Im Wochenbett allein, jetzt betreust du?

Im Wochenbett allein, jetzt betreust du?

Oleh:  Lina WaldrehOngoing
Bahasa: Deutsch
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Fünf Jahre lang war Esme Callahan die perfekte Frau an Travis Pembrokes Seite. Doch an dem Tag, an dem ihre Tochter einen Monat alt wurde, wachte sie endlich auf. Ihr Ehemann Travis schenkte all seine Zärtlichkeit seiner ersten Liebe. Von Esme verlangte er dagegen nur Vernunft, Geduld und Stärke. Vor aller Augen stieß sie den Tisch um. „Scheidung! Fünf Jahre lang habe ich das ertragen. Jetzt ist Schluss!“ Doch Travis lachte nur kalt. „Seit wann bist du so kleinlich? Kaum streiten wir, drohst du schon mit Scheidung.“ Erst als Esme spurlos verschwand, begriff er, dass seine Welt ohne sie nicht mehr dieselbe war. Nichts lief mehr wie früher. Drei Jahre später trafen sie sich auf einem internationalen Gipfel wieder. Diesmal betrat Esme den Saal nicht mehr als Frau Pembroke, sondern als gefeierte Stararchitektin. In dem Moment, in dem sie erschien, richteten sich alle Blicke auf sie. Vor laufenden Kameras sank Travis vor ihr auf die Knie und flehte sie an, zu ihm zurückzukehren. Doch Esme lächelte nur. Dann hakte sie sich bei einem anderen Mann ein und ging an Travis vorbei, als wäre er nur ein Fremder. Später erhielt Travis eine Einladung mit goldgeprägter Schrift. Auf der Karte trug die Braut ein weißes Kleid und lehnte sich glücklich an seinen besten Freund. Mit geröteten Augen stürmte Travis in den Hochzeitssaal. Doch alles, was er hörte, war Esmes leise Stimme. „Travis, immer vernünftig zu sein, ist einfach zu anstrengend. Ab jetzt will ich nur noch für mich selbst leben.“

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Bab 1

Kapitel 1

„Schatz, unsere Kleine ist heute einen Monat alt. Kannst du uns abholen?“

Esme hielt ihre Tochter im Arm. Das Baby war fest in eine weiche Decke gewickelt. Ihre Stimme klang ruhig, doch in ihr lag eine vorsichtige, beinahe ängstliche Erwartung.

Am anderen Ende der Leitung blieb Travis’ Stimme vollkommen gleichmäßig. Keine Wärme. Keine Spur von Freude.

„Mir ist kurzfristig etwas dazwischengekommen. Ich schicke den Fahrer. Er bringt dich und das Baby nach Hause.“

Während der Geburt war Travis nicht bei ihr gewesen. Auch in dem ganzen Monat danach tauchte er kein einziges Mal auf. Angeblich hatte er immer dringende Arbeit.

Heute war ihre Tochter einen Monat alt. Esme durfte endlich das Wochenbett verlassen.

Und trotzdem kam er wieder nicht.

Ein bitterer Schmerz stach ihr ins Herz. Sie presste die Lippen aufeinander und zwang die Tränen zurück.

„... Schon gut. Verstanden.“

„Esme, du warst immer unabhängig. Ich bin sicher, so eine Kleinigkeit wie eine Geburt bekommst du auch allein hin. Du schaffst das. Du bist die beste Mutter.“

Nach diesen Worten legte Travis auf.

Dieser Ton traf Esme tiefer als jede Beleidigung. Er klang nicht wie ein Ehemann, der seine Frau tröstete. Er klang wie ein Vorgesetzter, der einer tüchtigen Mitarbeiterin auf die Schulter klopfte.

In diesem Moment rief Travis’ Freund Owen Wainscott an.

„Esme, heute Abend ist mir leider etwas dazwischengekommen. Tut mir wirklich leid. Ich kann nicht zur Einmonatsfeier im Hotel Sternenglanz kommen. Glückwunsch zu eurem Sohn!“

Einmonatsfeier?

Sohn?

Esme verstand kein Wort. Sie wollte gerade nachfragen, doch Owen hatte bereits aufgelegt.

Kurz darauf ertönte ein leiser Ton auf WhatsApp. Owen schickte ihr 8.888 Yuan als Geschenk. Keine Minute später zog er die Überweisung hastig zurück.

[Tut mir leid, Esme. Ich habe mich vertan. Nicht du hast das Kind bekommen.]

Gleich darauf schickte Owen eine Sprachnachricht und entschuldigte sich. Danach folgten mehr als ein Dutzend unterwürfige Entschuldigungssticker.

Doch gerade diese kleinen Figuren, die sich immer wieder verbeugten, ließen Esmes Herz sinken.

Ein schrecklicher Verdacht kroch in ihr hoch.

Um elf Uhr mittags stand Esme pünktlich vor dem großen Festsaal des Hotels Sternenglanz in Falkenstadt. Sie trug eine schwarze Daunenjacke, eine Mütze und eine Maske.

Vor dem Saal herrschte reges Treiben. Gäste kamen und gingen.

Am Eingang stand ein riesiges Babyplakat. Darauf stand: „Einmonatsfeier von Cole Quarles“.

Die Gäste, die den Saal betraten, kannte Esme nicht.

Für einen Moment glaubte sie, alles sei nur ein Missverständnis. Erleichterung stieg in ihr auf. Sie wollte sich gerade umdrehen und gehen.

Doch genau da hörte sie hinter sich eine vertraute Stimme.

„Du hast das Wochenbett gerade erst hinter dir. Sei brav und gib mir das Kind. Warte nur. Ich habe ein richtig großes Geschenk für ihn vorbereitet.“

Esmes Schritte erstarrten.

Ruckartig drehte sie sich um.

Nicht weit von ihr entfernt nahm ein Mann gerade ein rundes, hellhäutiges Baby aus den Armen einer Frau.

Dieser Mann war Travis.

Ihr Travis.

Der Ehemann, der einen ganzen Monat lang aus ihrem Leben verschwunden war.

Esmes Blut schien in diesem Augenblick zu gefrieren. Sie riss ungläubig die Augen auf.

Die Frau sprach mit süßer, koketter Stimme.

„Travis, du bist so gut zu mir und Cole. Während der ganzen Schwangerschaft warst du an meiner Seite. Du hast mir ständig etwas Leckeres gekocht. Sogar bei der Geburt hast du die ganze Zeit vor dem Kreißsaal gewartet. Danach hast du dich auch noch um mich im Wochenbett gekümmert. Wenn Simon zurückkommt, wird er dir sicher sehr dankbar sein. Du hast wirklich gut auf mich und das Baby aufgepasst.“

„Du bist meine Cousine. Und Simon Quarles ist mein bester Freund. Solange er nicht da ist, passe ich natürlich auf dich auf.“

Esme fühlte sich, als hätte ihr jemand aus nächster Nähe ins Herz geschossen.

Sie stand reglos da. Der Schmerz in ihrer Brust war so heftig, dass sie kaum atmen konnte. Eine eisige Kälte kroch ihr vom Scheitel bis in die Fußsohlen.

Also war Travis in diesem knappen Jahr gar nicht von Arbeit aufgehalten worden.

Er war damit beschäftigt gewesen, sich um die Frau seines besten Freundes zu kümmern.

Um seine „Cousine“ Brielle Quarles.

Travis und Brielle betraten mit dem Kind im Arm lachend den Festsaal.

Da ertönte erneut ein leiser Ton auf Esmes Handy.

Wie betäubt öffnete sie die Nachricht. Sie kam von Travis.

[Du schaffst das. Sei eine starke Mutter. Wenn ich heute Abend fertig bin, bin ich morgen garantiert zu Hause.]

Esme starrte auf diese Worte.

Gerade hatte sie mit eigenen Augen gesehen, wie zärtlich Travis sich um Brielle kümmerte. Nun wirkten seine Nachrichten an sie nur noch grausam ironisch.

Ihr Finger berührte den Bildschirm. Der Chatverlauf glitt automatisch nach oben. Frühere Nachrichten von Travis huschten eine nach der anderen vor ihren Augen vorbei.

[Du bist im achten Monat schwanger und hast den Entwurf für den Wolkenkrone Tower in Falkenstadt trotzdem pünktlich fertiggestellt. Wirklich stark. Das verdient Anerkennung.]

[Schon fünf Monate? Deine Schwangerschaft scheint dir leichtzufallen. Du bist gar nicht so empfindlich wie andere Frauen. Ich bin stolz auf dich.]

[Du läufst jeden Tag so schnell wie immer. Übel ist dir auch nicht. Dann sollte ein bisschen mehr Arbeit kein Problem sein. Weiter so. Beim Entwurf vertraue ich am meisten auf dein Urteil.]

......

In Wahrheit machte Esme während der Schwangerschaft alles durch, was andere Frauen auch erlebten.

Morgenübelkeit.

Geschwollene Füße.

Steigender Blutdruck.

Schwankender Blutzucker.

Ohnmachtsanfälle.

Nichts davon blieb ihr erspart.

Doch Travis’ Worte hielten sie damals aufrecht. Eine Ermutigung nach der anderen. Ein Lob nach dem anderen. Also biss sie die Zähne zusammen und hielt durch.

Von der Schwangerschaft bis zur Geburt nahm sie nie länger als zwei Tage am Stück frei.

Manchmal zweifelte sie tief in ihrem Inneren. Travis behandelte sie nicht wie seine Frau. Er behandelte sie eher wie eine fähige Angestellte, die man nur genug motivieren musste, damit sie weiter funktionierte.

Rücksicht? Zärtlichkeit?

Von beidem fehlte jede Spur.

Doch ihre Ehe mit Travis war immer so gewesen. Also gewöhnte sie sich daran.

Sie redete sich ein, dass er eben so war. Kalt. Rational. Distanziert. Zu allen Menschen gleich.

Bis zu diesem Moment.

Sie sah mit eigenen Augen, wie vorsichtig er das Kind aus den Armen einer anderen Frau nahm. Sie hörte mit eigenen Ohren, wie sanft er nach Brielles Befinden fragte. Sie sah, wie er Brielle behutsam an der schmalen Taille stützte, als hätte er Angst, sie könnte stolpern.

Erst jetzt begriff Esme.

Travis konnte sich sehr wohl um jemanden kümmern.

Nur war dieser jemand nicht sie.

Diese Erkenntnis riss erneut an ihrem Herzen. Der Schmerz war dumpf, schwer und kaum auszuhalten.

Wie von selbst setzte sie einen Fuß vor den anderen. Zusammen mit den einströmenden Gästen ging sie in den Festsaal.

Sie wollte mit eigenen Augen sehen, welche Überraschung ihr Ehemann heimlich für die Frau und das Kind eines anderen vorbereitet hatte.

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