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Nach Verlobter „Madre“ sagte, ließ ich los
Nach Verlobter „Madre“ sagte, ließ ich los
Author: Erdbeerbrötchen

Kapitel 1

Author: Erdbeerbrötchen
Die Abendwind trug den salzigen Geruch des Meeres und die kühle Note des Bourbon-Whiskeys mit sich. Ich schmiegte mich leise in den Schatten von Container Nummer drei am neuen Kai, meine Finger krallten sich so fest in mein Abendkleid, dass es zerknitterte und blass wurde.

Die Scheinwerfer durchschnitten die Dunkelheit und tauchten das Frachtschiffsdeck in taghelles Licht. Mein Verlobter Vincent stand mitten auf dem Deck, Sophia im Arm. Die schwarze Diamantkette um ihren Hals warf im grellen Licht ein stechendes Leuchten, das mir in den Augen wehtat.

Eigentlich war es das Liebespfand unserer Verlobung. Er hatte einst über den Stein gestrichen und geschworen, mich für immer zu lieben.

Doch in diesem Augenblick, als seine Finger den Verschluss an Sophias Kette berührten, lag in seinem Blick eine Zärtlichkeit, die ich in zwölf Jahren nie bei ihm gesehen hatte.

Sophia trug ihr dunkelrotes Seidenkleid, seine Lieblingsfarbe, und lächelte sanft im salzigen Seewind – ganz die Madre der Familie.

Da trat mein Bruder Hector schnell vor, erhob seine Stimme und rief Vincent und Sophia lautstark seine Glückwünsche zu: „Herr Vincent, Frau Sophia, ich freue mich so für euch! Ihr seid das perfekteste Paar!“

In diesem Moment hatte er nur Augen für seine Stiefschwester, er hatte schon unbedingt vergessen, wie ihre Mutter Elena uns Geschwister damals schikaniert und geschlagen hatte.

Vincent sagte kein weiteres Wort, sein Blick blieb an Sophia haften. Dann beugte er sich hinab und küsste sie tief – volle zehn Minuten lang, die zwölf Jahre meiner Besessenheit aufzehrten.

Sophia wurde weich in den Knien und sank in seine Arme; er hob sie mühelos hoch, die Zuneigung in seinen Augen unverhohlen.

Hector nutzte die Gelegenheit und rief erneut laut: „Auf dass Herr Vincent und Frau Sophia für immer vereint sein mögen, einander liebend und treu!“

Applaus und Jubel von Deck vermischten sich mit dem Rauschen der Wellen, aber ich stand wie erstarrt da – der Lärm um mich herum war wie abgeschnitten.

Mein Herz fühlte sich an, als wäre es von den Stahlseilen des Kais zermalmt worden – ein dumpfer, drückender Schmerz.

Ich zog mein Handy hervor und rief Vincent an. In seiner Tasche vibrierte das Telefon; aus dem Augenwinkel sah er auf den Bildschirm, und sein Gesicht verdüsterte sich sofort. Für einen kurzen Moment huschte ein kaum merkliches Zögern über seine Züge.

Er wollte schon auflegen, doch Sophia legte leicht ihre Hand auf seinen Arm und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Da drehte er sich verdrossen um, ging in eine ruhige Ecke des Frachtschiffs, weg von den anderen, und nahm mit leiser, erzwungen ruhiger und genervter Stimme ab: „Ja?“

Meine Kehle schnürte sich zu. Ich unterdrückte die aufsteigende Verletztheit und den Schmerz und fragte leise: „Wo bist du? Hast du nicht versprochen, heute Abend meinen Geburtstag mit mir zu verbringen?“

Er lachte höhnisch auf, seine Stimme scharf und voller Abscheu – selbst im Flüsterton für die nahen Männer gut vernehmlich. Er zeigte offen, dass er kein Interesse an meinen Gefühlen hatte: „Kannst du nicht aufhören zu nerven? Du bist schwanger, also bleib gefälligst zu Hause und hör auf, mich zu kontrollieren! Isabella, hast du nichts Besseres zu tun, als mir auf den Wecker zu fallen?“

„Ich hab dir doch gesagt, dass ich mit deiner Stiefschwester dringende Familienangelegenheiten regele! Verstehst du kein Deutsch? Dein Bruder ist auch dabei! Nur du hast ein so schmutziges Hirn, dass du überall etwas Verbotenes siehst und alles gleich als Fremdgehen abstempelst!“ Er sprach schnell, mit der gereizten Wut eines Erwischten.

Vincent hatte einst geschworen, dass er, egal was geschah, jedes Jahr an meinem Geburtstag bei mir sein würde.

Meine Finger um das Handy waren kalt. In diesem Moment drangen die gedämpften Stimmen zweier Hafenarbeiter an mein Ohr: „Für diese Zeremonie hat Herr Vincent den Waffentransport am neuen Kai monatelang stillgelegt. Sogar das Frachtschiff wurde extra geräumt, um als Veranstaltungsort zu dienen.“

Diese Worte zerschlugen den letzten Funken Hoffnung in mir.

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