LOGINIn einer fernen Zukunft verschmilzt die Milchstraße mit Andromeda. Die gewaltige Galaxienkollision bewirkt, dass Asteroiden, Kometen, Planetoiden und Planeten von ihren Heimatgestirnen hinfort gerissen werden und sich ziellos durch den interstellaren Raum bewegen. Der Neugier von Astronomen wird geweckt, als ein Himmelskörper ein benachbartes Sternensystem erreicht. Astronauten, denen es auch in Zukunft versagt bleiben wird, die gewaltigen Weiten des Kosmos zu durchqueren, beschließen eine Forschungsreise, zu dem neuen Nachbarn, zu unternehmen.
View MoreKapitel 35Missionstag 57, Therapietag 47: Martin verabreicht sich die dritte und letzte Impfung seines Therapieplans. Die Luft an Bord schmeckt abgestanden, denn die CO₂-Wäscher stehen kurz vor der Kapazitätsgrenze. Die Nahrungsvorräte sind erschöpft. Die Wasservorräte sind noch ausreichend, aber leicht verschmutzt. Die treu arbeitende Wasseraufbereitungsanlage hält die Situation stabil. Martin setzt einen Notruf zur Erde ab und stellt auf die Not-Luftversorgung um. Seine Therapie zeigt Wirkung: Der Körperscan bestätigt die Verkleinerung der Metastase im Rippenbogen. Doch die Impfung forciert ein Fieber. Er handelt entschlossen. Injeziert sich Tocilizumab. Kann man sich mit Fieber in Kryostase begeben? Seine Gedanken sind wirr, sein Verstand getrübt. Mit letzter Kraft kehrt er in die Kryostase zurück – bevor er noch mehr Sauerstoff verbraucht, bevor er noch mehr CO₂ erzeugt. Die Wochen der Isolation finden ein Ende. Martin gesellt sich zu Inma und Horst in den Kryoschlaf. Ja
Kapitel 32An disem Tag isoliert Martin Baker die RNA der T-Zellen. Unter sterilen Bedingungen verändert er ihr Erbgut so, dass diese im Stande sind spezifisch Claudin-6-exprimierende Tumorzellen anzugreifen. Er züchtet die genetisch modifizierten Immunzellen, pausiert zwischendurch, ruht sich aus, isst. Gedanken über die Erde und die Andromedaen streifen seinen Verstand. Am fünften, sechsten, siebenten Tag injiziert er sich die Chemotherapeutika. Die Nebenwirkungen setzen schnell ein. Er verliert den Appetit, rasiert sich den Kopf. Fieber. Übelkeit. Ein Rest von Schmerz kriecht durch seinen Körper. Eine Infusion mit Glukose hält ihn bei Kräften. Zehn Tage nach der Apharese holt er die modifizierten Lymphozyten, sogenannte CAR-T-Zellen, aus dem Kryolager und injiziert sie in seinen Blutkreislauf. Sein Körper reagiert heftig. Das Cytokin-Freisetzungssyndrom trifft ihn mit voller Wucht. Interleukin-6 steigt auf alarmierende Werte. Tocilizumab. Er injiziert sich das Medikament gege
Kapitel 30Annika Nilson lag angeschnallt in ihrer Sitzschale, die Hände fest um die Armlehnen geklammert. Der Countdown lief unaufhaltsam herunter. In wenigen Sekunden würden die chemischen Triebwerke der "Fourmi-2" zünden und sie mit brachialer Kraft von der Oberfläche des Zwergplaneten Charon ins All katapultieren. Annika saß im Cockpit des Raumfrachters "Fourmi-2", der mit der Raumstation "Fourmilière" gekoppelt war – einer modularen Konstruktion, die den kühnen Ambitionen des interstellaren Projekts Tau-Ceti Nexus entsprungen war. Ihr Ziel war klar: Die "Fourmilière" in eine stark elliptische Umlaufbahn um die Sonne zu bringen. Diese elliptische Bahn war präzise berechnet worden, sodass der von der Sonne abgewandte Abschnitt exakt in Richtung des Sternensystems Tau Ceti wies – genau in jenem Moment, wenn die "Lilienthal" auf ihrer langen Rückreise vom Tau-Ceti-System die Umlaufbahn kreuzen würde. Es war eine anspruchsvolle Mission, bei der nichts schiefgehen durfte. Kurz be
Kapitel 27Ein grelles Licht flackert auf. Ein leises Surren, dann ein Alarmton. Die Kryokapsel öffnet sich. Martin blinzelt, seine Gedanken sind noch träge, sein Herzschlag langsam. Ein Protokoll der Bord-KI flimmert vor seinen Augen. Medizinischer Notfall erkannt. Anomalie im Zellwachstum. Diagnose: Maligne Tumorbildung. Martin starrt auf die Worte. Sein Atem beschleunigt sich. Er weiß, was das bedeutet und zieht sich langsam aus der Kryokammer; seine Muskeln protestieren. Schwerelos schwebt er zum Medi-Pult hinüber. Mit zitternden Fingern aktiviert er den Monitor. Das Ergebnis ist eindeutig: Hodenkrebs. Er aktiviert die Protokolle für medizinische Notfälle und erweckt Horst, den Missionsbiologen. Gemeinsam analysieren sie die Lage. Eine Chemotherapie ist die einzige Option. Nachdem der Therapieplan erstellt ist, begibt sich Horst zurück in die Kryostase. Die Vorräte an Luft, Wasser und Nahrung sind nur begrenzt im All. Es ist ein riskantes Unterfangen, doch es gibt keine Al
Prolog- In einer fernen Zeit -Ihr Blick ist gebannt vom Sternenhimmel. Die Luft ist kühl und trocken, denn es ist ein sternenklarer Abend im Winter. Eine dünne Schneedecke liegt über den Feldern und Wiesen. Die Dächer ihres Heimatdorfes glitzern im Mondlicht. Wie viele solcher Abende werden ihr w
Kapitel 5Simone Nielsen sitzt im Bus nach Rønne. Sie hat den Laptop auf dem Schoss. Die Nachricht der Andromedaen ist geöffnet. Sie versucht, die Fragen in ihrem Kopf zu sortieren.Arbeitete das Übersetzungsprogramm fehlerhaft? Die Software hatte die Nachricht der Andromedaen mit hoher Wahrschei
Kapitel 3Peter Blohm schaut gebannt auf den Monitor, auf dem eine Nachricht zusehen ist, die er über das Radioteleskop empfangen hatte. »Simone, das hier musst du dir ansehen!«, ruft er aufgeregt in den leeren Observationsraum hinein. »Ich komme«, tönt es dumpf aus der Maschinenhalle. Dann geht di
Kapitel 13Die Besatzung befindet sich im Anflug auf die Mondstation im Meer der Ruhe. Unter ihnen erstreckt sich eine graue Einöde. Die Tristesse der Landschaft wird nur dadurch gebrochen, dass sich graue Felsformationen, mit grauen Ebenen und, immer wieder, grauen Kratern abwechseln. Der Mangel a