LOGINSERAPHINAWarum hat mich keiner von ihnen befragt? Wo war ich verschwunden? Was war passiert?Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr breitete sich tief in meiner Brust eine seltsame Schwere aus, verflochten mit der merkwürdigen Art, wie sie mich alle in den letzten Tagen behandelt hatten.„Hat dir die Katze die Zunge abgefressen, Seth Darven? Oder fällt dir keine Ausrede ein, wenn du plötzlich zur Rede gestellt wirst?“, spottete Cassius und riss mich aus meinen Gedanken.„Er kann vor Grace einfach nicht zugeben, dass er nichts als ein Weichei ist“, sagte Reed gedehnt.Auf der Lichtung brach Gelächter aus. Ich starrte den Narren an, der Unsinn von sich gab, verzweifelt darauf bedacht, vor den anderen als Held dazustehen.Bevor ich etwas sagen konnte, zerriss ein Knurren die Luft – tief und scharf genug, um die Lichtung zum Schweigen zu bringen. Selbst ich zuckte zusammen.„Böses reden kann einen manchmal umbringen, weißt du“, schnitt Finns kalte Stimme wie ein Messer durch den Lärm
SERAPHINANach meinem Gespräch mit Grace war mein Herz unruhig. Ich ging jeden Streit zwischen Ronan und mir noch einmal durch und fragte mich, ob ich auf seine Besitzgier überreagiert hatte. Das Unbehagen war so groß, dass ich mich nicht dazu überwinden konnte, das Fleisch in seiner Nähe zu waschen. Am Ende nahm ich einen anderen Auftrag an. Ich brauchte Abstand, um alles zwischen uns zu entwirren.„Kann ich auch etwas Fleisch haben?“ Asher’s tiefe, samtige Stimme erklang neben mir, warm genug, um sich an meine Haut zu schmiegen.Ich blickte auf und sah ihn lächeln – frisch von der Jagd, die breiten Schultern noch feucht vom Schweiß und den erdigen Duft des Waldes an sich tragend. Dank ihm labten sich heute Abend alle an frischem Schweinefleisch.„Natürlich“, erwiderte ich sein Lächeln und servierte ihm eine großzügige Portion.Er hob eine Augenbraue. „Habe ich mehr bekommen als die anderen?“ Er beugte sich zu mir herüber, sein Atem streifte meine Wange, als er flüsterte: „Soll ich d
SERAPHINAWas hat sie gerade gesagt? Meine Augen weiteten sich. „Liebesstreit?“Hatte sie herausgefunden, dass ich eine Frau war? Oder schlimmer noch – war es Ronans Liebe, die mich verraten hatte?„Glaub ja nicht, dass ich es nicht bemerkt habe“, grinste sie.Mir sank das Herz. Sogar Phina erstarrte in mir, als mir klar wurde, dass Grace es vielleicht durchschaut hatte. Wenn das der Fall war, steckte ich in ernsthaften Schwierigkeiten, denn sie war nicht irgendwer. Sie war die Tochter von Alpha Gideon und die Seelenverwandte von Alpha Jude. Zwei Alpha-Ausbilder, die mich schneller von der Schule verweisen könnten, als ich blinzeln könnte.„Dein Gesichtsausdruck verrät mir, dass ich recht habe“, sagte sie, und ihr Grinsen wurde geradezu teuflisch. Mein Puls hämmerte in meinen Ohren, meine Beine drohten nachzugeben. Sie beugte sich vor, ihre Stimme klang seidig. „Keine Sorge. Heutzutage ist das ganz normal.“Normal?Alle schlimmsten Szenarien, die mir durch den Kopf schossen, kamen jäh
SERAPHINADie Rangliste wurde drei Tage nach unserer Rückkehr aus der Nachtschattengasse aktualisiert. Ich wagte es nicht, mein Mittagessen dafür zu riskieren – wenn ich nicht zuerst aß, würden mir diese Arschlöcher meinen Anteil wegschnappen. Also machte ich mich erst auf den Weg zur Großen Halle, nachdem ich meinen Magen vollständig gefüllt hatte.Ich war aufgeregt. Okay, richtig aufgeregt, die Rangliste zu überprüfen, aber die Menge der großen Alphas versperrte mir komplett die Sicht. Ich versuchte, mich an ihnen vorbeizudrängen, als sich plötzlich eine warme Hand um meine schloss.Mir stockte der Atem, mein Herzschlag beschleunigte sich. Langsam blickte ich auf – und sah Asher, nicht Ronan.„Lass uns gehen“, sagte er mit einem Lächeln.Ich lächelte automatisch zurück und ließ mich von ihm durch die Menge führen. Niemand wagte es, ihm den Weg zu versperren. Dennoch pochte mein Herz tief in meiner Brust noch heftiger, weil mir etwas Lächerliches klar wurde: Ich hatte Ronan erwartet.
RONANIch wusste, dass ich Mist gebaut hatte, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich es so richtig vermasseln würde. Seraphina ging mir nicht nur aus dem Weg, sie ignorierte mich komplett, als hätte ich nie existiert. Sobald sie mich kommen sah, änderte sie die Richtung, verließ jeden Raum, in dem ich mich gerade befand, und wenn wir zufällig am selben Ort festsaßen – wie zum Beispiel auf dem Trainingsgelände, wo Weggehen keine Option war –, behandelte sie mich, als wäre ich unsichtbar.Nach dem, was ich zwischen ihr und Finn gesehen hatte – wie seine Finger über ihre Lippen strichen, wie er sie mit diesem übermütigen Charme anlächelte –, hatte ich mich nur mit Mühe davon abhalten können, den ganzen Ort auseinanderzunehmen. Die Art, wie er sie ansah, wie er mit ihr sprach – es war offensichtlich, dass Finn mehr als nur interessiert an Seraphina war. Und was war noch schlimmer? Sie hatte ihn nicht zurückgewiesen. Sie ließ sich von ihm berühren. Ganz ungezwungen. Vertraut. Als hätte ich
SeraphinaAm nächsten Morgen wachte ich allein im Zimmer auf. Ronans Bett war leer. Ich saß da und dachte an den Streit der vergangenen Nacht, der mir den Schlaf geraubt hatte. Zwei Teller mit Essen, die mir gestern Abend aufgefallen waren, standen noch immer da. Nach den strengen Zimmerregeln durften Mahlzeiten eigentlich nur in der Cafeteria eingenommen werden, aber er hatte sie trotzdem aufs Zimmer gebracht. Ich hob den Deckel an und stellte fest, dass es sich tatsächlich um einen Eintopf mit Gewürzpilzen und Trüffelcreme handelte. Er hatte nicht gelogen.„Er hat es für uns mitgebracht“, stellte Phina leise in meinen Gedanken fest.Unbewusst umklammerte ich den Teller fester. Ein Teil von mir stellte mir vor, wie er in diesem Zimmer auf mich wartete, damit wir gemeinsam essen konnten. Ich streckte die Hand aus, um das kalte Essen zu berühren, und nahm einen Bissen davon. Es schmeckte immer noch köstlich.Sein Teller war genauso kalt und unberührt wie meiner. „Er hat auch noch nicht







