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KAPITEL 16: Der direkte Weg

作者: Zayden Noir
last update publish date: 2026-07-01 20:00:12

Die Nacht nach Stefans gescheiterten Versuch war die längste, die Serena auf dem Anwesen erlebt hatte.

Nicht weil sie nicht schlafen konnte. Sie schlief. Aber es war ein unruhiger Schlaf, durchbrochen von dem spezifischen Halbwachzustand, in dem der Verstand weiterarbeitet, während der Körper ruht, die Informationen des Tages in neue Konfigurationen ordnet und dann wieder auseinandernimmt und wieder ordnet, auf der Suche nach etwas, das sich wie eine vollständige Ant
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  • VERKAUFT AN DEN GNADENLOSEN DON    KAPITEL 63: Der eingefrorene Frieden

    Juni brachte Wärme und Langsamkeit, und Serena hatte in dem dritten Sommer auf dem Anwesen begonnen, nach dem Mittagessen eine Stunde zu lesen, weil die Junihitze des frühen Nachmittags die Arbeit schwerer machte, nicht unmöglich, aber schwerer, auf eine Art, die eine Pause verlangte, die in anderen Jahreszeiten nicht nötig war. Die Bibliothek war der richtige Ort für diese Stunde: die Jalousien hielten den schlimmsten Teil der Hitze ab, und das Licht war das gedämpfte, angenehme Licht eines Raumes, der mit dem Sommer umzugehen wusste, und die Stille war die Stille, die Bücher erzeugten, wenn man mit ihnen allein war. Carla hatte im Juni zwei Briefe geschrieben. Der erste war kurz und praktisch: Sie würde im August nach Deutschland reisen, nicht für das Anwesen, sondern für andere Gründe, die sie nicht weiter ausführte, und sie fragte, ob ein Besuch möglich wäre, wenn es passte. Serena hatte sofort geantwortet: Ja, natürlich, wann immer Sie möchten. Sie hatten ein Datum vereinbart,

  • VERKAUFT AN DEN GNADENLOSEN DON    KAPITEL 62: Der dritte Mai

    Der Mai brachte die Wärme, und mit der Wärme veränderte sich das Anwesen auf die Art, auf die es sich jeden Mai veränderte: die Bäume im Obstgarten trieben ihre Blüten, weiß und zartrosa und leicht, und der Wind, wenn er durch die Gassen zwischen den Bäumen zog, nahm die ersten gefallenen Blüten mit und ließ sie in kleinen, langsamen Spiralen durch die Luft sinken, und der Obstgarten hatte in den Maiformgen die Qualität eines Ortes, der wusste, was er war, und der das ohne Aufwand zeigte. Serena stand an einem Morgen im Obstgarten und sah die Blüten und dachte, dass das der dritte Maiorgen auf dem Anwesen war, und dass das Dritte eine andere Qualität hatte als das Erste und das Zweite. Das Erste war die Entdeckung gewesen, der erste Frühling, in dem alles neu gewesen war und in dem jede Knospe und jede Blüte die Qualität des Erstmaligen gehabt hatte. Das Zweite war die Wiederkehr gewesen, der zweite Frühling, in dem das Vertraute zurückgekommen war und in dem das Vertraute eine eige

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    Sofias Antwort auf Serenas Brief kam schneller als erwartet, innerhalb von drei Tagen, und sie war länger als Sofias erster Brief, was bedeutete, dass das Schreiben zwischen ihnen begonnen hatte, sich zu öffnen, so wie Gespräche sich öffneten, wenn die erste Begegnung gut gewesen war und wenn beide Seiten verstanden hatten, dass das, was sie miteinander teilten, real war und das Teilen verdiente. Serena öffnete den Umschlag an ihrem Schreibtisch, am frühen Morgen, bevor die Arbeit des Tages begann, mit dem ersten Kaffee und dem Junilicht, das warm und direkt durch die Fenster fiel und dem Zimmer die Qualität eines Tages gab, der gut beginnen wollte. Sofia schrieb zunächst über die Ausstellung, konkret und präzise, weil das ihre Art war, wie Serena aus dem ersten Brief bereits geschlossen hatte: man begann mit dem Konkreten, bevor man zum Abstrakten überging, weil das Konkrete den Boden bereitete, auf dem das Abstrakte stehen konnte, ohne zu fallen. Die Ausstellung würde im Oktober e

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    April brachte den Brief von Sofia Ferrante, und der Brief kam unerwartet, nicht weil Serena nicht gewusst hatte, dass Sofia existierte, sondern weil sie nicht gewusst hatte, dass Sofia schreiben würde, und die Unerwartetheit eines Briefes von jemandem, mit dem man noch keine direkte Verbindung hatte, war eine andere Art der Unerwartetheit als die Unerwartetheit eines Ereignisses, das man nicht hatte kommen sehen. Der Brief war kurz und auf Deutsch geschrieben, was Serena registrierte, weil das eine Entscheidung war. Sofia lebte in Lissabon und arbeitete auf Portugiesisch und Italienisch. Auf Deutsch zu schreiben bedeutete, dass Sofia sich Mühe gemacht hatte, die Sprache zu wählen, die Serenas Sprache war, und diese Mühe war selbst eine Aussage über das, was der Brief sein wollte: ein Ausdruck des Respekts vor der Empfängerin, nicht nur des Wunsches nach Kommunikation. Sofia schrieb: Meine Mutter hat mir erzählt, dass Sie sie besucht haben, und sie hat mir erzählt, wie das Gespräch

  • VERKAUFT AN DEN GNADENLOSEN DON    KAPITEL 59: Die dritte Knospe

    Der Frühling kündigte sich an einem Märzmorgen an, und Serena bemerkte es bei ihrem Spaziergang durch den Obstgarten, als die erste Knospe an demselben Baum erschien, an dem sie vor zwei Jahren die erste Knospe des ersten Frühlings gesehen hatte, und dann vor einem Jahr die erste Knospe des zweiten Frühlings, und jetzt die erste des dritten. Sie blieb stehen und sah die Knospe an, diese winzige, harte, grüne Behauptung an einem kahlen Ast, und dachte: wieder. Das war das Dritte Mal. Nicht die Knospe selbst, Knospen kamen jedes Jahr und das war das Natürliche. Sondern das Innehalten davor, das Erkennen, das Lachen, das in ihr aufstieg, leise und vollständig, das Lachen über die Verlässlichkeit von Dingen, die immer wiederkamen, unabhängig davon, was in dem Jahr davor passiert war. Die Apfelbäume kümmerten sich nicht darum, was in dem Jahr passiert war. Sie taten, was sie taten. Sie trieben Knospen, wenn die Bedingungen stimmten, und die Bedingungen stimmten im März, jedes Jahr, verlä

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    Sie fuhren am Mittwochmorgen zurück nach Norden, und die Rückfahrt hatte dieselbe Strecke wie die Hinfahrt, aber in der anderen Richtung, und die andere Richtung veränderte alles, weil die Richtung den Kontext veränderte. Man sah die Dinge anders, wenn man zurückfuhr statt vorwärtszufahren, weil das Zurückfahren bedeutete, dass man von etwas zurückkam und das Erlebte mit sich trug, und das Tragen von Erlebtem veränderte die Art, die Landschaft zu sehen, die man durchquerte. Serena sah aus dem Fenster des Wagens auf die Landschaft, die sich von dem atlantischen Licht des Südens langsam in das continentale Licht des Nordens verwandelte, die Vegetation dichter werdend und grüner, die Luft kälter, die Farben weniger salzhaltig und mehr nach Erde und nach dem Inneren des Landes riechend. Klaus saß neben ihr und las, das schmale Buch, das er immer dabei hatte, und das Schweigen zwischen ihnen war das produktive Schweigen von zwei Menschen, die verarbeiteten und die wussten, dass die Vera

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