LOGINNadias Sicht In den nächsten Monaten sah ich zu, wie mein Bauch immer größer wurde. Ich habe alle Symptome verfolgt, nie Krankenhausbesuche verpasst und dafür gesorgt, dass ich sehr gut gegessen habe. Es passierte heute früh, als ich pinkeln wollte, und ich bemerkte, dass mir Wasser über die Oberschenkel lief. Ich rief Dr. Dupius an und sie kam vorbei und half mir zu ihrer Klinik. Der Frühlingsregen hatte sich zu einem sanften, rhythmischen Nieselregen gegen das Glas des kleinen Entbindungsraums im Krankenhaus in Nizza aufgeweicht. Die Luft roch schwach nach Lavendel, sterilem Leinen und dem sauberen, scharfen Ozon des Sturms, der über das Mittelmeer rollte. Ich legte mich gegen die erhöhten Krankenhauskissen zurück, erschöpft bis ins Mark meiner Knochen. Meine Haut war feucht vor Schweiß, mein Haar klammerte sich in dunklen, verworrenenen Strähnen an meiner Stirn und meinem Hals. Jeder Muskel in meinem Körper pochte mit einem tiefen, herrlichen Schmerz, aber ich spürte den Schme
Nadias SichtDie Nachmittagssonne tauchte tief am Horizont ab und warf lange Bernsteinstrahlen über die Holzdielen meiner kleinen Wohnung.Ich saß auf der Fensterbank, meine Knie an meine Brust gezogen, und starrte auf das winzige schwarz-weiße Ultraschallfoto, das auf meinem Schoß lag.Das einzelne Bild dieses winzigen, acht Wochen alten Lebens fühlte sich schwerer an als das goldene Armband, schwerer als das Micro-USB-Laufwerk, schwerer als das gesamte Erbe des Vance-Namens.Das Geräusch dieses kleinen Herzschlags hallte immer noch in meinen Ohren wider, lauter als die Wellen, die gegen die Klippen unter meinem Balkon schlagen.Mein Verstand war ein Schlachtfeld, zwei heftige Instinkte zerrissen meine Seele. Der erste Instinkt - der Teil von mir, der Lorenzo mit einer schrecklichen, absoluten Intensität liebte - schrie mich an, nach dem Telefon zu greifen.Ich wusste, was passieren würde, wenn ich den Nachlass anrufen würde. Ich wusste, wie schnell Viktor die Linie verfolgen würde,
Nadias SichtDer Nebel am frühen Morgen hing schwer über den steilen, gepflasterten Gassen von Éze, klammerte sich an die Steinmauern und verwischte die blassgelben Straßenlaternen.Normalerweise liebte ich die ruhige Kälte des Morgenspaziergangs zum Dorfplatz, aber heute fühlte sich jeder Schritt an, als würde ich Blei durch tiefes Wasser ziehen.Eine Welle von kalter Übelkeit rollte plötzlich und heftig durch meinen Magen. Ich blieb kurz neben einem Steinbogen stehen, drückte meine Hand gegen das kühle, feuchte Mauerwerk, schloss meine Augen und atmete langsam, bewusst die salzige Meeresluft ein.Das war nicht nur ein Magenbug. Es war schon seit Wochen nicht mehr so. Zuerst hatte ich versucht, es zu rationalisieren. Ich sagte mir, es sei der Stress, Italien zu verlassen, das Resttrauma der letzten Monate, der plötzliche Adrenalinabfall nach der Flucht vor einem Leben, das auf Blut und Seide basiert.Ich dachte, mein Körper passt sich einfach an die ruhigen, alltäglichen Rhythmen ein
Nadias SichtDer Duft von Salzwasser und warmen, frischen Baguettes trieb durch die hohen, offenen Fenster meiner kleinen Wohnung und vermischte sich mit der frischen Herbstbrise, die vom Mittelmeer wehte.Unter meinem Balkon begannen die engen, gepflasterten Straßen von Éze - eine ruhige, mittelalterliche Küstenstadt, die hoch auf den Klippen Südfrankreichs thront - gerade erst aufzuwachen.Kirchenglocken läuteten leise in der Ferne, ihre klaren Noten hallten über die roten Fliesdächer und die endlose Weite des glitzernden blauen Wassers, das sich bis zum Horizont erstreckte.Ich stand an der kleinen hölzernen Küchentheke, goss heißes Wasser in einen keramischen Tropffilter und beobachtete, wie der Dampf in die ruhige Morgenluft aufstieg.Ich trug einen einfachen, übergroßen cremefarbenen Strickpullover, verblasste Jeans und keine Schuhe. Mein Haar war zu einem lockeren, unordentlichen Knoten zurückgebunden.Es gab keine Seidenroben, keine bewaffneten Wachen, die vor meiner Tür stand
Lorenzos SichtDie Stille in der Master-Suite war nicht nur ruhig; es war eine physische Kraft, kalt und erstickend, die gegen meine Brust drückte, bis ich meine Lungen nicht mehr erweitern konnte.Ich stand in der Tür, der schwere Eichenrahmen stützte mein Gewicht, weil sich meine Beine hohl anfühlten, erschöpft von jedem Tropfen Kraft, den ich besaß.Das Morgenlicht strömte durch die Balkontüren und beleuchtete das Bett. Die Laken waren glatt, unberührt und kalt.Und in der Mitte der weißen Matratze lag ein einzelnes Stück gefaltetes Pergament, das von dem silbernen Schlüssel festgehalten wurde, den ich ihr nur wenige Stunden zuvor in die Hände gelegt hatte.Mein Herz hämmerte schmerzhaft gegen meine Brust, als ich meine Füße zwang, sich über den persischen Teppich zu bewegen. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde man durch tiefes Wasser gehen.Ich streckte die Hand aus, meine Finger zitterten - die Hand, die Hinrichtungsbefehle unterzeichnet und Gewehre ohne ein einziges Schüttel
Nadias SichtDas Anwesen war in eine erstickende, schwere Stille gehüllt, als die Nacht über den italienischen Bergen einbrach.Ich saß auf dem Rand des massiven Himmelbettes in der Master-Suite und starrte auf den silbernen Schlüssel und den Reisepass, der auf dem Nachttisch neben mir lag.Unten war das Haus totenstill. Lorenzo hatte sich in den unteren Innenhof zurückgezogen und mir den Raum gegeben, von dem er dachte, dass ich ihn brauchte, und seinen Männern befahl, Abstand zu halten und sein Versprechen völliger Freiheit zu erfüllen.Mein Geist war ein chaotischer, heftiger Sturm. Das unbearbeitete Video spielte sich hinter meinen Augenlidern in einer endlosen, qualenden Schleife ab.Mein Vater blutete auf dem kalten Betonboden und hob die Hände, um ein kleines Mädchen zu schützen. Tante Rosalind, die bei dieser Kälte im Schatten steht,Soziopathische Ablösung, die Leben gegen Geld eintauscht.Und Lorenzo - gebrochen, auf den Knien, um meine Vergebung betteln und mir sein Leben a







