich praktisch menschlich – verletzlich und allein. Perfekt zum Lügen, aber schrecklich zum Überleben. „Wenn du es in dieses Team schaffst“, sagt Mum leise, aber bestimmt, „dann denk dran: Nicht Frederick Sterling hat es sich verdient, sondern du – meine sture, unmögliche Tochter.“ Ihre Worte treffen mich tief. Ich nicke, weil ich meiner Stimme nicht traue. Ich trete in den Flur, mein Herz hämmert, während ich Richtung Lobby gehe. In drei Stunden werde ich an der Crescent Moon Academy sein – der elitärsten übernatürlichen Internatsschule Nordamerikas, Heimat des ungeschlagenen Hockeyteams, das in hundert Jahren noch nie ein Mädchen hat spielen lassen. „Ich versuche es als Junge“, murmele ich vor mich hin, teste die Worte. Sie fühlen sich schwer an, wie ein Versprechen, das ich vielleicht nicht halten kann. „Du schaffst das“, sagt David, der am Ende des Flurs auftaucht. Seine Stimme ist ruhig, doch seine Augen sind voller Sorge. „Mach nur nichts allzu Leichtsinniges, okay?“ Ich zwinge mich zu einem Grinsen. „Keine Versprechen.“ Denn Leichtsinn ist alles, was mir noch bleibt. Er schüttelt den Kopf, aber ein kleines Lächeln huscht über sein Gesicht. „Steig ins Auto, Freddie, bevor ich es mir anders überlege und dich stattdessen zur Buchhaltungsschule fahre.“ Ich lache, aber es klingt zittrig. Ich folge ihm nach draußen, wo der Motor des Autos summt und darauf wartet, mich zur Crescent Moon zu bringen. Ich rutsche auf den Rücksitz, die Tasche fest umklammert. David schaut mich im Rückspiegel an. „Letzte Chance auszusteigen“, sagt er – halb im Scherz, halb ernst. Ich schüttle den Kopf. „Ich mache das.“ Auch wenn sich mein Magen überschlägt. Er nickt, fährt aus der Einfahrt, und wir sind unterwegs – entweder dem größten Fehler oder der größten Chance meines Lebens entgegen. Ich lehne mich zurück, starre aus dem Fenster und denke an das Eis, das Spiel, die Wahrheit, die ich verstecke, um dorthin zu gelangen. Ich werde als Lüge leben, aber wenn ich mutig genug und gut genug bin, werde ich vielleicht beweisen, dass die größten Lügen die wichtigsten Wahrheiten bergen können. Ich schätze, das werde ich bald herausfinden.Freya/Freddie's POVDie Minuten ziehen sich wie Stunden hin nach Sebastians Nachricht über Kims verdächtige Reaktion. Ich ertappe mich dabei, wie ich in Emmas kleinem Wohnzimmer auf und ab laufe, während Tyler und Emma versuchen, sich mit Hausaufgaben abzulenken, auf die keiner von uns sich wirklich konzentrieren kann.„Du machst mich schwindelig“, sagt Tyler, nachdem ich meine fünfzehnte Runde um den Couchtisch absolviert habe. „Kannst du bitte fünf Minuten sitzen bleiben?“„Ich kann nicht sitzen bleiben“, antworte ich. „Was, wenn Kim wirklich mein Stalker ist – und was, wenn sie gefährlich ist – und was, wenn die Jungs verletzt werden, wenn sie sie konfrontieren?“„Dann handhaben sie es wie die übernatürlichen Predatoren, die sie sind“, stellt Emma fest. „Du hast selbst gesagt, dass sie keine normalen College-Studenten sind.“„Aber was, wenn Kim nicht allein arbeitet?“, fahre ich trotz Tylers Beschwerden mit dem Auf- und Abgehen fort. „Was, wenn das größer ist als ein einzelner Camp
Freya/Freddie's POVAuf Emmas Couch zum zweiten Mal hintereinander aufzuwachen, lässt mich realisieren, wie sehr sich mein Leben verändert hat – vom normalen College-Studenten zu jemandem, der nicht einmal mehr in seinem eigenen Wohnheimzimmer schlafen kann, wegen Überwachungskameras und Stalkern mit unbekannten Absichten.Sebastian, Logan und Zane sind bereits wach und trinken Kaffee in Emmas kleiner Küche, während sie ihren Plan für die heutige Untersuchung durchgehen. Die ernsten Gesichtsausdrücke erinnern mich daran, dass wir es nicht mehr mit normalen Problemen zu tun haben, sondern mit übernatürlichen Konflikten, die Leute umbringen könnten.„Guten Morgen“, sagt Tyler, als er aus Emmas Gästezimmer kommt, wo er nach unserer Entscheidung übernachtet hat, dass es sicherer ist, zusammenzubleiben, statt sich zu trennen und meinem Stalker potenziell mehrere Ziele zu bieten.„Gut geschlafen?“, fragt Emma, während sie Tyler Kaffee einschenkt und mir eine Tasse anbietet.„Besser als seit
Sebastian's POVTyler und Emma dabei zu beobachten, wie sie die Enthüllung verarbeiten, dass wir Werwölfe sind, macht meinen Wolf unruhig. Kai drängt mich ständig, Rudel-Dominanz geltend zu machen und klare Hierarchien zu etablieren, jetzt, wo wir als gemischte Gruppe aus übernatürlichen und menschlichen Verbündeten agieren.„Die Menschen müssen die Befehlskette verstehen“, beharrt Kai, und Alpha-Autorität blutet durch seine mentale Stimme. „Sie sind mutig, aber sie sind auch zerbrechlich – und sie werden sich umbringen, wenn sie in einem übernatürlichen Konflikt die Initiative ergreifen.“„Sie sind keine Rudelmitglieder“, antworte ich. „Ich kann ihnen nicht einfach Befehle erteilen, als wären sie Werwölfe, die Hierarchie instinktiv verstehen.“„Dann bring ihnen das bei“, argumentiert Kai. „Denn wenn sie etwas Dummes tun, weil sie nicht begreifen, wie gefährlich unsere Feinde sein könnten, dann kommt unser Mate zu Schaden – und das ist nicht akzeptabel.“Kai hat einen Punkt. Tyler und
Logan's POVIch sitze in Emmas kleinem Wohnzimmer und beobachte, wie Freddie versucht zu verarbeiten, dass sein Stalker ihn über Sicherheitskameras überwacht hat. Mein Wolf läuft unruhig in mir auf und ab – der Drang nach gewaltsamer Aktion gegen denjenigen, der unser Rudelmitglied bedroht, ist kaum zu unterdrücken.„Das ist zu weit gegangen“, knurrt Steel in meinem Kopf mit kaum beherrschter Wut. „Sie benutzen Technologie, um unseren Mate wie Beute zu jagen, und wir sitzen hier und reden, statt sie aufzuspüren.“„Wir brauchen Informationen, bevor wir jemanden tracken können“, antworte ich und halte mein Gesicht neutral, damit ich die Menschen im Raum nicht beunruhige. „Blind reinzustürmen, ohne Plan, bringt nur Leute in Gefahr.“„Leute kommen schon zu Schaden“, argumentiert Steel. „Schau dir an, wie verängstigt unser Mate ist – und jetzt bedrohen sie auch noch den menschlichen Jungen, der ihm hilft.“Steel hat einen Punkt. Tyler und Emma sind jetzt in einen übernatürlichen Konflikt v
Freya/Freddies POVIch sitze in der Umkleide und starre auf den schwarzen Bildschirm meines Handys. Ich versuche zu begreifen, was gerade auf dem Eis passiert ist. Ich habe ihren Test bestanden. Ich habe es wirklich geschafft. Die Realität sickert noch nicht richtig durch. Das Adrenalin lässt langs
Freya's POVIch starre auf mein Handy und lese Sebastians Nachricht noch einmal – 6 Uhr am Eis, bring dein Bestes mit, das Eis zeigt alles – und mein Magen zieht sich zusammen. Es ist 3 Uhr nachts, ich habe kein Auge zugemacht. Mein Kopf rast durch alle möglichen Katastrophen: nicht schnell genug s
Freya's POVMein Mitbewohner ist ein Mensch, was eine große Erleichterung ist. Das merke ich sofort, als ich das Zimmer betrete – kein übernatürlicher Geruch, keine scharfe Wahrnehmung, nur ein ganz normaler Typ, der nicht spüren kann, dass ich etwas verstecke.„Du musst Freddie sein“, sagt er, sch
Freya's POVDie Autofahrt zieht sich ewig hin, und doch ist sie viel zu schnell vorbei. David wirft mir immer wieder Blicke im Rückspiegel zu, seine Hände umklammern das Lenkrad fest. Alle paar Minuten öffnet er den Mund, als wollte er etwas sagen, schließt ihn dann aber wieder und lässt eine schwe











