ANMELDENSeit die Sonne vor fünfzig Jahren erlosch, ist die Erdoberfläche ein eisiges Grab. Die Reste der Menschheit haben sich tief unter die Erde gerettet, gefangen in einem klaustrophobischen Netzwerk aus riesigen Kuppeln und ewigen Gängen. Licht und Energie sind die wertvollsten Währungen, während der Himmel über ihnen nur noch ein Mythos ist. Jax ist ein Sucher – und ein technisches Genie. Mit selbstgebauten Gadgets und einer modifizierten Sensor-Brille wagt er sich regelmäßig auf verbotene Expeditionen an die tödliche Oberfläche, um nach Elektronikschrott und Relikten der alten Welt zu stöbern. Er kennt die Gefahren da oben. Er weiß, dass in der absoluten Finsternis mutierte, pechschwarze Kreaturen lauern. Sie sind blind, blitzschnell und jagen mit einer perfekten Echo-Ortung. Wer ein Geräusch macht, stirbt. Doch bei einer seiner Expeditionen macht Jax eine Entdeckung, die das Blut in seinen Adern gefrieren lässt: Die Kreaturen streunen nicht mehr wahllos umher. Sie bewegen sich in einer unheimlichen Formation, gesteuert von einem mörderischen Schwarmbewusstsein, das die Menschen bisher nicht einmal erahnten. Schlimmer noch: Sie haben aufgehört, an der Oberfläche zu jagen. Sie graben sich nach unten. Ein gigantischer, von Säure zerfressener Schlund führt meilenweit in die Tiefe – direkt auf die ahnungslose, schlafende Kuppel 7 zu. Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Jax muss einen Weg zurück in den Untergrund finden, um die Menschen zu warnen. Doch wie überredet man eine korrupte Kuppel-Regierung, die einen illegalen Sucher lieber hinter Gitter sperrt, als der Wahrheit ins Auge zu blicken? Und was tust du, wenn die Dunkelheit über dir plötzlich anfängt zu klicken?
Mehr anzeigenDie Oberfläche war tot. Kein Wind, kein Licht, nur eine eisige Kälte, die sich wie feine Nadeln durch die Dichtungen von Jax’ Schutzanzug fraß. Er kniete im Staub einer seit fünfzig Jahren verlassenen Elektronik-Lagerhalle. Seine Finger, geschützt durch dünne Thermo-Handschuhe, tasteten sich geduldig durch die Trümmer eines umgestürzten Regals.
Da. Seine Finger schlossen sich um ein kleines, quadratisches Objekt. Ein intakter Mikro-Prozessor aus der Zeit vor der großen Finsternis. Ein seltener Schatz für seine illegale Werkstatt im Untergrund. Ein Grinsen stahl sich auf Jax’ Lippen, doch es erstarb im selben Bruchteil einer Sekunde. Die Gläser seiner selbstgebauten Sensor-Brille vibrierten leicht auf seiner Nase. Auf dem Display erschienen pulsierende, hellblaue Wellenlinien. Klick. Ein einzelnes, trockenes Geräusch schnitt durch die absolute Stille der Halle. Jax erstarrte. Jede Faser seines Körpers schrie ihn an, wegzurennen, doch der Überlebensinstinkt zwang ihn zur absoluten Reglosigkeit. Bewegung bedeutete in diesem Sektor den sicheren Tod. Das blaue Wellenmuster auf seiner Brille verzerrte sich im Takt des Geräusches, als der Schall von den nackten Betonwänden zurückgeworfen wurde. Etwas bewegte sich an der Decke der Halle. Es war schneller, als ein menschliches Auge es hätte erfassen können. Ein schlanker, pechschwarzer Körper, dessen Haut das spärliche Restlicht der Finsternis komplett verschluckte. Das Wesen hatte keine Augen. Wo eigentlich ein Gesicht sein sollte, zog sich eine ledrige, aufgeschlitzte Schnauze quer über den Schädel, die sich nun leicht öffnete. Klick. Klick. Das Wesen suchte nach dem Echo. Es jagte per Sonar. Und es suchte nach ihm. Jax hielt den Atem an, bis seine Lungen brannten. Seine Hand glitt in Zeitlupe zu seinem Gürtel, wo das Display seines modifizierten Schall-Dämpfers bedrohlich rot aufleuchtete: Noch 8% Ladung. Wenn das Gadget versagte, würde das nächste Sonarsignal des Monsters ihn als helles Leuchten auf dessen mentaler Landkarte markieren. Klick. Mit einem kaum hörbaren Surren feuerte Jax’ Schall-Dämpfer eine unsichtbare Gegenwelle ab, genau in dem Moment, als das Monster den Schall aussandte. Die Frequenz verpuffte wirkungslos im Nichts. Das Wesen stieß ein irritiertes, lautloses Zischen aus. Seine kräftigen Hinterbeine spannten sich an. Mit einer unnatürlichen, blitzschnellen Bewegung stieß es sich von der Decke ab und schoss durch ein zerbrochenes Fenster hinaus in die Nacht. Jax stieß zitternd den Atem aus. Seine Knie fühlten sich an wie Pudding. Das war knapp gewesen. Zu knapp. Er ließ den Prozessor in seiner Tasche verschwinden und schlich geduckt aus dem Gebäude. Sein Ziel war die geheime, stillgelegte Luftschleuse, die ihn zurück in das sichere Netzwerk von Kuppel 7 bringen würde. Doch als er die eisigen Ruinenstraßen der ehemaligen Megastadt betrat, drang ein schriller Warnton durch seine Kopfhörer. Seine Sensor-Brille spielte komplett verrückt. Das Display leuchtete nicht mehr in beruhigendem Blau – es glühte in einem warnenden, dichten Violett. Hunderte, nein, Tausende von Schallwellen durchschnitten die Finsternis wie ein unsichtbares Spinnennetz. Jax warf sich hinter das rostige Wrack eines alten LKWs und riskierte einen Blick über die Ladekante. Was er sah, ließ das Blut in seinen Adern gefrieren. Es war kein einzelner Jäger. Dutzende, vielleicht Hunderte dieser pechschwarzen Wesen huschten über die Trümmer der Stadt. Sie kämpften nicht untereinander um Territorium, sie suchten nicht einmal nach Nahrung. Sie bewegten sich in einer perfekten, unheimlichen Formation vorwärts. Wie eine Armee, die blind einem unsichtbaren Befehl folgte. Ein Schwarmbewusstsein, koordiniert und tödlich. Und sie liefen alle in die exakt selbe Richtung: direkt auf den sogenannten "Toten Sektor" zu, der sich kilometerweit über den Wohnkuppeln der Menschheit erstreckte. Jax’ Herz hämmerte gegen seine Rippen. Mit maximaler Vorsicht hängte er sich an die Fersen des schattenhaften Stroms. Seine schallabsorbierenden Stiefel dämpften jeden seiner Schritte, während er den Wesen durch die Ruinen folgte. Am Rande des Sektors machten die Kreaturen halt. Dort, wo eigentlich nur massiver, unbezwingbarer Permafrost-Boden sein sollte, klaffte plötzlich ein riesiges, kreisrundes Loch im Boden. Es war kein natürlicher Einsturz. Die Ränder des Schlunds waren von einer grünlichen Säure zerfressen und von tiefen, koordinierten Klauenbissen ausgehöhlt worden. Jax schlich bis an den äußersten Rand des Abgrunds und blickte hinab. Seine Brille fing das Echo aus der Tiefe auf und begann fieberhaft, die Distanz zu berechnen. Die Zahlen auf seinem Display rasten unaufhaltsam in die Tiefe. Das Loch führte meilenweit nach unten. Sie gruben sich durch das Gestein. Und während Jax starr vor Schreck auf die Daten starrte, vibrierte plötzlich der eisige Boden unter seinen Füßen. Ein tiefes, rhythmisches Schaben drang aus der Tiefe an sein Ohr. Das Geräusch von tausend Klauen, die sich durch den Fels fraßen. Sie waren fast durch. Und direkt unter ihnen lag die ahnungslose, schlafende Kuppel 7.Die eisige Finsternis der Oberfläche schluckte sie augenblicklich, als sich das schwere Nordtor der Arche hinter ihnen schloss. Der gleißend weiße Energiestrahl, der über ihren Köpfen in den Himmel schoss, war ihr einziger Orientierungspunkt. Er warf lange, unheimliche Schatten durch die tiefen Schneeverwehungen vor ihnen.Jax ging voran, seine Sensor-Brille scannte die Umgebung im vertrauten, matten Violettton. Direkt hinter ihm folgte Dr. Aris. Sie trug einen schweren, modifizierten Forschungs-Schutzanzug, doch ihre Bewegungen im tiefen Schnee waren ungelenk. Sie war die stickigen, engen Gänge der Labore gewohnt, nicht die unbarmherzige, gefrorene Realität der Außenwelt. Leo bildete die Nachhut, das Sturmgewehr im Anschlag, die Augen nervös auf die umliegenden Eisformationen gerichtet.„Die Temperatur sinkt rapide“, meldete Aris über den internen Funkkanal. Ihre Stimme zitterte leicht, und Jax konnte ihr schnelles, flaches Atmen in den Kopfhörern hören. „Minus siebenundvierzig Grad.
Das goldene Licht, das durch die verstärkten Quarzglasscheiben des Kontrollraums fiel, war wunderschön – und ein absoluter Trugschluss. Jax stand am Rand der Plattform, den Blick starr nach oben gerichtet. Das kreisrunde Loch in der parasitären Wolkendecke war in den letzten Stunden geschrumpft. Die dunkle, lebendige Masse am Himmel drückte von allen Seiten unbarmherzig gegen den gleißenden Strahl der Arche. Es sah aus wie eine infizierte Wunde, die sich langsam wieder schloss.„Es wird kleiner“, sagte eine leise, erschöpfte Stimme hinter ihm.Jax drehte sich um. Dr. Aris stand an einem der primären Diagnoseterminals. Ohne den weißen Laborkittel, den sie vorhin getragen hatte, wirkte sie kleiner, fast zerbrechlich in ihrer dunklen Militärweste. Sie hielt eine Tasse mit dampfender, synthetischer Brühe in den Händen, aber ihre Finger zitterten so heftig, dass die Flüssigkeit schwappte. Die tiefen Schatten unter ihren Augen erzählten die Geschichte von Jahren ohne echten Schlaf.„Um gena
Das Atmen war unmöglich geworden. Jax’ Lungen verkrampften sich, während die Anzeige in seinem Helm endgültig schwarz wurde. Der pechschwarze Jäger war über ihm, die nadelspitzen Zähne schimmerten im matten, violetten Schein seiner Sensor-Brille. Er spürte den eiskalten Windhauch des mörderischen Sprungs.RAT-TAT-TAT-TAT!Ein ohrenbetäubender Feuerstoß durchschnitt die Stille der Eiswüste. Leo stand in der offenen Luke von Schleuse N-4, das Sturmgewehr fest an die Schulter gepresst. Er schoss nicht mehr wild vor Angst. Jede Kugel traf den Jäger in der Luft. Das Monster wurde von der Wucht der Projektile herumgerissen, schlitterte kreischend über den gefrorenen Schnee und blieb reglos liegen.Leo stürzte vor, packte Jax an den Gurten seines Anzugs und zog ihn mit übermenschlicher Kraft durch das Schott ins Innere der Arche. Die schwere Stahltür glitt zischend zu.Ein Zischen erfüllte den Raum, als die Schleuse mit künstlichem Sauerstoff geflutet wurde. Jax riss sich die Maske vom Gesic
Jax’ Sauerstoffanzeige sprang auf 2%. Jeder Atemzug fühlte sich an, als würde er pures, flüssiges Eis in seine Lungen saugen. Das Display seiner Sensor-Brille flackerte panisch, während es das unfassbare Ausmaß der Belagerung vor ihnen analysierte. Tausende pechschwarzer Körper schoben sich wie eine lebendige, mörderische Welle die metallischen Wände der Arche hinauf. Ihr kollektives, hocheffizientes Klicken bildete ein rhythmisches Donnern, das selbst den massiven Fels des Berges erzittern ließ.„Jax... wir schaffen es nicht durch diese Masse“, keuchte Leo. Seine Maske war von innen beschlagen, seine Stimme nur noch ein mattes Flüstern im Funk. „Sie werden uns zerfetzen, noch bevor wir die Tore überhaupt erreichen.“Jax starrte auf das pulsierende blaue Licht auf der Spitze der Arche, das den pechschwarzen Himmel wie eine Lanze durchschnitt. „Sie schauen nicht nach uns, Leo. Der Schwarm ist vollkommen darauf fixiert, den Energiestrahl zu blockieren. Das Alphatier koordiniert den Angr