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Tanzen mit der Gefahr
Tanzen mit der Gefahr
Author: Yole Writes

Der Blick des Teufels

Author: Yole Writes
last update publish date: 2026-06-22 01:48:15

Der wuchtige Bass der Musik ließ die Dielen unter Valeria Cruz erzittern. Sie saß vor dem gesprungenen Spiegel in der Umkleidekabine. Der Duft von süßem Parfüm und starkem Haarspray erfüllte den engen Raum. Drei andere Mädchen standen in der Nähe. Sie lachten und rückten ihre bunten Kostüme zurecht. Valeria betrachtete ihr Spiegelbild. Sie trug ein enges rotes Kleid, besetzt mit kleinen, funkelnden Steinchen. Es fühlte sich eng und unbequem an. Sie zwang sich zu einem tiefen, langsamen Atemzug. Die Wände der Umkleidekabine waren mit verblassten Postern bedeckt. Der Boden war klebrig. Die Luft war heiß.

Vor drei Monaten trug sie noch eine Polizeiuniform. Sie patrouillierte durch die hellen Straßen. Sie half Menschen. Sie hatte einen Partner, dem sie vertraute. Sie trug eine Dienstmarke. Sie war stolz. Ein einziger Fehlgriff veränderte ihr Leben. Eine falsche Tür. Ein Verdächtiger, der entkam. Sie nahmen ihr die Marke ab. Sie nahmen ihr die Karriere. Sie wandten sich von ihr ab. Jetzt hatte sie eine Chance, beides zurückzubekommen. Der Polizeihauptmann traf sie spät abends in einem dunklen Diner. Er schob ihr eine dicke, braune Mappe über den Tisch. Er sagte ihr, das sei ihr einziger Weg zurück zur Polizei. Sie musste ihren Stolz überwinden. Sie musste eine Kriminelle spielen. Sie musste lernen, wie ein Mädchen aus der Gosse zu gehen und zu sprechen.

Sie musste verdeckt ermitteln. Sie musste Beweise gegen die gefährlichste Verbrecherfamilie der Stadt sammeln. Der Plan klang auf dem Papier einfach. Sie musste nur tanzen. Sie musste lächeln. Sie musste dem Geflüster betrunkener Krimineller lauschen. Sie musste die versteckten Bücher finden.

Sie nahm einen knallroten Lippenstift. Ihre Hand zitterte leicht. Sie presste die Lippen zusammen und trug den Lippenstift auf. Sie musste so aussehen, wie sie sollte. Sie durfte nicht wie eine Ex-Polizistin wirken. Sie durfte nicht mutig wirken. Sie musste verzweifelt wirken. Sie musste wie eine Frau aussehen, die das Geld zum Überleben brauchte. Sie zog hohe schwarze Schuhe an. Die Schuhe drückten ihr die Zehen.

Eine Frau mit leuchtend pinken Haaren tippte Valeria auf die Schulter.

„Du bist die Nächste“, sagte die Frau. „Folge einfach dem Beat. Schau den Männern nicht zu lange in die Augen. Sie verstehen das falsch.“

Valeria nickte. Sie stand auf und strich ihr Kleid glatt. Sie verließ die Garderobe und ging einen schmalen Flur entlang. Mit jedem Schritt wurde die Musik lauter. Sie erreichte den schweren schwarzen Vorhang, der die Hinterzimmer vom Hauptsaal trennte. Sie hielt inne. Ihr Herz hämmerte ihr gegen die Rippen. Sie schloss die Augen. Sie erinnerte sich an ihre Mission. Sie schob den Vorhang beiseite und trat hinaus.

Der Club hieß „Die Samtfalle“. Er machte seinem Namen alle Ehre. Die Wände waren mit dunkelrotem Stoff verkleidet. Die Böden waren aus schwarzem Marmor. Die Luft war dick und schwer zu atmen. Die Männer, die hierher kamen, hatten zu viel Geld und zu wenig Moral. Sie glaubten, ihnen gehöre die Welt. Sie glaubten, ihnen gehörten die Mädchen auf der Bühne.

Der Raum war dunkel. Blinkende rote und blaue Lichter huschten durch den Raum. Die Luft roch nach teuren Zigarren und verschüttetem Alkohol. Männer saßen in plüschigen Ledersitzgruppen. Sie trugen maßgeschneiderte Anzüge. Sie tranken dunklen Schnaps aus dicken Gläsern. Das waren die Männer, die Valeria früher verhaftet hatte. Jetzt musste sie sie unterhalten.

Sie ging auf die Hauptbühne zu. Die Tänzerin, die gerade tanzte, stieg herunter und nickte Valeria kurz zu. Valeria griff nach der glatten Stange in der Bühnenmitte. Die Musik wechselte. Ein langsamer, schwerer Rhythmus erfüllte den Raum. Valeria bewegte sich. Sie ließ sich von der Musik leiten. Sie wiegte die Hüften und wölbte den Rücken. Ihr Gesichtsausdruck blieb ausdruckslos. Sie konzentrierte sich auf die Schatten im hinteren Teil des Raumes.

Sie hatte sich die Gesichter der Oberhäupter der Mafiafamilie eingeprägt. Spät abends studierte sie ihre Fotos. Sie wusste, nach wem sie suchen musste. Der Clubbesitzer war wie vom Erdboden verschluckt. Er zeigte sich nie. Der Mann, der den Laden tatsächlich leitete, war Leo. Er war der wichtigste Vollstrecker. Er verwaltete das Schwarzgeld. Er zahlte die Bestechungsgelder. Er kümmerte sich um die Probleme. Laut Polizeiakten vertraute er niemandem. Er lebte im Verborgenen. Er war kalt. Er war skrupellos. Er war dafür bekannt, Spione aufzuspüren.

Valeria wirbelte um die Stange. Sie wölbte den Rücken. Ihr Blick ging an den hellen Lichtern vorbei. Sie sah einen Balkon im zweiten Stock. Von dort hatte man einen guten Blick über den ganzen Club. Ein Mann stand am Geländer. Sein Gesicht lag im Schatten. Er trug ein dunkles Hemd. Er stand kerzengerade. Er trank nicht. Er sprach mit niemandem. Er beobachtete die Bühne. Er beobachtete sie.

Valeria spürte einen Schauer über den Rücken laufen. Die anderen Männer im Club musterten sie mit gierigen Blicken. Dieser Mann war anders. Er sah sie an, als wäre sie ein Rätsel. Er sah sie an, als wollte er sie auseinandernehmen und sehen, was in ihr steckte.

Sie zwang sich, wegzusehen. Sie lächelte einen Mann an, der in der Nähe der Bühne saß. Sie setzte ihre Choreografie fort. Das Lied schien ewig zu dauern. Ihre Muskeln brannten. Ihre Haut war schweißbedeckt. Endlich verklang die Musik. Valeria hielt inne. Sie atmete tief durch und senkte den Kopf. Die Männer klatschten und warfen zerknitterte Geldscheine auf die Bühne.

Valeria stieg schnell herunter. Sie hob das Geld auf. Sie wollte nur noch zurück in die Garderobe. Sie wollte sich das Gesicht waschen. Sie drehte sich um und wollte gehen.

Ein großer Mann stellte sich ihr in den Weg. Er versperrte ihr den Weg. Er hatte einen dicken Hals und eine flache Nase. Er trug einen billigen schwarzen Anzug. Er verschränkte die Arme vor der Brust.

„Für Ihre erste Nacht haben Sie sich gut geschlagen“, sagte der Mann. Seine Stimme war rau.

„Danke“, sagte Valeria. Sie versuchte, an ihm vorbeizugehen.

Er wich zurück und versperrte ihr erneut den Weg. „Sie sind noch nicht fertig. Kommen Sie mit.“

Valeria spürte, wie ihr das Herz in die Hose rutschte. „Wo gehen wir hin?“

„Nach oben“, sagte der Mann.

Valeria blickte auf. Der Balkon war leer. Der Mann im dunklen Hemd war verschwunden. Sie wusste genau, was oben war. Die Büros. Die Räume, in denen die eigentlichen Geschäfte stattfanden. Die Räume, in denen Menschen verschwanden.

Wussten sie es? Hatte sie einen Fehler gemacht? Sie versuchte, sich an jede ihrer Bewegungen zu erinnern. Sie versuchte sich zu erinnern, ob sie zu angespannt gewirkt hatte. Sie war unbewaffnet. Sie hatte keine Unterstützung. Wenn sie wussten, dass sie Polizistin war, würde sie dieses Gebäude nicht lebend verlassen.

Sie hatte keine Wahl. Sie nickte und folgte dem großen Mann. Sie gingen durch eine versteckte Tür in der Nähe der Bar. Sie stiegen eine dunkle Holztreppe hinauf. Die Musik verstummte. Die Stille war bedrückend. Oben angekommen, war der Flur leer. Am Ende befand sich nur eine Tür. Sie war aus dickem Eichenholz.

Der große Mann öffnete die Tür. Er trat zur Seite. Er bedeutete ihr, einzutreten.

Valeria holte tief Luft. Sie betrat den Raum. Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss. Der Raum war dunkel. Eine einzelne Lampe leuchtete auf einem großen Holzschreibtisch. Ein Mann saß in einem Ledersessel hinter dem Schreibtisch. Es war der Mann vom Balkon. Leo.

Er beugte sich ins Licht. Seine Augen waren dunkel und stechend. Er lächelte nicht. Er stützte die Hände auf den Schreibtisch. Direkt neben seiner rechten Hand lag eine schwarze Pistole.

 Er sah Valeria lange an. Stille breitete sich zwischen ihnen aus.

„Du hast ein sehr hübsches Gesicht“, sagte Leo. Seine Stimme war leise und sanft. „Es ist schade.“

Valeria erstarrte. „Schade?“

Leo nahm die Pistole. Er richtete sie direkt auf ihre Brust.

„Ja“, sagte er. „Es ist schade, dass du mich anlügst.“

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