Der Nachmittag ging langsam in den Abend über, und mit jeder Stunde wurden die Schatten zwischen den Bäumen länger. Das Licht verlor seine goldene Wärme und wurde weicher, bis der Wald schließlich in jene ruhige Dämmerung eintauchte, die Lina inzwischen liebgewonnen hatte. Früher hätte sie wahrscheinlich geglaubt, dass Dunkelheit etwas Bedrohliches in sich trug. Seit sie beim Rudel war, hatte sie gelernt, dass die Nacht nicht automatisch Gefahr bedeutete. Oft war sie sogar ehrlicher als der Tag, weil sie nichts beschönigte und nichts verbarg.Trotzdem blieb in ihr eine Unruhe zurück, die sich nicht vollständig abschütteln ließ.Seit dem Traum am Morgen begleiteten ihre Gedanken sie auf Schritt und Tritt. Immer wieder kehrten sie zu dem Roggenwolf zurück, zu dem Gefühl, das er in ihr hinterlassen hatte, und zu der Frage, die Kian nicht beantwortet hatte, weil niemand die Antwort wirklich kennen konnte. Je länger Lina darüber nachdachte, desto deutlicher wurde ihr, dass sie längst aufge
Zuletzt aktualisiert : 2026-06-06 Mehr lesen