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Kapitel 4

Penulis: Liliana
Mein Magen war leer und schmerzte dumpf.

War ich so hungrig, dass mir schon übel wurde?

Mit zitternden Fingern tastete ich in meiner Tasche nach dem halben Stück Schokolade, das dort noch lag. Ohne an Vorrat zu denken, stopfte ich es hastig in den Mund.

Der süße, schwere Geschmack besänftigte für einen Moment das Herzklopfen, doch die Benommenheit wurde stärker.

Eine neue Kälte durchzog mich, kälter noch als der Wind zuvor – sie kam tief aus den Knochen.

Ich zog die kleine Decke enger um mich, doch die Wärme verflog sofort, nichts wollte mich mehr wirklich wärmen.

Als ich kaum noch stehen konnte, fuhr in der Ferne ein schwarzes Auto heran und hielt langsam am Eingang der Raststätte an.

Ich sah darin meine einzige Rettung, sammelte all meine Kraft und schleppte mich hinüber.

Der Fahrer ließ das Fenster hinunter – ein fremder Mann.

„Entschuldigung, können Sie mir vielleicht Ihr Telefon leihen? Mir geht es nicht gut…“

Meine Stimme war so schwach, dass ich sie selbst kaum hörte.

Der Mann sah mich überrascht an, zog dann aber rasch sein Handy aus der Jacke und reichte es mir:

„Kind, was ist mit dir? Du bist ja ganz blass.“

Ich konnte nichts erklären, meine Finger waren steif, während ich die Nummer meines Vaters wählte.

Dieses Mal meldete sich die Leitung sofort.

„Papa…“

Meine Stimme zitterte, fast schluchzend.

„Onkel … Wann kommt Onkel Thomas? Mir geht es so schlecht. Mir ist schwindelig, mein Herz rast … Bin ich krank?“

Am anderen Ende klang meines Vaters Stimme ungeduldig:

„Was ist denn jetzt schon wieder? Habe ich dir nicht gesagt, du sollst warten? Thomas ist längst losgefahren, auf der Straße ist nur etwas Stau, er ist gleich da!“

„Kannst du denn nicht einmal geduldig warten? Du hättest längst im Auto sitzen können, wenn du nicht so getrödelt hättest. Und jetzt beschwerst du dich!“

„Aber Papa, mir geht es wirklich nicht gut…“

Mein schwacher Einwand verhallte nutzlos.

„Schon gut, mach keine Geschichten, bleib einfach ruhig da! Immer bringst du Unruhe, und das ausgerechnet zu Weihnachten!“

Dann wurde das Gespräch beendet.

Das eintönige Besetztzeichen stach mir ins Herz wie Eisnadeln.

Ich öffnete den Mund, um noch zu sagen, dass ich es wirklich nicht mehr aushielt, doch bevor ein Wort herauskam, war die Verbindung bereits tot.

Ich stand da, das Telefon in der Hand, erstarrt, unfähig, es zurückzugeben.

Der Mann nahm schließlich sein Handy zurück und sprach sanft:

„Beruhige dich, dein Papa wird sicher gleich da sein. Willst du dich nicht ein wenig in mein Auto setzen und dich aufwärmen?“

Ich schüttelte den Kopf und hatte Angst, dass mein Onkel mich später nicht mehr finden konnte. Deshalb presste ein schwaches „Danke“ hervor und schleppte mich zurück an meinen Platz.

Ich wusste nicht, wie viel Zeit verging.

Nach und nach hörte das Zittern meines Körpers auf, auch mein Herz schlug wieder ruhiger.

Doch Erleichterung empfand ich keine.

Meine Hände und Füße fühlten sich nicht mehr wie meine eigenen an – steif und taub, sie gehorchten mir nicht mehr.

Ich hatte versucht, auf der Stelle zu treten, um mich zu wärmen, doch selbst das Anheben der Beine fiel mir schwer. Jede Bewegung erschien so träge, als wäre es eine Zeitlupe im Film.

Der Himmel war inzwischen vollständig von Dunkelheit verschluckt.

Ich blickte benommen auf die Straßenkreuzung, mein Blick wurde immer unschärfer, und mein Bewusstsein begann zu zerfließen.

Mit zusammengebissenen Zähnen sammelte ich meine letzten Kräfte und begann, mich am Rand des Gebäudes der Raststätte entlangzuschleppen – Schritt für Schritt, winzig und mühselig.

Das Atmen wurde immer schwieriger.

Es war, als griff jemand nach meiner Kehle, und zugleich lag ein schwerer Stein auf meiner Brust.

Mit geöffnetem Mund rang ich verzweifelt nach Luft, doch jeder Atemzug war kurz, hastig und reichte nicht aus.

Mein Blick trübte sich, die Lichter der Straßenlaternen lösten sich in flirrende Flecken auf, die in meinen Augen schwankten und verschwammen.

Meine Knie gaben nach, und ich sank kraftlos zu Boden, kauerte mich auf dem eisigen Asphalt zusammen.

Die kleine Decke glitt halb von mir hinab, doch ich hatte keine Kraft mehr, sie zurechtzuziehen.

Wie erschöpft ich war…

Meine Augenlider wurden schwer, ließen sich kaum noch anheben, und mein Bewusstsein vernebelte sich, bis es zu entgleiten drohte.

Verschwommen meinte ich, nicht weit von mir entfernt, meine Eltern zu sehen, wie sie mit besorgten Gesichtern auf mich zuliefen.

Kurz bevor ich die Augen ganz schloss, dachte ich:

„Wie schön. Ihr seid endlich gekommen, um mich abzuholen…“
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