Prolog: Der Preis der Tiefe Das Meer vergisst nicht. Es hungert. Man sagt, vor dem Krieg war das Wasser blau und friedlich. Aber das sind Märchen für kleine Kinder, damit sie nachts schlafen können. Wir wissen es besser. Das Wasser ist schwarz. Es ist kalt. Und es ist voll von Dingen, die Zähne haben, wo keine Zähne sein sollten. Mein Name ist Kian. Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, so zu tun, als wäre ich einer von euch – ein Mensch, der Angst vor der Flut hat. Ein Mensch, der am Ufer steht und zittert, wenn der Nebel kommt. Aber ich habe gelogen. Denn wenn das Wasser steigt, bekomme ich keine Angst. Ich bekomme Heimweh.Der Nebel über der Hafenstadt Rostanker schmeckte nach Salz, verfaultem Seetang und Angst. Es war kurz nach Mitternacht, die Stunde, in der vernünftige Menschen ihre Fenster verriegelten und beteten, dass die Flut nicht an ihre Türen klopfte. Kian war nicht vernünftig. Er war dreizehn Jahre alt, fror in seiner zu dünnen Jack
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