VERFÜHRUNG IM PENTHOUSE  Ein Vertrag fürs Leben

VERFÜHRUNG IM PENTHOUSE Ein Vertrag fürs Leben

last update最後更新 : 2026-07-29
作者:  Megan Reed 剛剛更新
語言: Deutsch
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故事簡介

Modern

Suspense

Süße Romanze

Arrogant

Intelligent

CEO

Vertragsehe

Arrangierte Ehe

Plot Twist

Als die junge Architektin Lena Hartmann aus Verzweiflung einen exklusiven Vertrag mit dem berüchtigten Milliardär Adrian Blackwood unterschreibt, ahnt sie nicht, dass sie damit nicht nur ihre Freiheit, sondern auch ihr Herz verkauft. Adrian, ein Mann, der durch Verrat seine Fähigkeit zu lieben verloren hat, bietet ihr das an, was sie am dringendsten braucht: die Rettung ihrer sterbenden Mutter. Im Gegenzug verlangt er ihre Loyalität und ein Jahr an seiner Seite. Doch hinter den verschlossenen Türen seines Penthouses entbrennt eine Leidenschaft, die keiner von ihnen kontrollieren kann. Während dunkle Geheimnisse ans Licht kommen, eine rachsüchtige Ex-Verlobte ihren Frieden bedroht und die Vergangenheit beide einzuholen droht, müssen Lena und Adrian erkennen, dass wahre Liebe niemals Teil eines Vertrags sein kann. Zwischen Macht, Verrat und verbotenen Gefühlen steht ihnen nur eine Frage bevor: Kann Liebe selbst den teuersten Vertrag der Welt brechen?

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第 1 章

DAS ERSTE ABENDESSEN UND DIE ERSTE LÜGE

Das Abendessen fand in einem Raum statt, den Lena bei ihrer Ankunft nicht bemerkt hatte. Er lag jenseits der großen offenen Fläche, verborgen hinter einer Schiebetür aus dunklem Holz, die sich lautlos öffnete, als sie sich näherte. Der Raum war kleiner als der Rest des Penthouses, aber nicht weniger beeindruckend. Ein langer Tisch aus schwarzem Marmor, umgeben von Stühlen, die wie Skulpturen wirkten, und an einer Wand ein Gemälde, das Lena einen Moment lang den Atem raubte. Es zeigte eine Frau in einem weißen Kleid, die in einem Garten stand, den Rücken zum Betrachter, das Haar im Wind. Es war keine moderne Kunst, nicht das Kalte und Abstrakte, das sie erwartet hatte. Es war etwas Romantisches, Fast Melancholisches, und es passte so gar nicht zu dem Mann, der am Kopfende des Tisches saß.

Adrian Blackwood hatte den Anzug gegen ein schwarzes Hemd und eine dunkle Hose getauscht. Die Ärmel waren hochgekrempelt, und Lena sah zum ersten Mal die Narben an seinen Unterarmen. Feine, silberne Linien, die wie ein Netz über seine Haut verliefen. Sie wich nicht aus, als sie sie bemerkte, sondern musterte sie mit dem gleichen klinischen Interesse, mit dem er sie zuvor betrachtet hatte.

„Setzen Sie sich", sagte er, ohne aufzusehen. Er las etwas auf einem Tablet, seine Finger glitten über den Bildschirm, und Lena hatte den Eindruck, dass er ihre Anwesenheit kaum registrierte.

Sie zog einen Stuhl heraus, der schwerer war, als er aussah, und setzte sich. Der Tisch war für zehn Personen gedeckt, aber nur zwei Teller standen bereit. Ihrer und seiner, mit einem Abstand, der mehr als nur physische Distanz signalisierte.

„Sie haben den Vertrag gelesen", sagte er. Es war keine Frage.

„Ja."

„Und Sie verstehen die Bedingungen."

„Ich verstehe, dass Sie mich kaufen wollten, und ich verkauft habe." Lena hielt ihre Stimme ruhig, obwohl die Worte wie Gift auf ihrer Zunge schmeckten. „Ob ich die Bedingungen verstehe, ist eine andere Frage."

Er legte das Tablet beiseite und sah sie zum ersten Mal an. In dem gedämpften Licht des Raumes wirkten seine Augen dunkler, nicht mehr eisblau, sondern das Grau eines Wintermeeres vor dem Sturm.

„Erklären Sie mir, was Sie nicht verstehen", sagte er, und seine Stimme hatte diesen Ton, den sie bereits kannte. Den Ton eines Mannes, der es gewohnt war, dass man ihm gehorchte, aber der sie irgendwie herausforderte, es nicht zu tun.

Lena legte ihre Hände auf den Tisch, die Narbe an ihrer Handfläche sichtbar nun, da sie nichts mehr zu verbergen hatte. „Warum ich?"

Adrian hob eine Braue. „Das ist Ihre Frage?"

„Sie könnten jede Frau in dieser Stadt haben. Sie könnten eine haben, die diesen Vertrag mit Freuden unterschreibt, die sich freut, Ihr... Ihr Spielzeug zu sein." Das Wort brannte in ihrer Kehle. „Warum eine Frau, die Sie kaufen müssen?"

Er lehnte sich zurück, seine Finger um die Armlehnen des Stuhls gelegt, und musterte sie mit einem Ausdruck, den sie nicht deuten konnte. „Weil gekaufte Loyalität ehrlich ist", sagte er schließlich. „Weil eine Frau, die hier ist, weil sie es will, lügt. Sie lügt über ihre Gefühle, ihre Motivation, ihre Ziele. Sie spielt ein Spiel, und ich habe keine Lust, Spiele zu spielen."

„Und ich lüge nicht?"

„Sie haben keinen Grund zu lügen. Sie sind hier, weil Sie müssen. Das macht Ihre Reaktionen... vorhersehbar. Kontrollierbar." Er sagte das Wort mit einer Bitterkeit, die Lena überraschte. „Ich weiß, was Sie wollen. Sie wollen, dass Ihre Mutter lebt. Sie wollen Ihre Schulden loswerden. Sie wollen dieses Jahr überstehen und dann verschwinden. Das ist ehrlich. Das ist sicher."

Lena starrte ihn an, und zum ersten Mal sah sie etwas hinter der Fassade. Eine Wunde, tief vergraben, die er mit Geld und Macht zuzuschütten versuchte. „Sie wurden verletzt", sagte sie leise. Es war keine Frage.

Adrians Gesicht veränderte sich. Nicht viel, nur ein leises Zucken um die Mundwinkel, ein härteres Glitzern in den Augen. Aber Lena sah es, und sie wusste, dass sie einen Nerv getroffen hatte.

„Essen Sie", sagte er, und seine Stimme war wieder kalt, die Tür, die er einen Spaltbreit geöffnet hatte, schlug mit einem lauten Knall zu. „Das Essen wird kalt."

Die Tür zur Küche öffnete sich, und ein Mann in Kochkleidung trat heraus, einen Teller in jeder Hand. Er servierte schweigend, ohne sie anzusehen, und verschwand wieder. Das Essen war exquisit. Ein Filet, so zart, dass es sich mit der Gabel zerteilen ließ, dazu Gemüse, das so perfekt angerichtet war, dass es fast zu schade zum Essen war. Lena hatte seit Tagen nichts Richtiges gegessen, und ihr Magen knurrte verräterisch.

Sie aß, und Adrian aß, und zwischen ihnen herrschte ein Schweigen, das nicht komfortabel war, aber auch nicht feindselig. Es war das Schweigen zweier Menschen, die beide wussten, dass sie gefangen waren. In unterschiedlichen Käfigen, aber gefangen.

„Erzählen Sie mir von Ihrer Mutter", sagte Adrian plötzlich, und Lena erstarrte mit der Gabel auf halbem Weg zum Mund.

„Warum?"

„Weil ich zwei Millionen Euro für sie bezahle. Ich möchte wissen, wofür."

Lena senkte die Gabel. Sie dachte an Elena, an die Art und Weise, wie sie trotz der Schmerzen lächeln konnte, an die Geschichten, die sie erzählt hatte, wenn Lena als Kind nicht schlafen konnte. „Sie war Balletttänzerin", begann sie, und ihre Stimme war weicher, als sie beabsichtigt hatte. „Eine der besten in Deutschland. Sie hat auf Bühnen getanzt, von denen ich nur träumen kann. Dann kam ich, und sie gab alles auf. Für mich. Für ein kleines Mädchen, das nachts schrie und tagsüber nicht sprechen konnte."

„Nach dem Brand", sagte Adrian, und es war wieder keine Frage.

Lena nickte, überrascht, dass er es wusste. „Ich war vier. Ich erinnere mich kaum. Nur das Feuer, den Rauch, die Hände, die mich hochhoben." Sie sah auf ihre Handfläche, auf die silberne Narbe, die sich von ihrem Handgelenk bis zur Mitte zog. „Dann war mein Vater tot, und meine Mutter war nie mehr dieselbe. Sie hat nie geklagt. Nie gesagt, dass es meine Schuld war. Sie hat einfach... weiter gemacht. Arbeiten, um mich durchzubringen. Lächeln, damit ich nicht merkte, wie müde sie war. Tanzen, wenn sie dachte, ich schliefe."

Sie brach ab, überrascht von ihrer eigenen Offenheit. Sie hatte nicht vor gehabt, ihm etwas von sich zu erzählen. Der Vertrag verlangte ihre Anwesenheit, nicht ihre Geschichte.

Adrian hatte aufgehört zu essen. Er saß reglos, seine Augen auf ihr Gesicht geheftet, und in ihnen lag etwas, das Lena nicht deuten konnte. Etwas, das wie Schmerz aussah, aber das konnte nicht sein. Nicht bei diesem Mann.

„Und jetzt liegt sie im Krankenhaus", fuhr Lena fort, weil das Schweigen schlimmer war als die Worte. „Und die Krankheit frisst sie auf. Tag für Tag. Und ich kann nichts tun, außer zuzusehen, wie sie verschwindet."

„Also verkaufen Sie sich an einen Fremden."

„Also rette ich das Einzige, das mir noch etwas bedeutet." Lena hob das Kinn, und ihre Augen funkelten. „Sagen Sie mir, Herr Blackwood, was würden Sie tun? Wenn es jemanden gäbe, den Sie lieben, und die einzige Möglichkeit, ihn zu retten, wäre, alles aufzugeben, was Sie sind?"

Adrian stand abrupt auf, sein Stuhl kratzte über den Boden, und er ging zum Fenster. Der Rücken zu ihr, die Hände in den Taschen, und Lena sah, wie sich seine Schultern spannten unter dem Stoff seines Hemdes.

„Ich würde es tun", sagte er leise, so leise, dass sie ihn kaum verstand. „Ohne zu zögern. Ohne zu bereuen. Und ich würde danach leben, mit dem Wissen, dass ich für immer verloren bin."

Er drehte sich nicht um, und Lena wusste, dass das Gespräch beendet war. Sie aß zu Ende, obwohl sie keinen Hunger mehr hatte, und stand dann auf.

„Darf ich mich zurückziehen?"

Adrian nickte, immer noch mit dem Rücken zu ihr. „Morgen um neun. Mein Arbeitszimmer. Wir besprechen Ihre Aufgaben."

Lena ging, ihre Schritte lautlos auf dem weichen Teppich des Flurs. Sie erreichte ihr Zimmer, schloss die Tür, und lehnte sich dagegen, das Herz hämmerte in ihrer Brust.

Was war das eben gewesen? Für einen Moment hatte sie gesehen, dass hinter der eisernen Maske ein Mensch war. Ein gebrochener, verletzter Mensch, der vielleicht mehr mit ihr gemein hatte, als sie zugeben wollte.

Sie wechselte in einen Seidenmantel, den sie im Badezimmer gefunden hatte, und ging zum Fenster. Die Stadt schlief nicht, sie pulsierte unten in den Straßen, ein Organismus aus Licht und Bewegung. Irgendwo dort draußen war ihre Mutter, eingeschlossen in ein Krankenhauszimmer, kämpfend gegen einen Feind, den sie nicht sehen konnte.

Lena dachte an Adrians Worte. Ich würde danach leben, mit dem Wissen, dass ich für immer verloren bin. Was hatte er verloren? Wer hatte ihn verletzt?

Sie schlief schließlich ein, eingewickelt in die teure Seide, die nach fremden Parfüm roch. Und wieder träumte sie von Feuer, aber diesmal war der Junge mit den eisblauen Augen näher, und als er sie hochhob, flüsterte er Worte, die sie nicht verstand.

Als sie am nächsten Morgen erwachte, war das Sonnenlicht grell und unbarmherzig. Sie duschte, zog sich an – ein schlichtes graues Kleid aus dem Schrank, das perfekt passte – und machte sich auf den Weg zu Adrians Arbeitszimmer.

Sie fand es ohne Schwierigkeiten. Die Tür stand offen, und als sie eintrat, hielt sie inne. Der Raum war nicht das sterile Büro, das sie erwartet hatte. Ja, es gab einen riesigen Schreibtisch aus Glas, ja, es gab Monitore und Akten und alles, was ein Geschäftsmann brauchte. Aber es gab auch Bücher. Wände voller Bücher, von Boden bis Decke, in Regalen aus dunklem Holz. Architektur. Geschichte. Philosophie. Poesie. Ein Raum voller Gedanken, voller Ideen, voller eines Lebens, das nicht nur aus Zahlen und Verträgen bestand.

Adrian saß hinter dem Schreibtisch, telefonierte auf Russisch, wie sie vermutete, und winkte sie herein, ohne aufzusehen. Lena ging zu den Büchern, ließ ihre Finger über die Rücken gleiten, und blieb bei einem Band stehen. Die Architektur des Glücks. Ein Buch, das sie selbst besaß, das sie in ihrer Studentenzeit geliebt hatte, das sie in einem Umzugskarton verloren hatte.

„Sie kennen Alain de Botton?"

Adrians Stimme ließ sie zusammenfahren. Er hatte aufgelegt und sie beobachtete, die Ellbogen auf dem Tisch, das Kinn auf den verschränkten Händen.

„Er ist einer meiner Lieblingsautoren", sagte Lena vorsichtig. „Ich wusste nicht, dass Sie..."

„Dass ich was? Lesen? Gefühle haben?" Sein Ton war spöttisch, aber nicht bösartig. „Ich bin ein Monster, Fräulein Hartmann, kein Idiot. Monster lesen auch Bücher."

„Sie sind kein Monster", sagte Lena, bevor sie nachdenken konnte.

Adrian erstarrte. Für einen Moment war etwas in seinem Gesicht, das sie nicht deuten konnte, dann war es wieder verschwunden, ersetzt durch die kalte Maske.

„Setzen Sie sich", sagte er. „Wir haben viel zu besprechen."

Die nächsten Stunden vergingen in einer Mischung aus Anweisungen und Prüfungen. Adrian erklärte ihr, was er von ihr erwartete. Sie würde ihn bei Veranstaltungen begleiten, als seine Begleitung auftreten, die Rolle der Verlobten spielen, wenn es nötig war. Sie würde in seinem Penthouse wohnen, verfügbar sein, wenn er es wünschte. Sie würde seine Anrufe entgegennehmen, seine Termine koordinieren, seine Wünsche vorhersagen, bevor er sie äußerte.

„Und die Nacht?" fragte Lena, als er eine Pause machte.

Adrian sah sie an, und in seinen Augen lag etwas, das sie nicht lesen konnte. „Die Nacht gehört mir", sagte er leise. „Aber nicht auf die Weise, die Sie denken. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie. Der Vertrag gibt mir das Recht, nicht die Pflicht."

Lena nickte, unsicher, ob sie erleichtert oder enttäuscht sein sollte. Es war verwirrend, dieser Mann. Ein Moment lang schien er menschlich, der nächste war er wieder der eiskalte Geschäftsmann, der sie gekauft hatte.

„Es gibt eine Gala nächste Woche", fuhr Adrian fort. „Die jährliche Wohltätigkeitsveranstaltung der Blackwood Stiftung. Sie werden an meiner Seite erscheinen. Ein Designer wird morgen kommen, um Ihre Garderobe zu besprechen. Ein Friseur. Ein Stylist. Sie werden perfekt sein, Lena. Meine perfekte Begleitung."

„Und wenn ich es nicht sein will?"

„Dann sind Sie es trotzdem." Er stand auf, ging zum Fenster, und seine Stimme wurde weicher, fast traurig. „Das ist der Deal, den Sie eingegangen sind. Ein Jahr lang gehören Sie mir. Körper und Seele. Und am Ende..."

„Am Ende?"

Er drehte sich nicht um. „Am Ende gehen Sie. Mit zwei Millionen Euro und einer sauberen Weste. Und ich bleibe hier, mit meinem Geld und meiner Leere, und warte auf die nächste Verzweifelte, die mein Angebot annimmt."

Lena stand auf, ging zu ihm, und stand neben ihm am Fenster. So nah, dass sie seinen Duft riechen konnte. Sandelholz und etwas anderes, etwas Dunkleres. „Warum erzählen Sie mir das?"

Adrian drehte sich zu ihr, und zum ersten Mal war er nah genug, dass sie die feinen Linien um seine Augen sehen konnte, die graue Strähne in seinem Haar, die nicht zum Stil gehörte, sondern zum Alter. „Weil Sie die Wahrheit verdienen", sagte er. „Auch wenn sie hässlich ist. Auch wenn sie wehtut. Sie haben sich an mich verkauft, Lena, aber Sie verdienen es zu wissen, an wen."

Er hob die Hand, als wollte er sie berühren, zögerte, und ließ sie wieder sinken. „Gehen Sie jetzt. Ruhen Sie sich aus. Morgen beginnt Ihre Ausbildung."

Lena ging, aber an der Tür blieb sie stehen. „Herr Blackwood?"

„Adrian", korrigierte er sie sanft. „Wenn wir allein sind, nennen Sie mich Adrian."

„Adrian", wiederholte sie, und sein Name fühlte sich fremd an auf ihrer Zunge, wie eine Sprache, die sie längst vergessen hatte. „Warum Architektur? In Ihrem Büro. Die Bücher."

Er lächelte, und es war das erste ehrliche Lächeln, das sie an ihm sah. Es verwandelte sein Gesicht, machte ihn jünger, menschlicher, fast schön. „Weil ich einmal etwas anderes sein wollte", sagte er. „Etwas anderes als das, was mein Vater von mir verlangte. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag."

Lena verließ das Zimmer, ihre Gedanken wirbelten wie ein Sturm. Dieser Mann war nicht das Monster, für das sie ihn gehalten hatte. Oder er war mehr als das. Ein Monster mit einem menschlichen Gesicht, ein Teufel mit Engelsflügeln, ein Mann, der Bücher über das Glück las, während er Frauen kaufte.

Sie verbrachte den Rest des Tages in ihrem Zimmer, las in einem der Bücher, die sie aus seiner Bibliothek geliehen hatte, und versuchte, ihn zu verstehen. Doch je mehr sie las, desto weniger verstand sie. Adrian Blackwood war ein Rätsel, eingewickelt in ein Geheimnis, versteckt hinter einer Mauer aus Geld und Macht.

Am Abend, als die Sonne unterging und das Penthouse in goldenes Licht tauchte, klopfte es an ihre Tür. Lena öffnete, und ein junger Mann stand vor ihr, lächelnd, mit einem Kleidersack über der Schulter.

„Fräulein Hartmann? Ich bin Felix, Ihr Stylist. Herr Blackwood hat mich geschickt, um Ihre Garderobe für die Gala zu besprechen."

Lena ließ ihn ein, und Felix breitete eine Auswahl an Kleidern auf ihrem Bett aus. Seide, Samt, Chiffon. Farben, die sie nie trug. Smaragdgrün. Rubinrot. Saphirblau. Und dann, zum Schluss, ein Kleid in einem Ton, der sie zum Staunen brachte. Gold. Nicht das protzige Gold einer Trophäe, sondern das warme, lebendige Gold eines Sonnenuntergangs.

„Herr Blackwood hat dieses speziell ausgewählt", sagte Felix, als er bemerkte, dass sie darauf starrte. „Er sagte, es würde Ihre Augenfarbe betonen."

Lena berührte den Stoff, und er war so weich wie ein Flügelschlag. „Meine Augen sind braun", sagte sie verwirrt.

Felix lächelte geheimnisvoll. „Herr Blackwood sagte, Sie würden es verstehen, wenn Sie es anhaben."

Als Felix gegangen war, probierte Lena das goldene Kleid an. Es passte wie angegossen, als hätte es jemand für sie genäht, nicht nur in ihrer Größe, sondern in ihrer Form, ihrer Bewegung, ihrer Art zu sein. Sie drehte sich vor dem Spiegel, und als das Licht einfiel, sah sie es. Ihre Augen waren nicht braun. Nicht in diesem Kleid. Sie waren Bernstein, gold durchzogen, mit Funkeln, das sie nie zuvor bemerkt hatte.

Sie dachte an Adrians Worte. Es würde Ihre Augenfarbe betonen. Wie konnte er das wissen? Wie konnte er etwas über sie wissen, das sie selbst nicht wusste?

Lena zog das Kleid aus, legte es sorgfältig über einen Stuhl, und setzte sich auf das Bett. Draußen war es nun dunkel, die Stadt ein Meer aus Lichtern, und sie fühlte sich plötzlich sehr allein, sehr verloren, sehr gefangen.

Sie griff nach ihrem Handy, das sie seit gestern nicht mehr benutzt hatte, und rief das Krankenhaus an. Dr. Brenner meldete sich, und seine Stimme war erleichtert.

„Fräulein Hartmann, ich habe gute Nachrichten. Die Zahlung für die erste Behandlung ist eingegangen. Ihre Mutter kann morgen mit dem neuen Therapiezyklus beginnen."

Lena schloss die Augen, und Tränen der Erleichterung liefen über ihre Wangen. „Wie geht es ihr?"

„Sie ist schwach, aber ihr Geist ist stark. Sie hat nach Ihnen gefragt."

„Sagen Sie ihr... sagen Sie ihr, ich bin in einer wichtigen Geschäftsreise. Sagen Sie ihr, ich liebe sie. Und sagen Sie ihr, dass sie kämpfen soll. Für mich."

„Das werde ich, Fräulein Hartmann. Und... Glückwunsch zu Ihrem neuen Arbeitgeber. Herr Blackwood hat persönlich die besten Spezialisten angefordert. Ihre Mutter ist in den besten Händen."

Lena legte auf und starrte auf das Telefon. Er hatte persönlich die besten Spezialisten angefordert. Nicht nur bezahlt, sondern sich bemüht. Warum? Was trieb diesen Mann an?

Sie schlief nicht gut in dieser Nacht. Sie träumte von dem goldenen Kleid, von Adrians Augen, von einem Lächeln, das nicht zu ihm passen wollte. Und sie träumte von einer Stimme, die in der Dunkelheit flüsterte: Ich habe dich gefunden. Endlich.

Als sie am nächsten Morgen erwachte, war ein Brief auf ihrem Nachttisch. Kein Umschlag, nur ein gefaltetes Blatt Papier, in einer Handschrift, die sie nicht kannte.

Lena,

Die Gala ist in drei Tagen. Bis dahin werden Sie lernen, wie man sich in meiner Welt bewegt. Es wird hart sein. Es wird wehtun. Aber Sie werden überleben, weil Sie stark sind. Stärker, als Sie denken.

Und noch etwas. Die Narbe an Ihrer Hand. Sie stammt nicht nur vom Brand. Sie stammt von etwas, das Sie vergessen haben. Etwas, das ich Ihnen eines Tages zeigen werde, wenn Sie bereit sind.

Adrian

Lena las den Brief dreimal. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust, und ihre Hand zitterte, als sie die Narbe betrachtete. Was meinte er? Was hatte sie vergessen?

Sie zog sich an, ging aus ihrem Zimmer, und fand Adrian in der großen Halle, beim Frühstück. Er sah auf, als sie eintrat, und sein Blick fiel auf den Brief in ihrer Hand.

„Sie haben gelesen", sagte er.

„Was wissen Sie über meine Narbe?"

Adrian legte seine Gabel beiseite und stand auf. Er ging zu ihr, so nah, dass sie seinen Atem spüren konnte, und nahm ihre Hand. Seine Finger waren warm, rau, und als er ihre Handfläche öffnete und die Narbe berührte, lief ein Schauer über Lenas Rücken.

„Ich weiß alles über Sie, Lena", sagte er leise. „Mehr, als Sie von sich selbst wissen. Und eines Tages, wenn die Zeit reif ist, werde ich es Ihnen zeigen. Aber nicht heute. Heute lernen Sie, wie man tanzt."

„Tanzt?"

„Eine Gala ohne Tanz ist wie ein Vertrag ohne Klauseln. Sinnlos." Er lächelte, und es war das Lächeln von gestern, das menschliche, das verwundbare. „Kommen Sie, Lena. Lassen Sie mich Ihnen beibringen, wie man in meiner Welt überlebt."

Er führte sie in einen Raum, den sie noch nicht gesehen hatte. Einen Ballsaal, klein, aber perfekt, mit einem Parkettboden und einem Kronleuchter, der wie ein Wasserfall aus Licht wirkte. Musik erfüllte den Raum, etwas Klassisches, etwas Trauriges, etwas Schönes.

Adrian legte eine Hand auf ihre Taille, die andere nahm ihre Hand, und er begann, sie zu führen. Lena kannte die Grundschritte, aber mit ihm war es anders. Er bewegte sich mit einer Anmut, die nicht zu seinem Image passte, einer Leichtigkeit, die sie überraschte. Sie folgte ihm, zuerst zögernd, dann sicherer, und als die Musik schneller wurde, vergaß sie, wer er war, vergaß sie, was sie getan hatte, und war einfach nur eine Frau, die mit einem Mann tanzte.

„Sie sind gut", sagte er, als die Musik verebbte.

„Sie auch. Überraschend gut."

Er lachte, dieses kurze, ehrliche Lachen, das sie bereits liebte und hasste zugleich. „Ich hatte eine gute Lehrerin. Meine Mutter. Sie war Tänzerin, wie Ihre. Bevor..."

Er verstummte, und die Dunkelheit kehrte in seine Augen zurück.

„Bevor was?"

Adrian ließ sie los, trat zurück, und seine Maske war wieder da, unverrückbar, unerreichbar. „Bevor mein Vater sie zerstört hat", sagte er, und seine Stimme war so kalt, dass Lena fröstelte. „So wie er alles zerstört, was ich liebe."

Er ging zur Tür, blieb dort stehen, und drehte sich nicht um. „Die Gala ist in drei Tagen, Lena. Bereiten Sie sich vor. Und denken Sie daran: In meiner Welt lächelt man, auch wenn man blutet. Vor allem dann."

Er ging, und Lena stand allein in dem Ballsaal, die Musik noch in ihren Ohren, sein Duft noch in ihrer Nase, seine Worte noch in ihrem Herzen. So wie er alles zerstört, was ich liebe.

Was hatte er geliebt? Wen? Und warum erzählte er ihr das?

Sie verließ den Ballsaal, ging zurück in ihr Zimmer, und setzte sich ans Fenster. Draußen breitete sich die Stadt aus, unendlich und gleichgültig, und Lena wusste, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Nicht der Vertrag. Nicht das Verkaufen ihrer Seele.

Der Fehler war, dass sie ihn menschlich finden wollte. Dass sie ihn verstehen wollte. Dass sie, trotz allem, was sie wusste, anfing, ihn zu mögen.

Und das war gefährlicher als jeder Vertrag, gefährlicher als jede Klausel, gefährlicher als alles, was sie je getan hatte.

Denn in drei Tagen würde sie an seiner Seite erscheinen, seine perfekte Begleitung, seine gekaufte Braut. Und die Welt würde sie sehen, beurteilen, verurteilen. Aber das Schlimmste war: Lena wusste nicht mehr, ob sie nur spielte, oder ob sie bereits verloren hatte.

Sie schlief ein, den Brief in der Hand, und träumte von einem Jungen mit eisblauen Augen, der sie aus dem Feuer trug und dann in der Dunkelheit verschwand. Aber diesmal, in diesem Traum, drehte er sich um, und sie sah sein Gesicht.

Es war Adrian.

Und als sie am nächsten Morgen erwachte, war das Bild so klar in ihrem Kopf, dass sie für einen Moment glaubte, es sei eine Erinnerung, kein Traum. Doch das war unmöglich. Sie hatte den Jungen aus der Brandnacht nie gesehen. Er war ein Schatten gewesen, eine Stimme, Hände, die sie hoben und dann verschwanden.

Oder?

Lena stand auf, ging zum Fenster, und sah, wie Adrian unten auf der Straße in einen schwarzen Wagen stieg. Er sah zu ihrem Fenster hoch, obwohl er sie nicht sehen konnte, und für einen Sekundenbruchteil hob er die Hand. Nicht winken. Etwas anderes. Eine Geste, die sie nicht verstand.

Dann war er weg, eingeschlossen in sein Auto, in seine Welt, in sein Geheimnis.

Und Lena wusste, dass sie nicht ruhen würde, bis sie herausgefunden hatte, was er vor ihr verbarg. Denn in dieser Nacht, in diesem Traum, hatte sie etwas gesehen, das sie erschütterte.

In Adrians Augen, als er sie aus dem Feuer trug, war nicht Angst gewesen. Nicht Heldenmut. Sondern

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