LOGIN„UGH!“ Lyra stieß ein leises Stöhnen aus und stützte die Handfläche gegen die kühle Badezimmerwand. Nach dem Frühstück mit dem Alpha-König fühlte sie sich, als bekäme sie eine Verdauungsstörung. Sie konnte nicht sagen, ob es daran lag, dass sie seit Langem nicht mehr richtig gegessen hatte, oder ob seine Anwesenheit ihren Magen unruhig machte. Wie dem auch sei – alles, was sie jetzt wollte, war, sich unter die Decke zu verkriechen und dort tagelang zu bleiben. Sie seufzte und schloss die Augen, nur um sie wieder zu öffnen, als es an der Tür klopfte.„Ich bin’s, David.“ Der Beta sagte: „Kian hat mich angewiesen, dir eine Führung durch den Palast zu geben, damit du dich mit deiner neuen Umgebung vertraut machen kannst.“Mit einem Lächeln im Gesicht trat Lyra aus dem Zimmer und fasste sich. Das Unbehagen, das sie noch vor Momenten gespürt hatte, verschwand, als sie hörte, dass sie den Palast besichtigen würde. Als Kind hatte sie den königlichen Palast immer fasziniert und unzählige Büche
Das Klopfen an der Tür riss Lyra aus dem tiefen Schlaf. Groggy blickte sie zur Decke hinauf, desorientiert und verwirrt, nur um festzustellen, dass sie im Bett lag und nicht auf dem Sofa, auf dem sie sich sicher gewesen war, eingeschlafen zu sein. Stirnrunzelnd rieb sie sich die Augen und setzte sich auf. Sie starrte auf das Sofa gegenüber im Zimmer, als versuche sie sich zu erinnern, wie sie ins Bett gekommen war.„Hmm, hat mich jemand umgelegt?“, flüsterte sie vor sich hin. Ihr Körper dehnte sich langsam, während sie sich zur Tür umdrehte, als nach einem weiteren Klopfen die Stimme einer Frau erklang.„Lady Lyra, sind Sie schon wach?“„Ah, j-ja.“ Die unerwartete Formalität, mit „Lady“ angesprochen zu werden, ließ sie verwirrt und leicht unbehaglich zurück. In den adligen Titeln dieser Zeit waren solche Förmlichkeiten unter Dienern bereits unüblich, und bei höhergestellten Personen waren sie gänzlich verschwunden. Dennoch gab es immer noch Menschen, die an Traditionen und Bräuchen fe
Als Lyra neben dem Beta entlangging, hing eine schwere Stille in der Luft, die sie fragen ließ, ob er vielleicht Abneigung gegen sie hegte. Als sie über ihr früheres Verhalten nachdachte, musste sie zugeben, dass sie vielleicht unhöflich oder unzivilisiert gewirkt hatte. Sie hatte auf eine freundliche Vorstellung gehofft, auf etwas Orientierung zu den Palastregeln oder zumindest auf ein ungezwungenes Gespräch. Im Vergleich zum imposanten Alpha-König wirkte der Beta zugänglicher. Mit seinen sanften Zügen, den grauen Augen und dem braunen Haar strahlte er eine Vertrautheit aus, die Lyra beruhigte. Er gehörte zu jenen Menschen, die einfach Unterstützung und Güte ausstrahlten – das hatte sie angenommen, doch vielleicht hatte sie sich geirrt.Plötzlich unterbrach seine Stimme ihre Gedanken und riss sie aus ihren Träumereien. „Ich bin beeindruckt“, sagte er und überraschte sie. „Du bist ziemlich direkt und mutig. Ich kann nicht entscheiden, ob das daran liegt, dass du dein Leben nicht schät
Rhys stand am Rand des Ballsaals, seine Fingerknöchel weiß vor Anspannung, während er Lyras kühne Herausforderung vor dem Hof beobachtete. Er brannte darauf, vorzuspringen und sie aus der Halle zu zerren, doch den Zorn des Alpha-Königs herauszufordern war eine ganz andere Sache.„Was zum Teufel geht in ihrem Kopf vor?“, murmelte er unter seinem Atem und grübelte verzweifelt nach einem Weg, ihre impulsiven Eskapaden zu beenden und sie zur Vernunft zu bringen. Vor dem Alpha-König zu stehen war reiner Selbstmord.[Vater,] erreichte Rhys ihn über ihre private Gedankenverbindung und starrte zu der Marmorsäule hinüber, an der Alpha Aiden und Luna Viola wie erstarrt standen. [Tu etwas. Greif ein—]Bevor er seine verzweifelte Bitte beenden konnte, durchschnitt der Bariton des Alpha-Königs die erdrückende Stille, die sich über die Halle gelegt hatte.„Sehr wohl“, antwortete Kian.Ein kollektives Keuchen durchlief den Raum.Lyra stand wie angewurzelt, überwältigt von seiner sofortigen Antwort.
„Zieh deine Kapuze hoch“, befahl Rhys, seine Stimme schnitt durch die abendliche Kühle, als sie sich dem grandiosen Eingang des Palastes näherten. Anya kuschelte sich eng an seine Seite und warf Lyra ein spöttisches Grinsen zu, ihre Augen verengten sich, während sie auf die reichen, rotbraunen Wellen blickten, die Lyras Rücken hinabfielen. „Wir wollen einfach unnötige Aufmerksamkeit auf dein Aussehen vermeiden“, bemerkte Anya, ihr Ton triefte vor falscher Süße, während ihr Lächeln sich verbreiterte. „Angesichts dessen, wie ähnlich unsere Haare und Augen sind, wäre es furchtbar peinlich, wenn jemand anfinge zu fragen, wer von uns die echte ist – besonders innerhalb königlicher Mauern, findest du nicht?“Lyra bewahrte ein ruhiges, unbewegtes Lächeln und hob die Hände, um die raue Leinenkapuze über ihren Kopf zu ziehen, genau wie sie es verlangten. „Verstanden“, antwortete sie und ließ einen leisen, wissenden Ausdruck über ihre Züge gleiten. Sie wusste, dass ihr beständiger Gehorsam ihne
In dem stillen Raum durchbrach ein gedämpftes Schluchzen die Ruhe und erfüllte die Luft mit Lyras Herzensschmerz. Trotz ihrer äußerlichen Stärke in der Öffentlichkeit war sie eine andere Person, wenn die Nacht kam und sie in der Einsamkeit Tränen vergoss. Einst an den Luxus einer eleganten Schlafkammer gewöhnt, fand sie sich nun auf dem Dachboden wieder, einem Ort, der ihre Gefühle von Einsamkeit und Isolation noch verstärkte.„Lass uns fliehen“, flüsterte eine Stimme im Hinterkopf Lyras, die zu Stella, ihrer Wölfin, gehörte. Sie umklammerte ihr Kissen fest, und die Tränen versiegten beim Klang des Vorschlags ihrer Wölfin. Seit sie sieben Jahre alt war, war Stella eine ständige Präsenz in ihren Gedanken. Lyra konnte es nicht erklären, aber sie wusste, dass sie ein besonderer Fall war; sie wusste, dass ihre Wölfin immer auf sie aufpasste. Allerdings hatte sie nur einmal gewechselt – einmal während ihres Erwachsenwerdens, als sie ganz allein im Wald war und es geschafft hatte, sich zu v







