Der Morgen brach über die Sturmherzfestung herein wie ein zögernder Gast. Das erste Licht fiel durch die hohen Schlitze in den Steinmauern und malte goldene Streifen über den Hof. Doch die Festung wirkte verändert. Die Schatten, die gestern noch als Bedrohung über den Wänden gekrochen waren, hingen nun wie dunkle Vorhänge an den Ecken, reglos, fast ehrfürchtig. Sie hatten nicht mehr die Form von Wölfen oder Kriegern, sondern wirkten wie lebendige Tinte, die sich langsam bewegte, wenn niemand hinsah. Das Rudel spürte es. Jeder Krieger, jede Frau, jedes Kind fühlte die neue Präsenz. Es war keine Angst mehr, die in der Luft lag. Es war Erwartung.Liesel erwachte als Erste. Sie lag auf der Seite, den Kopf auf Viktors Brust gebettet. Sein Herzschlag war tief und gleichmäßig, ein Trommeln, das sie durch ihren ganzen Körper spürte. Die Markierung an ihrem Hals pochte noch immer, doch der Schmerz war süß geworden, wie eine Erinnerung an die Nacht. Sie strich mit den Fingerspitzen über die sil
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