登入Am folgenden Nachmittag besuchte ich nach den Vorlesungen meinen Bruder im Krankenhaus, aber Victors Zustand war unverändert. Ich sprach wie immer mit ihm und erzählte ihm alles, was seit meinem letzten Besuch passiert war, selbst wenn meine Geschichten nicht gerade aufregend waren. Dom hatte Training, also nahm ich den Bus, solange es noch hell war, um Anna zu besuchen; sie wollte mich später am Abend nach Hause fahren. Als Anna mir die Tür öffnete, nickte Connor mir nur kurz zu und ging hinaus. Anna und Connor mieteten eine winzige Zweizimmerwohnung. Sie wohnten nicht weit von uns entfernt, aber Anna und Dom hassen den Gedanken, dass ich allein unterwegs war, besonders nach Einbruch der Dunkelheit.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich, nachdem die Tür hinter Connor ins Schloss gefallen war.
„Er hat gesagt, er geht mit seinen Kumpels was trinken, damit er uns nicht stört“, antwortete Anna.
„Er mag mich nicht“, bemerkte ich.
„Als ob du ihn mögen würdest“, lachte Anna.
„So meine ich das nicht“, sagte ich. „Er hält mich auch für eine lügnerische Betrügerin.“
„Wenn er das tut, behält er es für sich“, sagte Anna. „Erzähl mir, wie geht es Victor?“
„Unverändert“, sagte ich. „Er braucht ein paar Untersuchungen, die ihm tatsächlich helfen könnten, aus dem Koma aufzuwachen, aber ich kriege das Geld einfach noch nicht zusammen, obwohl ich jeden Cent spare.“
„Wenn wir das Praktikum bei Barnaby & Sons bekommen, hast du eine Chance“, sagte sie. Ich nickte.
„Ich habe ein Beratungsgespräch bei meiner Therapeutin gebucht“, fügte ich hinzu. „Ich möchte ein paar Werkzeuge an die Hand bekommen, damit ich aufhöre, vor allem solche Angst zu haben.“
Ich erzählte Anna von dem Vorfall im Buchladen und davon, wie Cas mich im Bistro berührt hatte.
„Cas ist ein Arschloch“, bemerkte Anna, „obwohl er ziemlich heiß ist.“ Sie lachte.
„Ich muss mich der Welt nicht um seinetwillen öffnen – ich muss es für mich tun“, sagte ich, und sie nickte.
„Dann fangen wir mit einer schönen Maniküre und all dem Kram an“, sagte Anna. „Ich buche uns einen Termin.“
Gegenüber von Annas Wohnung gab es einen kleinen Park, und da das Wetter schön war, gingen wir für einen kurzen Spaziergang hinunter. Ich wagte mich nur nach draußen, wenn ich nicht allein war.
Es begann bereits dunkel zu werden, als ich nach Hause fahren wollte, aber Connor war noch nicht mit dem Auto zurückgekehrt, sodass Anna mich nicht fahren konnte.
„Ich gehe zu Fuß zurück“, sagte ich, aber Anna schüttelte den Kopf.
„Du kannst nicht im Dunkeln allein gehen.“
„Du kannst mich auch nicht begleiten, weil du dann allein zurückgehen müsstest.“
„Dann komm wieder mit hoch, bis Connor nach Hause kommt“, sagte Anna. Wir steuerten gerade ihr Gebäude an, als eine Klapperkiste am Bordstein hielt.
„Hey“, rief Cas, und wir blieben stehen.
Cas hüpfte aus seinem Auto – irgendeinem alten, blauen, verbeulten Ding.
„Ich möchte mich entschuldigen“, sagte er. „Ich war unverschämt.“
„Ja, das warst du“, antwortete ich. „Aber ich verspreche dir, dass wir dich in Ruhe lassen. Wir werden dich nicht belästigen.“
„Was macht ihr beiden denn hier?“, fragte er neugierig.
„Ich wollte gerade nach Hause, aber wir müssen warten, bis Annas Freund mit dem Auto zurückkommt.“
„Ich fahre dich“, bot Cas an. „Quasi als Entschuldigung.“
Ich warf Anna einen Blick zu, die nur die Schultern zuckte und nickte.
„Ich weiß nicht“, sagte ich zögerlich.
„In meinem Auto bist du sicher“, sagte Cas freundlich. „Ich möchte mich wirklich nur entschuldigen.“
„Fahr ruhig mit, Ginger“, sagte Anna. „Aber ruf mich in der Sekunde an, in der du zu Hause bist.“ Sie wandte sich an Cas. „Wenn sie sich nicht innerhalb einer Stunde meldet, hetze ich dir die Polizei auf den Hals.“ Cas lachte nur.
Ich verabschiedete mich von Anna und stieg neben Cas ins Auto, aber der Motor wollte nicht anspringen.
„Gleich geht’s los“, sagte er mit einem Lächeln. Ich wartete schweigend.
Das Auto stotterte und stöhnte nur.
„Ich schmeiß dich auf den Schrottplatz, du Stück Scheiße“, fing Cas an, den Wagen zu beschimpfen.
„Bitte spring einfach an“, sagte ich leise und klopfte sanft auf das Armaturenbrett. Der Wagen erwachte dröhnend zum Leben. „Freundlichkeit ist immer effektiver als Gewalt“, sagte ich lächelnd.
„Ich wollte dich gestern im Bistro nicht erschrecken“, sagte er, während er die Spur wechselte.
„Du hast mich nicht erschrocken“, antwortete ich. „Ich mag es nur nicht, wenn Fremde mich anfassen.“
„Warum?“, fragte er neugierig.
„Einfach so“, antwortete ich. Er lachte.
„Du spielst gut Geige“, sagte er. Ich nickte.
„Danke. Es ist mein Nebenjob. Die Bezahlung ist gut, und ich muss nicht in knappen Outfits herumlaufen“, antwortete ich. „Vor ein paar Jahren musste ich mich entscheiden, welchen Weg ich langfristig einschlagen wollte, und ich habe mich für Finanzen entschieden.“
„Hast du dir das Buch eigentlich gekauft?“, fragte er. Ich schüttelte den Kopf.
„Im Moment muss ich leider für andere Dinge sparen. Jeder Cent zählt.“
„Wofür?“, fragte er.
„Für die Krankenhausbehandlung meines Bruders“, sagte ich. „Wir sind da“, fügte ich hinzu, als er in unsere Straße einbog.
„Danke fürs Mitnehmen“, sagte ich. „Ich verspreche, Anna punktgenau nach fünfzig Minuten anzurufen“, foppte ich ihn, bevor ich ausstieg. Er lachte nur.
Am darauf folgenden Wochenende zog Cas ein. Er brachte nicht viel mit; er sagte, er besitze sowieso kaum Zeug.„Als euer neuer Mitbewohner möchte ich euch irgendwohin ausführen“, sagte er, während er neben Dom saß und sie ein Footballspiel schauten. Anna war auch da und half mir beim Vorkochen, während wir quatschten.„Ich bin raus“, sagte Dom. „Ich mache mich bald auf den Weg, um ein paar Jungs aus dem Team zu treffen.“„Ich passe auch“, sagte Anna. „Connor kommt bald vom Football-Training nach Hause und wir verbringen den Nachmittag zusammen.“Ich mochte Connor nicht, aber das hatte ich Anna nur ein einziges Mal zu Beginn ihrer Beziehung gesagt. Danach hatte ich sie ihr eigenes Ding m
Da Wochenende war, war ich allein zu Hause. Dom war unterwegs, um sich mit seinen Football-Kumpels zu treffen, also nutzte ich die Zeit zum Putzen und Trainieren. Normalerweise gehe ich am Wochenende nicht viel aus und ich gehe auch nie auf einen Fitnessplatz, aber im Laufe der Jahre habe ich gelernt, wie ich meine Muskeln ein paar Mal die Woche auf Trab halte. Ich trainierte immer nur, wenn ich allein war, weil ich dabei lediglich Shorts und ein Sport-Top trug. Ich schickte mich gerade an, meinen letzten Satz zu beginnen, als die Gegensprechanlage summte.„Ich bin’s, lass mich rein“, hallte Cas’ Stimme durch den Hörer. Ich summte ihn hoch und zog mir schnell eine Hose und ein T-Shirt über, bevor ich die Tür öffnete.„Alles in Ordnung, Cas?“, fragte ich, während er sich die Schuhe auszog.
Bei mir hingen viel mehr Frauen an den Lippen, als ich eigentlich wollte, aber meistens langweilten sie mich schon nach einem kurzen Date. Die meisten schafften es nicht einmal bis in mein Gästezimmer.Am Nachmittag, während Ginger ihren Auftritt im Bistro hatte, gesellten sich Leo und Mike zu mir.„Das Mädchen ist viel stylischer geworden“, lachte Mike. Ich reagierte nicht darauf.„Selbst wenn ich nicht da bin, erwarte ich von euch, dass ihr ein Auge auf sie habt“, sagte ich. „Selbst wenn schon jemand anderes aufpasst.“ Leo und Mike nickten beide.„Was ist eigentlich ihr Geheimnis?“, fragte Mike.„Ich weiß es nicht, aber wenn mir mein Vater dank ihrer
Den Rest der Woche blieb ich der Uni fern, obwohl ich jeden Nachmittag im Bistro saß und Ginger beim Geigenspielen zuhörte. Wir sicherten die Informationen für die Fremdgeh-Fälle, und Mrs. Stewart beglich endlich ihre Rechnung für unsere Dienste. Jeder wusste, dass die Zwillinge gewöhnlich an einem bestimmten Fleck am Strand rumhingen; ich war heute bei ihnen, als eine gut gekleidete Frau mittleren Alters auf uns zukam. Sie passte eindeutig nicht in die Gegend der Jungs, also erkannte sie uns auch nicht. Sie wirkte sichtbar aufgelöst.„Ich suche Leo“, sagte die Frau zu Mike. „Man hat mir gesagt, er wäre hier.“„Ich bin Leo“, sagte Leo, während ich der Frau meine Jeansjacke reichte, damit sie sich setzen konnte.„Meine Tochter wir
Am nächsten Tag warteten wir darauf, dass die Anforderungen für die Praktikumsbewerbung bekannt gegeben wurden. Genau wie gestern war von Cas weit und breit nichts zu sehen; ich schätzte, er hatte für diese Woche genug von der Uni.Nach dem Mittagessen stellten sie eine Aufgabe mit sechs Fragen als Grundlage für die Bewerbung online. Die Praktikanten werden aus denjenigen ausgewählt, die die richtigen Antworten liefern.„Sollen wir die Aufgaben zusammen bearbeiten?“, fragte ich beim Mittagessen. Dom schüttelte den Kopf.„Diesmal nicht“, antwortete er. „Wenn wir es nicht aus eigener Kraft schaffen, fliegen wir sowieso schnell wieder raus.“„Barnaby &
Am folgenden Nachmittag besuchte ich nach den Vorlesungen meinen Bruder im Krankenhaus, aber Victors Zustand war unverändert. Ich sprach wie immer mit ihm und erzählte ihm alles, was seit meinem letzten Besuch passiert war, selbst wenn meine Geschichten nicht gerade aufregend waren. Dom hatte Training, also nahm ich den Bus, solange es noch hell war, um Anna zu besuchen; sie wollte mich später am Abend nach Hause fahren. Als Anna mir die Tür öffnete, nickte Connor mir nur kurz zu und ging hinaus. Anna und Connor mieteten eine winzige Zweizimmerwohnung. Sie wohnten nicht weit von uns entfernt, aber Anna und Dom hassen den Gedanken, dass ich allein unterwegs war, besonders nach Einbruch der Dunkelheit.„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich, nachdem die Tür hinter Connor ins Schloss gefallen war.„Er hat gesagt, er geh







