Die Erkenntnis blieb noch lange in Lina zurück, nachdem sie ausgesprochen hatte, was sie gespürt hatte. Der Roggenwolf hatte nicht versucht, sie zu bedrohen, nicht einmal wirklich zu locken. Es war etwas anderes gewesen, etwas schwerer Greifbares, das sich weniger wie ein Ruf und mehr wie eine Frage angefühlt hatte. Genau das machte es so gefährlich, denn Lina wusste inzwischen, dass sie begonnen hatte, darauf zu reagieren, noch bevor ihr Verstand die Bedeutung vollständig erfassen konnte. Der Fluss rauschte ruhig neben ihnen weiter, als würde die Welt sich nicht im Geringsten dafür interessieren, welche Veränderungen gerade tief unter ihrer Oberfläche stattfanden. Das Sonnenlicht fiel inzwischen wärmer zwischen die Bäume und ließ die letzten Nebelschleier verschwinden, doch Lina hatte trotzdem das Gefühl, dass ein Teil der Nacht geblieben war. Nicht um sie herum, sondern in ihr. Der warme Schatten in ihrer Brust war wachsam geworden, aber nicht unruhig. Er wirkte beinahe nachdenkli
Zuletzt aktualisiert : 2026-05-21 Mehr lesen