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Hose runter

Author: Sinner
last update publish date: 2026-08-30 19:26:03

Nathaniel

Ein scharfer Kopfschmerz durchbohrte meinen Schädel und mein Körper brannte von innen heraus, während mir ein Stöhnen entkam…

Zuerst leise. Gedämpft. Als wäre ich unter Wasser, als würde ich ertrinken oder so etwas…

„Können Sie mich hören?“ Etwas Kühles berührte meine Stirn. Ich weichte sofort vor der Berührung zurück und legte die Stirn tief in Falten.

Meine Augen flatterten auf. Die Decke über mir war weiß. Zu weiß. Es dauerte ein paar Sekunden, bis mein Gehirn schaltete.

Ich war nicht mehr im Hörsaal.

Ich drehte den Kopf leicht zur Seite. Ganz schlechte Idee. Eine Schwindelwelle traf mich auf der Stelle, und mein Magen reagierte augenblicklich darauf.

„Sie sind ohnmächtig geworden“, sagte eine Frauenstimme sanft.

Ich blinzelte, bis ihr Gesicht scharf wurde. Eine Krankenschwester. Hellblaue Uniform. Ruhige Augen, die mich aufmerksam beobachteten.

„Mir geht’s gut“, krächzte ich automatisch.

Sie zog eine Augenbraue hoch. „Sie sind mitten in einem Test zusammengebrochen.“

„Ich habe nur nichts gegessen“, murmelte ich.

„Das erklärt weder das Fieber noch die blauen Flecken.“

Mein Kiefer spannte sich an.

„Mir geht’s gut“, wiederholte ich.

Sie seufzte leise und fing an, meinen Puls zu messen. „Wie heissen Sie?“

„Nathaniel.“

„Wissen Sie, wo Sie sind?“

„In der… Campus-Klinik.“

„Gut.“ Sie schrieb etwas auf. „Erinnern Sie sich daran, was passiert ist?“

„Der unangekündigte Test“, sagte ich und schloss kurz die Augen. „Ich war zu spät.“

Sie warf mir einen Blick zu, der klar signalisierte, dass das nicht der wichtige Teil war.

„Sie haben hohes Fieber“, fuhr sie fort. „Und Sie sind dehydriert. Ihr Blutdruck ist im Keller. Deshalb sind Sie ohnmächtig geworden.“

„Ich habe gesagt, mir geht’s gut“, beharrte ich und stützte mich auf die Ellenbogen hoch. Warum hört mir eigentlich nie jemand zu?

Der Raum kippte augenblicklich zur Seite.

„Nathaniel—„

„Ich muss gehen.“ Ich schwang die Beine von der Liege.

In der Sekunde, in der meine Füße den Boden berührten, knickten meine Knie ein.

Die Welt drehte sich wild um die eigene Achse und ich knallte hart auf den Boden, während Schmerz durch meine Rippen explodierte.

Die Krankenschwester keuchte auf. „Oh mein Gott—!“

Sie eilte um die Liege herum und hockte sich neben mich. „Sie können doch nicht einfach so aufstehen!“

„Ich habe gesagt, mir geht’s gut!“, schrie ich und stieß sie von mir weg, obwohl meine Stimme zitterte.

Sie sah mich eine gefühlte Ewigkeit an, mit einer Mischung aus Frustration und Mitleid in den Augen.

„Gibt es jemanden, den ich anrufen kann?“, fragte sie leise. „Familie? Einen Freund?“

Die Frage erwischte mich völlig unvorbereitet.

Jemanden.

Ich stieß ein kleines, atemloses Lachen aus.

„Nein“, sagte ich. „Da ist niemand.“

Die Stille danach fühlte sich schwerer an als das Fieber.

Sie bohrte nicht weiter nach. Stattdessen half sie mir zurück auf die Liege, was ich geschehen ließ, wohlwissend, dass ich jetzt ein Almosenfall war.

„Ich gebe Ihnen Medikamente gegen das Fieber und die Schmerzen“, sagte sie. „Sie gehen nicht von hier weg, bevor Ihre Temperatur nicht gesunken ist.“

Diesmal stritt ich nicht ab.

Sie reichte mir ein Glas Wasser und Tabletten. Ich schluckte sie langsam herunter; meine Kehle brannte immer noch.

„Ihr Professor war vorhin hier“, fügte sie beiläufig hinzu, während sie die Infusion einstellte.

Meine Augen schnellten zu ihr herum. „Was?“

„Professor Loe. Er schien besorgt zu sein. Er meinte, wenn es Ihnen besser geht, sollen Sie in sein Büro kommen.“

Der Test.

Mir rutschte das Herz in die Hose.

„Mein Test—„

„Sie sind ohnmächtig geworden“, sagte sie bestimmt. „Ich bin sicher, das wird berücksichtigt.“

Aber die Panik kroch trotzdem unter meine Haut. Jeder Test an dieser Uni zählt für meinen Notenschnitt.

Scheiße! Scheiße! Scheiße! Nathaniel!

„Ihre Gesundheit geht im Moment vor“, sagte sie mir ruhig.

Danach verschwamm die Zeit. Die Medizin machte mich schläfrig. Das Fieber ließ etwas nach. Das Pochen in meinem Kopf schwächte sich zu einem stetigen Schmerz ab, statt wie ein Hammer niederzusausen.

Schließlich maß sie noch einmal meine Temperatur.

„Sie ist gesunken“, sagte sie. „Sie können gehen, aber fahren Sie nach Hause und ruhen Sie sich aus.“

„Werde ich machen“, lügte ich.

Sie warf mir einen letzten Blick zu, als wüsste sie genau, dass ich log, hätte aber nicht die Kraft, darüber zu streiten.

Ich unterschrieb ein Papier mit zitternden Händen und ging.

Der Flur fühlte sich jetzt stabiler an, obwohl mein Körper immer noch schwach war. Jeder Schritt in Richtung Professor Loes Büro schnürte mir etwas in der Brust zu.

Was, wenn er mich durchfallen ließ?

Was, wenn—

Ich blieb vor seiner Bürotür stehen.

Meine Atmung wurde unruhig, ich fühlte mich immer noch leicht fiebrig… Ich klopfte an, bevor ich die Tür aufdrückte, und als ich den Blick hob—

Ich erstarrte auf der Stelle, die Luft wurde mir aus der Lunge geschlagen, und ich blinzelte schnell und heftig, während ich mich am Türknauf festklammerte.

Ein Junge mit hellbraunen Haaren lehnte am Schreibtisch, hinter ihm Professor Loe, und ich bemerkte, dass beiden die Hosen unten am Boden hingen.

„Ah…“, stöhnte der Junge leicht.

Ich ließ alles fallen, was ich in der Hand hielt, völlig vor den Kopf gestoßen. Das zog die Aufmerksamkeit von beiden auf mich, und Professor Loes Augen fixierten mich augenblicklich.

„Entschuldigung!“

Scheiße! fluchte ich gedanklich sofort, reagierte blitzschnell, wirbelte herum und schlug die Tür hinter mir zu.

Was für eine kranke Scheiße war das denn bitte?!

Meine Hand lag immer noch um den Türknauf geschlossen, die Finger zitterten. Ich konnte spüren, wie mir die Hitze ins Gesicht stieg, aber ob es Fieber oder Scham war, wusste ich nicht einmal mehr.

Schritte.

Schnelle Schritte.

Die Tür hinter mir öffnete sich wieder.

„Nathaniel.“ Professor Loes Stimme.

Ich drückte die Augen für eine Sekunde fest zu, bevor ich mich langsam umdrehte.

Er hatte sich wieder gerichtet. Hemd eingesteckt. Mein Blick wanderte nach unten, und zum Glück hatte er seine Hose wieder an.

Unbehagen zeichnete sich in seinen Gesichtszügen ab, und bevor ich den Mund aufmachen konnte, huschte der andere Typ bereits an mir vorbei und versuchte, sein Gesicht mit seinem Rucksack zu verdecken.

Ich presste die Lippen zusammen und war nervös wie Hölle, während mein Gehirn langsam begriff, dass Professor Loe schwul war. Und dass er einen seiner Studenten vögelte. Verdammter Feigling.

Er räusperte sich. „Kommen Sie rein, Nathaniel.“ Und ich bemerkte, dass er jeglichen Blickkontakt vermied.

Die Situation war unvergleichlich unangenehm, als ich unruhig von einem Fuß auf den anderen trat, während ich ihm gegenüber am Schreibtisch Platz nahm.

„Ich habe geklopft“, platzte es unverblümt aus mir heraus.

„Wie geht es Ihrer Gesundheit?“, fragte er.

Ich fuhr mir mit der Zunge über die Lippen. „Mir geht’s besser.“

Wollte er wirklich so tun, als wäre nichts passiert? Wahrscheinlich die beste Art, damit umzugehen, schätze ich.

Er schüttelte den Kopf. „Leider sind Sie beim Test durchgefallen, weil Sie ohnmächtig geworden sind.“

Ich biss mir auf die Innenseite meiner Wange, da ich so etwas bereits erwartet hatte.

„Professor Loe—„

„Und Ihre anderen Testergebnisse und Prüfungen aus den anderen Fachbereichen sind heute eingetroffen – Sie haben in letzter Zeit keine guten Leistungen erbracht, Nathaniel.“

Die Worte wogen schwerer, als sie sollten.

Ich bewahrte ein unbewegtes Gesicht.

„Ich weiß“, sagte ich leise.

Er faltete die Hände auf dem Schreibtisch und sah mich schließlich direkt an. Nicht als Mann, den ich gerade bei etwas Unangemessenem erwischt hatte. Nicht als jemand, dem etwas peinlich war.

Sondern als Professor.

„Sie sind Medizinstudent“, fuhr er fort. „Sie wissen, wie umkämpft dieser Studiengang ist.“

Mein Hals fühlte sich wieder trocken an.

„Ja, Sir.“

„Ihr Notendurchschnitt sinkt seit letztem Semester kontinuierlich.“

Jedes Wort war präzise. Kontrolliert.

„Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird Ihr akademischer Status überprüft.“

Überprüft.

Dieses Wort bedeutete in dieser Fakultät nur eines.

Rauswurf.

„Und Ihr Stipendium“, fügte er mit weiterhin ruhiger Stimme hinzu, „ist an Bedingungen geknüpft.“

Da war es.

Ich spürte, wie sich etwas in meiner Brust zusammenschnürte.

„Wenn Ihr Notenschnitt unter die erforderliche Mindestgrenze fällt, wird die Stipendienkommission Ihre Berechtigung neu bewerten.“

Neu bewerten.

Bedeutet: weg.

Bedeutet: Ich bin raus.

Bedeutet: Ich kann mir die Studiengebühren nicht leisten.

Bedeutet: Ich bin geliefert.

„Ich werde nicht zulassen, dass das passiert“, sagte ich schnell und beugte mich nach vorne, trotz des dumpfen Schmerzes in meinen Rippen. „Professor Loe, ich hatte nur… ich hatte ein paar Probleme, aber ich kann das korrigieren. Ich werde es korrigieren.“

Meine Stimme klang verzweifelt.

Ich hasste das.

Er musterte mich einen Moment lang.

„Sie sind in meiner Vorlesung ohnmächtig geworden“, sagte er. „Sie haben blaue Flecken. Sie sind offensichtlich krank. Und trotzdem machen Sie sich mehr Sorgen um einen einzigen unangekündigten Test.“

„Weil er wichtig ist!“, fuhr ich ihn an, bevor ich mich bremsen konnte. „Alles hier ist wichtig. Eine schlechte Note beeinflusst die nächste. Und die übernächste.“

Stille breitete sich zwischen uns aus.

Dann lehnte er sich leicht zurück.

„Es gibt… eine Alternative“, sagte er langsam.

Ich hob den Blick.

Er griff in eine Mappe auf seinem Schreibtisch und zog ein gedrucktes Flugblatt heraus. Er schob es mir über den Tisch zu.

„Ein Tutoriumsprogramm, das von der Fakultät durchgeführt wird“, erklärte er. „Höhere Semester unterstützen die jüngeren in Anatomie und Biochemie oder in anderen Kursen, die Sie sich zutrauen. Es wird als akademische Leistung angerechnet.“

Ich starrte auf das Papier.

„Wenn Sie als studentischer Tutor einsteigen“, fuhr er fort, „werden die Credit Hours in Ihren Notenschnitt eingerechnet. Das kann helfen, ihn zu stabilisieren.“

Ich blinzelte.

„Sie wollen, dass ich… unterrichte?“

„Sie sind dazu in der Lage“, antwortete er schlicht. „Ihre Grundlagennoten im ersten Jahr waren hervorragend.“

Das fühlte sich an wie ein ganzes Leben her.

„Sie müssten wöchentlich Stunden investieren. Vorbereitung. Betreuung. Es wird nicht leicht werden.“

Nichts in meinem Leben war leicht.

„Sie sollten nach Hause gehen“, fügte er hinzu. „Ruhen Sie sich aus. Denken Sie darüber nach, bevor Sie mir eine Antwort geben.“

Darüber nachdenken?

Nach Hause gehen und die Wahrscheinlichkeit durchrechnen, das Einzige zu verlieren, das mich hier hält?

Ich zögerte nicht einmal.

„Ich mache es.“

Er hielt inne. „Nathaniel—„

„Ich mache es“, wiederholte ich, diesmal fester. „Tragen Sie mich ein.“

Meine Hände zitterten immer noch leicht, aber meine Stimme nicht.

„Wenn das verhindert, dass mein Notenschnitt weiter sinkt, mache ich es.“

Er beobachtete mich aufmerksam, als wägte er ab, ob ich diese Entscheidung aus Logik oder Panik traf.

Vielleicht war es beides.

„Ihnen ist klar, dass das Verantwortung erfordert?“, sagte er.

„Ich verstehe.“

„Sie müssen auch Ihre eigene Anwesenheit und Leistung in Ihren eigenen Modulen aufrechterhalten.“

„Das werde ich.“

Es gab keinen Raum für Fehler.

Nicht mehr.

Er atmete langsam aus.

„Sehr wohl. Ich werde Ihren Namen an die Programmkoordination weiterleiten.“

Erleichterung stellte sich nicht ein.

Nur Druck.

Noch mehr davon.

„Ihr Nachholtermin wird für nächste Woche angesetzt“, fügte er hinzu. „Vorausgesetzt, Sie sind gesundheitlich wieder fit.“

Ich nickte.

„Danke, Sir.“

Ich stand diesmal vorsichtig auf. Der Schwindel hatte nachgelassen, aber die Erschöpfung klebte immer noch an meinen Gliedern.

Als ich die Tür erreichte, sprach er erneut.

„Nathaniel.“

Ich blieb stehen.

„Ich vertraue darauf, dass Sie kein Wort über das verlieren, was Sie vorhin gesehen haben.“ Sein Blick ruhte fest auf mir.

„Ich verstehe, Sir.“

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