ANMELDENDas schwarze Metall der Pistole fing das schwache Licht ein. Valeria rührte sich nicht. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen wie ein gefangener Vogel. Sie zwang sich zu einem ausdruckslosen Gesicht. Sie durfte keine Angst zeigen. Angst bedeutete Schuld. Sie betrachtete die Waffe. Dann sah sie ihm in die Augen. Leo erwiderte ihren Blick. Er wirkte völlig entspannt. Er sah aus wie ein Mann, der jeden Tag Menschen erschoss. Die Stille im Raum war erdrückend. Sie musste ihm antworten. Sie musste mitspielen. Sie atmete kurz aus. Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
„Lüge ich dich an?“, fragte Valeria. Ihre Stimme klang genervt, nicht ängstlich. „Ich kenne dich gar nicht.“
„Mein Name ist Leo.“ Er senkte die Pistole nicht. „So viel weißt du.“
„Ich weiß, dass du die Gehaltsschecks unterschreibst.“ Sie verlagerte ihr Gewicht auf ein Bein. „Ich weiß, dass du die Tanzfläche leitest.“ „Ich weiß nicht, warum du eine Pistole auf eine Tänzerin richtest.“ „Wenn du willst, dass ich gehe, sag es mir einfach.“
Leo neigte den Kopf. Seine dunklen Augen suchten ihr Gesicht ab. Er suchte nach einem Riss. Nach einem Zeichen, dass sie Polizistin war. Sie gab ihm nichts.
„Du bist nicht wie die anderen Mädchen“, sagte er. „Du betrachtest das Geld nicht mit gierigen Augen.“ „Du beobachtest die Ausgänge.“ „Du behältst die Türen im Auge.“ „Du beobachtest meine Männer.“
Valeria behielt ihr Gesicht völlig ausdruckslos. Er war sehr intelligent. Sie musste ihr Verhalten erklären.
„Ich bin in einem üblen Viertel aufgewachsen“, log sie. „Man lernt, die Ausgänge im Auge zu behalten.“ „Man lernt, die großen Männer in billigen Anzügen im Auge zu behalten.“ „So überlebt man.“ „So vermeidet man Verletzungen.“ „Ich bin vorsichtig.“ „Ist Vorsicht in diesem Club ein Verbrechen?“
Leo hielt die Waffe weitere fünf Sekunden erhoben. Die Zeit fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Valeria blinzelte nicht. Sie starrte ihn direkt an. Sie kanalisierte all die Wut, die sie über den Verlust ihrer Dienstmarke empfand. Sie ließ diese Wut in ihren Augen aufblitzen. Schließlich senkte Leo die Pistole. Er legte sie zurück auf den massiven Holzschreibtisch und lehnte sich in seinem Ledersessel zurück.
„Vielleicht bist du einfach nur vorsichtig“, sagte er leise. „Oder vielleicht läufst du vor etwas weg.“ „Wir alle haben eine Vergangenheit.“
Valeria entspannte ihre Schultern ein wenig.
„Ich brauche diesen Job“, sagte sie. „Ich habe Schulden zu begleichen.“ „Ich will keinen Ärger.“
„Ärger ist das Einzige, was wir hier bieten“, erwiderte Leo. Er öffnete eine kleine Schublade in seinem Schreibtisch und zog einen dicken Stapel grüner Geldscheine heraus. Er warf ihn auf das dunkle Holz. Es war mehr Geld, als sie in einem Monat als Polizistin verdiente.
„Du hast bewiesen, dass du Rückgrat hast“, sagte er zu ihr. „Die meisten Mädchen würden weinen und betteln.“ „Du hast direkt in den Lauf geschaut.“ „Ich kann ein Mädchen mit Rückgrat gebrauchen.“
Valeria betrachtete das Geld.
„Was soll ich tun?“ „Ich bin Tänzerin“, fragte sie. „Ich bin keine Mörderin.“
„Ich habe genug Killer“, sagte Leo. Er nahm die Pistole und steckte sie in seine Jacke. „Ich brauche jemanden, der mich an Orte bringen kann, an die ich nicht kann.“ „Ich brauche jemanden, der lächeln und Türen öffnen kann.“ „Ein hübsches Mädchen kommt an Wachleuten vorbei.“ „Ein hübsches Mädchen ist unsichtbar.“
Er stand auf. Er war sehr groß. Er ging um den Schreibtisch herum. Direkt vor ihr blieb er stehen. Er roch nach teurem Parfüm und Gefahr.
„Du wirst weiterhin tanzen“, sagte er. „Aber du wirst auch kleinere Aufträge für mich erledigen.“ „Lieferungen.“ „Informationen.“ „Wenn du dich gut anstellst, verdienst du genug Geld, um unterzutauchen.“
„Und wenn ich Nein sage?“, fragte Valeria. Sie kannte die Antwort bereits.
Leo lächelte zum ersten Mal. Es war ein kaltes Lächeln. Es erreichte nicht seine dunklen Augen.
„Niemand sagt Nein zu mir“, sagte er. „Nicht zweimal.“ Er griff in seine Tasche. Er zog ein kleines schwarzes Handy heraus. Er hielt es ihr hin. „Nimm das“, befahl er. „Lass es aufladen.“ „Bewahre es immer in deiner Nähe auf.“ „Wenn es klingelt, geh ran.“
Valeria nahm das Telefon. Das Plastik fühlte sich kalt auf ihrer warmen Haut an.
„Dein erster Auftrag beginnt jetzt.“ Leo trat zurück. „Ich brauche dich, um ein kleines Päckchen zuzustellen.“ „Es ist sehr wichtig.“ „Öffne es nicht.“ „Stell keine Fragen dazu.“
Er nahm eine kleine braune Schachtel von seinem Schreibtisch und legte sie ihr in die Hände. Die Schachtel war leicht und mit einer dunklen Schnur verschnürt.
„Wohin soll ich das bringen?“, fragte Valeria. Ihre Gedanken rasten. Sie musste ihrem Kontaktmann bei der Polizei von diesem Treffen berichten. Sie musste ihnen sagen, dass sie Kontakt zum Ziel aufgenommen hatte.
„Drei Blocks weiter ist ein Hotel“, sagte Leo. „Das Grand Hotel.“ „Zimmer 402.“ „Geh sofort dorthin.“ „Klopf dreimal.“
Valeria nickte.
„Bring es einfach vorbei“, bestätigte sie. „Nur eine Lieferung.“
„Ja.“ Leo verschränkte die Arme. „Gib es dem Mann drinnen.“ „Gib es ihm persönlich.“ „Niemandem sonst.“
Valeria drehte sich um. Sie ging auf die schwere Eichentür zu. Sie legte die Hand auf den Messinggriff. Erleichterung durchströmte sie. Sie hatte die Prüfung überstanden. Sie würde den Raum lebend verlassen. Sie öffnete die Tür. Sie trat in den stillen Flur.
„Oh, und Valeria?“, rief Leo hinter ihr.
Sie erstarrte im Türrahmen. Sie hatte ihm nicht ihren richtigen Namen genannt. Sie hatte sich mit einem falschen Namen für diesen Job beworben. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Langsam drehte sie den Kopf. Leo stand mitten im dunklen Raum. Er hielt ein kleines Metallabzeichen hoch. Es war ihre alte Polizeimarke.
„Richten Sie Ihrem Captain meine Grüße aus.“ Er lächelte aus dem Schatten. „Richten Sie ihm aus, dass sein Plan gescheitert ist, bevor er überhaupt begonnen hat.“ Die schwere Eichentür knallte zu.
Die laute Stimme hallte in der dunklen Gasse wider. Valeria erstarrte. Ihre kleine Hand lag fest in seinem warmen Griff. Sie blickte über seine Schulter. Ein Mann stand am Straßenrand. Er hielt eine helle Taschenlampe. Er trug eine blaue Uniform. Es war ein junger Polizist. Er sah nicht wie einer dieser Bösewichte aus. Er wirkte verängstigt. Er leuchtete in die Schatten. Der Lichtstrahl verfehlte sie nur um Haaresbreite. Valeria hielt den Atem an. Leo zog sie eng an sich. Er brachte sie hinter einen großen Metallkasten. Er blieb stehen.Der Kies knirschte unter seinen schweren schwarzen Stiefeln. Valeria schloss die Augen fest. Sie hörte ihr Herz rasen. Leo gab keinen Laut von sich. Er legte seinen rechten Arm um ihre Taille. Mit der linken Hand griff er in seine dunkle Jacke. Er zog seine schwarze Pistole heraus. Der junge Polizist blieb stehen. Er richtete seine helle Taschenlampe auf die Straße. Jemand rief seinen Namen von der Hauptstraße. Es war Captain Harris. Der junge Polizist
Das laute Klingeln des schwarzen Telefons durchbrach die bedrückende Stille des Hotelzimmers. Valeria fixierte die Pistole in der Hand ihres ehemaligen Chefs. Captain Harris schoss nicht. Das plötzliche Geräusch hatte ihn überrascht. Er blickte auf den hellen Bildschirm. Valeria wusste, dass Leo am anderen Ende der Leitung war. Sie holte tief Luft. Ihre Gedanken rasten. Sie hatte keine Waffe und keine Unterstützung. Sie behielt die Fassung. Der Mann, der ihr das Gesetz beigebracht hatte, wollte nun ihr Leben beenden. Die Welt fühlte sich kalt und dunkel an.Das Telefon klingelte einen kurzen Moment lang nicht. Dann klingelte es erneut. Der Klang hallte von den schmutzigen Wänden wider. Harris umklammerte seine Waffe fester. Er sah Valeria mit kalten Augen an. Er hob den Lauf auf ihre Brust. Sie wich ängstlich zurück. Sie stieß gegen die Kante eines Holztisches. Ihre Hand berührte einen schweren Glasaschenbecher. Es war ihre einzige Chance. Der dunkle Raum roch nach altem Rauch und tie
Die schwere Eichentür hallte im stillen Flur wider. Valeria starrte auf das glatte Holz. Ihr Kopf war wie leergefegt. Ihre Brust fühlte sich eng an. Sie bekam keine Luft. Leo wusste es. Er hatte ihre Marke. Er wusste, dass sie Polizistin war. All ihre Pläne waren zunichte. Sie saß in der Falle. Sie blickte auf ihre Hände. Sie hielt die kleine braune Schachtel und das schwarze Telefon. Ihre Finger zitterten. Warum hatte er sie den Raum verlassen lassen? Warum hatte er sie nicht gleich dort getötet? Er wollte ein Spiel spielen. Er wollte sehen, was sie tun würde.Sie drehte sich um und ging die Treppe hinunter. Die Musik aus dem Club drang wieder an ihre Ohren. Der dröhnende Bass hämmerte gegen ihre Haut. Sie ging durch die versteckte Tür zurück in den Hauptraum. Blinkende rote Lichter blendeten sie einen Moment lang. Männer lachten und tranken an ihren Tischen. Sie ahnten nicht, dass ein Raubtier sie aus den Schatten im Obergeschoss beobachtete. Sie musste das Gebäude verlassen. Sie mu
Das schwarze Metall der Pistole fing das schwache Licht ein. Valeria rührte sich nicht. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen wie ein gefangener Vogel. Sie zwang sich zu einem ausdruckslosen Gesicht. Sie durfte keine Angst zeigen. Angst bedeutete Schuld. Sie betrachtete die Waffe. Dann sah sie ihm in die Augen. Leo erwiderte ihren Blick. Er wirkte völlig entspannt. Er sah aus wie ein Mann, der jeden Tag Menschen erschoss. Die Stille im Raum war erdrückend. Sie musste ihm antworten. Sie musste mitspielen. Sie atmete kurz aus. Sie verschränkte die Arme vor der Brust.„Lüge ich dich an?“, fragte Valeria. Ihre Stimme klang genervt, nicht ängstlich. „Ich kenne dich gar nicht.“„Mein Name ist Leo.“ Er senkte die Pistole nicht. „So viel weißt du.“„Ich weiß, dass du die Gehaltsschecks unterschreibst.“ Sie verlagerte ihr Gewicht auf ein Bein. „Ich weiß, dass du die Tanzfläche leitest.“ „Ich weiß nicht, warum du eine Pistole auf eine Tänzerin richtest.“ „Wenn du willst, dass ich gehe, sag es mir
Der wuchtige Bass der Musik ließ die Dielen unter Valeria Cruz erzittern. Sie saß vor dem gesprungenen Spiegel in der Umkleidekabine. Der Duft von süßem Parfüm und starkem Haarspray erfüllte den engen Raum. Drei andere Mädchen standen in der Nähe. Sie lachten und rückten ihre bunten Kostüme zurecht. Valeria betrachtete ihr Spiegelbild. Sie trug ein enges rotes Kleid, besetzt mit kleinen, funkelnden Steinchen. Es fühlte sich eng und unbequem an. Sie zwang sich zu einem tiefen, langsamen Atemzug. Die Wände der Umkleidekabine waren mit verblassten Postern bedeckt. Der Boden war klebrig. Die Luft war heiß.Vor drei Monaten trug sie noch eine Polizeiuniform. Sie patrouillierte durch die hellen Straßen. Sie half Menschen. Sie hatte einen Partner, dem sie vertraute. Sie trug eine Dienstmarke. Sie war stolz. Ein einziger Fehlgriff veränderte ihr Leben. Eine falsche Tür. Ein Verdächtiger, der entkam. Sie nahmen ihr die Marke ab. Sie nahmen ihr die Karriere. Sie wandten sich von ihr ab. Jetzt h







