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Kapitel 3

Author: Sansa
In diesem Moment kam von der Seite eine Frauenstimme.

„Jules, schaust du mal, ob mein Ring locker sitzt?“

Julian drehte den Kopf zur Seite:

„Sofort.“

Dann sah er wieder mich an.

„Leni, war noch was? Sonst lege ich auf.“

Ich senkte den Blick, sah den Mann auf dem Bildschirm an und konnte am Ende doch nicht anders:

„Julian, willst du mich wirklich heiraten?“

Er stutzte, dann lachte er.

„Natürlich. Wir sind seit sieben Jahren zusammen.“

„Wie oft im Leben hat man schon sieben gemeinsame Jahre? Natürlich will ich dich heiraten.“

Ich nickte.

Mein Finger lag auf dem Familienchat der Falks.

Drei Minuten zuvor hatte ich dort eine Zeile getippt:

„In gegenseitigem Einvernehmen wird die für übermorgen geplante Hochzeit abgesagt.“

Damals wollte ich ihn noch nicht bloßstellen.

Jetzt löschte ich die Zeile. Buchstabe für Buchstabe.

„Alles klar.“

Am nächsten Tag schickte ich mein Gepäck zu meinen Eltern.

Julians Mutter rief an.

„Leni, komm doch mittags zum Essen, Jules ist wieder da.“

Sie machte eine kurze Pause und fügte lächelnd hinzu:

„Er hat eine Freundin mitgebracht, Jasmin Voss. Dann könnt ihr euch gleich kennenlernen.“

Julians Mutter war eine ausgesprochen „herzliche“ Frau.

Als Julian mich zum ersten Mal mit nach Hause nahm, lächelte sie mich schon an der Tür an und schenkte mir Tee ein.

Sie lobte, wie hübsch ich war, und fragte dann nach meinem Abschluss, meiner Familie und ob ich im Haushalt etwas taugte.

Ich beantwortete alles der Reihe nach, nervöser als bei meiner Abschlussprüfung.

Ich gab mir alle Mühe, eine Schwiegertochter zu sein, mit der sie zufrieden war.

Julians Mutter freute sich sehr. „Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass Julian ein Mädchen wie dich gefunden hat.“

Doch kaum hatte sie ihn in die Küche gerufen, um Obst zu waschen ...

... hörte ich sie seufzen. Voller Bedauern sagte sie zu ihm:

„Wirklich schade. Die vor ihr war doch die Bessere.“

Mit der Vorherigen war Jasmin gemeint.

Julian hatte mir nie von ihr erzählt. Ich hatte es selbst herausgefunden.

Seitdem fiel mir bei jedem Besuch bei seiner Mutter unweigerlich dieser Name ein.

Heute würde ich sie endlich zu Gesicht bekommen.

Als ich ankam, war das Sofa im Wohnzimmer bereits voll besetzt.

Jasmin saß genau in der Mitte, Julian dicht neben ihr. Er schälte ihr gerade eine Mandarine.

In sieben Jahren hatte er das für mich kein einziges Mal getan.

Als seine Mutter mich hereinkommen sah, sprang sie sofort auf:

„Da ist ja unsere Leni.“

Sie zog mich zu sich und deutete auf Jasmin.

„Das ist eine alte Studienfreundin von Jules, ein wirklich außergewöhnlicher Mensch. Sie ist extra angereist, weil Jules heiratet.“

„Jasmin, das ist Leni.“

Sogar in der Vorstellung lag ein Unterschied.

Ich ließ es durchgehen und setzte mich still in eine Ecke.

Seine Mutter plauderte weiter mit ihr.

„Jasmin, habt ihr in der Schweiz eigentlich Fotos machen lassen?“

„Und ausgerechnet bei so etwas Großem sagst du mir nicht früher Bescheid.“

Jasmin lächelte verlegen:

„Frau Falk ...“

„Immer noch ‚Frau Falk‘?“

Julians Mutter strahlte über das ganze Gesicht.

„Mama!“

Julian fuhr dazwischen und warf mir aus den Augenwinkeln einen schnellen Blick zu.

„Leni ist auch noch da.“

Die Stimmung im Wohnzimmer kippte.

Erst jetzt schien es ihr aufzugehen. Verlegen sagte sie:

„Da habe ich mich im Ton vergriffen. Ich mag Jasmin einfach so gern, für mich ist sie wie eine eigene Tochter.“

„Komm, Leni, nimm dir Hochzeitsmandeln.“

Sie schob mir die Schachtel über den Tisch.

Dann griff sie eine große Handvoll heraus und drückte sie mir in die Hand.

Ich schob mir eine in den Mund. Sie schmeckte bitterer als jede Medizin.

„Danke, Frau Falk.“

Ich nannte sie nicht Mama.

Sie hatte es nicht verdient.

Dass sie von der Hochzeit der beiden gewusst hatte, damit hatte ich nicht gerechnet.

Trotzdem machte ich keine Szene.

Es hätte nichts gebracht.

Ich wartete. Auf morgen. Auf ihre Gesichter, wenn sie erfuhren, dass die Hochzeit abgesagt war.

Nach dem Mittagessen stand ich auf und ging.

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