登入Kapitel 119In Sicherheit, aber nicht unversehrtPerspektive: CatalinaDie Sanitäterin untersuchte zuerst Mateo. Sie kniete im hinteren Teil des Fahrzeugs vor ihm; ihre Hände waren behutsam, ihre Stimme besaß jene besondere, geübte Wärme, die man bei Menschen findet, die darin geschult sind, verängstigte Kinder zu untersuchen, ohne ihnen noch mehr Angst zu machen.„Kannst du mir sagen, wie du heißt?“, fragte sie ihn.„Mateo“, antwortete er. Seine Stimme war leise, aber fest. Er hielt meine Hand weiterhin fest umschlossen, während sie seinen Puls und seine Augen kontrollierte und die kleinen Schürfwunden an seinen Knien begutachtete – Überbleibsel von einem Tag im Park, der schon einige Zeit zurücklag.---„Er ist dehydriert“, sagte sie und warf mir einen Blick zu, „und erschöpft, aber ansonsten körperlich unversehrt. Ich möchte ihn trotzdem die nächsten vierundzwanzig Stunden beobachten – einfach, um sicherzugehen.“Ich nickte. Die klinische Ausdrucksweise wollte nicht so recht zu dem
Kapitel 118Was mit Felix geschahPerspektive: CatalinaIn den folgenden Tagen sWas mit Felix geschah etzte sich das Bild für mich nach und nach zusammen – in Bruchstücken, die mir behutsam und wohlüberlegt von Menschen gereicht wurden, die verstanden, dass ich den vollständigen, ungefilterten Bericht über alles, was sich in jenem Komplex nach unserer sicheren Rettung abgespielt hatte, weder brauchte noch wollte.„Felix ist tot“, sagte Rodrigo zu mir. Das war das erste Puzzleteil, das er mir am Abend nach unserer Rettung leise überbrachte – gerade als Mateo in seinem eigenen Bett, umgeben von seinen Spielsachen, endlich in einen tiefen, erschöpfungsbedingten Schlaf gefallen war; in Sicherheit, wie wir sie so schnell nicht wieder als selbstverständlich betrachten würden.---Ich fragte nicht sofort nach Einzelheiten. Zunächst ließ ich diese eine Tatsache auf mich wirken und wog sie behutsam ab. Mir wurde klar, dass etwas Enormes endgültig und unwiderruflich zu Ende gegangen war – auch
Kapitel 117Mateo herausholenPerspektive: CatalinaIn den nächsten Minuten verengte sich alles zu einer Art Tunnel, wie ich ihn noch nie zuvor erlebt hatte. Die gewohnten Gedanken und Empfindungen am Rande meines Bewusstseins fielen einfach weg; es blieb nur noch die eine, zwingende Notwendigkeit: der nächste Schritt, die nächste Tür, die nächste Richtung, in die uns Rodrigos Körper führte.„Bleib geduckt“, sagte er. Er hielt Mateo an seine Brust gedrückt und positionierte seinen eigenen Körper so, dass er uns beide vor dem schützte, was hinter jeder Tür lauern mochte, an der wir vorbeikamen. „Bleib direkt hinter mir. Bleib nicht stehen, es sei denn, ich sage es dir.“---Ich stellte seine Anweisungen nicht infrage. Mit einer Klarheit, die sich fast körperlich anfühlte, begriff ich, dass jetzt nicht der Moment für Fragen war. Meine gesamte Aufmerksamkeit musste darauf ausgerichtet sein, seinen Bewegungen exakt zu folgen, sein Tempo zu halten und darauf zu vertrauen, dass er richtig e
Kapitel 116Rodrigo im TürrahmenPerspektive: CatalinaSein Gesicht in jenem Türrahmen wird mir länger im Gedächtnis bleiben als fast alles andere aus den vergangenen Tagen – länger, so glaube ich, als die Angst selbst, länger als das Geräusch des berstenden Holzes oder die Schüsse, die dem vorausgingen.Die Tür gab nach, und für einen halben Moment – noch bevor seine Augen uns wirklich erfassten – sah ich etwas in seinem Ausdruck, das ich so noch nie bei ihm gesehen hatte. Nicht einmal in den schlimmsten Zeiten unserer früheren Ehe, nicht einmal damals, als er in jenem Flur in Madrid über dem Blut seines Vaters stand. Es war etwas Rohes, Unverstelltes; Zorn und tiefe Erschütterung trafen gleichzeitig aufeinander – als hätte sich sein Gesicht noch nicht entscheiden können, welches Gefühl die Oberhand gewinnen sollte. Er war gleichermaßen darauf vorbereitet, uns lebend vorzufinden – oder aber etwas zu entdecken, dessen Anblick er nicht hätte überleben können.---Während ich diesen ein
Kapitel 115Das Aufbrechen der TürPerspektive: CatalinaDie Tür öffnete sich nicht einfach. Sie gab vollständig nach; der Rahmen zersplitterte nach innen unter einer Wucht, die Holzsplitter über den Boden schleuderte. Noch bevor ich richtig begriffen hatte, was das Geräusch zu bedeuten hatte, hatte ich mich bereits schützend vor Mateo gestellt – reiner Instinkt, der alle anderen Überlegungen überlagerte. Mein Körper schob sich wie von selbst zwischen meinen Sohn und die Gefahr, die hinter der aufgebrochenen Tür lauern mochte.Eine Gestalt füllte den Türrahmen aus, die Waffe erhoben, und ließ den Blick in einer einzigen, geübten Bewegung durch den Raum schweifen. Für einen kurzen, wie eingefrorenen Moment konnte ich nicht recht erfassen, wer dort stand; meine Nerven waren noch immer auf Gefahr eingestellt, nicht auf Rettung.---Dann trafen seine Augen auf meine.„Catalina.“ Rodrigos Stimme überschlug sich, als er meinen Namen aussprach. Er senkte sofort die Waffe. Die kontrollierte,
Kapitel 114Das Geräusch erkennenPerspektive: CatalinaNoch bevor der Mann, der uns bewachte, aus dem Raum stürmte – noch bevor ich begriff, was sich da draußen vor unserer Tür abspielte –, hatte ein Teil von mir bereits begonnen, etwas aus dem allgemeinen Chaos herauszufiltern: einen Rhythmus unter dem Schusswechsel, der nichts mit Panik zu tun hatte.Ich hatte ein ganzes Jahr damit verbracht, die spezifische Taktik der Salazar-Leute kennenzulernen – ohne dass ich das je beabsichtigt hätte. Ich hatte beobachtet, wie Marcos Team nach dem ersten Angriff durch unser Gebäude rückte; ich hatte gesehen, wie Rodrigo selbst einen Flur mit brutaler, effizienter Präzision säuberte. Jetzt erkannte ich es wieder – verborgen im Lärm –, so wie man eine Stimme in einem überfüllten Raum erkennt, noch bevor die Augen das dazugehörige Gesicht gefunden haben.---Die Schüsse fielen in kontrollierten Salven – kein wildes, ununterbrochenes Dauerfeuer, wie ich es mit Panik verbinden würde, sondern kurze,







