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Kapitel 2

Author: Sansa
Zwischen all diesen Zeilen stand immer dasselbe Wort: Sorgfalt. Und irgendwann musste ich es zugeben.

Meine sieben Jahre mit Julian.

Sie waren nichts.

Ich saß die ganze Nacht im Arbeitszimmer.

Am nächsten Morgen nahm ich mir frei. Klara Berger, meine beste Freundin, begleitete mich, um die Hochzeit abzusagen.

„Leni, hast du dir das wirklich gut überlegt?“

Das war Klaras erste Frage, kaum dass sie mich sah.

„Ja. Habe ich.“

„Ihr seid seit sieben Jahren zusammen, übermorgen ist die Feier. Und du wartest nicht mal ab, bis er zurück ist, sondern sagst einfach alles allein ab?“

„Ja.“

„Weiß Julian davon?“

„Er hat zu tun.“

„Womit denn?“

Ich antwortete nicht.

Klara schwieg zwei Sekunden.

„Wenn es dir unangenehm ist, rufe ich ihn an.“

„Ihr seid seit sieben Jahren zusammen, es geht um eure Hochzeit, ich lasse dich damit doch nicht allein ...“

„Er hat zu tun. Er heiratet gerade.“

Meine Stimme war ganz leise.

Klara erstarrte. Der ungläubige Ausdruck fror ihr im Gesicht ein.

„Was hast du gesagt?“

Ich lächelte nur.

Dann holte ich die Chatverläufe hervor, die ich in der Nacht von Julians Laptop gesichert hatte, und hielt sie ihr hin.

„Julian hat geheiratet.“

„Gestern. In der Schweiz.“

„Jasmin Voss. Seine erste Liebe.“

Klara sagte nichts mehr.

Dann wurden ihre Augen ganz langsam rot.

„Gestern hast du bis nach Mitternacht mit dem Lichttechniker im Hotel geprobt. Zwischendurch hast du mir geschrieben, dass dein Magen wehtut, und mich um Tabletten gebeten.“

„Und genau in dieser Zeit ... hat Julian in der Schweiz eine andere geheiratet?“

Mein Mundwinkel zuckte.

„Ja.“

Klara sagte kein Wort mehr. Sie fuhr mich direkt zur Hochzeitsagentur.

Die ganze Fahrt über hielt sie meine Hand. Ganz fest.

3

Nach der Absage fuhr ich nach Hause und packte.

Ich wollte aus der Wohnung ausziehen, die unser gemeinsames Zuhause hätte werden sollen.

Julian schrieb mir.

Ein Foto aus einem Wartebereich am Flughafen.

Darunter: „Geschäftsreise vorbei. Bin todmüde.“

Ich antwortete nicht. Ich starrte nur auf die linke untere Ecke des Fotos.

Eine schmale, helle Hand war versehentlich mit ins Bild geraten. Am Ringfinger blitzte ein Diamantring.

Ich kannte diesen Ring.

Als Julian und ich im Jahr zuvor Eheringe aussuchten, empfahl ihn uns die Verkäuferin. Das teuerste Modell im ganzen Laden.

In der ganzen Stadt gab es davon nur ein einziges Paar.

Mir gefiel er sehr. Julian sagte: „Zu protzig. Passt nicht zu dir.“

Er passte zu Jasmin.

Ich legte das Handy weg, nahm meine Sachen Stück für Stück aus dem Schrank, faltete sie und stopfte sie in den Koffer.

Bei einem von Julians Hemden runzelte ich die Stirn.

Es roch stark nach Parfüm.

Nach Jasmin.

Am Kragen klemmte ein Zettel, mit Lippenstift beschrieben.

„Jasmins Schlafshirt“

Sieben Jahre zusammen. Und erst jetzt erfuhr ich, dass er sie mit hierhergebracht hatte.

Und dass in unserem Schrank ein Hemd hing, das nach einer anderen Frau roch.

Ich hängte es zurück und machte im Bad weiter.

In meiner Tasche vibrierte das Handy.

Wieder Julian.

Diesmal ein Videoanruf.

Ich ging ran.

Auf dem Bildschirm trug er einen schwarzen Mantel. In dieses sonst so kühle, verschlossene Gesicht hatte sich etwas Weiches geschlichen.

„Was machst du gerade?“

„Ich räume auf.“

„Läuft alles mit der Hochzeit?“

„... ganz gut.“

„Ich fliege heute. Morgen früh bin ich wieder da, unsere Feier übermorgen schaffe ich locker.“

„Gut.“

„Was ist los? Bist du sauer?“

„Nein. Nur müde.“

„Ich habe ein Geschenk für dich.“

Julian bückte sich und zog eine weiße, mit einer Schleife gebundene Schachtel aus seiner Aktentasche.

„Ein Freund hat geheiratet, es gab Hochzeitsmandeln. Ich habe dir extra welche mitgebracht, damit etwas vom Glück abfärbt.“

„Ein Freund?“

Ich wiederholte nur dieses eine Wort.

Er lächelte. Ganz selbstverständlich, ohne die Spur eines schlechten Gewissens.

„Ja. Ein Freund.“

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