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Sieben Jahre – und einen Tag vor der Hochzeit
Sieben Jahre – und einen Tag vor der Hochzeit
Author: Sansa

Kapitel 1

Author: Sansa
Sieben Jahre zusammen. Einen Tag vor der Hochzeit sagte ich die Feier mit meinem Freund Julian Falk ab.

Die Mitarbeiterin sah mich fassungslos an:

„Die Feier ist morgen. Wollen Sie das nicht erst mit dem Bräutigam besprechen, wenn er zurück ist?“

Ich lächelte, warf einen letzten Blick auf den Saal, den ich drei Monate lang mit eigenen Händen hergerichtet hatte, und sagte ganz beiläufig:

„Nein. Er hat keine Zeit. Er steht gerade in der Schweiz vor dem Altar – mit seiner ersten Liebe.“

1

Sieben Jahre lang ließ Julian mich nie an seinen Laptop.

Diesmal war er auf Geschäftsreise und hatte vergessen, ihn auszuschalten.

Beim Aufräumen im Arbeitszimmer fiel mein Blick zufällig auf den hellen Bildschirm.

„Julian, hast du heute wirklich in der Schweiz eine Hochzeit mit Jasmin gefeiert?“

„Ihr wart nicht auf dem Standesamt, schon klar. Aber hast du keine Angst, dass Lena durchdreht, wenn sie das erfährt?“

„Bis zu eurer Hochzeit hier sind es noch ganze drei Tage.“

„Komm endlich zur Vernunft!“

Tobias Krüger, Julians ältester Freund, stellte ihn im Chat zur Rede.

Ich stützte mich am Schreibtisch ab. Für einen Moment hielt ich das Ganze für einen Traum.

Jasmin Voss war Julians erste Liebe gewesen, damals, mit achtzehn.

Dann zog sie weg, und die beiden trennten sich.

Das war acht Jahre her.

Wie konnte Julian ausgerechnet jetzt, kurz bevor wir selbst heiraten, mit ihr vor den Altar treten?

Die Adern traten mir auf dem Handrücken hervor, so fest umklammerte ich die Tischkante. Ich starrte auf den Bildschirm, ohne zu blinzeln, und wartete auf seine Antwort.

Julian antwortete sofort:

„Ja, stimmt. Und ich bin völlig klar im Kopf.“

„Das war unser Versprechen von damals, mit achtzehn. Jasmin hat mich nur um diese eine Sache gebeten. Also halte ich es.“

„Und Leni ...“

Im Chatfenster stand sehr lange nur: „schreibt ...“

„Sie weiß es ohnehin nicht. Danach tue ich einfach so, als wäre nichts gewesen.“

Ungläubig starrte ich auf diesen Satz. Es dauerte, bis ich bitter auflachte.

Zu spät.

Julian, ich weiß es längst.

Ich zog den Stuhl heran, setzte mich und griff mit zitternder Hand nach der Maus. Dann öffnete ich den Chat zwischen Julian und Jasmin.

Sieben Jahre mit ihm. Und ich hatte nicht das Geringste geahnt.

Die beiden schrieben sich jeden einzelnen Tag.

Jasmin schickte ihm ein Foto von einem Kätzchen, Julian antwortete: „Genauso süß wie du.“

Jasmin klagte über den Druck im Job und ihren nervigen Chef, Julian tippte in aller Ruhe: „Druck heißt, dass du wächst. Denk nicht zu viel nach. Ich bin ja da.“

In Jasmins Wohngebiet fiel der Strom aus, sie schickte ihm einen Sticker, der Angst vor der Dunkelheit ausdrückte. Julian antwortete in derselben Sekunde: „Warte auf mich.“

An genau diesem Tag hatte ich meine Tage bekommen und wälzte mich mit Krämpfen im Bett.

Julian war Hals über Kopf aus der Wohnung gestürzt, ohne mir auch nur einen Tee zu machen.

Stück für Stück ging ich diese Alltagsfetzen durch. Aus jedem einzelnen sprach dieselbe Sorgfalt.

Am schwersten zu ertragen war der letzte Monat.

Julian und Jasmin hatten eine Hochzeit geplant.

Er fragte sie: „Wie soll die Feier aussehen? Oben in den Bergen oder auf einer Wiese? Oder beides?“

Er schickte ihr Brautkleider in allen Stilrichtungen: „Welches gefällt dir am besten? Schlicht, Satin oder aufwendig bestickt? Ich habe die Nachmittagsbesprechung abgesagt, um drei hole ich dich zur Anprobe ab.“

Vom Veranstaltungsort bis zu der Frage, ob es Konfetti oder Luftschlangen geben sollte – Julian nahm ihr jede Entscheidung ab.

Er war ununterbrochen auf den Beinen.

Und unsere Hochzeit?

Ich fragte ihn, ob wir auf dem Land oder in der Stadt feiern sollten. Er sagte: „Ist mir egal.“

Ich wollte, dass er mit mir Brautkleider ansah. Er hatte zu viel zu tun, sagte er. „Entscheide einfach selbst.“

Ich stellte die Gästeliste zusammen und bat ihn, sie ein letztes Mal durchzusehen und zu unterschreiben. Wieder nur: „Mach du das. Mir egal.“

Ich hielt Julian für einen Menschen, dem eben alles egal war.

Bis heute. Bis ich seinen Chat mit Jasmin las.

Weil Jasmin sich nicht zwischen Schleier und Diadem entscheiden konnte, hatte Julian ihr drei Powerpoints mit je zwanzig Seiten gebastelt.

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