LOGINAnastasia war drei Jahre verheiratet und noch Jungfrau, doch dann zerbrach ihr Leben in jener Nacht, als ihr Mann sie unter Drogen setzte und sie ihre Jungfräulichkeit an einen mysteriösen Mann verlor. Verstoßen, betrogen und geschieden, verlor Anastasia alles und landete auf der Straße. Und was noch schlimmer war: Man hängte ihr ein Verbrechen an, das sie nicht begangen hatte. Sieben Jahre später kehrte sie mit einer neuen Identität, einem leicht veränderten Gesicht und einem Plan zurück, all jene zu vernichten, die ihr Leben einst zur Hölle gemacht hatten. Einer nach dem anderen sollten ihre Verräter büßen. Besonders der Mann, der einst ihr Ehemann war. Ihre Waffe? Ein mächtiger Milliardär mit eiskaltem Herzen und eigenen Geheimnissen.
View MoreAnastasias Sicht
Ich stehe hinten im Konferenzraum, mein Herz pocht vor Aufregung, während ich die anderen Mitarbeiter beobachte, wie sie sich versammeln. Heute ist der Tag, auf den wir alle so sehnsüchtig gewartet haben, aber für mich ist er etwas ganz Besonderes. Ein leises Gemurmel erfüllt den Raum, Gerüchte über die bevorstehende Bekanntgabe machen die Runde. Felicity, meine Kollegin und beste Freundin, kommt auf mich zu. „Bist du nervös?“, fragt sie, ihre Augen leuchten vor Freude. Ich schüttle den Kopf, ein kleines Lächeln umspielt meine Lippen. „Nein.“ Meine Stimme ist kaum hörbar. Sie nimmt beruhigend meine Hand. „Wundere dich nicht, wenn dein Name als neue CTO verkündet wird. Du bist die Richtige für den Job, Ana, du hast ihn dir redlich verdient.“ „Danke, Felicity. Ich weiß deine Unterstützung zu schätzen“, sage ich ruhig, denn ich weiß, dass mir die Position gehört. Abgesehen davon, dass ich hart für diese Position gearbeitet hatte, hatte mir Liam, mein Mann und der CEO der Firma, versichert, dass sie mir rechtmäßig zustand. Ich bin mehr als bereit, die Verantwortung als Chief Technology Officer zu übernehmen und hoffe, dass Liam unsere Ehe nach meiner Ernennung in einem neuen Licht sehen wird. „Wer weiß, ob das alles zum Guten in meiner Ehe verändern wird?“, denke ich achselzuckend. „So, Leute.“ Eine Stimme knistert über die Sprechanlage, gefolgt vom Klacken von Absätzen auf dem Boden. Der CEO und mein Mann, Liam Thompson, betritt mit einem gequälten Lächeln den Raum. Sein Anzug sitzt perfekt, doch seine Augen verraten einen Hauch von Unsicherheit. Und hinter ihm? Marian, seine erste Liebe, die Dritte in unserer Ehe, folgt mit einem stolzen Lächeln. Mir läuft ein Schauer über den Rücken. Was macht sie hier? Mein Blick huscht verstohlen zu Liam, mein Kopf ist voller Fragen. Unsere Blicke treffen sich, und wie er abrupt wegschaut, lässt mich zusammenzucken. Meine Stirn runzelt sich, als Liam sich räuspert. Seine Stimme klingt fest und selbstsicher. „Vielen Dank, dass Sie alle hier sind. Wie Sie wissen, sind wir hier versammelt, um die neue Chief Technology Officer kennenzulernen, die Thompson Technology in ein neues Kapitel ihrer Entwicklung führen wird. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass …“ Er hält inne, sein Blick schweift durch den Raum, bis er auf mir ruht. Ein undurchschaubarer Ausdruck huscht über sein Gesicht, bevor der Name über seine Lippen kommt. „Marian Wilson.“ Ich erstarre, ein Schauer läuft mir über den Rücken. Mir stockt der Atem, und mein Herz hämmert so heftig, dass ich glaube, es würde mir aus der Brust springen. Betretenes Schweigen senkt sich über den Konferenzraum. Mein Gesichtsausdruck ist eine Mischung aus Verwirrung und Ungläubigkeit. Mir ist, als ob mir die Luft aus dem Raum gesogen worden wäre. „Was?!“, flüstert Felicity neben mir, ihr Gesicht vor Wut verzerrt. Marian Wilson! Diejenige, die meinen Mann in ihrer Gewalt hatte. Diejenige, die meine Ehe mit Liam drei lange Jahre zur Hölle gemacht hat. Mir sinkt das Herz in die Hose. Wie konnte Liam mir das antun? Wie konnte er Marian einfach so in mein Leben bringen? Für einen kurzen Moment trifft Marians durchdringender Blick meinen. Keine Spur von Nervosität oder Scham in ihren ozeanblauen Augen. Sie ist ruhig, zu ruhig, als wäre sie zum Führen geboren. „Wir freuen uns sehr, Marian in unserem Team begrüßen zu dürfen“, fährt Liam fort und reißt mich aus meinen Gedanken. „Sie hat eine großartige Vision für die Zukunft unseres Unternehmens. Ich bitte Sie alle, mit ihr zusammenzuarbeiten.“ Mein Puls rast, und ein stechender Schmerz durchfährt meine Brust. Meine Beine zittern, und mein Herz blutet unter der Last dieses Verrats. Als hätte Marian meinen Platz im Herzen meines Mannes eingenommen, und jetzt wird sie ihm auf dem Silbertablett serviert? Der Raum bricht in Applaus aus, aber ich spüre nur Betäubung. Meine Finger ballen sich zu Fäusten, während ich gegen die Tränen ankämpfe. Felicity drückt sanft meine Hände und spreizt meine Finger. „Lass es dir nicht anmerken, Anastasia. Du bist stärker als das“, flüstert sie, um mich zu beruhigen. Ich zwinge mich zu einem Lächeln, das meine Augen kaum erreicht, als ich Liam und Marian nach der Bekanntgabe Seite an Seite den Konferenzraum verlassen sehe. Auf dem Rückweg in unsere Büros umgibt mich das Getuschel, jedes einzelne durchbohrt mein Herz wie ein Dorn. „Hast du gehört, dass unsere neue CTO die Frau des CEOs ist?“ Diese Worte treffen mich wie ein Schlag ins Gesicht. Niemand wusste von meiner Ehe mit Liam, außer Felicity. Er hatte darauf bestanden, dass wir unsere Verbindung nach der Hochzeit geheim hielten. Anfangs machte es mir nichts aus, aber mit der Zeit wurde mir klar, dass er mich nicht beschützte. Er schämte sich, mein Ehemann genannt zu werden. „Kein Wunder, dass der CEO sie anstelle von Anastasia ernannt hat. Anastasia tut mir so leid. Wir alle wissen, dass sie die Position verdient hätte, angesichts ihrer Intelligenz und ihres Fleißes beim Wachstum des Unternehmens.“ Ich stürmte in mein Büro, innerlich voller Wut, und wusste nicht, wie ich auf das Chaos reagieren sollte. Ich versuchte, mich auf die Arbeit zu konzentrieren, doch meine Gedanken kreisten immer wieder um Liam, Marian und diesen herzzerreißenden Verrat. Marians Ernennung zur CTO bedeutet Veränderung – nicht nur für die Firma, sondern auch für meine Ehe. Ich kann nicht einfach zusehen, wie eine Frau, die die ganze Zeit nichts geleistet hat, mir die Früchte dreier Jahre harter Arbeit und Hingabe stiehlt. Ich stürmte aus meinem Büro und ging direkt zu Liam. Ich verlangte Antworten: Warum hat er sein Versprechen gebrochen? Er hatte mir versichert, dass sich die Dinge zwischen uns ändern würden, sobald ich diese Position innehabe, und dass er unsere Ehe nicht länger verheimlichen würde. Ich hatte ihm geglaubt … obwohl ich wusste, dass er Marian immer noch liebte. Deshalb hatte ich so hart gearbeitet, um seine Firma voranzubringen, und meine Intelligenz eingesetzt. Ich wollte, dass er mich liebt. Als ich mich seiner Tür näherte, erfüllten Stöhnen den Raum. Mir schnürte es die Kehle zu. Ein Schauer läuft mir über den Rücken, und die unterdrückten Gefühle drohen überzubrechen. Ein Teil von mir will fliehen, sich der grausamen Realität dessen, was sich im Büro meines Mannes abspielt, nicht stellen, doch meine Beine sind wie gelähmt. Ich fühle mich wie festgenagelt. Ich öffne die Tür nur einen Spaltbreit, um einen Blick auf die Szene vor mir zu erhaschen, und mein Herz zerbricht in tausend Stücke. Liam dringt mit unvorstellbarer Gewalt in Marian ein, während sie stöhnt und seinen Namen schreit, als wäre es das einzige Wort, das sie je gekannt hat. Lautlos rinnen mir Tränen über die Wangen, und meine Hände zittern unkontrolliert, nicht vor Angst, sondern vor Wut – einer reinen, blinden Wut. Obwohl ich seit drei Jahren mit Liam verheiratet bin, bin ich immer noch Jungfrau, weil er mich nie berührt hat. Und doch ist er hier und gibt sich ihr völlig hin.Anastasias SichtDer Morgen der Hochzeit bricht endlich an.Dieser ganz besondere Morgen, an dem sich Los Angeles von seiner großzügigen Seite zeigt: ein klarer, goldener Himmel, eine aufkeimende Frische, die noch spürbar ist, und das Licht, das durch die Fenster der Wohnung fällt — wie in jener Jahreszeit, in der alles lebendiger erscheint.Ich wache um sechs Uhr auf. Ich bleibe noch einen Moment liegen und genieße die ganz eigene Ruhe dieses geheimnisvollen Morgens.Dann erscheint Mia auf der Türschwelle.Sie ist im Schlafanzug, die Haare zerzaust, und hält die Zeichnung in der Hand, die sie vor drei Monaten angefertigt hat: vier Silhouetten unter einer gelben Sonne, ein Haus im Hintergrund.„Ich habe sie für heute gemacht“, sagt sie. „Um sie dabeizuhaben. Weil es das ist, wofür der heutige Tag steht.“Ich richte mich auf. Ich öffne die Arme.Sie setzt sich zu mir aufs Bett, die Zeichnung zwischen uns.Ich betrachte sie. Die vier Silhouetten. Oder eher fünf jetzt, wie ich glaube, au
Anastasias SichtFelicity trifft am nächsten Morgen ein.Sie kommt um acht Uhr mit Gebäck von der guten Bäckerei und der Miene von jemandem, den man am Vorabend nach dem Schlafengehen der Kinder angerufen hat und der die Nachricht seitdem verarbeitet.„Zeig her“, sagt sie.Ich zeige ihr den Test, den ich aus alter Gewohnheit, alles zu dokumentieren, aufbewahrt habe.Sie sieht ihn an. Sie sieht mich an. Sie sieht Alexander an, der mit jenem ganz eigenen, verhaltenen Glück von jemandem Kaffee kocht, der versucht, sich seine Freude nicht zu sehr anmerken zu lassen.„Du bist lächerlich stolz auf dich“, sagt sie zu ihm.„Das bin ich nicht …“„Du strahlst. Du strahlst, seit ich angekommen bin.“ Sie nimmt die Spritztüte und setzt sich an den Tisch. „Ana. Zwei Wochen vor deiner Hochzeit. Ein drittes Kind.“ Sie sieht mich an. „Wie fühlst du dich?“„Glücklich“, antworte ich. Und dann, weil es Felicity ist: „Zu Tode erschrocken. Glücklich.“„Perfekt. Beides ist angemessen.“ Sie öffnet die Tüte.
Anastasias SichtZwei Monate später.Das Labor des Forschungszentrums ist morgens ruhig, zu der Zeit, in der ich am produktivsten bin. Bevor der Tag richtig losgeht, vor den E-Mails, den Anrufen und dem Wirbelsturm der Anforderungen anderer. Nur ich, die Geräte und die Arbeit.Ich bin gerade dabei, die Überprüfung des Behandlungs-Protokolls abzuschließen, als mein Telefon vibriert.Felicity: Bist du immer noch im Labor? Die Hochzeit ist in zwei Wochen. Zwei Wochen vor der Hochzeit führt man keine klinischen Überprüfungen durch.Ich: Die Überprüfung der Behandlung hat nichts mit der Hochzeit zu tun.Felicity: Im Moment hängt alles mit der Hochzeit zusammen. So ist das, wenn man heiratet. Komm nach Hause.Ich lächle mein Telefon an und lege es mit dem Display nach unten auf den Labortisch.Die Behandlung ist abgeschlossen.Sie wurde Sam und Mia drei Wochen lang verabreicht, klinisch überprüft unter der Aufsicht von Dr. Nasser und im Beisein von Dr. Sebastian. Die Ergebnisse der folgende
Anastasias SichtDie Polizei nimmt Tina mit.Ich beobachte sie vom Eingang des Krankenhauses aus. Eine Krankenschwester hat mich nach drinnen gebracht, damit ich mich hinsetzen und meine Hände untersuchen lassen kann. Sie sind vom Gras verschmutzt und ich habe eine kleine Schürfwunde an der linken Handfläche, die lediglich eine Säuberung erfordert, mehr nicht. Die Krankenschwester widmet dem eine akribische Sorgfalt, wie man es bei einer gewissenhaften Person tut, und ich lasse sie gewähren. Es erlaubt mir, etwas anderes anzusehen als Tina, die auf die Rückbank eines Polizeiwagens geführt wird.Alexander ist draußen und gibt die Aussagen zu Protokoll. Ich erkenne ihn durch die Glastüren des Eingangs: Ruhig und präzise erklärt er den Polizisten den Ablauf der Ereignisse mit jener unerbittlichen Logik, an den Tag legt, wenn Präzision entscheidend ist.Tina dreht sich nicht um.Das ist es, was mir auffällt. Während sie sie zum Auto führen, blickt sie auf den Boden, auf den Parkplatz, auf
Anastasias SichtEin stechender Schmerz durchfährt mich frühmorgens. Ich klammere mich an die Bettkante und beiße mir auf die Lippe, um nicht aufzuschreien. Das ist nicht wie die Fehlalarme bisher. Das ist die Realität.„Jade“, keuche ich mit erstickter Stimme. „Es ist so weit.“Sie wacht sofort au
Anastasias SichtMr. Dupuy kommt seltener, als ich es mir wünschen würde, aber wenn er kommt, ist er immer ehrlich zu mir – brutal ehrlich.„Der Prozess wurde erneut verschoben“, sagt er, obwohl ich schon seit sechs Monaten inhaftiert bin. „Die Staatsanwaltschaft arbeitet noch an ihrer Beweisführun
Anastasias SichtDrei Monate!Drei Monate bin ich nun schon in dieser Hölle, und jeder Tag fühlt sich wie eine Ewigkeit an.Meine Schwangerschaft beginnt sich zu zeigen: ein kleiner Bauch, ja, aber deutlich sichtbar, der unerwünschte Blicke der anderen Insassinnen auf sich zieht. Manche sind nett u
Anastasias SichtDie erste Woche in meiner Zelle ist die schlimmste. Der Lärm ist unaufhörlich: knallende Türen, Geschrei, das ständige Summen der Neonröhren. An Schlaf ist nicht zu denken. Ich quäle mich mit dem widerlichen Essen, das man mir vorsetzt. Und die Morgenübelkeit lässt nicht locker.Je











